* 25.03.1845 (Bamberg) † 05.06.1931 (Bayreuth) |
Geheimrat, Ritter von, bedeudenter Führer der Wirtschaft,
Freund und Berater des Hauses "Wahnfried", Ehrenbürger der Stadt Bayreuth.
Freund von Richard Wagner und Friedrich
Feustel. Sohn des Tabakfabrikanten und Magistratsrates Rudolf Groß
und seiner Ehefrau Henriette. Am 19.06.1872 heiratet er Henriette Marie
Feustel. Diese war die Tochter von Friedrich von Feustel und Louise (Kolb),
der Tochter von Sophian Kolb. Die Ehe blieb ohne Nachkommen.
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Unbestritten konnte Cosima Wagner eine hervorragende künstlerische
Bilanz vorweisen, doch hatte daran auch Adolf von Groß, der Schwiegersohn
Feustels, wesentlichen Anteil. Er kümmerte sich ohne Profilierungssucht
um komplizierte organisatorische Details, Verträge, Kalkulation, Buchführung
und sogar die Auswahl von Sängern, schuf uneigennützig die materielle
Grundlage für künstlerischen Erfolg, verwaltete das Vermögen.
Allerdings verehrte er Cosima Wagner in einer fast ans Devote grenzenden
Distanzlosigkeit und prägte so den Geist des Subalternen, der in allen
Wahnfried-Beziehungen dieser Ära eine Rolle spielte, entscheidend
mit. Am Ende lastete man dem verdienten Mann an, für die Inflationsverluste
verantwortlich zu sein, nahm ihm kritische Anmerkungen zur Verwaltungspraxis
übel und verabschiedete ihn sang- und klanglos. Der Abschied dieses
Mannes, dem Wahnfried so viel zu verdanken hatte, fand dort kaum noch Beachtung.
Sein Name verschwand schließlich in den Akten der Bayreuther Festspielgeschichte.
Adolf von Groß auf dem Bild mit seiner Frau Marie im Jahre 1888. Marie: * 01.06.1852 Bayreuth - † 03.07.1912 Bayreuth) |
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Am 13. August 1876 finden in Bayreuth zum ersten Mal
Festspiele statt. 25 Jahre später, zu Beginn der Festspiele im
Jahr 1901, verleiht die Stadt Bayreuth dem Mann, durch dessen Hilfe das
25-jährige Jubiläum der Festspiele ermöglicht wurde, das
Ehrenbürgerrecht: Adolf von Groß. Die gesamte Verwaltung der
Bühnenfestspiele lag seit mehreren Jahren in seinen Händen,
und seinem vorausschauenden Blick und seiner nie ermüdenden
Arbeitskraft ist die Erhaltung der Festspiele in Bayreuth eigentlich
erst zu verdanken gewesen.
Zum Dank dafür wurde Adolf von Groß der
Ehrenbürgerbrief der Stadt Bayreuth mit folgendem Wortlaut
überreicht:
"Magistrat und Gemeindekollgium der Stadt Bayreuth bekunden hiermit,
dass sie Herrn Ritter Adolph von Groß, Bankier dahier, das
Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen haben zum Ausdruck
aufrichtiger Dankbarkeit dass derselbe seit dem Heimgang Richard
Wagners in unverwandelbarer Treue zur Sache des großen Meisters
und seiner Familie gestanden, sich während nahezu zweier Decennien
den unzähligen höchst mühevollen und schweren Aufgaben
mit seltenem Geschicke in vollster Selbstlosigkeit unterzogen und so
nächst der Familie des Meisters das Allerwesentlichste dazu
beigetragen, die Fortführung der unserer Stadt zur Ehre und
Wohlfahrt gereichenden Festspiele zu ermöglichen.
Bayreuth, den 21. Juli 1901
Stadtmagistrat, Gemeindekollegium"
Adolf Wilhelm Benedikt Groß wurde am 25. März 1845 in
Bamberg als Sohn des Tabakfabrikanten und Magistratsrates Rudolph
Groß und dessen Ehefrau Henriette geboren. In dem sogenannten
"Großschen Haus" in Bamberg, das über ein Jahrhundert im
Besitz der Familie war, verbrachte er seine Jugend.
Adolf von Groß verlässt seine Heimatstadt, um sich in
Hamburg die ersten Sporen als Bankier zu verdienen. Weiter führt
ihn sein Weg nach Marsaille, wo er sich in schnellster Weise eine
glänzende Position verschafft. Bereits mit 21 Jahren hat er in
einer der bedeutendsten Bankfirmen in der südfranzösischen
Stadt Prokura erhalten und somit eine für sein Alter
ungewöhnliche Stellung gewonnen. Als 1870 der deutsch-
französische Krieg begann, war er gezwungen den gewohnten
Wirkungskreis zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren.
Nun hatte er die Alternative, nach Hamburg zu gehen oder eine Einladung
aus Bayreuth anzunehmen. Er entschied sich für Bayreuth und trat
in die Bank von Friedrich Feustel ein. Es dauerte nicht lange und Adolf
von Groß hatte durch seine Tätigkeit das volle Vertrauen
seines Chefs erlangt. Am 19. Juni 1872 heiratete er Feustels Tochter
Henriette Marie (1. Juni 1852 - 3. Juli 1912). Die Ehe war sehr
glücklich, aber sie blieb kinderlos.
Sowohl Adolf von Groß als auch sein Schwiegervater Feustel waren
begeisterte Anhänger der Idee Richard Wagners. Zuerst waren es nur
finanzielle Ratschläge, mit denen das Bankhaus Feustel Wagner zu
Hilfe kam. Aber allmählich stellte sich Adolf von Groß ganz
in den Dienst Richard Wagners. So ritt er allabendlich nach Fantaisie,
um die Wünsche des von ihm verehrten Meisters entgegenzunehmen.
Mit der Zeit wurde Adolf von Groß nicht nur der Vertraute in
finanziellen, sondern auch in häuslichen und familiären
Angelegenheiten. Bereits 1882 war er der eigentliche Träger des
ganzen Festspielunternehmens. Im Winter 1883 fuhr er zweimal nach
Venedig und brachte von dort mit der letzten amtlichen Unterschrift des
Meisters die Urkunde zurück, welche die Festspiele für 1883
bestimmte und nach dem Tod Richard Wagners im Februar des selben Jahres
zweifellos die Rettung der "Festspielstadt Bayreuth" geworden ist.
Nach dem Tod des Meisters wurde Adolf von Groß nicht nur die
Leitung der Festspiele übertragen; er war außerdem von
Richard Wagner zum Vormund seiner Kinder bestimmt worden. Mit
ungeheuren Opfern an Leistung und Geld und mit völliger
Selbstlosigkeit trug er die ganze Last der sowohl in den ersten
schweren, wie in den später besseren Zeiten schwierigen und
vielseitigen geschäftlichen Aufgaben des gesamten
Festspielunternehmens ganz alleine und führte die Bayreuther
Festspiele zu beispiellosen Erfolgen. Die Erhaltung der Idee Wagners
ist in erster Linie ihm zu verdanken und natürlich der Familie
Wagner. Er reiste nach dem Tode Ludwig II. alleine nach München,
um die vom König zugesicherten Geldmittel für "Wahnfried" zu
retten. Es gab viele Schwierigkeiten. Der Minister von Crailsheim
erklärte, dass der König geisteskrank gewesen sei, und dass
somit seine brieflichen Äußerungen wie seine ganzen
Handlungen keine Gültigkeit hätten. Adolf von Groß
verwies ruhig auf das Datum des Zusicherungsbriefes und sagte: "Der
Brief ist zwei Jahre vor der Ernennung des Ministers von Crailsheim
geschrieben. Wird also dieser Brief als das Werk eines Geisteskranken
betrachtet, dann sei auch die Ernennung des Freiherrn von Crailsheim
zum Minister hinfällig."
Es folgten noch viele Verhandlungen und schließlich konnte Adolf
von Groß doch einen festen Boden für "Wahnfried" und
für die Festspiele schaffen.
Am 5. Juni 1931 verschied Adolf von Groß im 87. Lebensjahr nach
einem Leben, das ganz von Richard Wagner und dessen Idee erfüllt
gewesen war. Glasenapp hatte Adolf von Groß nicht umsonst den "Bismarck von Bayreuth" genannt.