Zusammen mit den beiden Fabrikanten
Bales und
Bartsch erhielt noch ein dritter Anhänger
Richard Wagners das
Ehrenbürgerrecht. In der Stadtratssitzung vom 22. August 1928
wurde beschlossen, König Ferdinand von Bulgarien die
Ehrenbürgerschaft anzutragen.
Der König war sein ganzes Leben lang ein begeisterter Bewunderer
der Kunst Richard Wagners und er versäumte auch nie, die
Festspiele zu besuchen. Er zeigte nicht nur Interesse am Werdegang der
Festspiele, sondern er unterstützte auch tatkräftig mit
finanziellen Mitteln, wo immer er konnte. Als begeisterter
Kunstanhänger war es für ihn selbstverständlich, die
verschiedensten Kultureinrichtungen zu subventionieren. In Coburg, wo
er seinen Lebensabend verbrachte und am 10. September 1948 verstorben
ist, gab er viel Geld für das Coburger Landestheater und richtete
es so geschickt ein, dass der Freistaat Bayern noch heute dreißig
Jahre nach Ferdinands Tod (1978), das Theater unterhalten muss. Obwohl
er nie in Bayreuth gelebt hatte, lagen ihm die Stadt und vor allem die
Festspiele ebenso am Herzen wie Coburg.
In Coburg beschränkte sich seine Großzügigkeit jedoch
nicht nur auf die "Schönen Künste". Er spendete sehr viel
Geld für die Armen. Von den Coburgern wurde er deshalb verehrt und
geliebt und er ist noch heute für sie eine Idealfigur.
Unnötig zu erwähnen, dass er auch Ehrenbürger von Coburg
ist.
König Ferainand wurde am 26. Februar 1861 geboren. Sein
Großvater, Prinz Ferdinand, war der Begründer der
katholischen Linie des Hauses Coburg und mit der Fürstin Antonie
Kohary vermählt gewesen. König Ferdinands Vater war Prinz
August, seine Mutter Prinzessin Clementine von Orléans, die
Tochter des französischen Königs Louis Philipp. Der junge
Prinz verbrachte seine Jugendzeit in Wien, wo seine Eltern
(österreichische Nebenlinie des Hauses Coburg) das Palais Coburg
bewohnten. Er widmete sich früh naturwissenschaftlichen und
geschichtlichen Studien, was die kluge Mutter erfolgreich
unterstützte. In Wien besuchte er auch die Kadettenschule, aber
nur sehr ungern. Die Jugend Ferdinands fiel in die Zeit des
Drei-Kaiser-Bündnisses zwischen Russland, Deutschland und
Österreich, das dann auf Grund entstandener Spannungen im
südosteuropäischen Raum scheiterte. Als im Jahre 1886
Alexander von Battenberg, der von der bulgarischen Deputiertenkammer
zum Fürsten gewählt worden war, unter russischem Druck
abgedankt hatte, wurde Prinz Ferdinand von Coburg-Kobary von der
Sobranje zum Fürsten gewählt. Obwohl er von keiner
Großmacht gestützt wurde, und Russland seiner Kandidatur
unfreundlich gegenüberstand, hatte er den Mut, die ihm angebotene
Würde anzunehmen.
In einem hochpolitischen Zeitabschnitt, in dem Bismarck zum letzten Mal
alle Fäden der europäischen Politik in der Rand hielt, betrat
der damals 26-jährige Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha
als Fürst von Bulgarien den Boden eines Landes, das damals - wie
der ganze Balkan - im Spannungsfeld machtpolitischer Gegensätze
zwischen der Türkei, Russland und Österreich lag. Aber mit
Begabung und hervorragendem Geschick gelang es Ferdinand, Ruhe und
Ordnung herzustellen. Er setzte die Finanzen wieder instand, ordnete
das Heerwesen, ließ Eisenbahnen bauen und erreichte
schließlich seine Anerkennung durch die Großmächte,
auch als er sich 1908 die Königswürde zulegte. Zu welcher
Bedeutung er das Ansehen Bulgariens gebracht hatte, zeigte sich, als im
1. Weltkrieg die kämpfenden Mächte sich um die Teilnahme
Bulgariens an dem Krieg auf ihrer Seite bemühten. Nach der
Niederlage dankte er ab, um seinem Sohn nicht im weg zu stehen. Er war
von 1887 bis 1918 der Monarch des bulgarischen Volkes gewesen und durch
den rechtzeitigen Thronverzicht bewahrte er sein Land vor den
Erschütterungen einer Revolution. Als er Bulgarien verlassen
hatte, wollte er sich auf seine Besitzungen in Ungarn
zurückziehen. Aber aus Budapest wurde ihm mitgeteilt, dass ihm das
nicht gestattet sei. Nun wollte der Zar weiter nach Ebenthal in
Österreich. Aber auch sein Schwager, Kaiser Karl von
Österreich, verweigerte ihm das Asyl mit der Begründung, dass
"wegen der Stimmung der Bevölkerung seine Sicherheit nicht
gewährleistet werden könne."
Also reiste König Ferdinand nach Coburg. Hier lebte er dann nur
für seine wissenschaftlichen und kulturellen Interessen und er
erweiterte seine Kenntnisse durch Studien und Reisen.
Zar Ferdinand von Bulgarien - wie er sich nannte - war zweimal
verheiratet; seine vier Kinder stammten aus seiner ersten Ehe mit Marie
Louise von Bourbon-Parma. Seine beiden Söhne, Boris und Kyrill,
kamen beide tragisch ums Leben. Kyrill wurde von den Bolschewisten
erschossen. König Boris, der verheiratet war mit der Tochter des
italienischen Königs und dessen Sohn Simeon später die Krone
nicht retten konnte und fliehen musste, starb unter ungeklärten
Umständen.