![]() |
| * 01.10.1943 |
(BG), verheiratet, 2 kinder, Polizeihauptkommissar, Moderator bei ADAC und
Verkehrswacht für die Verkehrssicherheitsprogramme Kind und Verkehr", Können durch
Erfahrung" (Schulung junger Fahranfänger),
Sicherheit für Senioren". Mancher von uns hatte ihn bestimmt im Verkehrsunterricht in der Volksschule.
Mitglied im Bau-, Jugend- und Verkehrsausschuss.
Schwerpunkte: Verkehr, Jugend, Sport, Umwelt.
Bayreuths beliebtester
Polizist ist Pensionär. Am Mittwoch, 1. Oktober, seinem 60. Geburtstag, braucht Heinrich "Joe"
Friedlein nicht mehr in die Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, die seit
1966 seine Dienststelle war. "Da bin
ich meinen Eltern dankbar", grinst
Friedlein: "Wenn ich einen Tag später geboren wäre, müsste ich noch
den ganzen Oktober Dienst schieben. Aber ich vollende mein 60. Lebensjahr ja schon am 30. September."
Joe Friedlein hat nach seiner Polizeiausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Nürnberg und München im
Jahr 1963 den Austellungslehrgang
für den mittleren Polizeivollzugsdienst in Nürnberg absolviert und
wurde danach nach Bayreuth versetzt. Nach seiner Dienstzeit im
Schichtdienst und in der Ermittlungsgruppe wurde er 1976 zusammen mit seinem Kollegen Horst
Richter Verkehrserzieher.
Viele tausend Viertklässler wies der
Sohn des früheren- und gleichnamigen Chefs der Bayreuther
Landpolizei in der Jugend-Verkehrsschule
auf Fahrrädern und Kett-Cars in die
Geheimnisse des Straßenverkehrs
ein. Legendär wurde Joe Friedlein
aber in den 80er Jahren als "Mofajäger" Nummer eins. "Wir
fürchten weder Tod noch Friedlein" hieß es auf
einen Aufkleber, über den er sich
noch heute köstlich amüsiert: "Ich
habe den Aufkleber schon gekannt,
aber erst viel später gemerkt, dass
ich damit gemeint bin."
Über 250 frisierte Mofas hat er in dieser Zeit aus dem Verkehr gezogen.
Statt den erlaubten 25 Stundenkilometern
waren die Jugendlichen meist mit weit über 60 Stundenkilometern
unterwegs. "Das schnellste Mofa war in Donndorf gemeldet und 108
Stundenkilometer schnell", erinnert er sich. Irgendwie hat es ihm aber
keiner krumm genommen. "Erwischt" grinste der Donndorfer Fahrer, den er
damals an der Stadtbadturnhalle geschnappt hatte. Er brauchte mit den
auffrisierten Zweirädern der jungen Verkehrssünder niemals zum
TÜV. Die Jungs haben mir immer bereitwillig ihre Tricks verraten
und bekamen als Geständige eine mildere Behandlung. Joe Friedlein
lernte immer etwas dazu und konnte seine Sammlung an unerlaubten
Mofateilen, die ihm von den Eltern sofort ausgehändigt wurden,
vergrößern. Von Waschmaschinenscheiben bis zu einem
wassergekühlten Rennzylinder für Mofas - die Bayreuther
Mofapiloten waren sehr gewieft. Friedlein, der nacheigenen Worten keine
Ahnung von Mofas hatte, reifte zum Experten und hielt für seine
Polizeikollegen sogar Seminare zum Thema. "Auffrisieren". Noch heute
wird er auf der Straße angesprochen: "Wissen's noch, wie Sie
mich damals erwischt ham. Mei Ding is fei 80 gfohrn!"
Viele Jahre war er überdies für die Fußball-Jugend des
BSV 98 Bayreuth tätig. Wenn er von Manfred Kallwies, dem Chef der
Polizeidirektion Bayreuth, seine Urkunde erhält wird er sich
vornehmlich dem Fahrradfahren und natürlich der Stadtratsarbeit
widmen. Friedlein ist seit März 2003 Bayreuther Stadtrat in der
Fraktion der Bayreuther Gemeinschaft Freie Wähler. Mit 9.058
Stimmen rauschte der Verkehrserzieher von Platz 21 auf Rang vier in der
BG-Liste vor. Im Stadtrat gilt er freilich als Verkehrsexperte Nummer
eins. "Da habe ich auch als Pensionär noch geüügend zu
tun!"
![]() |
| Heinrich Joe Friedlein wir vom Polizeioberrat Jürgen Schlee verabschiedet |
Quelle: 6 (Anzeiger vom 01.10.2003, StM.)
DieTitel, mit denen sich Heinrich „Joe“ Friedlein schmücken kann, sind
bunt und schillernd. Auf den ersten Blick wollen sie nicht recht zu
einem Bayreuther Polizisten und Verkehrserzieher passen:
„Mofajäger
Nummer Eins“ oder der Spruch „Sie fürchten weder Tod noch Friedlein“
künden davon. Seit knapp zwei Jahren ist das Bayreuther Original im
Ruhestand, doch das tut der Beliebtheit des 62-Jährigen keinen Abbruch.
Seine Tätigkeit im Stadtrat oder die Betreuung von
Senioren-Fahrschulungen halten ihn auf Trab. Trotzdem ist es Zeit, dass
der KURIER (und auch Lebwohl.de) im Internet fragt; „Was macht
eigentlich…?“
Auf den Hausbesuch des KURIER hat sich Friedlein nicht extra vorbereiten
müssen, hätte er auch gar keine Zeit für gehabt, denn gerade kommt er
aus dem Stadtrat, wo er sich, wie könnte es auch anders sein, im
Verkehrsausschuss engagiert. Wie ein Wasserfalle sprudeln die Fakten,
die seine Bekanntheit ausmachen, aus ihm hervor: Rund 1000 Grundschüler
hat er in 27 Jahren auf dem Verkehrsübungsplatz der Stadt an den
Verkehr gewöhnt, in den 80-er Jahren hat er über 250 frisierte Mofas
aus dem Verkehr gezogen, seine Sammlung unerlaubter Mofateile suchte
ihresgleichen. Bekannt zu sein wie ein „bunter Hund“, das stört den
Vater von zwei Kindern nicht, im Gegenteil: „Es freut mich, wenn mich
die Menschen grüßen und mir erzählen, dass sie bei mir in der
Verkehrschule waren. Und wenn sie selbst schon den Kinderwagen vor sich
herschieben, dann muss ich schon lachen“, erklärt er. Niemals sei es zu
einer Begegnung der unerfreulichen Art gekommen, erklärt er, auch wenn
in den 80er Jahren die Mofas reihenweise aus dem Verkehr gezogen hat.
Doch das ist lange her und die Zeit ist auch an dem rüstigen Rentner, der
viel jünger aussieht, nicht spurlos vorbeigegangen: Trotzdem gehört das
Jammern über die Gesundheit nicht zu Friedleins bevorzugten
Gesprächsthemen. Nur kurz erwähnt er seine Knieprothese, das seien
Nachwirkungen des Bolzens auf dem Fußballplatz. Man werde eben
langsamer mit den Jahren und müsse zu diesen Einschränkungen stehen.
Doch das hindert ihn nicht, einem seiner weiteren Hobbys zu frönen: Dem
Radeln, bis zu 50 Kilometer lang sind seine Touren. Sonst spielt er
gerne Skat oder „Nürnberger Dreck“ im Sportheim.
Viel lieber unterhält sich Friedlein über die Aufgaben eines
Verkehrserziehers, mehr Berufung als Beruf für ihn. „Ich schaue noch
oft in der Dienststelle vorbei. Fast mehr als früher, denn ich will auf
dem neuesten Stand bleiben“, erklärt der „Gendarm mit Leib und Seele“,
als den er sich selbst bezeichnet. „Wenn man so ist wie ich, dann kann
man nicht einfach von heute auf morgen sagen, ihr könnt’ mich gern
haben“, so Friedlein. Das sei aber auch eine Strategie, um nach dem
Beruf in „kein Loch zu fallen“. Es ist eine Fülle von Geschichten und
Anekdoten die Friedlein zu erzählen hat: Wie die von dem
wassergekühlten Rennsatz, den er einmal an einem Mofa gefunden hat oder
dem Seifenkisten Polizeiwagen (mit Blaulicht) mit dem er einmal die
Auffahrt zum Festspielhaus heruntergedüst ist oder seinem Spitznamen
„Joe“, den er hat, seit er einmal am Fasching gleich neben der
Kindersitzung Fußball gespielt hat und ihn die Kinder angefeuert haben,
oder die Geschichte über ihn in der Schülerzeitung, die der gelernte
Heizungsmonteur hütet wie seinen Augapfel, oder die Erfindung der
Walkie-Talkies an den Kinderrädern auf dem Verkehrsübungplatz, eine
Idee, die sich dann in ganz Bayern durchgesetzt hat oder die
Einschulung der Abel-Fünflinge oder die Geschichte von den
Blackdrivern, dem Schwarzfahrer Club e.V, die sich den Schlachtruf „Sie
fürchten weder Tod noch Friedlein“ gegeben hatten und…und..und. So
viele Geschichten mit Bayreuther Lokalkolorit, dass er sich insgeheim
schon überlegt hat, alles in einem Buch niederzuschreiben. Nur: Es
fehlt die Zeit dafür!
Kinder und immer wieder die Nähe zu Kindern, das ist es, was Friedlein an
seinem Beruf besonders liebte. Er meint: „Ich habe immer einen riesen
Draht zu Kindern gehabt. Das hat mir einfach riesigen Spaß gemacht.“
Natürlich
habe es auch weniger nette Seiten der Bekanntheit gegeben, wie die
neidischen Kollegen, die ihn einen Profilneurotiker geschimpft hätten
oder die Auszeichnung „Kavalier der Straße“, die ihm erst im zweiten
Anlauf verliehen wurde. Doch diese Gedanken wischt Friedlein schnell
wieder davon und erinnert sich lieber an das schnellste Mofa, das er je
kontrolliert hat. Es kam aus Donndorf und fuhr 108 Kilometer in der
Stunde!
Bericht von Miriam Mandt (NBK) / November 2005. Sven Lutz war mit bei “Joe”
Hier können Sie sich noch ein Kurzvideo über Joe Friedlein ansehen. Aufgenommen im Oktober 2005.
> Download < (Real-Player 3 MB)