Georg Engelbrecht und Johann Hartmann

Georg Engelbrecht:
* 1844 (Creußen)


Johann Hartmann:
* 1849 (Haßfurt)

Fotografen

Zu den vier neuen Fotografen, die sich im ersten Festspieljahr 1876 in Bayreuth niederließen, gehörten Konrad Muschler aus Nürnberg und Theodor Kirchelsdorff aus Berlin. Beide kamen hier aber offenbar nicht zu dem erhofften Gewinn, denn sie schieden im folgenden Jahr bereits wieder aus. Kirchelsdorff hatte sich im Gasthof Goldene Schwane (Bahnhofstraße 1) niedergelassen. Muschlers Atelier beiand sich am Rennweg im Haus Nr. 300 (Richard-Wagner-Straße 6). Dieses Geschäft übernahm 1877 Georg Engelbrecht. Er war 1844 in Creußen geboren. Das Atelier Engelbrecht wechselte in den folgenden Jahren rasch seine Adressen. Zunächst zog man in ein gegenüberliegendes Haus in der Richard-Wagner-Straße, dann in die Opernstraße, zuletzt in die Kanalstraße.
In der Kanalstraße war schon Johann Hartmann als Fotograf ansässig, und die beiden Ateliers Hartmann und Engelbrecht rivalisierten nun erbittert miteinander. Hartmann war 1849 in Haßfurt geboren und hatte 1876 das bereits gut eingeführte Atelier von Louis Sauter übernommen. 1895 beklagte sich Hartmann in einer Zeitungsannonce über die ,,in letzter Zeit sehr häufig vorkommenden Verwechslungen meines Geschäftes mit dem des Herrn Photographen Engelbrecht.“ In einer Gegenannonce warf das Atelier Engelbrecht nun seinerseits dem Johann Hartmann ,,Reclame nach americanischer Art“ vor: ,,Da nun aber schon seit Jahren die eine Firma G. Engelbrecht, die andere aber J. Hartmann lautet, so ist doch für das Publikum jede Verwechslung ausgeschlossen..." Einige der erhaltenen Fotografien zeigen, dass es Johann Hartmann auch mit der Urheberschaft nicht allzu genau nahm. Er setzte seinen Firmenstempel auf einige Fotos, die nachweislich nicht von ihm stammen können.
Ein Großauftrag entging dem Atelier Engelbrecht im Jahre 1908: die fotografische Dokumentation zu der vom bayerischen Innenministerium angeordneten Erfassung aller Baudenkmäler im Königreich Bayern. Es sollten in Bayreuth 177 Baudenkmäler aufgenommen werden. Im April 1908 bat der damalige Rechtsrat und spätere Oberbürgermeister Albert Preu den ,,Herrn Photographen Engelbrecht“, deswegen bei ihm vorzusprechen und einen Kostenvoranschlag vorzulegen. Was ihre Baudenkmäler betraf, war der Stadtmagistrat schon damals sehr sparsam und hielt die veranschlagten 754 Mark für viel zu hoch. Man wandte sich also an den Zahntechniker Friedebach vom Amateurphotographenverein, um die Denkmaldokumentation möglichst billig zu erhalten. Die Amateurfotografen waren jedoch klug genug, das Ansinnen der Stadtverwaltung abzulehnen und auf die Berufsfotografen zu verweisen. Der Großauftrag ging schließlich an das Atelier Ramme und Ulrich, das die Fotosammlung für 450 Mark erstellte. Bei der Aufnahme von Baudenkmälern zu lnventarisationszwecken sah sich der Fotograf vor eine andere Aufgabe gestellt als bei Veduten, die etwa für eine Ansichtskarte verwendet werden sollten. Nun waren nicht stimmungsvolle oder belebte Darstellungen verlangt, sondern ein möglichst klares, objektives Abbild, auf dem Gesamtwirkung und Details des Bauwerks gleichermaßen ablesbar sein sollten. Die Aufnahmen zogen sich unter mehrfachen Mahnungen des Stadtmagistrats fast zwei Jahre hin, fanden jedoch nach ihrer Fertigstellung den vollen Beifall der Auftraggeber.
Sohn und Nachfolger von Georg Engelbrecht war um 1910 Hans Engelbrecht.

Quelle: 26