Johann Friedrich Ludwig Heinrich August Riedel


* 25.12.1799 (Bayreuth)
†  06.08.1883 (Rom)

Maler aus der berühmten Bayreuther Künstlerfamilie Riedel.

August Riedel war der Sohn des Architekten Carl Christian Riedel und der Bruder von Eduard Riedel. Er besuchte das Gymnasium in Bayreuth, studierte an der Bayerischen Akademie der bildenten Künste seite 1818 und erhielt 1828 ein Reisestipendium für Italien, wo er 1829 zu den Mitbegründern des römischen Kunstvereins gehörte. Er war Professor an der römischen Akademie San Luca und hinterließ ein umfangreiches Werk von hohem künstlerischem Rang. Unter Anteilnahme vieler Künstler und Professoren der Akademie wurde er am 7. August 1883 auf dem Friedhof an der Cestiuspyramide beigesetzt.

Quelle: 2, 17

Kaum eine Forscherin hat sich mit dem in Bayreuth geborenen, einst hochgeehrten Maler August Riedel so eingehend befasst wie Christa Schaper, die auf Grund archivarischer Forschungen in Bayreuth, München, Rom und Kopenhagen ein facettenreiches Bild vom Leben und Wirken des Künstlers zusammenstellt und im Archiv für Geschichte von Oberfranken zwei Berichte über August Riedel veröffentlicht hat ( Band 42, 1962, und Band 65, 1985 ) .

Riedels Großvater, der Architekt und Maler Johann Gottlieb Riedel, war Kastellan in der Bayreuther Eremitage. Seine beiden älteren Söhne wurden in Berlin zu Schinkels Zeiten Kunstdirektoren. Der Jüngere, Christian, in der Eremitage aufgewachsen, hat nicht nur den Hofgarten, die Eremitage und Fantaisie gestaltet, er wollte sich auch einen eigenen Garten schaffen. Dieser Wunsch ging in Erfüllung, als er sich ein Landhaus auf dem damaligen Karlsberg bauen konnte. Auf dem lang hingestreckten Hügel schuf er sich und seiner Familie ein Gartenparadies mit einer Grotte und einer kleinen Halle, die auch heute noch einen überwältigenden Rundblick ins Umland bietet. Hier wuchsen auch seine fünf Söhne auf, deren zweiter August Riedel war. Nach dem Tod des Vaters musste das Riedelsgut übrigens verkauft werden.
Nachdem August Riedel das Gymnasium besucht hatte, genoss er den Unterricht seines Vaters und wurde dann Schüler der Architektur- und Historienmalerei an der Münchner Akademie. Einer seiner engsten Freunde war dort Franz Hanfstaengl, der später berühmt gewordene Lithograph, den er auch porträtiert hat. Andere frühe Porträts befinden sich in Bamberg, eines im Bayreutber Stadtmuseum. Aus dieser frühen Zelt stammt das Altarbild unserer Stadtkirche, eines seiner wenigen religiösen Werke.

1828 erhielt er ein Stipendium für den heißersehnten Aufenthalt in Italien. Es zog ihn mit solcher Gewalt dorthin, dass er die Reise nach Rom in nur elf Tagen hinter sich brachte, ohne auch nur ein einziges Mal aus den Kleidern gekommen zu sein. Er besuchte gleich Thorwaldsen, den berühmten dänischen Bildhauer, und Martin von Wagner, den künstlerischen Agenten des bayerischen Königs, die beide fortan seine Freunde blieben.
Schon sein erstes Bild zeigte, wohin seine Entwicklung führen sollte: Er liebte es, die menschliche Gestalt darzustellen, und sein Schönheitssinn wandte sich besonders Frauengesichtern zu.

1833 malte er ein Bild aus dem neapolitanischen Volksleben, das ihm Thorwaldsen abkaufte und das ihn bald international bekannt machte. Es hängt heute zusammen mit der schönen "Badenden", die so delikat gemalt ist, in Kopenhagen. Solche Bilder wurden damals förmlich angeschwärmtund angedichtet so dass er sie noch und noch wiederholen musste. Eine "Sakuntula" brachte ihm seine erste öffentliche Ehrung ein: Er wurde von König Ludwig I., der ja auch ein Bewunderer weiblicher Schönheit war, zum Ehrenmitglied der Münchner Kunstakademie ernannt. Zwei Jahre spater wurde er zusammen mit Overbeck und Führich ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Die große Welt kaufte sich nun gegenseitig seine Bilder ab, und er gehörte bald zu den angesehensten Mitgliedern der deutsch-römischen Künstlerkolonie, wo er über 50 Jahre seines Lebens verbrachte.

Neben vielen anderen bekannten Persönlichkeiten besuchte ihn dort Ottilie von Goethe und der junge Arnold Böcklin, für den er sich sehr einsetzte. Auch sein menschlicher Charme und sein gewinnendes Äußeres machten ihn beliebt. Welche elegante Erscheinung Riedel war, zeigt ein Bild "Deutsche Künstler im Café Greco" von 1856, wo er inmitten seiner Freunde sitzt, der Freunde des Lichts und der leuchtenden Farben. Kein Maler in Rom konnte den Körper einer Frau darstellen wie er.

Auch seine Wahlheimat bot ihm bald Ehrentitel an: Er wurde Ehrenmitglied der Akademie von San Lucas. Nachdem Italien wieder Monarchie geworden war, besuchte ihn das junge Königspaar, er selbst wurde in Quirinal eingeladen. Auch von der Königin von Neapel bekam er Aufträge. Später wurdees ruhiger um ihn, aber ein weitläufiger Briefwechsel hält ihn mit vielen Freunden verbunden. Ob er Deutschland wiedersehen wolle, wurde er gefragt. "Nein, da habe ich kein Licht", antwortete der Maler des vielfach schimmernden Sonnenlichts. Er stand am Anfang eines Weges, der In Deutschland den Kartonstil verdrängte und zu einem Wiedererwachen der Farbe führte.

Am 6. August 1883 starb er und wurde auf dem Friedhof an der Cestius-Pyramide beigesetzt. Nach seinem Tod fand man sein Adelsdiplom, von dem niemand gewusst hatte, in einem seiner Bücher, und in einem Korb seine zahlreichen Orden, die er nie getragen hatte. Über seiner Ruhestätte errichteten die Freunde ein Denkmal, das mit großen Ehren enthüllt wurde. Der hohe Steinsarkophag steht noch heute. Ein Bronzemedaillon zeigt sein edles Profil un darunter die Worte:

Augusto Riedel
Pittore
naque Bayreuth
mori in Roma sua Patria d'Amore

Quelle: 6 (NBK vom 03.02.1972)

http://europeanpaint.brinkster.net/html/bio.asp?numcol=176