Erdmann August

* 28.09.1615 (Bayreuth)
† 27.01.1651 (Hof an der Saale)

Erbprinz des Markgrafentums Bayreuth

Familienstand: verheiratet seit 1641 mit Prinzessin Sophie, Tochter des Markgrafen Joachim Ernst von Ansbach; Kinder: Christian Ernst

Erdmann August war als 3. Sohn des Markgrafen Christian und seiner Gemahlin Maria von Preußen  am 28. September 1615 in Bayreuth geboren.  Die mit dem Markgrafen in ziemlich gespannten Verhältnis stehenden Landschaftsvertreter  erschienen dennoch mit ihren Glückwünschen.  Als Patengeschenk überreichten sie eine auf 12 000 Gulden lautende Obligation.  Der am 10. März 1619 geborene Bruder Georg Albrecht beneidete ihn um seine erbprinzliche Würde. Die Missgunst des Bruders mochte ihr gut Teil Schuld tragen an dem angespannten Verhältnis,  das zwischen Erdmann August und dem Markgrafen Christian zeitlebens bestand.
Die Verstimmungen am markgräflichen Hofe waren jedenfalls der Hauptgrund dafür,  dass er sich nach endlich erlangter Einwilligung seines Vaters im Jahre 1647 in die Ämter Lauenstein,  Lichtenberg und Thierbach zurückzog. Auf Schloss Lauenstein wurde die Hofhaltung eingerichtet.  Von dort aus war der Erbprinz ein häufiger Gast in Hof.

Anlässlich eines Besuches bei seinem Vater in Kulmbach im Januar 1648 kam es zu einem Pistolenduell mit seinem Bruder Georg Albrecht, wobei der Erbprinz nur durch sein Bandelier gerettet wurde,  an welchem die Kugel abprallte. Dieser Vorfall veranlasste den Erbprinzen,  endgültig mit seinem ganzen Besitz die Plassenburg zu verlassen.  Er siedelte zunächst mit einem kleinen Hofstaat und seiner aus Mannschaften von Lichtenberg  und Thierbach gebildeten Dragonerkompanie nach Hof über. Eine Schlägerei zwischen 2 Schneidergesellen, in welche der erbprinzliche Page von Reitzenstein sich einmischte, bewog Erdmann August, auf 2 Wochen noch einmal nach Lauenstein zurückzukehren. Hierauf bezog er das von dem schwedischen Kommandanten endlich geräumte Schloss in Hof, hinter welchem er eine Rennbahn anlegen ließ.
Der Hofer Aufenthalt wurde unterbrochen durch einen Besuch bei der schwerkranken Markgräfin in Bayreuth, welche am 11. Februar 1649 starb, und durch eine Reise nach Königsberg, wo er mit seinem Bruder und der Herzogin Maria Sibylla von Sachsen das mütterliche Erbe teilte. Ein Unglücksfall hätte kurze Zeit später beinahe dem Erbprinzen das Leben gekostet. Von einem Spazierritt bei starkem Regenwetter in stockfinsterer Nacht zurückkehrend,  kam Erdmann August vom Wege ab und verlor seine Begleitung. Sein Pferd stürzte den Abhang des Teufelsberges hinunter. Pferd und Reiter blieben unverletzt.  Der Erbprinz konnte mit seinem Hunde in einer am Fuß des Teufelsberges befindlichen Scheune Unterschlupf finden. Das Pferd blieb während der ganzen Nacht, auf seinen Herrn wartend,  vor der Scheune stehen. Am Morgen wurde der Erbprinz von seiner Begleitung in der Scheune  "ziemlich entkräftet" aufgefunden und in die Stadt zurückgebracht.
Im Jahre 1641 hatte sich der Erbprinz mit seiner "Geschwisterkinds-Base", der markgräflichen  Prinzessin Sophie, einer Tochter des Markgrafen Joachim Ernst von Ansbach verlobt. Am 22. November hatte der Markgraf Christian seinem Sohn mit 106 Gästen, 57 Reisigen (Söldnern),  51 Kutschen und 108 Pferden nach Ansbach gegleitet. Die 8 Tage währenden Vermählungsfeierlichkeiten hatten sodann am 1. Advent, dem 28. November, begonnen.
An diesem Tage war auch in Hof ein Festgottesdienst abgehalten worden. Um 4 Uhr nachmittags waren die beiden Ausschüsse mit fliegenden Fahnen zum Rathaus marschiert,  um von dort aus bis zur Michaeliskirche Spalier zu bilden.  Unter Beteiligung des Hauptmanns von Bodenhausen, des gesamten Landadels, der fürstlichen Beamten, der Bürgermeister und Ratsherren hatte ein Festzug zur Kirche stattgefunden, in welcher  ein mit Musikstücken und dem "großen Tedeum" ausgestatteter Gottesdienst abgehalten worden war.
Hierauf hatte der neue Stadtschreiber Peter Schäfer (Scheffer?) vor dem Rathause die "Ovation gethan". Eine dreimalige Salve zu Ehren der Neuvermählten hatte den Festakt beendet. Am Abend hatte sich eine fröhliche Feier auf dem Rathause angeschlossen. Der glückliche Umstand, dass gerade damals eine Unterbrechung der üblichen "Kriegspressuren" eingetreten war, hatte die Abhaltung der großen Vermählungsfeierlichkeiten in Ansbach und die schlichte Feier in Hof ermöglicht.
Am 7. Dezember war das erbprinzliche Paar "mit fürstlichem Comitat" auf der Plassenburg  eingetroffen. Im Jahre 1644 war die Ehe mit der Geburt des Prinzen Christian Ernst beglückt worden. Aber schon am 23. November 1646 war die Erbprinzessin Sophie Margaretha gestorben. Wegen der "Kriegsläuffte" musste die Bestattung in der Familiengruft in Bayreuth um 10 Wochen  verschoben werden. Am 8. Februar 1647 wurde für die verstorbene Erbprinzessin auch in Hof ein "Leichenprozess" abgehalten.
Im Jahre 1649 fasste Erdmann August den Entschluss, sich aufs neue zu vermählen. Der Markgraf Christian und erst recht der Bruder des Erbprinzen, den eine etwaige weitere Nachkommenschaft des Erdmann August in seiner Familienpolitik störte, waren mit diesem Gedanken gar nicht einverstanden. Um so größer war die Freude der Stadt Hof über das Vorhaben ihres Prinzen. Als er zur "Brautschau" nach Berlin und Schwerin abreiste, begleiteten ihn Hofer Ratsherren und Bürger bis nach Schleiz. Es war bezeichnend für das Verhältnis von Vater und Sohn, dass der Markgraf die Abwesenheit des Erbprinzen benützte, um der Stadt Hof einen Besuch abzustatten. Am 26. Juli 1650 verlobte sich Erdmann August mit Sophie Agnes, der Tochter des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg. Als der Bräutigam zurückkehrte, bereitete ihm die Stadt Hof einen freudigen und festlichen Empfang. An der Landesgrenze wurde er von 150 Reitern abgeholt. In der Freude über den unverhofften Empfang sprang Erdmann August vom Pferde, hieß sie willkommen und "tat mit ihnen einen Trunk". Als der Zug "bei dem Hügel vor dem Schießhaus" ankam, wurde der Erbprinz von den Bürgermeistern und den Ratsherren begrüßt. Als ein Zeichen besonderer Leutseligkeit bemerkte der Chronist, dass der Erbprinz den Willkomm "mit entblößtem Haupt und Händedruck" erwiederte. Beim Einzug in die Stadt "mit fliegenden Fähnlein" krachten die kleinen "Stücklein" (Kanonen) und die Doppelhaken, das Spiel der vor dem  unteren Tore stehenden Wache klang auf. Die Musikanten bließen vom Turm. Innerhalb der Stadt begrüßte die Geistlichkeit den Erbprinzen. Der Kantor und seine Schüler  stimmten einen Wilkommensgruß an. Zum Dank reichte der Zurückgekehrte allen die Hand. Mit einer dreifachen Salve des Ausschusses endete die Begrüßungsfeier, welche somit in dieser Form nur regierenden Fürsten zuteil wurde. Erdmann August besaß die Herzen der Hofer. Bald darauf statete der Erbprinz seinem 70jährigen Vater in Bayreuth einen Besuch ab,  um die Vorbereitungen zu seiner Vermählungsfeier zu beginnen. Kaum zurückgekehrt, erkrankte der Erbprinz an einem "hektischen Fieber" (Brustfieber),  das allen bemühungen der Ärzte zum Trotz täglich zunahm. Während seiner Krankheitstage statteten ihm weder der Markgraf noch sein Bruder einen Besuch ab. Die Verstimmung zwischen den nächsten Familienangehörigen bestand fort. Markgraf Christian ließ lediglich durch seinen Rat und Geheimen Secretär Rodner in Hof  Erkundigungen über den Krankheitszustand einzuziehen. Als Lebensgefahr festgestellt wurde,  sandte der Fürst eine Deputation, bestehend aus dem Geheimen Rat und Landschaftsdirektor von Mussel und dem Hofjunker von Rabenstein. Beide hatten den Auftrag, bis zum Tode  des Erbprinzen in Hof zu verweilen und sodann sofort die Hinterlassenschaft zu versiegeln.

vermutliches Bild von Erdmann August
(Stadtmuseum Bayreuth)

Am 27. Januar 1651 beschloss der Erbprinz von Bayreuth, Erdmann August, im Schlosse zu Hof/S.  nach Empfang des heiligen Abendmahls im Alter von nur 35 Jahren sein Leben. Bei der Sektion der Leiche wurde ein Lungengeschwür, Verschrumpfung des Magens  und "rötliche, von einer scharfen Materie angegriffene Eingeweide" festgestellt. Eine fortgeschrittene ärztliche Kunst hätte vielleicht die Folgen einer Vergiftung nachweisen können. Anlässlich der Einbalsamierung des Körpers wurden die Eingeweide in der Michaliskirche  "über den beiden Gräbern des Hauptmanns von Wildenstein und seiner Gemahlin, zu ihren Häuptern  fast mitten zwischen den beiden Säulen, wo sonsten das Singpult gestanden", beigesetzt.  In der Nacht vom 26. auf 27. Februar wurde die Leiche des Erbprinzen in aller Stille nach Bayreuth  überführt. Schweigend bildete die Hofer Bevölkerung Spalier.  Die Trauer über das Hinscheiden des lebensfrohen und leutseligen Fürstensohnes war echt.  Die Beisetzung in der Stadtkirche zu Bayreuth erfolgte am 27. Februar ohne das übliche "Gepränge".  Die für Erdmann August gehaltenen Leichenpredigten erschienen unter dem Titel  "Hochfürstlicher Todenkranz" im Druck.

Um den 8-jährigen hinterlassenen Erbprinzen Christian Ernst bekümmerte man sich zunächst wenig. Erst am 25. Juni 1652 erschien eine 5 Bogen starke, vom Markgrafen eigenhändig unterschriebene "Instruction", welche den "Präceptoren" des Prinzen möglichste Strenge einschärfte. "Da mein geliebter Enkel Christian Ernst in den betrübten und ledigen Waisenstand gesetzt worden  und das Prinzlein doch künftig Land und Leute regieren soll, so ist eine Instruction vonnöthen, wie die bösen inclinationes (Neigungen) corrigirt werden, die Furcht Gottes einzuprägen,  bis wohl anstehnde fürstliche Tugenden sich präsentiren".

Quelle: Dr. E. Dietlein - Die Chronik der Stadt Hof, Band II, Allgemeine Stadtgeschichte 1939, Seite 261 - 265