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† 22.06.1670 |
war die erste Gattin Markgraf Chrsitian Ernsts. Allerdings scheint sie dabei nicht allzu glücklich gewesen zu sein. Nach bereits 2 Jahren Ehe trieb sie es mit einem Stallmeister, später - immerhin - mit einem Oberstallmeister, auf den der Markgraf mit Pistole und Degen losging. In einem Brief an einen Dritten nannte er seine Gemahlin unverhohlen einen "Flacken" und eine "Hure".
Es mangelt nicht an Versuchen,
die Geschichte der Bayreuther Markgrafen und Markgräfinnen
wiederzubeleben. Leider konzentrieren sich die Bemühungen -
was die Gräfinnen angeht - hauptsächlich auf
Wilhelmine. Einzig die "Weiße Frau“, das Bayreuther
Schlossgespenst, kann in Bekanntheitsgrad und
Öffentlichkeitsgunst der preußischen
Königstochter ernsthaft Konkurrenz machen.
Eine der Bayreuther Fürstinnen, die ein
Mauerblümchendasein im Schatten der großen
Wilhelmine fristet, ist Erdmudh Sophia. Ihr Leben war kurz - 26 Jahre
ist sie alt geworden - und leidenschaftlich. Ihren Zeitgenossen galt
sie als "schönste Princessin Teutschlands“,
für den Hofstaat war sie die ,Femme fatale‘: Nach
zweijähriger Ehe betrügt sie ihren Gemahl, den
Markgrafen - er erwischt sie mit seinem Stallmeister in flagranti. Zwei
Jahre vor ihrem Tod wirbelt eine neue Affaire viel alten Staub auf.
Diesmal ist es der Oberstallmeister, den sie sich zu ihrem Geliebten
macht; ein Duell zwischen Markgraf Christian Ernst und ihrem Galan
setzt der verbotenen Liaison ein Ende.
Erdmudh Sophie wurde am 15. Februar 1644 als zweite Tochter des
Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen geboren. Mit elf
Jahren hatte sie die Bibel "dreimal von Anfang bis zu Ende gelesen und
kannte den ganzen Katechismus auswendig“, wie Oberhofprediger
Weller, der für ihre Erziehung verantwortlich war, bezeugte.
Resultat dieser streng religiös ausgerichteten Erziehung waren
Gedichte, in denen die elfjährige Verfasserin ihre Hoffnung
ausspricht, von Gott durch den Tod "aus Trübsal und
großer Not“ befreit zu werden. Mit 14 Jahren lernte
die sächsische Prinzessin bei der Kaiserkrönung
Leopolds in Frankfurt den gleichaltrigen Bayreuther
Fürstensohn und Erbprinzen Christian Ernst kennen; 17
jährig begegneten sich die beiden "letztem wieder in
Leipzig“.
"Weil auch seine Hoch-Fürstl. Durchleuchtigkeit sich nunmehro
entschlossen hatten zu vermählen, und in dieser Absicht dero
Neigung auf die sächsische Kur-Prinzessin fiel“
(Falckenstein), machte sich Christian Ernst am 11. Dezember 1661 von
Bayreuth auf den Weg nach Morizburg, wo er ,bei dem Herrn
Vatter“ der Kurprinzessin "selbst
mündlich“ um ihre Hand anhielt.
Ein knappes Jahr später fand die Vermählung der
beiden 18jährigen in Dresden statt (18.10.1662). Die
"angestellten Festivitäten“ dauerten fast vier
Wochen, eine Flut von Glückwunschgedichten ergoss sich
über das junge Paar. Vor allem die Schönheit der
Braut wurde unermüdlich gerühmt; die Studentenschaft
der Uni Leipzig reimte: "Erdmudh Sophia, der Preis womit der Himmel
prahlet, der Glanz worauf die Erde trutzt, Erdmudh Sophia, der Stern,
der mehr als Phöbus (Apollo) strahlet ..." Der Bayreuther
Dichter Sigmund von Birken widmete ihr ein ganzes Singspiel
("Sophia“), in dessen Verlauf klar wurde, dass selbst die
berühmten antiken Göttinnen auf die
Schönheit der 18iährigen Bayreuther Landesmutter
eifersüchtig sind.
Es fällt schwer, diese Lobeshymnen auf Erdmudhes
Schönheit mit dem Bildnis des jungen Mädchens im
Blütenkranz in Einklang zu bringen. Nach heutigen
ästhetischen Vorstellungen entspricht Erdmudh Sophia
keineswegs dem weiblichen Schönheitsideal. Doch davon
abgesehen hatte die Prinzessin mehr zu bieten; Wellers Urteil zufolge
war sie "lernbegierig, fleißig und mit einem
außerordentlich guten Gedächtnis begabt“.
Diese Eigenschaften kamen ihr als Verfasserin der "Vier
Weltalter“ zugute; Erdmudh behandelt in diesem Werk die
Weltgeschichte von der Entstehung der Erde bis zu ihrem vermutlichen
Ende; für Adams Tod nimmt sie das Jahr 930 und für
die Erbauung Noahs Arche das Jahr 1536 an; dieses Buch erlebte mehrere
Auflagen, entpuppte sich als echter Bestseller, und die
Markgräfin setzte sich damit ein literarisches Denkmal.
Im Jahr 1668 geriet ihre Ehe mit Markgraf Christian Ernst in eine
schwere Krise und drohte zu zerbrechen. Vorausgegangen waren
Gerüchte, die dem Markgrafen hinterbracht worden waren: seine
Frau betrüge ihn mit dem Oberstallmeister. Nach einem
Zechgelage auf der Plassenburg fiel der Markgraf in einem Anfall von
Eifersucht den Oberstallmeister von Schulenburg "mit dem
bloßen Degen“ an und hieb auf diesen derart ein,
dass dem armen Schulenburg nichts weiter übrig blieb, als die
Degenschläge mit der bloßen Hand abzufangen, was ihn
dann auch "dreimal plessiret“ hatte.
Als es ihm endlich gelang, seinen eigenen Degen zu ziehen, warf sich
Erdmudh zwischen die Kampfhähne und bat Schulenburg
inständig zu fliehen. Er fand Zuflucht im Bamberger Stift, von
wo er einer nicht näher bezeichneten "Excellenz“
(wahrscheinlich v. Stein) brieflich seine Unschuld beteuerte und die
näheren Umstände seiner Auseinandersetzung mit dem
Markgrafen schilderte. Unter gleichem Datum vom 11. Januar schreibt der
Markgraf an denselben v. Stein - seinem Freund und Kanzler - und
bezeichnet in dem Brief seine Frau als "Flacke“ und
"Hure“, mit der er sich "von Tisch und Bett geschieden
haben“ wolle, weil er nicht bei einem Weibe leben mag, von
dem er "nichts als Untreue und ein abgefressenes Leben zu erwarten
habe“.
Nach mehreren Briefen an Erdmudh Sophias Vater und einer Reise nach
Kopenhagen - um "ein wenig Luft zu schöpfen“ und
sein "perturbirtes Gemüte in etwas zu
besänftigen“ - willigte Christian Ernst in die
Versöhnung ein, nicht ohne Vorbehalte allerdings: Er verlangt
von ihrem Vater unter anderem, dass "dero vätterliche Hand
nicht versagen wolle und dero Frau Tochter geführtes
üble Leben ..., zu einem anderen und besseren“
führen möge, und dass der "Herr Vatter“ ihr
ferner verbieten möge, die "Diener nach der alten Art zu
schellen und zu schmähen".
Zwei Jahre später zeigt ein Brief der Markgräfin vom
12. Mai 1662, wie weit die Versöhnung über den Akt
der politischen Konsolidierung hinausging: "Es ist noch schlimm mit
mir, morgen soll ich zur Ader gelassen werden ... verlange nichts
anderes als Euch zu sehen; ach um das Blut Christi Willen ... Sie
kommen doch zu mir, ach mein Schatz.“ Es war Erdmudhes
letzter Brief. Ihre Krankheit (ein Unterleibsleiden) verschlimmerte
sich rapide, Ärzte und Medikamente versagten, Christian Ernst
wurde durch Eilboten von Nürnberg hach Bayreuth gerufen. Am
12. Juni 1662 starb Erdmudh Sophia im Alter von 26 Jahren; sie
hinterließ keine Kinder.
Die Markgräfin erlebte nicht mehr die Fertigstellung ihres
Schlosses auf dem damaligen Culmberg, der ihr zu Ehren nach ihrem Tod
"Sophienberg“ genannt wurde. Über den
Künstler, der uns Erdmudh Sophias Bildnis hinterlassen hat,
findet sich kein Hinweis außer der lapidaren Bemerkung im
renommierten "Thieme-Becker“- Künstlerlexikon von
1930: "E. Ölpke, Verfasser des Bildnisses der Erdmudh
Sophia.“