Albert Preu wurde am 12. April 1868 zu Castell in Unterfranken als Sohn
des Kirchenrats Ludwig Preu und dessen Ehefrau Emilie, geborene Glaser
geboren. Er besuchte das Gymnasium in Schweinfurt, legte dort 1886 die
Reifeprüfung ab und studierte Jurisprudenz an den
Universitäten Erlangen und München. Nach dem juristischen
Vorbereitungsdienst in Schweinfurt, Schwabach und Bad Tölz trat er
1894 als Rechtsrat in die Dienste der Stadt Bayreuth. Fast vierzig
Jahre wirkte er hier zunächst als Rechtsrat, später als
zweiter und schließlich als erster Bürgermeister. Das Amt
des zweiten Bürgermeisters trat er im Jahre 1908 an. 1919 wurde Albert Preu zum Nachfolger des Oberbürgermeisters Dr.
von Casselmann gewählt. Bei der Wahl fielen von 7.727
gültigen Stimmen 7.721 auf ihn.
Albert Preu hatte sich schon zuvor den Ruf eines gerechten und
gütigen Vorgesetzten erworben. Es lag ihm stets am Herzen, "auch
dem kleinsten Verein und Kongress die Ehre persönlichen Besuchs
und persönlicher Begrüßung zu erweisen". Er selbst sah
es als "ein gutes Omen" an, dass er gleich seit seinem Arbeitsbeginn in
Bayreuth im Dienste Richard Wagners gestanden habe. So hatte er sich
als Rechtsrat und Bürgermeister um die Erhaltung und den weiteren
Ausbau der Festspiele große Verdienste erworben, vor allem bei
dem Wiederbeginn nach dem ersten Weltkrieg.
Am 26. April 1933 leitete Albert Preu seine letzte Stadtratssitzung.
Seine letzte Amtshandlung war, den neuen nationalsozialistischen
Oberbürgermeister
Dr. Schlumprecht einzuführen. Gleichzeitig
nahm Albert Preu an diesem Tag seinen Abschied. Es war ihm erspart
geblieben, von den Nationalsozialisten abgesetzt zu werden; denn am 12.
April 1933 hatte Preu sein 65. Lebensjahr vollendet und konnte in
Pension gehen. Bürgermeister Popp würdigte in einer Rede die
Verdienste Preus um die Stadt Bayreuth:
Herrn Oberbürgermeister Preu hat die Stadt Bayreuth viel zu
verdanken, er hat an ihrem Aufstieg und ihrer fortschrittlichen
Entwicklung hervorragenden, führenden Anteil genommen, er hat
Bleibendes und Dauerndes für Bayreuth geschaffen. ... aber auch
die heutige Zeit darf nicht vergessen, und es muss ihr in die
Erinnerung zurückgerufen werden, was Hofrat Preu als Rechtsrat,
als Bürgermeister und Oberbürgermeister für Bayreuth
geschaffen hat, Errungenschaften, die wir heute teilweise als etwas
Selbstverständliches betrachten. Unter seinem Referat sind zum
Weil nach heißen Kämpfen und schwierigen Verhandlungen
allein an gemeindlichen Bauten entstanden:
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(Links Bürgermeister Popp, Bgm. Preu in der Mitte) |
Die
neuzeitlichen Erweiterungsbauten im Schlachthof und Gaswerk, das
Elektrizitätswerk, die Luitpold- und Altstadtschule, die
verschiedenen Schulturnhallen, die Kleinkinderschule St. Georgen und
die höhere Mädchenschule, das neue mustergültige
Krankenhaus und endlich das Stadtbad, das trotz allem eine Zierde und
wertvolle Errungenschaft für Bayreuth ist.
Anschließend würdigte auch Justizrat Fröhlich das
Wirken des Hofrats Preu. Zum Abschluss seiner Rede gab er dem Stadtrat
noch die Anregung, "Herrn Oberbürgermeister Hofrat Preu für
seine großen Verdienste um die Staat Bayreuth das
Ehrenbürgerrecht zu verleihen". Im Mai 1933 erhielt Albert Preu
diese höchste Auszeichnung.
In der Amtszeit des Oberbürgermeisters Casselmann (1900 - 1919)
war Albert Preu als zweiter Bürgermeister an folgenden Projekten
maßgeblich beteiligt: Die Regulierung des Mains, Mistelbachs und
Sendelbachs - und damit verbunden die Beseitigung der
alljährlichen Hochwasserschäden - der Bau der
Fichtelgebirgswasserleitung und die damalige Einbeziehung Bayreuths in
den Flugverkehr, den Bau der drei Lokalbahnen nach Warmensteinach,
Hollfeld und Thurnau, der Kraftpostverkehr in die Fränkische
Schweiz und ins Fichtelgebirge. Die Nationalsozialisten hatten es ihm
allerdings nicht vergessen, dass er in den zwanziger Jahren gegen alle
Ausschreitungen der extremen politischen Parteien vorgegangen war und
es nicht nur bei Mahnungen zur Besonnenheit hatte bewenden lassen, wenn
es galt, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. In einer
ortspolizeilichen Vorschrift aus dem Jahre 1923 wandte sich Preu gegen
"Rabaukentum und Saalschlachten" in scharfer Form. Aber auch er, der
"noch aufgewachsen war in der strengen Schule eines peinlich
gewissenhaften und sparsamen Vorgesetzten", konnte die Entwicklung
nicht aufhalten.
Am 14. Juni 1944 verstarb Albert Preu im Städtischen Krankenhaus
in Bayreuth. Er hinterließ seine Frau Emilie, geborene Stoer
sowie drei Töchter.