Markgraf Georg Wilhelm

Der Gründer und Namensgeber von St.Georgen


* 16.11.1678
  †18.12.1726


war der Sohn von Markgraf Christian Ernst und Sophie Luise. 1699 heiratete er die damals erst 15jährige Prinzessin Sophie von Sachsen-Weißenfels. Er starb ohne eine Thronerben zu hinterlassen. Seine Tochter war Christiane Sophie Wilhelmine.
Von all den Markgrafen Bayreuths war er der schillerndste. So gründete er den Stadtteil St. Georgen, baute dort das Schloss und machte aus den dort vorhandenen Fischteichen einen großen See, auf dem er sogar Seefeste feierte und auch Seeschlachten abhielt. Der See wurde erst um 1775 wieder abgelassen, weil er "der Gesundheit nicht zuträglich war" und weil die nachfolgenden Markgrafen sich nicht mehr so sehr für die Schiffahrt interessierten wie Makrgraf Georg Wilhelm. Von dem See und seiner Insel zeugen heute noch Straßennamen wie "Matrosengasse", "Inselstraße", "Seestraße". Der See hatte immerhin eine Fläche von ca. 86,5 ha. Zum Vergleich: Der Weißenstädter See hat ca. 50 ha. Da die Schiffe nicht bis ans Ufer fahren konnten, wurde auf dem See eine Insel angelegt, von der man heute den Standort nur noch aus der Luft ungefähr erahnen kann. Immerhin reichte der See fast bis Binlach, d.h. fast das gesamte heutige Industriegebiet stand damals unter Wasser.
 
Zeitraum "Bauwerke" Heute
  St. Georgen  
  Schloss St. Georgen Gefängnis
  Die Ordenskirche von St. Georgen  
  Das Prinzessinenhaus Sitz von TMT und anderen Firmen
  Das Gefängnis Gefängnis
  Der Brannaburger Weiher 1775 abgelassen
  JagdSchloss Thiergarten  
  Die 1. Eremitage  

Als bei St. Georgen noch Seeschlachten stattfanden

(M.E.)

In der Nähe des Schlosses St. Georgen findet man eine Reihe von Straßen mit recht feucht anmutenden Namen: so gibt es eine See, eine Weiher-, eine Inselstraße und sogar eine Matrosengasse. Das wird manchem Bürger um so merkwürdiger scheinen, als weit und breit nichts von einem See zu sehen ist. Könnten wir aber das Rad der Zeit um zweieinhalb Jahrhunderte zurückdrehen, so würde sich uns ein wesentlich anderes Bild darbieten:
Wo heute das Industriegelände liegt, dehnte sich damals ein respektabler See. Und auf ihm fuhren Schiffe, die sich einander regelrechte Seegefechte lieferten.

So sah es auf dem heutigen Industriegelände aus: Vor dem Schloss und der damals neuerbauten Stadt St. Georgen der Brandenburger See mit der Insel und den befestigten Hafenanlagen, von denen aus Kanonen in die "Seeschlachten" der Fregatten eingriffen. (Nach einer Zeichnung von Paul Decker d. Ä. gestochen von Johann Adam Delsenbach, um 1712).

Bei den Chronisten der alten Markgrafenstadt ist schwarz auf weiß in ihren Schriften zu lesen, dass im Jahre 1509 mehrere natürliche Weiher dieses Gebietes zu einem großen „Brandenburger Weiher“, später „Brandenburger See“, zusammengelegt und erweitert worden sind. Welchen Zweck Friedrich der Ältere seinerzeit damit verfolgt hat, dies herauszufinden, sei den Historikern überlassen. Jedenfalls dürfte zumindest nicht dies allein, wenn überhaupt ein Grund gewesen sein, weshalb er später von seinem Sohn Casimir für unzurechnungsfähig erklärt worden ist. Vermutlich hatte der Papa lediglich eine Vorliebe für Seelandschaften oder dafür, von Booten aus auf Enten und Wildgänse Jagd zu machen - oder aber er war ein leidenschaftlicher Karpfenesser; denn zeitweise wurden aus dem Brandenburger See alle zwei Jahre an die 300 Zentner Karpfen gefischt.

Der Brandenburger See 1745. Ausschnitt aus der Karte der Residenzstadt Bayreuth und Umgebung von Ingenieur-Kapitän Johann Adam Riediger

Ein sehr viel kostspieligeres Hobby leistete sich zwei Jahrhunderte später der Markgraf Georg Wilhelm, wie man sehen wird. Ihm verdankt der heutige Stadtteil St. Georgen seine Entstehung, und der Anlass war eben jener Brandenburger Weiher. Georg Wilhelm, der auf seiner jugendlichen Kavalierstour auch England und Holland besucht hatte, war von seinen Erlebnissen so angetan, dass er an diesem See um 1700 zunächst drei Häuser im holländischen Stil errichten ließ. Sie wurden die Keimzelle der späteren Siedlung „St. Georgen am See gegen Abend“, wie sie ursprünglich recht stimmungsvoll hieß.


(St. Georgen heute)

Georg Wilhelm, damals noch Erbprinz, hatte auf seinen Reisen außerdem eine andere Vorliebe bei sich entdeckt: er schwärmte für die Marine. Und zwar so sehr, dass er 1702 einen echt barocken Plan verwirklichte: Nachdem er zuerst einmal ein geziemendes Schloss am Ufer erbaut hatte - es wurde bereits 1725 durch das jetzige, prachtvollere ersetzt -‚


(Schloss St. Georgen - heute ein Gefängnis)

ließ er den Weiher ausheben und zu einem schiffbaren See ausgestalten. Eigens für ihn ließ er einige ausgewachsene Fregatten bauen, heuerte als Besatzung Matrosen in, bestückte die Schiffe mit dicken Kanonen, ließ die Insel im See als Schiffshafen befestigen und mitten im Wasser eine Feldschanze errichten, die er ebenfalls mit Geschützen ausstattete. Und zu seinem Vergnügen wie zum Ergötzen erlauchter Gesellschaften, denen gewiss nicht an jedem europäischen Hof derartige Spectacula geboten wurden, veranstaltete er dann regelrechte Seeschlachten, bei denen viel Pulver, wenn auch ohne gefährliche Kugeln, höchst effektvoll verschossen wurde.

Mehr Einzelheiten erzählen die an solche Launen ihrer Regenten offenbar hinlänglich gewöhnten Chronisten bedauerlicherweise nicht. Dass sie aber nicht phantasiert haben, davon zeugen noch etliche Überbleibsel aus jener Zeit. So die schon erwähnten Straßennamen, die auf den See und auf die Insel hindeuten. Und in der Matrosengasse findet man noch etliche jener alten Häuschen, die der Markgraf einst für die Seeleute seiner Privatflotte hatte erbauen lassen. Sogar die Ausmaße des einst 500 Tagwerk großen Sees (ca 86 ha = 1,5 * der Weißenstädter See) lassen sich nachweisen. Er reichte von der Böschung der Bindlacher Allee bis zum Fuß des Hügels am Grünen Baum; dort, wo sich das Ufer befand, präsentiert sich noch heute das „Weiherhäuschen“. Auch vom Damm, der den See nach Nordosten hin abschloss, sind da und dort noch Erhebungen erkennbar.
Zeugnisse jener markgräflichen Laune sieht man auch in der Stadtbücherei und im Stadtmuseum. Der Direktor der Stadtbibliothek, Dr. Wilhelm Müller, hat unter seinen Schätzen auch Volkhammers „Nürnbergische Hesperides“ mit einem Stich von der alten Seeanlage. Und im Stadtmuseum kann man ein Modell sehen, das einen Begriff davon gibt, wie des Markgrafen Schlachtschiffe einst ausgesehen haben.

Das kostspielige Hobby des Markgrafen Wilhelm hat bei seinen Nachfolgern freilich kein Verständnis gefunden. Christian Friedrich Karl Alexander, ein wesentlich sparsamerer Herrscher, ließ die Seeanlagen verfallen und legte den versumpfenden Weiher 1775 vollends trocken. Er gab mehrere hundert Tagwerk Land den Bauern zurück. Doch noch in den dreißiger Jahren gab es in der Nähe des Leers‘schen Waisenhauses ein Überbleibsel jenes Weihers, zum Gaudium der Kinder, die dort alljährlich Schlittschuh fuhren. Die Stadtväter Bayreuths traten in den 1950er Jahren in die Fußtapfen des letztgenannten Fürsten, als sie beschlossen, das Gelände noch um ein Mehrfaches nutzbar zu machen und dort das heutige Industriegebiet anzulegen. Wo einst Wasser plätscherte, findet man heute Fabriken und Verkaufshallen. Wo einst Seeschlachten zum Ergötzen einiger weniger Herrschaften stattfanden, entstehen heute Erzeugnisse zum Nutzen vieler. Und wo einst beträchtliche Summen verpulvert wurden, fließen heute umgekehrt dem Stadtsäckel alljährlich beträchtliche Summen zu...

Der Markgraf hatte zwar keinen Erben, aber eine hübsche Prinzessin als Tochter. Diese bekam vom Kammerjunker Boguslav von Wobeser ledige Zwillinge. Der Kindsvater floh zunächst vor dem Zorn des Landesherrn, hatte dann aber die Stirn, einen Prozess um Hand und Erbteil der Prinzessin anzustrengen. Das war dem Markgrafen zuviel: Die Aufregungen kosteten ihn das Leben.

Quelle: 1 (S. 9), 41,64
 
An mehreren Kriegen beteiligte sich Markgraf Georg Wilhelm. Im spanischen Erbfolgekrieg (1701 - 14) focht er als Prinz mit seinem Vater in kaiserlichen Diensten gegen Frankreich und erwarb sich hierbei einen rühmlichen Namen wegen seines Sieges über die Franzosen und Bayern (1704) und wurde zum Generalleutnant ernannt. Er gehörte zu den ersten Fürsten, die im Frieden ein stehendes Heer unterhielten. Als unter dem Nachfolger Georg Wilhelms 1730 der preußische König Friedrich Wilhelm 1. Bayreuth besuchte, gefielen ihm die Husaren so gut, daß er sich darnach eine ähnliche Kompagnie errichtete, aus der später das Regiment „Ziethen“ entstand.

Eine Gelegenheit zur Entfaltung der ihm eigenen Prachtliebe bot ihm die Baukunst. Ein großer Teil der in der Nähe Bayreuths liegenden Schlösser verdankt ihm seine Entstehung. Schon als Prinz erbaute er neben dem Brandenburger Weiher ein provisorisches Schloss aus Holz. Der mittlere Teil des Schlosses wurde jedoch im Jahre 1725 wegen zu schlechter Ausführung wieder niedergerissen und prächtiger aufgebaut. Auf dem Brandenburger Weiher vergnügte man sich gern mit Kahnfahrten und „Seeschlachten“. Vor und hinter dem Schloss wurden große Gärten angelegt und rechts vom See 5 einstöckige Häuser für die Matrosen erbaut, woran noch heute die „Matrosengasse“ erinnert. Um seinen Lieblingsaufenthalt auf dem Brandenburger Schloss noch mehr zu beleben, fasste Markgraf Georg Wilhelm den Plan, dort eine kleine Stadt anzulegen. - Auf Anregung seiner Mutter Sophie Luise erbaute er in St. Georgen eine Kirche, die im Laufe der Zeit den noch heute üblichen Namen „Ordenskirche“ bekam, weil dort alle Jahre nach einer Bestimmung seines Nachfolgers Georg Friedrich Karl (1726 - 35) vom Jahre 1734 am Georgentag die Ritter des von ihm gestifteten Ordens (bis 1767) sich zum Gottesdienst versammelten, ehe sie Kapitelssitzung hielten. Bei der Aufnahme eines neuen Ritters in den Orden wurde dessen Wappen in der Ordenskirche angebracht. Es befinden sich dort 86 Ritterschilder.
Im Frühjahr 1721 ließ der Markgraf Georg Wilhelm die erste Allee (in der Brandenburger Straße) pflanzen, und damit diese sogleich ein grünes Ansehen hatte, ließ er am Georgentag (23. April) Reisigbüsche auf die Stämme binden. - Auf Anregung seiner Gemahlin erbaute er seiner Tochter ein Schloss, das sogen. Prinzessin-Haus, wodurch der Anfang zu einer zweiten Straße (der heutigen Markgrafenallee) gemacht wurde.
Im Jahre 1715 errichtete Markgraf Georg Wilhelm am Fuß des vom Markgrafen Christian (1603 - 55) im Jahre 1606 angelegten und vom Markgrafen Christian Ernst (1661 - 1712) erweiterten Tiergartens ein Forsthaus mit einem gegenüberstehenden Pferdestall von drei Flügeln und auf dem Berg ein hübsches JagdSchloss in der Form eines halben Ordenskreuzes. Im gleichen Jahre (1715) aber legte er in dem anderen Tiergarten bei St. Johannis den Grundstein zur schönsten Schöpfung in der Nähe Bayreuths, zur Eremitage. Unter ihm wurde die sogenannte obere Eremitage erbaut.
Mit der Baulust ging Hand in Hand die Vergnügungssucht. Zum Aufenthalt in den angenehmen Tagen des Frühlings diente das prächtige Schloss St. Georgen. Um hier zugleich das Vergnügen der Schiffahrt zu genießen, wurde der „Weiher“ (1702 - 25) zum schiffbaren „See“ umgestaltet. Die neu angelegte Stadt erhielt nunmehr den Namen „St. Georgen am See.“

In Himmelkron, wo der Markgraf Christian Ernst bereits den Hofgarten und die schöne Lindenallee hatte anlegen lassen, nahm der Prinz mit seiner Gemahlin den Sommeraufenthalt. Für die spätere Jahreszeit diente dem Markgrafen die Eremitage als Lustschloss. Auf dem Tiergarten wurden die Hauptjagden abgehalten. Der Turm des dortigen Jagdschlosses hatte zwei große Tore, durch die das Wild hindurchgetrieben wurde, damit es von den im Innern auf Galenien postierten herrschaftlichen Jägern geschossen werden konnte.
Bei all seiner Neigung zum Vergnügen beobachtete der Markgraf dennoch in allen Dingen die strengste Ordnung. Geschäfte und Vergnügungen hatten ihre bestimmten Stunden. Verschiedene Regierungsakte zeigen, dass der Markgraf den redlichen Willen hatte, Zucht und Sitte seines Volkes zu fördern. - Gleich nach seinem Regierungsantritt erließ er gedruckte Mandate gegen das Diebs- und Räubergesindel. Der Zigeunerplage trat Markgraf Georg Wilhelm mit drakonischer Härte entgegen. Dem Bettelwesen suchte er Einhalt zu tun. Im Jahre 1724 legte er in St. Georgen den Grund zum Zucht- und Arbeitshaus, das mit dem sogen. „Porzellan- und Manufakturhaus“ verbunden und unter seinem Nachfolger im Jahre 1735 vollendet wurde. Das Sanitäts- und Schulwesen erfuhr unter Markgraf Georg Wilhelm eine Förderung. - Auf dem Gebiet der Rechtspflege ist zu erwähnen, dass unter dem Markgrafen im Jahre 1723 eine Sammlung der wichtigsten Landesgesetze „der brandenburg-kulmbachischen Lebensgewohnheiten“ unter dem Titel „Hochfürstliche Brandenburg-Kulmbacher Landeskonstitution zu Jedermanns Wissenschaft“ durch den Druck bekanntgegeben wurde.

Im letzten Jahre seines Lebens 1726 erfuhr der Markgraf manches Unangenehme; doch das Schmerzlichste, was ihm in diesem Jahre widerfuhr, war der Tod seiner einzigen, von ihm so sehr geliebten Tochter Christiane Sophie Wilhelmine. Seine ohnedies nicht feste Gesundheit erlitt durch die Aufregungen, die ihm das Unglück mit seiner Tochter brachte, einen starken Stoß; auf eine unruhige Nacht (vom 17. auf den 18. Dezember) wurde er gegen 7 Uhr morgens vom Schlag getroffen und starb im Alter von nur 48 Jahren. Er wurde in der Hauptkirche zu Bayreuth beigesetzt.

Quelle: 66