Markgräfin Erdmuthe Sophie / Erdmudhe Sophia

* 15.02.1644
† 22.06.1670

war die erste Gattin Markgraf Chrsitian Ernsts. Allerdings scheint sie dabei nicht allzu glücklich gewesen zu sein. Nach bereits 2 Jahren Ehe trieb sie es mit einem Stallmeister, später - immerhin - mit einem Oberstallmeister, auf den der Markgraf mit Pistole und Degen losging. In einem Brief an einen Dritten nannte er seine Gemahlin unverhohlen einen "Flacken" und eine "Hure".

Quelle: 1,58,64

Es mangelt nicht an Versuchen, die Geschichte der Bayreuther Markgrafen und Markgräfinnen wiederzubeleben. Leider konzentrieren sich die Bemühungen - was die Gräfinnen angeht - hauptsächlich auf Wilhelmine. Einzig die "Weiße Frau“, das Bayreuther Schlossgespenst, kann in Bekanntheitsgrad und Öffentlichkeitsgunst der preußischen Königstochter ernsthaft Konkurrenz machen.

Eine der Bayreuther Fürstinnen, die ein Mauerblümchendasein im Schatten der großen Wilhelmine fristet, ist Erdmudh Sophia. Ihr Leben war kurz - 26 Jahre ist sie alt geworden - und leidenschaftlich. Ihren Zeitgenossen galt sie als "schönste Princessin Teutschlands“, für den Hofstaat war sie die ,Femme fatale‘: Nach zweijähriger Ehe betrügt sie ihren Gemahl, den Markgrafen - er erwischt sie mit seinem Stallmeister in flagranti. Zwei Jahre vor ihrem Tod wirbelt eine neue Affaire viel alten Staub auf. Diesmal ist es der Oberstallmeister, den sie sich zu ihrem Geliebten macht; ein Duell zwischen Markgraf Christian Ernst und ihrem Galan setzt der verbotenen Liaison ein Ende.

Erdmudh Sophie wurde am 15. Februar 1644 als zweite Tochter des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen geboren. Mit elf Jahren hatte sie die Bibel "dreimal von Anfang bis zu Ende gelesen und kannte den ganzen Katechismus auswendig“, wie Oberhofprediger Weller, der für ihre Erziehung verantwortlich war, bezeugte. Resultat dieser streng religiös ausgerichteten Erziehung waren Gedichte, in denen die elfjährige Verfasserin ihre Hoffnung ausspricht, von Gott durch den Tod "aus Trübsal und großer Not“ befreit zu werden. Mit 14 Jahren lernte die sächsische Prinzessin bei der Kaiserkrönung Leopolds in Frankfurt den gleichaltrigen Bayreuther Fürstensohn und Erbprinzen Christian Ernst kennen; 17 jährig begegneten sich die beiden "letztem wieder in Leipzig“.
"Weil auch seine Hoch-Fürstl. Durchleuchtigkeit sich nunmehro entschlossen hatten zu vermählen, und in dieser Absicht dero Neigung auf die sächsische Kur-Prinzessin fiel“ (Falckenstein), machte sich Christian Ernst am 11. Dezember 1661 von Bayreuth auf den Weg nach Morizburg, wo er ,bei dem Herrn Vatter“ der Kurprinzessin "selbst mündlich“ um ihre Hand anhielt.

Ein knappes Jahr später fand die Vermählung der beiden 18jährigen in Dresden statt (18.10.1662). Die "angestellten Festivitäten“ dauerten fast vier Wochen, eine Flut von Glückwunschgedichten ergoss sich über das junge Paar. Vor allem die Schönheit der Braut wurde unermüdlich gerühmt; die Studentenschaft der Uni Leipzig reimte: "Erdmudh Sophia, der Preis womit der Himmel prahlet, der Glanz worauf die Erde trutzt, Erdmudh Sophia, der Stern, der mehr als Phöbus (Apollo) strahlet ..." Der Bayreuther Dichter Sigmund von Birken widmete ihr ein ganzes Singspiel ("Sophia“), in dessen Verlauf klar wurde, dass selbst die berühmten antiken Göttinnen auf die Schönheit der 18iährigen Bayreuther Landesmutter eifersüchtig sind.

Erdmudhe Sophia Es fällt schwer, diese Lobeshymnen auf Erdmudhes Schönheit mit dem Bildnis des jungen Mädchens im Blütenkranz in Einklang zu bringen. Nach heutigen ästhetischen Vorstellungen entspricht Erdmudh Sophia keineswegs dem weiblichen Schönheitsideal. Doch davon abgesehen hatte die Prinzessin mehr zu bieten; Wellers Urteil zufolge war sie "lernbegierig, fleißig und mit einem außerordentlich guten Gedächtnis begabt“.
Diese Eigenschaften kamen ihr als Verfasserin der "Vier Weltalter“ zugute; Erdmudh behandelt in diesem Werk die Weltgeschichte von der Entstehung der Erde bis zu ihrem vermutlichen Ende; für Adams Tod nimmt sie das Jahr 930 und für die Erbauung Noahs Arche das Jahr 1536 an; dieses Buch erlebte mehrere Auflagen, entpuppte sich als echter Bestseller, und die Markgräfin setzte sich damit ein literarisches Denkmal.
Im Jahr 1668 geriet ihre Ehe mit Markgraf Christian Ernst in eine schwere Krise und drohte zu zerbrechen. Vorausgegangen waren Gerüchte, die dem Markgrafen hinterbracht worden waren: seine Frau betrüge ihn mit dem Oberstallmeister. Nach einem Zechgelage auf der Plassenburg fiel der Markgraf in einem Anfall von Eifersucht den Oberstallmeister von Schulenburg "mit dem bloßen Degen“ an und hieb auf diesen derart ein, dass dem armen Schulenburg nichts weiter übrig blieb, als die Degenschläge mit der bloßen Hand abzufangen, was ihn dann auch "dreimal plessiret“ hatte.
Als es ihm endlich gelang, seinen eigenen Degen zu ziehen, warf sich Erdmudh zwischen die Kampfhähne und bat Schulenburg inständig zu fliehen. Er fand Zuflucht im Bamberger Stift, von wo er einer nicht näher bezeichneten "Excellenz“ (wahrscheinlich v. Stein) brieflich seine Unschuld beteuerte und die näheren Umstände seiner Auseinandersetzung mit dem Markgrafen schilderte. Unter gleichem Datum vom 11. Januar schreibt der Markgraf an denselben v. Stein - seinem Freund und Kanzler - und bezeichnet in dem Brief seine Frau als "Flacke“ und "Hure“, mit der er sich "von Tisch und Bett geschieden haben“ wolle, weil er nicht bei einem Weibe leben mag, von dem er "nichts als Untreue und ein abgefressenes Leben zu erwarten habe“.
Nach mehreren Briefen an Erdmudh Sophias Vater und einer Reise nach Kopenhagen - um "ein wenig Luft zu schöpfen“ und sein "perturbirtes Gemüte in etwas zu besänftigen“ - willigte Christian Ernst in die Versöhnung ein, nicht ohne Vorbehalte allerdings: Er verlangt von ihrem Vater unter anderem, dass "dero vätterliche Hand nicht versagen wolle und dero Frau Tochter geführtes üble Leben ..., zu einem anderen und besseren“ führen möge, und dass der "Herr Vatter“ ihr ferner verbieten möge, die "Diener nach der alten Art zu schellen und zu schmähen".
Zwei Jahre später zeigt ein Brief der Markgräfin vom 12. Mai 1662, wie weit die Versöhnung über den Akt der politischen Konsolidierung hinausging: "Es ist noch schlimm mit mir, morgen soll ich zur Ader gelassen werden ... verlange nichts anderes als Euch zu sehen; ach um das Blut Christi Willen ... Sie kommen doch zu mir, ach mein Schatz.“ Es war Erdmudhes letzter Brief. Ihre Krankheit (ein Unterleibsleiden) verschlimmerte sich rapide, Ärzte und Medikamente versagten, Christian Ernst wurde durch Eilboten von Nürnberg hach Bayreuth gerufen. Am 12. Juni 1662 starb Erdmudh Sophia im Alter von 26 Jahren; sie hinterließ keine Kinder.
Die Markgräfin erlebte nicht mehr die Fertigstellung ihres Schlosses auf dem damaligen Culmberg, der ihr zu Ehren nach ihrem Tod "Sophienberg“ genannt wurde. Über den Künstler, der uns Erdmudh Sophias Bildnis hinterlassen hat, findet sich kein Hinweis außer der lapidaren Bemerkung im renommierten "Thieme-Becker“- Künstlerlexikon von 1930: "E. Ölpke, Verfasser des Bildnisses der Erdmudh Sophia.“


Quelle: Heimatbote 02/1988 - Wilfried Engelbrecht
http://www.suite101.de/content/bayreuther-markgraefinnen-a47799
http://de.wikipedia.org/wiki/Erdmuthe_Sophie_von_Sachsen
http://www.haag-oberfranken.de/die_geschichte.htm