Dr. h. c. Karl Friedrich Wilhelm Braun


* 01.12.1800 (Bayreuth)
† 20.07.1864 (Bayreuth)

Bayreuther Paläontologe

Braun, dessen Vater 1799 Eigentümer der Schlossapotheke geworden war, erlernte den Apothekerberuf, interessierte sich aber schon in jungen Jahren sehr für Naturwissenschaften und besonders für die Botanik. 1831 wandte er sich endgültig den Naturwissenschaften zu und wurde Lehrer an der neu eingerichteten Gewerbeschule. Seine erste Veröffentlichung war ein katalog der Versteinerungen im Kreisnaturalienkabinett. Er konzentrierte sich auf die Erforschung des rätselhaften Plakodus (Pflasterzahn), entdeckte versteinerte Pflanzenarten im Rhätsandstein und wurde Mitglied der Leopoldinischen Akademie der Naturforscher unter dem Namen "Braun baruthinus". 1840 promovierte ihn die Erlanger Universität zum Ehrendoktor, seit 1851 betreute er als Kustos das Naturalienkabinett. Zahlreiche Publikationen schufen ihm Anerkennung weit über die Region hinaus. Braun war ein Freund von August Riedel.

Quelle: 17

Große Verdienste um die Kreisnaturaliensammlung Ferdinand von Andrian-Werburgs erwarb sich hier neben dem Grafen Münster Dr. Karl Friedrich Wilhelm Braun. Der Sohn des Schlossapothekers Gottfried Braun hatte 1824 die väterliche Apotheke übernommen. Nach der Gründung der Kreisgewerbe- und Landwirtschaftsschule, des heutigen Graf-Münster-Gymnasiums, im Jahre 1833 fand er dort eine Anstellung als Lehrer, die ihm noch genug Zeit ließ für die Beschäftigung mit der aufblühenden Wissenschaft der Versteinerungskunde. Er war von der Gründung des Graf-Münster-Gymnasiums an dabei und blieb dieser Schule treu, bis er 1864 einem Herzschlag erlag, der von seinen Zeitgenossen auf Überarbeitung zurückgeführt wurde. Im Auftrag des Regierungspräsidenten verfasste er einen Katalog der einheimischen Petrefakten mit 22 Tafeln. Gleichzeitig arbeitete unter seiner Leitung eine Anzahl in Oberfranken verteilter Hilfskräfte an der Aufnahme einer ersten geologischen Karte Oberfrankens, die dem Katalog beigefügt wurde. Aus diesem Katalog orientierten sich die Geologen und Paläontologen über das reiche und seltene Material, das in Bayreuth der Forschung zur Verfügung stand. Kurz vor seiner Versetzung nach Ansbach ernannte von Andrian-Werburg Dr. Braun zum Kustos des Kreisnaturalienkabinetts.

Näheres zur Bayreuther Paläontologie, Graf Münster und Dr. Braun unter Ferdinand von Andrian-Werburg

Quelle: 6 (9.12.1996 W.W.)

Friedrich Braun wurde am 1. Dezember 1800 geboren und war der Sohn des Bayreuther Schloss-Apothekers Gottfried Braun. Sein Vater entstammte einer bekannten Nürnberger Familie (von Braun), war durch botanische Untersuchungen am Untersberg (gemeinsam mit Dr. Hoppe, Regensburg) in den Ruf eines vorzüglichen Pflanzenkenners gelangt und hatte nach jahrelangem Wanderleben die Bayreuther Schloss-Apotheke (neben dem westlichen Flügel des Alten Schlosses) erworben. (Herkunft und Lebenslauf des Vaters von Dr. F. W. Braun; vergl.: Der "Braunstein" in Eremitenhof, das Grabmal eines längst Vergessenen, Oberfränkische Heimat, Jahrgang 1933).
Der Vater bestimmte seinen Sohn für den Apothekerberuf und schickte ihn, nachdem er den Elementarunterricht und die erste wissenschaftliche Ausbildung durch Hauslehrer harte besorgen lassen, als Lehrling in die Kraußsche Apotheke nach Regensburg. Hier wurde Friedrich Braun als 17jähriger in die kgl. botanische Gesellschaft aufgenommen. Aber der Apothekerberuf sagte ihm nicht zu, denn er hätte sein Leben lieber mit rein wissenschaftlicher Arbeit erfüllt.

So kommt es, dass nach zurückgelegter Lehrzeit sein Salzburger Prinzipal, Prof. Hinterhuber, ihn gerne mit einer botanischen Studienfahrt in die Salzburger und Kärtner Alpen beauftragt, wobei der 19jährige eine neue Pflanzenart aus der Familie der Semperviven entdeckt. Bald untersützt ihn der k. k. österreichische Generalquartiermeister v. Welden (Oberitalien) zu einer zweiten größeren Reise von Klagenfurt aus durch Oberitalien und die piemontesischen Alpen. Der Tod seiner Mutter ruft Friedrich Braun zwar für kurze Zeit nach Hause zurück, aber auf verschiedene Aufforderungen seiner Freunde hin setzt er seine wissenschaftliche Tätigkeit in Prag fort. Er ordnet im Auftrag des Grafen Sternberg das Herbarium des Botanikers Hänk und die Sammlungen des Forschungsreisenden Sieber, beteiligt sich an Werken wie: "Die krytogamischen Gewächse des Fichtelgebirges" und "Taschenmoosherbarium" von Funk und bereitet schließlich selbst eine Reise nach dem französischen Guyana vor.

Der Vater Braun spricht zu diesen Bestrebungen ein hartes Nein und schneidet alle weiteren Pläne dadurch ab, dass er dem Sohn befiehlt, zur Vorbereitung des Apothekerexamens auf ein Jahr nach Erfurt zu gehen und nach Ablegung der Prüfung (die Braun ausgezeichnet bestanden hat) die väterliche Apotheke zu übernehmen. Während seines Thüringer Aufenthaltes hat Braun (am 28. August 1823) das Glück, im Jenaer botanischen Garten mit Goethe zusammenzukommen und sich mit ihm über naturwissenschaftliche Anschauungen unterhalten zu dürfen. Die Rede kommt auch auf die Polarität des Lichtes und zum Schluss des Gespräches schenkt Goethe dem jungen Studenten ein Stück Kristall, das er eben selbst von Prof. Seebeck erhalten hatte.

In den Jahren 1824 bis 1831 führte Friedrich Braun, der sich mit Margarete Dollhopf verheiratet hatte, die väterliche Apotheke unter schweren Verhältnissen und einem harten Stande" (wie er selbst berichtet), machte sich dann nochmals für naturwissenschaftliche Arbeiten frei, musste aber nach zwei Jahren zufrieden sein, als Lehrer an der neugegründeten Gewerbeschule eine Versorgung wenigstens in bescheidenem Maße zu finden. Bald rühmte man die Lebendigkeit und Eindringlichkeit seines Vortrages, seine anregende und belebende Lehrweise. Der junge Prinz Philipp von Württemberg war zeitweise sein Schüler. Braun hielt auch öffentliche Vorträge über Chemie, erteilte Auskünfte an die Bayreuther Gewerbetreibenden und gewann als Chemiker und Technologe die allgemeine Wertschätzung.

Da der Unterricht im ersten Jahr sich auf nur vier Wochenstunden beschränkte, blieb ihm zunächst genug Zeit für die Beschäftigung mit der damals neuen, aufblühenden Wissenschaft der Versteinerungskunde, die durch Graf Münster in Bayreuth eine ihrer bedeutendsten Heimstätten gefunden hatte. Schon 1832 hatte er sich an der Bearbeitung der vom Grafen Münster entdeckten Fundstelle Schübelhammer beteiligt. Nun schrieb er den ersten Katalog des Kreisnaturalienkabinetts und veröffentlichte wichtige Beobachtungen an dem rätselhaften "Placodus". 1834 untersuchte er Quellen aus verschiedenen Formationen bei Bayreuth sowie Mineralien des Fichtelgebirges und von 1835 an bearbeitete er vorwiegend die von ihm aufgefundenen Pfianzenvorkommen aus der oberfränkischen sog. "Rhätformation" oder wie er selbst schrieb und wie es heute wieder als richtig erwiesen ist: "dem unteren Liassandstein" .

Ein Ausschnitt aus dieser untergegangenen Vegetation mit 80 neubestimmten Pflanzenarten, die 14 Gattungen zugeteilt wurden, war das Ergebnis seiner Arbeit bis 1840. Zahlreiche Pfianzenbezeichnungen geben heute noch ein beredtes Zeugnis von dieser Epoche, sie enthalten den Zusatz "Braunii", andere die Beifügung "baruthina". Eine sehr interessante Pflanze heißt Weltrichia nach dem verdienten Sammler Weltrich, Kulmbach, und sogar eine "Jeanpaulia" hat damals der Paläobotaniker Unger geschaffen.

Die Aufsuchung und Auffindung neuer ähnlicher Pflanzenlager zog sich noch durch zwei Jahrzehnte hin, ebenso die Bearbeitung der Funde, woran sich mehrere auswärtige Gelehrte, aber auch der Bayreuther Ratsassessor Dr. Otto Popp (gest. 1867) beteiligten. Noch im Jahre 1860 konnte Braun die aufsehenerregende Mitteilung über Tiere aus den Pflanzenschiefern der Bayreuther Gegend veröffentlichen, welche einzigartige Originale zum Gegenstand hat.

Am 31. August 1840 wurde Braun von der Erlanger Universität zum Dr. philosphae honoris causa befördert. Der k. k. leopoldinischen Akademie der Naturforscher gehörte er als ordentliches Mitglied (genannt "Braun baruthinus") an und war korrespondierendes Mitglied verschiedener in- und ausländischer Gesellschaften. König Otto von Griechenland zeichnete ihn durch Verleihung des griechischen Erlöserordens und der goldenen Medaille für wissenschaftliche Leistungen aus.

Dass Brauns Leben außerhalb seines Berufes und der öffentlichen Betätigung in der Heimatstadt auch weiterhin vom Dienste an der Wissenschaft ganz ausgefüllt wurde, davon zeugen rund zwanzig Abhandlungen. Vor allem bildeten immer neue Pflanzenfünde den Gegensrand der Untersuchungen. Sein in der Wahrnehmung feiner Unterschiede der Kryptogamen geübtes Auge bestimmte ihn ganz selbstverständlich gerade für diesen Zweig der Versteinerungskunde. Doch wenn nicht schon sein Werdegang und seine weitverzweigten Beziehungen das bewegliche Interesse und die vielseitige Begabung dieses Mannes verraten würden, so könnte man dasselbe aus den mannigfachen Arbeiten erkennen, die einmal den Versteinerungsinhalt von Schweizer, Südtiroler und italienischen Fundstätten (gesammelt auf einer Reise 1839/40), dann wieder Ostrakoden (Krebstierchen) aus dem Muschelkalk oder verkieselte Hölzer, die Placodusftage u. a. m. behandeln und immer originelle und grundlegende Gedanken enthalten. Zuletzt war er mit einer größeren Abhandlung über die versteinerten Nadelhölzer Oberfrankens beschäftigt. Kurz vor der Vollendung dieser Arbeit starb indessen der Forscher unerwartet rasch am 20. Juli 1864.

Braun hat zuletzt in Bayreuth, Schrollengasse 304 (jetzt Jean-Paul-Straße, nahe dem JeanPaul-Platz), und zeitweise auf seinem "Blumenscheingütchen" in Eremitenhof (heute Gastwirtschaft und Hausnummer 2) gelebt. Dort steht auch der bekannte "Braun-Stein", das Grabmal seines Vaters, auf freiem Feld, wo ehemals ein großer Baumgarten sich dehnte. Darüber erzählt man sich, dass hier ein Naturforscher sich hätte begraben lassen. Tatsächlich hat der alte Schloss-Apotheker einige Jahre vor seinem Tode (1836) einsam dort gehaust und unter einer großen Eiche auf seinem Grundstück sein eigenes Grab geschaufelt. In der Wirtschaft zeigt man ein altes Tischkegelspiel, angeblich aus der Markgrafenzeit, in Wahrheit aber von Dr. Braun zum Vergnügen seiner Gäste erdacht und seinerzeit die "Trudlmadam" genannt. In seiner Heimatstadt war Dr. Braun hochgeschätzt wegen seines bescheidenen Auftretens, seiner liebenswürdigen Umgangsart, seiner humorvollen, geistreichen Unterhaltungsgabe und seines vielseitigen Interesses. Diese geistige Frische blieb ihm auch bis zur letzten Stunde erhalten, wo ein infolge Kehlkopfleidens eingetretener Erstickungsanfall ihn aus seinem tätigen Leben riss, dessen Wahlspruch lautete: Ornare patriam et amplificare gaudemus.

In diesem Sinne hat Dr. Braun einst durch geschickt angebrachte Vorstellungen den Ankauf der Münsterschen Sammlung für den bayerischen Staat eingeleitet und dieselbe vor der drohenden Verschleppung gesichert, hat jahrelang die Kreissammlung gepflegt und namhaft bereichert und einen großen Teil seiner Sammlungen an die Universitäten Erlangen und Athen gegeben unter dem Namen: Gaea baruthina, d. h. Bayreuther Erde. Der Rest seiner Sammlung ist nach seinem Tode von Prof. Schenk für die Universität Würzburg angekauft worden.

Eine Entdeckung vorweltlicher Pflanzenlager

In größeren geologischen und paläontologischen Werken findet man als Fundplatz für sog. Rhätpflanzen u. a. "Theta bei Baireuth" genannt. Doch würde man vergebens in diesem kleinen Walddorf nach solchen Versteinerungen suchen und wohl auch keine Auskunft darüber erhalten können. Denn es ist schon über hundert Jahre her, daß Theta deshalb berühmt wurde, weil man hier nicht nur eines der ersten, sondern auch eines der ergiebigsten Pflanzenlager der Vorwelt aufgefunden hatte. Die Entdeckungsgeschichte spielte sich Fogendermaßen ab:

Im Jahre 1835 war an der Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Bayreuth der in den Naturwissenschaften, besonders Botanik und Geologie, wohlbewanderte Fr. Braun als Lehrer für Naturgeschichte und Enzyklopädie der Gewerbe tätig. An Sonn- und Feiertagen unternahm er gerne mit wissbegierigen Schülern Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung von Bayreuth. So befand sich Braun auch in den Osterferien des Jahres 1835 auf einer Wanderung durch den Jura nach Bamberg, in dessen Nähe die Meine Ortschaft Strullendorf liegt. Dort am westlichen Rand des Jura stellte Braun dieselbe Art von Sandstein fest, die er auch vom Jurarand der Bayreuther Gegend her wohl kannte. In den Sandsteinfelsen des Aufschlusses von Strullendorf aber zog eine muldenförmige Toneinlagerung mitten im Sandstein seine Aufmerksamkeit an, und während er darüber nachdachte, wie dieselbe wohl in den Sandstein gelangt sein könnte, und mit dem Hammer den Ton zerklopfte, um seinen Sandgehalt zu prüfen, fand er zwischen den Schichten feine Abdrücke von Blättern und Stielen.

Am nächsten Tag wurde die Rückreise angetreten und der interessante Fundplatz musste verlassen werden. Jedoch kurz vor Bayreuth wurde nochmals ein kurzer Aufenthalt eingelegt und den Steinbrüchen von Donndorf, die in der Nähe der hier durchführenden Bamberger Straße angelegt sind, ein Besuch abgestattet. Hier entdeckte Braun mit seinen jungen Freunden wiederum eine Toneinlagerung im Sandstein, welche der bei Strullendorf aufgefundenen durchaus ähnlich sah, und bei näherer Untersuchung einen Schatz von überaus zierlichen und merkwürdigen versteinerten Pflanzen enthielt (Die Fundstelle ist der alte Steinbruch in Donndorf hinter der Gastwirtschaft Himmelreich am westlichen Eingang der Ortschaft). Die Pflanzenreste befanden sich anscheinend noch an derselben Stelle, wo die sonderbaren Gewächse vordem selbst die Erde bekleidet hatten. Das bewiesen senkrecht durch den Schieferton hinabreichende Wurzeln, Farrenstrünke mit noch erhaltenen Wedeln und ganze Pflänzchen mit Wurzeln in allen Entwicklungsstufen. Die muldenförmigen Einlagerungen von Ton waren also wohl dadurch entstanden, dass inmitten einer von sandigen Massen erfüllten Landschaft ein kleines wasserreiches Becken die reiche Vegetation hervorbrachte, aber infolge von periodischen Überschwemmungen sich mit Ton füllte und die Reste der dabei zerstörten Vegetation in sich aufnahm.

Wenige Tage nach dieser Entdeckung erfuhr Braun davon, dass man bei Theta, einer aus wenigen Anwesen bestehenden Ortschaft, (damals) zwei Stunden nördlich von Bayreuth, wo man zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Kohlenbergbau versucht hatte ( "v. Thüngenscher Bau"), zu eben diesem Zwecke einen neuen Schacht von zwölf Meter Tiefe angelegt habe. Zugleich wurden ihm Proben von der daselbst gewonnenen Kohle und von dem begleitenden Schieferton vorgelegt, damit er sein Urteil über die Ergiebigkeit des Werkes ausspreche. Die Kohle erkannte er sogleich für eine stark tonige und daher etwas plastische Kohlenart. Doch als er auf den Schiefertonstücken Teile von verkohlten Pflanzenstengeln und Blättern und deren Abdrücke erkannte, nahm er sich vor, die Schichten sogleich an Ort und Stelle zu prüfen.

Als er zum ersten Male das Werk besuchte, bot sich ihm ein äußerst überraschender Anblick. Die große Halde, die fast ganz aus pflanzenführendem Schieferton bestand, war mit den ausgrzeichnetsten Stücken in besterhaltenem Zustand bedeckt. Zu Tausenden lagen die Blätter vorweltlicher Farngewächse und Palmenfarne umher. Der höchst merkwürdige Umstand aber war: Derselbe Sandstein wie bei Sttullendorf und Donndorf beherbergte auch hier eine pflanzenführende, muldenförmige Toneinlagerung, welche in den unteren Lagen ein 30 Zentimeter starkes Lettenkohlenflöz enthält.

Die versteinerte Pflanzenwelt dieser Fundstätten lässt darauf schließen, dass in jenen Urzeiten an Stelle der heute blühenden Kräuter, Sträucher und Bäume vor allem blütenlose Farne und Schachtelhalme die Erdoberfläche bedeckten. Von zahlreichen Pflanzen, die Dr. Braun gefunden hat, kann man außerdem gegenwärtig noch nicht mit Sicherheit angeben, welcher Pflanzengruppe sie angehörten, da ihre Fruchtorgane erst entdeckt werden müssen. Aber einzelne Arten sind als Vorfahren von heute lebenden Gewächsen deutlich erkannt worden. Die häufigen lanzettlichen Blatt-Teile der Urweltpflanze "Podozamites" dürften z. B. einem Vorfahren der heutigen Nadelbäume angehören.

Ein anderer wichtiger Fund Brauns waren die Reste der Urweltpflanze "Baiera". Im Jahre 1843, als Braun noch immer bei der Untersuchung des Pflanzenmaterials von Donndorf und Theta war, trug ihm ein Schüler einen unscheinbaren Pfianzenrest aus dem Hardrer Grund bei Eckersdorf zu, den er anfänglich für eine Alge hielt, weil die Blätter so sehr regelmäßig zweiteilig waren. Da aber das Vorkommen von Meeresalgen kaum möglich war, begab er sich selbst zum Fundort und erstaunte einigermaßen, die vermeintlichen Algenreste wiederum in einer Tonmulde mit Kohlenflöz, noch dazu in großer Menge, vorzufinden. Die Ablösungsflächen der Schiefer waren ganz davon bedeckt. Am auffallendsten aber war, daß die Pflanzen nicht wie gewöhnlich im Abdruck oder als verkohlte Massen erhalten waren, sondern dass ihre Substanz selbst in Form gelber, hell- und dunkelbrauner Häutchen vorlag, noch ziemlich biegsam und elastisch, und im Wasser sogar einigermaßen sich aufweichen ließ. Auf fast allen Schieferplatten aus dem unteren Teil des Kohlenflözes kamen Früchte in solcher Menge hervor, dass Braun auf einzelnen Stücken von der Größe eines Quartblattes davon über hundert zählen konnte. Einige solcher Früchte waren nur teilweise in Kohle umgewandelt und wiesen unter dem Mikroskop sogar die Hautzellen der Fruchthüllen in besterhaltenem Zustand auf. Zum Gedächtnis an den Verfasser der ersten Nürnberger Erdgeschichte, Baier, gab Braun, der selbst einer Nürnberger Familie entstammte, der neuen Pflanzengattung den Namen Baiera. (Ein letzter Nachkomme aus dem Geschlecht der Baiera ist der japanische Gingko-Baum, von dem man einzelne Exemplare in Gärten und Parkanlagen antrifft und an den regelmäßig zweiteiligen Blättern erkennt.)

Wie man sich das Land, in dem die Farne, Schachtelhalme, Palmfarne und urtümliche Vorfahren unserer Nadel- und Laubbäume die einheimische Vegetation bildeten, vorstellen musste, schilderte Braun 1843 mit folgenden Worten: "Während das Fichtelgebirge sein jugendliches Haupt emporhob und mit noch wenig gefurchter Stirne auf die Meere hinausblickte, denen es ein scheidender Damm wurde, umspülten deren Gewässer den Saum, welchen zu seinen Füßen der mitgehobene bunte Sandstein, der Muschelkalk und der Keuper bildeten, und seine Quellen und Bäche flossen unaufhaltsam nach Nordost und Südwest den Niederungen zu, welchen die Liasmeere mit vielen Busen entgegenzogen... Und während die Meere in kalkigen und tonigen Niederschlägen und Absätzen ihre Geschöpfe begruben, führten die Bergwässer die Produkte der Zerstörung der kristallinischen Gesteine, den Sand und Ton der sandigen Ebene zu, und es bildete sich neben den unteren Liasmergeln ein mehr oder minder entwickeltes Erzeugnis - der untere Liassandstein."

"Die eiligen Gebirgswasser, noch ohne gemeinsames Rinnsal, zerstreuten sich in die Sandebene, und wo dynamische Verhältnisse den Absatz des mitgeführten Gebirgsschuttes erheischten, entstanden ebenso, wie es in der Gegenwart der Fall ist, an dem einen Ort Sandanhäufungen und an anderen, wo Aufstauungen den Strom des Wassers minderten, Ablagerungen von Ton und Schlamm. Nie hat man tierische Überreste in diesen Sandgebilden und deren tonigen Einlagerungen aufgefunden. Eine üppige Vegetation trat dagegen im gigantischen Urstyl des Pflanzenlebens hervor, sich jedoch auf jene Versumpfungen und deren Ränder, Lachen und Gräben beschränkend, Oasen darstellend. Eine dieser Oasen, durch einige vegetabilische Eigentümlichkeiten besonders ausgezeichnet, nenne ich nach der sie am meisten charakterisierenden Pflanze, der Baiera dichotoma, 'Oase der Baiera' ."

Braun entdeckte später neue Pflanzenlager in der Umgebung Bayreuths und veröffentlichte darüber verschiedene Abhandlungen unter dem Titel "Beiträge zur Urgeschichte der Pflanzen". Die Fundstücke von Donndorf, von der Hardt, vom Teufelsloch bei Oberwaiz, vom Teufelsgraben bei Schloss Fantaisie, von der Saas, von Veitlahm bei Kulmbach, Forst und insbesondere von der Thera wanderten in zahlreiche Museen und machten die Namen mancher dieser kleinen Siedlungen in der gesamten geologischen Welt bekannt. Der berühmte Kohlenschacht von Thera war bald wieder eingeschüttet. Im Laufe der Jahre wurden aber wieder andere Fundorte aufgeschlossen und mit bestem Erfolg von den Paläobotanikern abgesucht. Auch künftig darf in der Umgebung von Bayreuth der "mit Arbeiten im Feld vertraute Paläobotaniker noch immer neue und interessante Funde erwarten" (J. Schuster).

Quelle: 97