Cosima Wagner

* 25.12.1837 (Bellagio)
† 01.04.1930 (Bayreuth)

Frau Dr. phil. h.c. Cosima Wagner, Ehefrau des Dichterkomponisten Richard Wagner, Tochter Franz Liszts und Marie d'Agnoult,  Ehrenbürgerin, Ehrendoktorin der Universität Berlin.

Nach dem Tode Richard Wagners steckten die Bayreuther Festspiele noch in den "Kinderschuhen". 1883 waren sie nicht älter als sieben Jahre. Die Oper "Parsival" war in Bayreuth noch nicht aufgeführt worden. Die weitere Entwicklung der Festspiele war aufs Äußerste ungewiss. Was sollte werden? Konnte man die Festspiele aufrecht erhalten - allein schon vom finanziellen Standpunkt aus gesehen - oder musste die Idee des großen Meisters fallengelassen werden?
Dass Bayreuth heute den Ruf einer Weltstadt hat - wenn auch nur auf Zeit - und dass jährlich Tausende hierher "pilgern" , ist vor allem Cosima Wagner zu verdanken, die mit Adolf von Groß als Freund und Stütze die Bayreuther Festspiele mit Zähigkeit und nie ermüdender Ausdauer weiterführte und ihnen den Ruf gab, der heute noch in der Welt seine Wirkung hat.

Hätte sie sich zurückgezogen und die Führung Adolf von Groß allein überlassen, hätten die Festspiele in Bayreuth nie das werden können, was sie heute sind. Denn Cosima Wagner allein kannte und verstand den Sinn der Werke ihres Mannes und sie trug die Begeisterung "seines Kunstschaffens" beziehungsweise die Begeisterung "für das Kunstwerk Bayreuth" in sich, nicht zuletzt drückte sie den Aufführungen "den Stempel ihres eigenen Geistes" auf. Sie schuf im wahrsten Sinne des Wortes das Bayreuther "Stilgefühl".

Cosima Wagner - deren "geistige Regsamkeit" und "weltmännische Gewandtheit" alle bezauberten, unter anderen Gottfried Keller, und die sogar einem Nietsche größte Hochachtung abnötigte, so dass er von Cosima sagte, sie sei "das einzige Weib größeren Stils", das er kennengelernt habe - wurde am 25. Dezember 1837 als Tochter Franz Liszts in Bellagio am Comersee geboren. Ihre Mutter, Gräfin d' Agoult, verließ Liszt und ihre Kinder Cosima, Blandine und Daniel, um ihren schriftstellerischen Ambitionen nachzugehen. Franz Liszt übernahm daraufhin die Fürsorge der Kinder. Die beiden Mädchen schickte er nach Paris, wo auch Liszts Mutter lebte, in das Institut der Madame Bernard. In Paris lernte Cosima Richard Wagner zum ersten Mal kennen. Vater Franz Liszt besuchte die Töchter mit seinem Freund im Jahre 1853.

Unter dem Pseudonym Daniel Stein hatte Gräfin d'Agoult mehrere Bücher veröffentlicht und einiges Aufsehen in Paris erregt. Liszt wollte nicht, dass sich das Gerede negativ auf die Kinder auswirke, und so schickte er Cosima und Blandine nach Deutschland zu der Mutter seines Schülers Bülow, die die Mädchen in Obhut nahm.

1857 heiratet Cosima Hans von Bülow. Auf der Hochzeitsreise besuchen beide Richard Wagner in Zürich. Bülow übernimmt hier die Reinschrift der gerade fertiggestellten Oper "Tristan und Isolde". Bülows große Verehrung seinem Meister Richard Wagner gegenüber bringt Cosima und Mann im nächsten Jahr wieder nach Zürich. Aber auch Cosimas Bewunderung und Verehrung für Wagner wurden immer größer. Bald merkte sie, dass sie allein Wagner Ruhe und Halt geben konnte.

Nachdem die Mädchen Daniela und Blandine geboren worden waren, folgte das Ehepaar von Bülow dem Ruf  Wagners nach Starnberg. Wagner schrieb, sein Haus sei "ode und leer". Als er später München verließ, sandte Hans von Bülow ihm seine Frau und Tochter Daniela nach Genf nach. Während dieser Zeit suchte Richard Wagner mit Cosima ein altes Haus in Triebschen aus, das er für das zukünftige gemeinsame Leben herrichten ließ. Am 18. Juli 1867 wurde Cosimas Ehe geschieden, und Hans von Bülow brachte "das schwerste Opfer mit starker und großmütiger Seele". Er schickte sogar seine beiden Töchter nach Triebschen, er blieb nach wie vor Richard Wagners Freund; und als die Festspiele nicht gleich mit dem erwünschten Erfolg anliefen, sammelte er Spenden, damit die Schulden bezahlt werden konnten. Am 17. April 1871 kam Cosima mit ihrem Mann nach Bayreuth und. führte hier erstmals Verhandlungen über den Bau von Wahnfried. Ein Jahr später übersiedelte die ganze Familie Wagner nach Bayreuth und. wohnte zunächst in der Fantaisie. Am 22. Mai 1872 erfolgte die Grundsteinlegung des Festspielhauses und vier Jahre später, am 13. August 1876, wurden die ersten Bayreuther Bühnenfestspiele eröffnet.

1869 schenkte Cosima ihrem einzigen Sohn Siegfried das Leben. Der Ehe mit Wagner entstammten außerdem die beiden Mädchen Eva und Isolde, welche 1919 an Malaria starb.

Cosima Wagner, die die Ehrendoktorwürde der Universität Berlin besaß, und. die sich auch durch Übersetzungen deutscher Werke ins Französische, zum Beispiel "Maria Magdalena" von Hebbel, auszeichnete, starb am 1. April 1930 im gesegneten Alter von 92 Jahren nach einem reich ausgefüllten Leben Beigesetzt wurde sie neben ihrem Gatten im Garten ihres Hauses Wahnfried.


"Der Magistrat und. das Kollegiuin der Gemeindebevollmächtigten der Kreishauptstadt BAYREUTH haben am 30. Dezember 1910 und am 6. Januar 1911 einstimmig beschlossen, der Gattin des großen Bayreuther Meisters Richard Wagner

            FRAU Dr. PHIL. COSIMA WAGNER

in aufrichtiger Bewunderung der genialen Art, in der sie das Werk ihres Gatten fortgeführt, und in dankbarer Anerkennung der hohen Verdienste, die sie sich hierdurch um die Entwicklung der Stadt Bayreuth erworben hat, die

GOLDENE BÜRGERMEDAILLE
und damit das
EHRENBÜRGERRECHT

zu. verleihen.

Zur Beurkundung:

      Bayreuth, den 6. Januar 1911

Dr. Casselmann              Frölich
Oberbürgermeister         Vorstand. des Gemeindekollegiums

Quelle: 2, 4, 27, 31, 34