Major Wilhelm Ritter von Eitzenberger

* 10.03.1875 (Bayreuth) -
† 13.09.1956 (Bayreuth)

Ehrenbürger der Stadt Bayreuth seit 1919, Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens.

Der dritte im Bunde der Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens erhielt diese Auszeichnung am 24. Juli 1916 auf Grund einer Leistung, die im Goldenen Ehrenbuch Bayerns so beschrieben wird:

"Am 23. und 24.07.1916 lag Trommelfeuer auf dem bei Maurepas an der Somme eingesetzten ... Regiments 22. Alle Versuche des Bataillonführers, Hauptmann Eitzenberger, mit seinen Kompanien Verbindung zu bekommen, schlugen fehl, die Telephonleitungen waren abgeschlossen, die Gefechtsordonnanzen kamen nicht durch. Da entschließt er sich zur Zeit des Höhepunkts des Feuerorkans, in der vorderen Linie nach dem Rechten zu sehen. Mitten durch das weitertobende Artilleriefeuer aller Kaliber hindurch erreicht er die Linie der 6. Kompanie. ihr Führer hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten, seine Leute, die solches Feuer bisher noch nicht erlebt hatten, irrten besinnungs- und waffenlos im Trichterfeld umher, immer wieder aufgeschreckt von neuen, schweren Granateinschlägen. Hauptmann Eitzenberger beruhigt, sorgt für [die] Abbeförderung der Gefechtsunfähigen, verteilt Waffen und bringt in den stark gelockerten Verband der 6. Kompanie wieder Vertrauen und Ordnung. Wie ein Wunder wirkt der überragende Einfluss des Bataillonsführers auf die schwer erschütterte Mannschaft. Hauptmann Eitzenberger hatte sie aus freiem Entschluss, unter rücksichtslosem Einsatz seiner Person, in einer kritischen Lage durch seine vorbildliche Tapferkeit und sein persönliches Eingreifen die ihm unterstellte Truppe wieder kampffähig gemacht."

Diese Tat führte zum persönlichen Adel und gab letztlich Anlass zur drei Jahre späteren Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Bayreuth. Durch seine vorbildliche Handlung war er zum "Vorbild" für viele andere geworden.

Wilhelm Ritter von Eitzenberger wurde am 10. März 1875 in Bayreuth als Sohn des Majors a.D. Otto Eitzenberger und dessen Frau Lisette Speckner geboren. Nach Absolvierung des humanistischen Gymnasiums wollte er Geisteswissenschaften studieren. Aber auf Grund einer schwachen gesundheitlichen Konstitution und Nervosität sollte er viel an der frischen Luft sein und kam deshalb zum Militär. Seine Nervosität verlagerte sich ins Gegenteil, und paradoxerweise wurde er um so ruhiger, je toller es um ihm herum (zum Beispiel im Trommelfeuer) zuging. Am 22. Juli 1895 trat er als freiwilliger Offiziersaspirant in das 7. Infanterie- Regiment ein. 1896 wurde er Portepée- Fähnrich, 1897 Sekondleutnant, am 11. Juli 1907 Oberleutnant, 1913 Hauptmann und am 28. Mai 1918 Major. Sein Patent erhielt er am 14. Dezember 1917 und am 25. Oktober 1918 wurde er verabschiedet.

1914 war er in der Schlacht um Lothringen, vor Nancy-Epinal und bei Münster dabei. 1915 nahm er im Stellungskrieg im Oberelsass, an der Schlacht bei Lemberg, an der II. Schlacht bei Münster und an der Erstürmung des Reichsackerkopfes teil. Es folgten 1916, außer der Schlacht an der Somme, der Stellungskrieg bei Roye-Noyon, der Gebirgskrieg bei Kronstadt, der Abwehrkrieg im Györgyö-Gebirge und die Verteidigungsschlacht im Gjymez-Uz-Gebirge. Auch 1917 und 1918 wirkte Ritter von Eitzenberger aktiv am Kriegsgeschehen mit, diesmal vor allem in Flandern, aber auch im Trotus-Gebirge, in Ostgalizien und in Artois.

An Auszeichnungen erhielt er außer dem Militär-Max-Joseph-Orden das Ritterkreuz des preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und das K. und K. österreichische Verdienstkreuz mit Kriegsdekoration. Trotzalledem war ihm der Krieg gegen Frankreich ein Greuel gewesen, da er die französische Sprache und Kultur überaus verehrte.

Nach dem Krieg zog sich der tief religiöse Mann, der "Gott brauchte, wie die Luft zum Leben", in seine Heimatstadt Bayreuth zurück. Hier lebte er bis zur Ausbombung 1945 in der Opernstraße 28 mit seiner verwitweten Schwester Frau Antonie Zeyss. Da er unverheiratet war, vertrat er bei deren Kindern Vaterstelle, nachdem Oberstleutnant Heinrich Zeyss als Kommandeur des 12. Bayerischen Infanterie-Regiments am 26. April 1914 bei Verdun gefallen war.

Trotz seiner vorbehaltlosen Vaterlandsliebe nahm er von Anfang an gegen Hitler und dessen Bewegung Oppositionsstellung. Ihm waren diese Leute suspekt und Eitzenberger sagte bereits am Beginn des 2. Weltkrieges voraus, dass Hitler Deutschland ins Verderben führen würde. Ritter von Eitzenberger wurde mehrmals bei der NS-Partei denunziert, aber wegen seines hohen Ansehens konnten einflussreiche Freunde verhindern, dass er in ein Konzentrationslager kam.

Nach der Ausbombung kaufte sich der Ehrenbürger auf dem Oschenberg bei Döhlau ein vier Tagwerk großes Hanggrundstück und machte einen Obstgarten daraus. Hier versuchte er zu vergessen, was ihm der Weltkrieg an Grauen beschert hatte.

Am 13. September 1956 verstarb in Bayreuth der Mann, der von seinen Soldaten wie ein Vater geliebt wurde, weil er gerade in der allerschwersten Not fürsorgend blieb und vorausschauend alle Maßnahmen traf, die dazu führten, dass seine Einheit die wenigsten Verluste hatte.

Quelle: 2,20,31