Ich habe Ewald Naujoks in den Jahren 1972 -75 mehrfach aufgesucht. Die Bezeichnung "König der Gottlosen" ist meiner Ansicht nach griffig, aber insofern unzutreffend, als er als Atheist diesbezüglich zwar sehr rührig war, seinem anarchistischen (der Begriff ist nicht ganz zutreffend, mir fällt gerade kein besserer ein) Denken entsprechend die Bezeichnung König aber niemals akzeptiert hätte.
Ewald Naujoks war ein hochintelligenter, sehr gebildeter Pazifist, der mir und vielen anderen Kriegsdienstverweigerern in den 1970er Jahren - damals musste man im Kreiswehrersatzamt eine "Gewissensprüfung" mit ungewissem Ausgang und hoher Ablehnungsquote über sich ergehen lassen - eine wertvolle Stütze war. Als NS-Häftling im Zuchthaus Bayreuth einsitzend (der Hinrichtung in Berlin war er nach der Bombardierung des Volksgerichtshofs und dem Tod Freislers entgangen), wurde er im April 1945 aufgrund seiner Englischkenntnisse vom seinerzeitigen Oberbürgermeister berufen, die Verhandlungen bezüglich der friedlichen Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen zu dolmetschen (letztere Episode hat er mir erzählt, dem Buch von Norbert Aas entsprechend wurde er von den Amerikanern aus dem Zuchthaus befreit). Und ist so in Bayreuth, als Außenbeamter bei der Treuhandstelle der Stadtverwaltung, gestrandet bzw. hängengeblieben.
In den 1970er Jahren wohnte er allein in einer 1-Zimmer-Souterrainwohnung in der Ludwig-Thoma-Straße südlich der Hollfelder Bahn. Sie war derart mich Büchern, Zeitungen und Zeitschriften (in Stapeln teilweise bis an die Decke) vollgepackt, dass sich die Gäste, wollten sie nicht stehen, auf sein Bett setzen mussten. Was Ewald Naujoks nicht hinderte, auch mit seinen 70 Jahren zielsicher so gut wie jedes benötigte Exemplar zu finden.
Quelle: "Von der Illegalität in Berlin zur Opposition in Bayreuth" von Norbert Aas. Ein Bild / Foto von Peter Festel