Christian Ritter von Popp


* 07.04.1891 (Bayreuth)
† 11.05.1964 (Bayreuth)

Christian Ritter von Popp, Architekt, Ehrenbürger der Stadt Bayreuth seit 1918, Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens.

Am 7. April 1891 wurde Christian Ritter von Popp in Bayreuth geboren. Schon in seiner Jugend hat ihn der Beruf seines Vaters, der Ziegeleibesitzer war, dazu bewogen, die Laufbahn eines Technikers einzuschlagen. Nach Volksschule und Gymnasium besuchte er die höhere technische Lehranstalt in Nürnberg. Danach war er auf der Kunstgewerbeschule in München in der Abteilung Hochbau bei Professor Richard Berndl. An der Regierung München musste er als Abschluss die sogenannte "Künstler-Einährigen-Prüfung" ablegen. Bevor er jedoch endlich dem ersehnten Architekten-Beruf nachgehen konnte, durchkreuzte der Krieg zunächst seine Pläne. Ritter von Popp wurde als "Einjähriger" zum 7. Infanterie-Regiment Bayreuth eingezogen. Während des ganzen Krieges stand er an der Front. Am 18. Mai 1918 erhielt er dann die höchste Auszeichnung des 1. Weltkrieges: Den Militär-Max-Joseph-Orden mit persönlichem Adel. König Ludwig III. schreibt in der Verleihungsurkunde:

"Dem Leutnant der Reserve Christian Popp, Kompanieführer im 7. Infanterie-Regiment, wurde der Militär-Max-Joseph-Orden verliehen, weil er beim Sturm auf Fresnoy am 8. Mai 1917 in richtiger Erfassung der Dringlichkeit der Lage aus freiem Entschluss über den Rahmen seines Kampfauftrages hinaus durch einen mit kaltblütiger Entschlossenheit, äußerster Tatkraft und hervorragender persönlicher Tapferkeit geführten Flankenstoß den Kampf am Südflügel seines Regiments in entscheidender Weise beeinflusst hat."

Beim deutschen Gegenangriff auf das in der englischen Offensive im Frühjahr 1917 bei Arras verlorene Dorf Fresnoy kam es am 8. Mai 1917 bei einem Frontalangriff des 7. Infanterie-Regiments zu einem Stillstand vor dem mit vielen feindlichen Maschinengewehren hart verteidigten Schlosspark. Christian Popp erkannte die Lage in diesem Moment ganz richtig und griff als Führer der 4. Kompanie selbstständtig den Gegner im Rücken und an der Flanke an. Unaufhaltsam drang er bis zum Westrand von Fresnoy und fast bis Arleur vor. Durch seine "kaltblütige Entschlossenheit, äußerste Tatkraft und hervorragende persönliche Tapferkeit" hatte der Leutnant der Reserve damals den Kampf seines Regiments entscheidend beeinflusst.

Seine Heimatstadt erhob ihn im Jahre 1918 genauso wie zwei Jahre zuvor Christian Ritter von Langheinrich als Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens zum Ehrenbürger von Bayreuth. Als Würdigung erhielt er außerdem die Goldene Bürgermedaille.

Nach dein Krieg konnte er nun endlich seinen Beruf ergreifen. So wurde er 1918 Leiter eines größeren Baugeschäfts und 1922 Mitinhaber des Architekturbüros Reißinger. Als freischaffender, selbständiger Architekt ließ er sich erst 1927 nieder; wenige Jahre später wurde er Mitglied des Bundes Deutscher Architekten. Von nun an schuf er große Bauten, die ihn weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt machten: unter anderem Bauten für die LVA und die BELG, die Heilstätte Bischofsgrün mit den Erweiterungsbauten, die Heilstätte Strüht, das Bürohochhaus in der Dammallee, die Tbc-Fürsorgestelle, das evangelische Gemeindehaus, die alten AOK-Verwaltungsgebäude in Bayreuth, Kulmbach, Pegnitz; das Hotel "Bayerischer Hof" am Bahnhof, sowie zahlreiche Wohn- und Einfamilienhäuser.

Ritter von Popp gehörte zu jenen Bürgern Bayreuths, mit denen die Amerikaner nach dem Zusammenbruch sofort zusammenarbeiteten. Der Ehrenbürger gehörte als FDP-Mitglied lange Jahre dem Stadtrat an und hatte viel zum Wiederaufbau der Stadt beigetragen. Er war immer bereit gewesen, sich mit seinem Fachwissen und seinem gesunden Menschenverstand einzusetzen, wenn es galt, dem Allgemeinwohl zu dienen.

Am 11. Mai 1964 verlor die Stadt mit ihm einen Menschen, der mit seinem fachlichen und kommunalen Wissen, seiner Bescheidenheit und nicht zuletzt wegen seines nie versiegenden Humors zu den markantesten Persönlichkeiten" der Festspielstadt zählte.

Quelle: 2,20,31