Albert Preu


* 12.04.1868 (Castell)
† 14.06.1944 (Bayreuth)


Albert Preu wurde am 12. April 1868 zu Castell in Unterfranken als Sohn des Kirchenrats Ludwig Preu und dessen Ehefrau Emilie, geborene Glaser geboren. Er besuchte das Gymnasium in Schweinfurt, legte dort 1886 die Reifeprüfung ab und studierte Jurisprudenz an den Universitäten Erlangen und München. Nach dem juristischen Vorbereitungsdienst in Schweinfurt, Schwabach und Bad Tölz trat er 1894 als Rechtsrat in die Dienste der Stadt Bayreuth. Fast vierzig Jahre wirkte er hier zunächst als Rechtsrat, später als zweiter und schließlich als erster Bürgermeister. Das Amt des zweiten Bürgermeisters trat er im Jahre 1908 an. 1919 wurde Albert Preu zum Nachfolger des Oberbürgermeisters Dr. von Casselmann gewählt. Bei der Wahl fielen von 7.727 gültigen Stimmen 7.721 auf ihn.

Albert Preu hatte sich schon zuvor den Ruf eines gerechten und gütigen Vorgesetzten erworben. Es lag ihm stets am Herzen, "auch dem kleinsten Verein und Kongress die Ehre persönlichen Besuchs und persönlicher Begrüßung zu erweisen". Er selbst sah es als "ein gutes Omen" an, dass er gleich seit seinem Arbeitsbeginn in Bayreuth im Dienste Richard Wagners gestanden habe. So hatte er sich als Rechtsrat und Bürgermeister um die Erhaltung und den weiteren Ausbau der Festspiele große Verdienste erworben, vor allem bei dem Wiederbeginn nach dem ersten Weltkrieg.

Am 26. April 1933 leitete Albert Preu seine letzte Stadtratssitzung. Seine letzte Amtshandlung war, den neuen nationalsozialistischen Oberbürgermeister Dr. Schlumprecht einzuführen. Gleichzeitig nahm Albert Preu an diesem Tag seinen Abschied. Es war ihm erspart geblieben, von den Nationalsozialisten abgesetzt zu werden; denn am 12. April 1933 hatte Preu sein 65. Lebensjahr vollendet und konnte in Pension gehen. Bürgermeister Popp würdigte in einer Rede die Verdienste Preus um die Stadt Bayreuth:

Herrn Oberbürgermeister Preu hat die Stadt Bayreuth viel zu verdanken, er hat an ihrem Aufstieg und ihrer fortschrittlichen Entwicklung hervorragenden, führenden Anteil genommen, er hat Bleibendes und Dauerndes für Bayreuth geschaffen. ... aber auch die heutige Zeit darf nicht vergessen, und es muss ihr in die Erinnerung zurückgerufen werden, was Hofrat Preu als Rechtsrat, als Bürgermeister und Oberbürgermeister für Bayreuth geschaffen hat, Errungenschaften, die wir heute teilweise als etwas Selbstverständliches betrachten. Unter seinem Referat sind zum Weil nach heißen Kämpfen und schwierigen Verhandlungen allein an gemeindlichen Bauten entstanden:

(Links Bürgermeister Popp, Bgm. Preu in der Mitte)
Die neuzeitlichen Erweiterungsbauten im Schlachthof und Gaswerk, das Elektrizitätswerk, die Luitpold- und Altstadtschule, die verschiedenen Schulturnhallen, die Kleinkinderschule St. Georgen und die höhere Mädchenschule, das neue mustergültige Krankenhaus und endlich das Stadtbad, das trotz allem eine Zierde und wertvolle Errungenschaft für Bayreuth ist.

Anschließend würdigte auch Justizrat Fröhlich das Wirken des Hofrats Preu. Zum Abschluss seiner Rede gab er dem Stadtrat noch die Anregung, "Herrn Oberbürgermeister Hofrat Preu für seine großen Verdienste um die Staat Bayreuth das Ehrenbürgerrecht zu verleihen". Im Mai 1933 erhielt Albert Preu diese höchste Auszeichnung.

In der Amtszeit des Oberbürgermeisters Casselmann (1900 - 1919) war Albert Preu als zweiter Bürgermeister an folgenden Projekten maßgeblich beteiligt: Die Regulierung des Mains, Mistelbachs und Sendelbachs - und damit verbunden die Beseitigung der alljährlichen Hochwasserschäden - der Bau der Fichtelgebirgswasserleitung und die damalige Einbeziehung Bayreuths in den Flugverkehr, den Bau der drei Lokalbahnen nach Warmensteinach, Hollfeld und Thurnau, der Kraftpostverkehr in die Fränkische Schweiz und ins Fichtelgebirge. Die Nationalsozialisten hatten es ihm allerdings nicht vergessen, dass er in den zwanziger Jahren gegen alle Ausschreitungen der extremen politischen Parteien vorgegangen war und es nicht nur bei Mahnungen zur Besonnenheit hatte bewenden lassen, wenn es galt, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. In einer ortspolizeilichen Vorschrift aus dem Jahre 1923 wandte sich Preu gegen "Rabaukentum und Saalschlachten" in scharfer Form. Aber auch er, der "noch aufgewachsen war in der strengen Schule eines peinlich gewissenhaften und sparsamen Vorgesetzten", konnte die Entwicklung nicht aufhalten.

Am 14. Juni 1944 verstarb Albert Preu im Städtischen Krankenhaus in Bayreuth. Er hinterließ seine Frau Emilie, geborene Stoer sowie drei Töchter.

Quelle: 31