Seine Majestät König Ferdinand von Bulgarien


* 26.01.1861
† 10.09.1948
Zusammen mit den beiden Fabrikanten Bales und Bartsch erhielt noch ein dritter Anhänger Richard Wagners das Ehrenbürgerrecht. In der Stadtratssitzung vom 22. August 1928 wurde beschlossen, König Ferdinand von Bulgarien die Ehrenbürgerschaft anzutragen.

Der König war sein ganzes Leben lang ein begeisterter Bewunderer der Kunst Richard Wagners und er versäumte auch nie, die Festspiele zu besuchen. Er zeigte nicht nur Interesse am Werdegang der Festspiele, sondern er unterstützte auch tatkräftig mit finanziellen Mitteln, wo immer er konnte. Als begeisterter Kunstanhänger war es für ihn selbstverständlich, die verschiedensten Kultureinrichtungen zu subventionieren. In Coburg, wo er seinen Lebensabend verbrachte und am 10. September 1948 verstorben ist, gab er viel Geld für das Coburger Landestheater und richtete es so geschickt ein, dass der Freistaat Bayern noch heute dreißig Jahre nach Ferdinands Tod (1978), das Theater unterhalten muss. Obwohl er nie in Bayreuth gelebt hatte, lagen ihm die Stadt und vor allem die Festspiele ebenso am Herzen wie Coburg.
In Coburg beschränkte sich seine Großzügigkeit jedoch nicht nur auf die "Schönen Künste". Er spendete sehr viel Geld für die Armen. Von den Coburgern wurde er deshalb verehrt und geliebt und er ist noch heute für sie eine Idealfigur. Unnötig zu erwähnen, dass er auch Ehrenbürger von Coburg ist.

König Ferainand wurde am 26. Februar 1861 geboren. Sein Großvater, Prinz Ferdinand, war der Begründer der katholischen Linie des Hauses Coburg und mit der Fürstin Antonie Kohary vermählt gewesen. König Ferdinands Vater war Prinz August, seine Mutter Prinzessin Clementine von Orléans, die Tochter des französischen Königs Louis Philipp. Der junge Prinz verbrachte seine Jugendzeit in Wien, wo seine Eltern (österreichische Nebenlinie des Hauses Coburg) das Palais Coburg bewohnten. Er widmete sich früh naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Studien, was die kluge Mutter erfolgreich unterstützte. In Wien besuchte er auch die Kadettenschule, aber nur sehr ungern. Die Jugend Ferdinands fiel in die Zeit des Drei-Kaiser-Bündnisses zwischen Russland, Deutschland und Österreich, das dann auf Grund entstandener Spannungen im südosteuropäischen Raum scheiterte. Als im Jahre 1886 Alexander von Battenberg, der von der bulgarischen Deputiertenkammer zum Fürsten gewählt worden war, unter russischem Druck abgedankt hatte, wurde Prinz Ferdinand von Coburg-Kobary von der Sobranje zum Fürsten gewählt. Obwohl er von keiner Großmacht gestützt wurde, und Russland seiner Kandidatur unfreundlich gegenüberstand, hatte er den Mut, die ihm angebotene Würde anzunehmen.

In einem hochpolitischen Zeitabschnitt, in dem Bismarck zum letzten Mal alle Fäden der europäischen Politik in der Rand hielt, betrat der damals 26-jährige Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha als Fürst von Bulgarien den Boden eines Landes, das damals - wie der ganze Balkan - im Spannungsfeld machtpolitischer Gegensätze zwischen der Türkei, Russland und Österreich lag. Aber mit Begabung und hervorragendem Geschick gelang es Ferdinand, Ruhe und Ordnung herzustellen. Er setzte die Finanzen wieder instand, ordnete das Heerwesen, ließ Eisenbahnen bauen und erreichte schließlich seine Anerkennung durch die Großmächte, auch als er sich 1908 die Königswürde zulegte. Zu welcher Bedeutung er das Ansehen Bulgariens gebracht hatte, zeigte sich, als im 1. Weltkrieg die kämpfenden Mächte sich um die Teilnahme Bulgariens an dem Krieg auf ihrer Seite bemühten. Nach der Niederlage dankte er ab, um seinem Sohn nicht im weg zu stehen. Er war von 1887 bis 1918 der Monarch des bulgarischen Volkes gewesen und durch den rechtzeitigen Thronverzicht bewahrte er sein Land vor den Erschütterungen einer Revolution. Als er Bulgarien verlassen hatte, wollte er sich auf seine Besitzungen in Ungarn zurückziehen. Aber aus Budapest wurde ihm mitgeteilt, dass ihm das nicht gestattet sei. Nun wollte der Zar weiter nach Ebenthal in Österreich. Aber auch sein Schwager, Kaiser Karl von Österreich, verweigerte ihm das Asyl mit der Begründung, dass "wegen der Stimmung der Bevölkerung seine Sicherheit nicht gewährleistet werden könne."

Also reiste König Ferdinand nach Coburg. Hier lebte er dann nur für seine wissenschaftlichen und kulturellen Interessen und er erweiterte seine Kenntnisse durch Studien und Reisen.

Zar Ferdinand von Bulgarien - wie er sich nannte - war zweimal verheiratet; seine vier Kinder stammten aus seiner ersten Ehe mit Marie Louise von Bourbon-Parma. Seine beiden Söhne, Boris und Kyrill, kamen beide tragisch ums Leben. Kyrill wurde von den Bolschewisten erschossen. König Boris, der verheiratet war mit der Tochter des italienischen Königs und dessen Sohn Simeon später die Krone nicht retten konnte und fliehen musste, starb unter ungeklärten Umständen.

Quelle:  31