- Bayreuths Entwicklung bis 1850
Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Bayreuth findet im Jahre
1194 statt: Der Bischof Otto von Bamberg aus dem Hause der
Andechs-Meranier siedelt mit "stattlichem Gefolge in Bairute". Aber es
handelt sich hier nur um eine zufällige Erwähnung; die
Urkunde hat sonst keine nähere Beziehung zu dem Ort.
In späterer Zeit spricht man vom "Meraner Schloss" als dem Urkern
Altbayreuths, dort wo bayerische Kolonisten, wahrscheinlich von dem
Andechser Geschlecht angeworben, das Land gerodet und später
besiedelt hatten. Aber das ist nur eine vermutete Spur; viel wichtiger
ist es, die einzelnen Volksgruppen zu betrachten, die damals in unserer
Heimat aufeinander trafen:
Von Norden her siedelten die Thüringer bis Richtung
Kirchenlaibach. Ihre Herrschaft wird später von den aus dem Westen
herandrängenden Franken abgelöst. Aus dem Süden
rückte der Stamm der Bayern bis ins Fichtelgebirge und ins
Egerland vor und hinterließ vermutlich im Namen der Stadt
Bayreuth seine Spuren. Zwischenzeitlich schoben sich auch die Slawen
vom Osten her ins Land, von denen viel in Bezug auf Namengebung,
Bräuche und Kenntnisse übernommen wurde. In der
Dürschnitz und in der "Altenstadt" finden wir noch Hinweise auf
das Slawentum. Um den Urkern, das "Meraner Schloss", gruppierten sich
wahrscheinlich später die befestigten Burggüter das Adels. Im
Jahre 1231 erhielt die Siedlung die Bezeichnung "Civitas" und hatte
ungefähr folgendes Aussehen:
Der Adel ist der Grundherr, die "treibende Kraft , und hat seine
Wohnsitze um Kastrum und Kirche. Auf Klerikalem Gebiet untersteht die
"junge Stadt s dem Bistum Bamberg.
Wahrscheinlich hauen auch verschiedene Klöster, wie etwa
Michelfeld oder Speinshart, Einfluss auf die Stadt ausgeübt.
Bayreuth selbst war nie der Sitz eines Klosters gewesen.
1248 stirbt das Geschlecht der Andechs-Meranier aus, und die Stadt
Bayreuth mit Umgebung fällt an die Burggrafen von Nürnberg,
also an das Geschlecht der Hohenzollern. Im Konkurrenzkampf mit der
frei gewordenen Reichsstadt Nürnberg verlegen die Hohenzollern
ihre Handelskräfte mehr nach Norden, vor allem nach Böhmen,
das unter dem luxenburger Kaiser sich mehr and mehr entfaltet. Der
Handel wird versuchsweise außer über Hof nach Leipzig nun
auch über Eger geleitet. Somit findet auch Bayreuth Anschluss an
die böhmische Oberpfalz (Amberg) und an Prag. Die
Handelsstraßen um Bayreuth haben zur Folge, dass eine Münze
eingerichtet wird. Bald zieht es deswegen jüdische Händler
nach Bayreuth. Fast ununterbrochen siedelt die Judengemeinde in dem ihr
zugewiesenen "Ghetto", der Judengasse, die von Zeit zu Zeit
verödet, aber nicht wegen blutiger Verfolgung, sondern weil andere
Gemeinden wohl ein lohnenderes Ziel boten.
Im 14. und 15. Jahrhundert beginnt die Blütezeit des
Bürgertums. Die Führung der Stadtgeschicke übernehmen
der "stadtsessig gewordene" Adel und reich gewordene Bürger, die
sich Patrizier nennen. Adel und Patrizier bilden einen "Rat" und leiten
die Stadt mit soviel Freiheit, wie im verbrieften Recht gegenüber
den Landesfürsten und ihren Organen zulässig ist.
Allmählich löst sich das Stadtbild aus der Romantik und
gleitet in die neue Stilrichtung der Gotik über. Mittelpunkt
bleibt das freistehende Rathaus in der Mitte des Marktes. Ein anderer
Fixpunkt wird die gotische Stadtkirche mit der Lateinschule, von der
Straßen zum ältesten "oberen Tor" (Steingräber), zur
Kanzleistraße und zum Markt führen. Diese Grundzüge der
gotischen Stadt beherrschen noch heute im Groben den inneren Kern der
Stadt.
1334 hatte die Stadt ihren ersten Rat mit Bürgermeister und
Schöffen gebildet. Das ursprünglich geltende bayerische
Stadtrecht war allmählich durch Nürnberger Recht ersetzt
worden. Nach Jahren des friedlichen Aufbaus, die natürlich durch
religiöse und soziale Spannungen erschwert worden war, brachen am
6. Februar 1430 von Böhmen her die Hussiten in Bayreuth ein. Was
in zwei Jahrhunderten mühsam aufgebaut worden war - Stadtkirche,
Rathaus und die Gotteshäuser außerhalb der Stadtmauer (die
Kapelle zum Heiligen Kreuz, die Sankt-Nikolaus-Kirche in der
"Altenstadt") - und damit verbunden auch viele wichtige Urkunden und
Stadtbücher wurden ein Opfer der Flammen. Die Bevölkerung,
allen voran die Ratsherren, waren in die nahen Wälder geflohen.
Nachdem diese Katastrophe abgeebbt war, galt es nun wieder aufzubauen.
Der Burggraf von Nürnberg, jetzt auch Kurfürst, Friedrich I.
hatte zusätzlich die Aufgabe der Einigung der Bürger und das
Stadtrecht neu zu gestalten. So wurde neben dem alten Rat ein
"äußerer Rat" gewählt, dessen Mitglieder den
Zünften und den niederen Bürgerkreisen entstammten. Schon
1457 ist Bayreuth wieder eine der bedeutendsten Städte in der
Burggrafschaft Nürnberg.
Bereits im Jahre 1499 wird Bayreuth von der Reformationsbewegung
erfasst. Ohne Zögern löst sich die Stadt vom Bistum Bamberg
und richtet sich mehr nach Thüringen. Doch zunächst musste
die Übergangszeit, die nicht ohne Zwischenfälle
vorüberging, überwunden werden. Dazu zählte auch der
Bauernkrieg. Der Hass richtete sich vor allem gegen den
gewalttätigen und in Glaubensfragen wankelmütigen Markgraf
Kasimir, der auf der Plassenburg in Kulmbach residierte. Einflussreiche
Leute und Priester versuchten mit den zusammengerotteten Bauern zu
verhandeln. Trotzdem zählte Bayreuth nicht zu den schwerwiegenden
Auseinandersetzungsstätten im Frankenland. Zur klaren Bekennung
zum Protestantismus kam es erst unter Georg dem Frommen im Jahr 1533.
Neues Unheil wurde für die Stadt und das Fürstentum durch den
Sohn Kasimirs, den Kriegerischen Albrecht Alcibiades, heraufbeschworen,
der 1541 die Regierung auf der Plassenburg antrat. Im von ihm
angezettelten "Markgräflerkrieg" wurde Bayreuth von Alcibiades
zweimal belagert, bis es sich der überlegenen Truppenmacht der
vereinigten Reichsstädte unter Führung von Heinrich von
Plauen ergeben musste. Alcibiades wird mit der Reichsacht belegt und
stirbt verarmt in Pforzheim.
Der nächste Herrscher über Bayreuth war das ganze Gegenteil.
Er heilte die Risse und Wunden, die sein Vorgänger hinterlassen
hatte. Als mit ihm die ältere Linie der Hohenzollern ausstirbt,
will sein Nachfolger Markgraf Christian im Zuge der Renaissance und der
mit ihr verbundenen Bautätigkeit nicht länger auf der
Plassenburg residieren. Bayreuth soll zur Landeshauptstadt erkoren
werden. Obwohl die Stadt bereits auf baulicher Seite neue Züge
angenommen hatte, werden diese durch zwei Stadtbrände in den
Jahren 1605 und 1621 vernichtet; 1621 brennt auch das erste Rathaus der
Stadt ab. Überhaupt wirkt sich dieser Zeitraum für die Stadt
nicht angenehm aus. Dreimal wird die Stadt von der Pest heimgesucht,
danach leidet sie schwer unter den Auswirkungen des
Dreißigjährigen Krieges. Selbst nach Friedensschluss liegen
noch Truppen in Quartieren in der Stadt und bringen für die
Bevölkerung eine große finanzielle Belastung.
Zögernd setzen Handel und städtisches Leben nach Kriegsende
wieder ein. Unter Markgraf Christian Ernst (1655 - 1712) wird der
jäh unterbrochene "Residenztraum" fortgesetzt. Bayreuth beginnt
sich zu entfalten, und fürstliches Leben zieht in die Stadt ein.
Über die alten Stadtmauern hinaus fängt die Stadt an sich
auszudehnen. Der Markgraf lässt ein neues Lateingymnasium bauen
und das alte Schloss, das leider im Jahre 1753 abbrennt, baulich
verändern.
Unter Prinz Georg Wilhelm weitet sich die Stadt weiter aus. Georg
Wilhelm lässt die neue Stadtanlage "Sankt Georgen am See"
schaffen. Neben einer Kirche entsteht das Schloss mit einem
künstlichen See, auf dem der Prinz Seeschlachten veranstaltet.
Außerdem siedeln sich im neuen Stadtteil Manufakturen und private
Betriebe an.
Markgraf Friedrich von Brandenburg - Bayreuth (1735 - 1763), der Sohn von Markgraf Georg Friedrich Karl, genannt "der Bayreuther Augustus",
heiratet die geistreiche Schwester Friedrichs des Großen,
Friederike Sophie Wilhelmine, und bringt für Bayreuth die
eigentliche Blütezeit als Residenzstadt. Der Brand des alten
Schlosses ist für Friedrich Grund, ein neues Schloss im Stil der
damaligen Zeit zu bauen. In der jetzigen Friedrichstraße, in der
Opernstraße und in der Harmonie hinterlässt seine
große Bautätigkeit bis heute Spuren. Aber auch
Markgräfin Wilhelmine verdanken wir einige schöne Bauten:
So das Markgräfliche Opernhaus, das auf ihr Geheiß hin von
Joseph St. Pierre, Guiseppe Galli Bibiena und wohl auch Karl von
Gontard erbaut wird. Die unter Prinz Georg Wilhelm entstandene
Eremitage verliert ihre eigentliche Bestimmung als "Einsiedelei" und
wird von Wilhelmine prächtig aus- und umgebaut. Auch
Universität und Ritterakademie sind für Bayreuth geplant,
aber die immer größer werdende Geldnot zerschlägt diese
Pläne.
Als im Jahre 1769 Karl Alexander die Regentschaft antritt, beginnt das
erste Herabsinken der Markgrafenstadt Bayreuth. Denn der Markgraf zieht
die "sonnige Welt" der Stadt Ansbach den "ernsten Zügen der
Mainlandschaft" vor. Bayreuth wird vernachlässigt, und die Zeit
der glanzvollen Feste ist endgültig vorbei. Um die Staatskasse
aufzubessern verkauft Karl Alexander im Jahre 1777 Soldaten an die
Engländer für den Unabhängigkeitskrieg in Amerika. Damit
schafft er es, Bayreuth aus den Schulden, die Georg Wilhelm bis
Wilhelmine & Co hinterlassen haben, zu befreien.
Als der Markgraf 1792 abdankt, fallen Bayreuth und Ansbach an
Preußen. In dieser Zeit hat Bayreuth - einschließlich Sankt
Georgen - 10000 Einwohner.
In den Revolutionskriegen bleibt Bayreuth zu Anfang lange verschont,
jedoch am Schluss wird es stark in die Geschehnisse verwickelt:
Bayreuth ist Vorzone der Schlacht von Jena. Weder unter der
französischen - von 1806 bis 1810 steht Bayreuth unter
napoleonischer Herrschaft und die preußische Provinz Bayreuth
muss 2,5 Millionen Kriegskontribution bezahlen - noch unter der
bayerischen Regierung, der es am 30. Juni 1810 endgültig
zugesprochen wird, kann sich Bayreuth erholen.
Bereits 1810 wird Bayreuth der Sitz der Regierung des
"Obermainkreises", ohne jedoch ein rechtskundiges Stadtoberhaupt zu
haben. Außerdem steht die Stadt in der Angst, den Regierungssitz
an die Rivalenstadt Bamberg zu verlieren.
Der Stadt- und Kreisverkehr kann sich auf Grund der
Kriegsschwächung noch nicht richtig entwickeln. An Stelle der
französischen Post wird die Postei als bayerisches Postamt
eingerichtet. Zwar blieb Bayreuth während der französischen
Besatzungszeit eine Rekrutierung erspart; da aber Bayern mit dem
Franzosenkaiser zur Zeit des Russlandfeldzuges verbündet ist,
müssen die bayerischen Gemeinden Truppen zur Verfügung
stellen. Auch Bayreuth ist davon betroffen. Zudem wird es Sammelplatz
und Standlager des Obermainkreises.
1813 trifft ein neuer Schlag die Stadt Bayreuth. In diesem Jahr kehren
viele Soldaten aus Russland zurück, die an Erfrierungen und Typhus
erkrankt sind. Die Soldaten werden im Feldlazarett versorgt, und es
kann nicht vermieden werden, dass die Seuche auf die Bevölkerung
übergreift. Nach der Niederlage Napoleons ist Bayreuth
Durchzugsgebiet der ihn verfolgenden Truppen. Wieder erfolgt
Einquartierung. Danach kann sich die Stadt allmählich erholen.
1811 wird Sankt Georgen eingemeindet und die letzte bedeutsame Rodung
in Bayreuth vorgenommen: Die Bürgerreuth, die sich von Sankt
Georgen bis zur Hohen Warte erstreckt, wird angelegt.
Endlich, im Jahre 1818, wird der erste juristische Bürgermeister
der Stadt Bayreuth gewählt: Erhard Christian Hagen von Hagenfels.
Als eine der ersten Aufgaben stellt sich der neugegründete
Magistrat der Stadt die Errichtung von Magazinen, in denen
Nahrungsmittel gespeichert werden, um gegen Hungerjahre, wie etwa 1807,
gewappnet zu sein. Mit Stiftungen, wie die Leers'sche
Waisenhausstiftung oder die Schindlersche Doppelstiftung, können
viele soziale Probleme gelöst werden.
1825 wird der Stadt auf Grund geschickter Verhandlungen des
Bürgermeisters eine Summe von 32.430 Florin, von der im Jahre 1806
von den Franzosen geforderten Kriegskontribution, erspart.
Langsam kann sich auch die Industrie erholen. Johann Gotthelf Bayerlein
eröffnet in der Maxstraße ein "Kurz- und
Schnittwarengeschäft". Der Kaufmann Leers lässt die einstige
Porzellan- und Fayencenproduktion in Sankt Georgen wieder
erblühen. Außerdem werden 1822 die Städtische Sparkasse
und 1845 die erste Textilfabrik neueren Stils von Sophian Kolb in
Laineck gegründet.
Städtebaulich verändert sich Bayreuth folgendermaßen:
Der Marktplatz erhält seine heutige Form und wird zur Ehre des
Königs Maximilian I. Maxstraße genannt. Oberes und unteres
Tor werden abgerissen und zusätzlich eine Durchfahrt zum
Sternplatz geschaffen. 1827 wohnen 12.026 Bürger in der Stadt, die
aus rund 1000 Häusern besteht. In diesem Zeitraum entstehen drei
Schulen:
1820 auf Betreiben Grasers die Taubstummenanstalt, 1833 die
Gewerbeschule (heutige Realschule) und eine private Mädchenschule.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts will sich Bayreuth an das neue
Eisenbahnnetz anschließen - jedoch ohne Erfolg. 1841 gründet
Christian Hagen von Hagenfels das Jean-Paul-Stift als Herberge für
bedürftige Kinder. Das Revolutionsjahr 1848 bringt für
Bayreuth im Gegensatz zum übrigen Obermainkreisgebiet keine
aufregenden Ereignisse.
- Bayreuths Entwicklung zwischen 1851 und 1897
Im Jahre 1851 bewilligt die Regierung endlich den langersehnten
Anschluss Bayreuths an das Eisenbahnnetz und bereits 1853 kann die
Bahnlinie Bayreuth - Neuenmarkt festlich eröffnet werden. Nur war
man sich noch uneinig über den Standort des Bahnhofs.
Bürgermeister Dilchert und die Mehrheit der Stadträte
stimmten für die jetzige Kanalstraße; nur sieben
Stadträte, darunter Bankier Feustel, schlugen die heutige
Standortstelle vor, was akzeptiert werden musste, als die Regierung den
Elan der Mehrheit abgelehnt hatte.
Erst 1861 erhält die Stadt von der Regierung die Genehmigung, sich
an die Ostbahn Nürnberg - Regensburg - Passau in Weiden
anzuschließen. Zwei Jahre später ist die Bahnlinie Bayreuth
- Weiden fertiggestellt (Eigene Bahngesellschaft auf Aktienbasis).
Wichtig war dieser Eisenbahnbau für die aufstrebende Industrie.
1853 erhielt F.C. Bayerlein
die Genehmigung, seine vom Vater geerbte
Fabrik von Neudrossenfeld nach Bayreuth zu verlegen und errichtet sie
vorausschauend in der Nähe des neuen Schienenweges. Im gleichen
Jahr wird auch die "Mechanische Baumwollspinnerei" auf Aktienbasis
gegründet. Die Aktiengesellschaft wird von einem Augsburger
Kaufmann namens Riedinger, von
Herzog Alexander von Württemberg
und anderen finanzkräftigen Bayreuthern ins Leben gerufen. Dieser
Betrieb wird gleich gegenüber vom Bahnhof erbaut.
1857 gründet der Piano- und Flügelbauer Eduard
Steingräber seinen Betrieb in der Maxstraße, von wo dieser
in den siebziger Jahren in die Friedrichstraße - seinen heutigen
Standort - verlegt wird. 1854 kauft die Stadt das Haus des
Regierungsdirektors Vetterlein am Eingang der Wolfsgasse und baut es
zum Krankenhaus um.
Aus Helmbrechts kommt der "Civilarchitekt" Carl Wölfel, der
Auffrischung auf baulichem Sektor in die Stadt bringt. Bauten von ihm
finden wir in der Dammallee, in der Opernstraße, am Luitpoldplatz
und in der nach ihm benannten Wölfelstraße.
Überhaupt macht die bauliche Entwicklung Bayreuths in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts große Fortschritte. In der
Schulstraße wird ein "Zentralschulhaus" - heute die Graserschule
- errichtet. Zugleich wird mit dem Abriss eines Hauses eine Verbindung
vom Marktplatz zur Kanalstraße geschaffen. 1864 wird die
Gewerbeschule in eine Kreisrealschule umgewandelt, was aber
interessierten Kreisen nicht genügt, und man fordert ein
Kreisrealgymnasium. Dieser Plan kann erst kurz vor dem 1. Weltkrieg
verwirklicht werden.
Das durch den Schienenweg von Bayreuth abgetrennte Sankt Georgen wird
im Jahre 1875 durch den Bau der Tunnelstraße mit der Stadt
verbunden.
In dieser Zeit geht die Ostbahn Bayreuth - Weiden an den Staat
über und die Bahnhofsanlage ändert sich völlig. Das
Bahnhofsgebäude der Ostbahn wird abgerissen, während im
Gebäude der Neuenmarkter Linie eine Post eingerichtet wird. Von
jetzt an vergrößert sich das lokale Eisenbannnetz zusehend.
1884 gründet sich ein Verein für die Verschönerung der
Stadt Bayreuth. Die ihm zufließenden Spenden dienen dem Ausbau
des Festspielparks, der Anlage des Röhrensees und der Erhaltung
des Parks in der Eremitage.
Die erste Telephonanlage wird 1885, die erste elektrische
Straßenbeleuchtung zwei Jahre später, 1887, installiert.
Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts wird das Pumpwerk
(Quellhöfl) errichtet und das Wasserleitungssystem ausgebaut. 1896
kann in der Königsallee (heute
Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium) die damalige
Lehrerbildungsanstalt eingeweiht werden - eine
Vorläuferinstitution der ehemaligen Pädagogischen Hochschule.
Das wichtigste Ereignis, das sich in dieser Zeitepoche vollzog, war
für die Stadt die Auswahl zur Festspielstadt. An einem Sommertag
im Jahr 1835 wanderte den 22-jährige Richard Wagner von Eger her
über das Fichtelgebirge und sah zum ersten Mal im
"oberfränkischen Tal" die Markgrafenstadt Bayreuth. Sie muss
großen Eindruck auf Wagner gemacht haben, denn am 20. Februar
1866 schreibt Wagner in einem Brief an Hans von Bülow: "Ich
wünschte, der König gäbe mir einen Pavillon des
Bayreuther Schlosses zum Ruhesitz." Und als die Frage des Standortes
eines Festspielhauses immer dringender wird, schlägt Wagner 1870
in einem Lexikon nach, was über Bayreuth geschrieben wird.
Bayreuth, das er seit 1835 nie mehr gesehen hatte und auf dessen
Markgräfliches Opernhaus mit seiner großen Bühne Hans
Richter den Meister aufmerksam gemacht hatte, geht Wagner nicht mehr
aus dem Kopf. Aber beim ersten Besuch Richard und Cosima Wagners vom
16. bis 20. April 1871 wird Wagner enttäuscht: Die Bühne des
Opernhauses ist für sein "mystisches Weltendrama", den "Ring der
Nibelungen", viel zu klein.
Dennoch ist der Eindruck, den Wagner von der Stadt bekommt, recht
günstig. Sie hat alle Voraussetzungen, die er sich für eine
Festspielstadt wünscht: "Der Ort soll keine Hauptstadt mit
stehendem Theater, auch kein vielbesuchter Badeort sein; er soll dem
Mittelpunkt Deutschlands zu gelegen und ein bayerischer Ort sein."
Am 12. Mai ist er bereits sicher, dass Bayreuth für sein Vorhaben
geeignet ist. In Leipzig überrascht er die Öffentlichkeit mit
der Ankündigung, dass die erste "Gesamtaufführung" seines
"Bühnenfestspieles" in Bayreuth stattfinden wird. In Bayreuth
wurde ihm vollstes Vertrauen entgegengebracht. Bürgermeister
Muncker sah die einmalige Gelegenheit für Bayreuth, eine
weltbekannte Festspielstadt zu werden und sicherte Wagner vollste
Unterstützung zu. Aber auch der Bankier Feustel und andere
Stadtväter waren von der Idee begeistert. Um andere Städte,
die Wagner auch in die engere Wahl gezogen hatte, auszuschalten,
beschlossen die Stadtväter im November 1871, "das großartige
Unternehmen Richard Wagners in jeder der Stadtgemeinde möglichen
Weise zu unterstützen" und Richard Wagner für das geplante
Festspielhaus ein geeignetes Grundstück kostenlos zur
Verfügung zu stellen. Am 24. April 1872 lässt sich Wagner
endgültig als Bürger in Bayreuth nieder. Zunächst zieht
er mit seiner Familie in das Hotel Fantaisie in Donndorf, bis Karl
Wölfel ihm einen geräumigen Neubau in der Dammallee zur
Verfügung stellt. Bald wird auch mit dem Bau der Villa Wahnfried
begonnen, deren Grundriss und Ausführung Wagner selbst entworfen
hatte.
Knapp einen Monat nach der Ankunft der Familie Wagner, am 22. Mai 1872,
am 59. Geburtstag des Meisters, wird schon der Grundstein für das
Festspielhaus gelegt. Bereits 1874 ist das Bauwerk fast fertiggestellt.
Im folgenden Jahr finden nur Proben statt und dann endlich 1876 ist es
soweit: Am 13. August eröffnet Wagner die Bayreuther Festspiele
mit seiner Oper "Rheingold". Der Bayernkönig Ludwig II nimmt schon
an den Generalproben teil und Kaiser Wilhelm I. lässt sich sogar
die gesamte Bühneneinrichtung zeigen. Viele Berühmtheiten des
letzten Jahrhunderts erscheinen an diesem denkwürdigen Tag in
Bayreuth: Neben Liszt kamen viele bedeutende zeitgenössische
Komponisten wie Anton Bruckner, Edvard Grieg, Peter Tschaikowsky, Franz
von Suppé und die großen Maler Adolph von Menzel und Franz
Lenbach.
Bayreuth war über Nacht zur Weltstadt geworden.
- Die Stadtentwicklung von 1900 bis 1919
Ruhig und konstant entwickelt sich die um 1900 30.000 Einwohner
zählende Stadt. Es entsteht ein neues Viertel mit Kasernen und dem
Justizgebäude, in dessen Nähe auch die "Höhere
Töchterschule" verlegt wird. Außerdem entstehen die
Luitpold- und die Altstadtschule, und 1910 kann endlich die
langersehnte Oberrealschule eröffnet werden. Das alte Krankenhaus
war längst zu klein geworden und entsprach nicht mehr den
Ansprüchen der Zeit. In den Jahren von 1903 bis 1905 wird das neue
Städtische Krankenhaus erbaut und verfügt, nach einem Anbau
im Jahre 1911, über 150 Betten.
Der Oberbürgermeister dieser Zeitepoche in der Stadt Bayreuth, Dr.
Leopold Casselmann, versucht wie seine Vorgänger, Bayreuth an eine
Haupteisenbahnlinie anzuschließen. Auch diesmal scheitert dieses
Begehren. Aber es gelingt, Bayreuth mit seiner Umgebung durch den Bau
von Lokalbahnen in bessere Verbindung zu bringen. 1904 wird die
Lokalbahn nach Hollfeld eröffnet, 1909 schließt sich die
nach Thurnau an. Der industrielle Aufschwung Bayreuths ist nicht mehr
aufzuhalten. Der wichtigste Industriezweig sind immer noch die drei
Textilfabriken, die ständig aus- und umgebaut werden, damit sie
sich der raschen Entwicklung anpassen können. Die mechanische
Baumwoll- und Zwirnspinnerei Bayerleins beschäftigt zu Beginn des
1. Weltkrieges 450 Arbeiter und hat eine Kapazität von 37.500
Spinn- und von 5.500 Zwirnspindeln.
Die Mechanische Baumwollspinnerei wurde 1887 in die "Mechanische
Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bayreuth" umgeändert. Sie gibt,
nach einem umfangreichen Umbau von 1906 bis 1914, 1.100 Arbeitern
Beschäftigung. Die neue Baumwollspinnerei war 1889 gegründet
worden und rückte innerhalb weniger Jahre an die Spitze der
Baumwollspinnereien Nordbayerns. Von 1904 bis 1912 verzehnfacht sich
die Zahl der Spindeln mit Hilfe einer modernen Spinnereianlage (65.000
Ringspindeln). 1919 arbeiten 1.650 Arbeitnehmer in einem Betrieb mit
157.000 Spindeln. Im 1. Weltkrieg wird es schwierig für die drei
Fabriken mit der Beschaffung des Rohmaterials, da England die Nordsee
zum Sperrgebiet erklärt hatte und somit keine Schiffe mit
Rohstoffen diese Blockade durchbrechen konnten. Aber die Industrie in
Bayreuth findet eine Notlösung: Sie produziert Kunstseide,
Papiergarne und Papierstoffe. Die Produktion der Kunstseide wird auch
nach dem Krieg beibehalten und sogar weiter ausgebaut.
Um der Gefahr der Vereinseitigung in der Industrie vorzubeugen,
bemüht sich der Stadtrat, auch andere Industriebetriebe nach
Bayreuth zu holen. 1900 gründet Siegmund Paul Meyer die heute noch
bestehende Porzellanfabrik "Walküre" unterhalb des
Festspielhauses. Schon 1919 arbeiten 300 Beschäftigte an vier
Brennöfen.
Die Zuckerfabrik in Sankt Georgen hatte sich in den Bankrott
gewirtschaftet und aus ihren Resten entstehen nun vier neue
Zuckerwarenfabriken "Insel-Schokolade" und Zuckerwarenfabrik
gegenüber dem Bahnhof Sankt Georgen; Oskar Teuscher lässt
sich gegenüber dem Gefängnis nieder; Martin Wirsings Fabrik
neben der jetzigen Hauptpost und Hans Schneider in der
Carl-Schüller-Straße.
Um 1900 siedelt sich auch die Eisenindustrie in Bayreuth an. Der
Eisenwerkbesitzer Hensel baut sein Werk westlich des Röhrensees
auf.
Mit der ansiedelnden Industrie wurde auch der Stromverbrauch immer
größer. Er konnte nicht mehr vom Pumpwerk und von der 1901
erworbenen Herzogmühle gedeckt werden. Notgedrungen musste man den
Beschluss fassen, mit Stadtgeldern ein Elektrizitätswerk zu bauen.
Im Mai 1909 begann die Firma AEG mit den Ausführungen und bereits
im November des selben Jahres konnte die Anlage in Betrieb genommen
werden. Neben dem Stromverbrauch stieg auch der Wasserbedarf. Die Stadt
löste das Problem, indem sie die Fichtelgebirgswasserleitung
anlegen ließ, die 1908 fertiggestellt wurde.
Mit der Ausweitung einer Stadt ist unweigerlich auch die
Vergrößerung der Verwaltung verbunden. Das alte Rathaus am
Markt hatte ausgedient; es war zu klein geworden. Die Stadt erwirbt
erblich das Reizensteinpalais, einst Wohnsitz des Herzogs Alexander von
Württemberg und später der seiner Frau, Emilie von
Meyernberg, und lässt es für 100.000 Goldmark zum neuen
Rathaus umbauen. 1945 wird es infolge eines Bombenangriffs
zerstört.
- Die Ereignisse in Bayreuth zwischen 1922 und 1928
Der 1. Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, und immer noch sind die
Auswirkungen auch in Bayreuth zu spüren. Die Wirtschaft in ganz
Deutschland ist auf einem Tiefpunkt angelangt. So ist es nicht
verwunderlich, dass auch die Bayreuther Textilfabriken um ihre Existenz
kämpfen müssen, und sich in Bayreuth keine wirtschaftliche
beziehungsweise industrielle Vorwärtsentwicklung abzeichnet. Im
Jahre 1920 entstehen jedoch trotzdem eine zweite Porzellanfabrik und
die Nahrungsmittelfabrik Niho.
Im November 1923 erreicht Bayreuth mit 1.800 Arbeitslosen den
Krisenhöhepunkt. Der Winter 1923/24 bringt mit Rohstoffmangel und
großen Lücken in der Energieversorgung zusätzliche
Probleme für die Stadt. Die Industrie stagnierte, aber das
Bauwesen arbeitete beständig. In dieser Zeit entstanden viele
Arbeiterwohnungen, die in ganzen Siedlungen, meist am Rande der Stadt,
zusammengefasst wurden: Saas, Laineck und 1920 die Hammerstatt.
Außerdem wurden in der Herzoghöhe, am Rabenstein, am
Stuckberg, teils unter Mithilfe des gegründeten Bauvereins,
Wohnungen geschaffen. Im Stadtinneren and im Westen der Stadt wurde der
Main reguliert. 1923 wird der Schlachthof vergrößert und
modernisiert; auch die Rotmainhalle wird in dieser Zeitperiode
errichtet. Das Jahr 1926 bringt einen großen Fortschritt für
die Stadt: Das erste Hallenbad Oberfrankens kann eingeweiht
werden.
Mit dem Aufschwung des Bauwesens kann ein Teil der Arbeitslosen
Beschäftigung finden. So paradox es klingen mag, aber Bayreuth ist
in dieser Zeit immer noch nicht an die Hauptverkehrswege der Eisenbahn
angeschlossen. Der Plan, sich durch einen Lokalbahnbau über
Hollfeld nach Bamberg an die Ost-West-Verbindung Eger- Bamberg
anzuhängen, wird durch die steigende Inflation zunichte gemacht.
Dafür bekommt Bayreuth einen eigenen Flugplatz auf dem
Gelände der heutigen Bundeswehrkasernen. Bayreuth liegt endlich in
dem Kreuzungspunkt des Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrs; aber nicht
im Mittelpunkt von Eisenbahnlinien, sondern von europäischen
Fluglinien. Die Nordbayerische Luftverkehrs GmbH richtet eine Linie
Nürnberg - Bayreuth - Leipzig - Dresden ein und während der
Festspielzeit wird Bayreuth sogar von der Lufthansa angeflogen. Die
Festspiele hatten im Jahre 1924 ihre Spieltätigkeit wieder
aufgenommen; diesmal liegt die Leitung bei Siegfried Wagner. 1925 wird
ein Erweiterungsbau am Festspielhaus durchgeführt. 1929/30
gestaltet man die Anlage des Festspielparkes ganz neu. Das Jahr 1930
bringt sowohl für die Familie Wagner als auch für die Stadt
zwei schwere Schicksalsschläge kurz nacheinander versterben im
selben Jahr Cosima und Siegfried Wagner. Die Leitung der Spiele geht an
Siegfrieds Witwe Winifried über.
- Bayreuth in der Zeit des Nationalsozialismus 1933 -1937
Am 31. Dezember 1932 geht eine wichtige Periode in der Geschichte
Bayreuths zu Ende. Ab 1. Januar 1933 ist die Stadt nicht mehr der Sitz
der Regierung. Infolge von Einsparungsmaßnahmen werden die
Regierungen von Ober- und Mittelfranken zusammengelegt und als
Regierungssitz wird Ansbach auserkoren. Obwohl Bürgerschaft und
Stadtrat heftig protestieren, bleiben alle Versuche zwecklos die
Regierung in Bayreuth zu behalten. Eine neue Zeit ist angebrochen. -
Die des Nationalsozialismus.
Die vierzehn Jahre der Weimarer Republik waren für Bayreuth weder
nutzbringend noch sehr schön, aber sie waren besser als die
folgenden unter dem Regime Hitlers. Als Stadt Richard Wagners steht
Bayreuth bei den neuen Machthabern "hoch im Kurs". Adolf Hitler, ein
begeisterter Verehrer der Werke Richard Wagners, pflegte eine intensive
Verbundenheit mit dem Hause Wahnfried. Wahrscheinlich auf Grund dessen
sah Hitler Bayreuth als Mittelpunkt seiner geplanten
Nord-Süd-Achse. Auch die Freundschaft Hitlers mit dem Gauleiter
Hans Schemm brachte der Stadt Sonderstellungen, so den Sitz der
Gauleitung, den Hauptsitz des NS-Lehrerbundes und das Privileg, eine
der auserwählten Städte Hitlers zu sein. Von den baulichen
Veränderungen, die Hitler für die Stadt vorsah, konnten nur
einige verwirklicht werden. Bis Kriegsausbruch wurden das "Haus der
Erziehung" - die heutige BELG / EVO / EON - und das Stenographenhaus -
es ist heute abgerissen - fertiggestellt. Auch die Markgräfliche
Reithalle wurde umgebaut und als "Ludwig-Siebert-Festhalle"
übergeben. Um das Birkengut entstand ein neuer Stadtteil durch die
Anlage der SA-Siedlung für das "kleinere Parteivolk". Denn die
"Prominenz" siedelte sich am Fuß des Festspielhauses an, in der
Gartenstadt. Ferner wurden die Pläne einer Motorsportschule hinter
dem Studentenwald und eines Luftwaffenlazaretts - das heutige
Krankenhaus "Hohe Warte" verwirklicht.
Als Utopie blieben die Reichsmütterschule, das Sportzentrum am
Roten Main südlich der Hammerstatt (wurde erst in den 1980er
Jahren gebaut) , ein "völkisches Theater, ein Grandhotel, der
Aufmarschplatz auf dem Geißmarktgelände und ein
Gebäudekomplex für die Gauleitung mit den einzelnen
Parteiinstitutionen zwischen "Ludwig-Siebert-Halle" und
Jean-Paul-Straße. Die Gebäude der Parteiorgane, sowie
Theater, Hotel und Festhalle sollten das Zentrum der Stadt entlang
einer geplanten Paradestraße bilden. Ein anderes wichtiges
Merkmal der Gauhauptstadt ist die Reichs-Autobahn - 1938 eingeweiht -,
die Bayreuth auf der Achse Berlin - München einen besseren
Anschluss an das übrige Deutschland bietet.
Der 2. Weltkrieg konfrontiert Bayreuth im Gegensatz zum 1. Weltkrieg
direkt mit dem schrecklichen Kriegsgeschehen. In den Jahren 1914 bis
1918 litt die Stadt zwar Hunger und bangte um die Angehörigen, die
an der Front standen, aber sie blieb vor Zerstörungen verschont.
Diesmal zeigt sich die Schreckensseite des Krieges bereits am 13.
Januar 1941. An diesem Tag fliegen englische Bomberverbände
über Bayreuth und werfen Spreng- und Brandbomben auf die Stadt.
Als Ziel sind die Mechanische Baumwollspinnerei und -weberei und der
Bahnhof ausersehen. Während der Bahnhof bei diesem Angriff nicht
sonderlich schwer getroffen wird, hat die Spinnerei große
Verluste zu verzeichnen.
In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 greifen angloamerikanische
Bomberflieger Bayreuth erneut an. Die Folgen dieser sinnlosen
Bombardierung, da das Deutsche Reich sowieso schon als besiegt galt,
sinn entsetzlich. An drei Tagen - hauptsächlich am 5. und am 8.
April - werden über 40 % der Gebäude vernichtet, wobei 1000
Menschen ums Leben kommen. Der Bahnhofsplatz und der obere
Luitpoldplatz sind nur noch Trümmerhaufen, das neue Rathaus brennt
bis auf die Grundmauern nieder, und somit gehen viele Akten verloren,
da nur diejenigen der aktiven Stadtbediensteten nach Bad Berneck
ausgelagert waren. Weiter sind von dem Bombenanschlag der
Wilhelmsplatz, die "Ludwig-Siebert-Halle" und das Haus Wahnfried
betroffen. Erneut wird der Stadt am 11. April Schaden zugefügt.
Die Alliierten beschießen Bayreuth kurz vor ihrer Einnahme
mittelschwer. In der Eremitage vermuten die Amerikaner einen
Generalstab und zerstören das Lustschloss Wilhelmines durch
Granaten. Auch das Neue Schloss brennt total aus. In ihm befanden sich
wichtige Unterlagen der Partei - es ist durchaus möglich, dass es
sich hier um eine Aktion der SS handelte.
Neben Würzburg, Nürnberg und München war Bayreuth eine
der am meisten zerstörten Städte. 36,8 % der vorhandenen
Wohnungen waren zerstört - das heißt im Klartext 4.500
Familien waren obdachlos geworden. Hinzu kam der gewaltige Strom der
Flüchtlinge aus dem Osten. Die Einwohnerzahl stieg trotz der
Kriegsopfer um ein Drittel auf 58.000 Bürger. Um die Wohnungsnot
einigermaßen zu lindern, schuf man Barackensiedlungen am und um
den heutigen Volksfestplatz.
In der Industrie sah es genauso trostlos aus. Von 3.300.000
Baumwollspindeln in der Textilindustrie arbeiteten nach dem
Zusammenbruch lediglich noch 85.000. Der Gebäudeschaden in der
Industrie betrug ungefähr zwölf Millionen Mark. - Eine
traurige Bilanz.
- Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg 1949 - 1976
Die Schäden sind groß. Man beginnt mit dem Wiederaufbau -
zunächst natürlich nur provisorisch. Als erstes gilt es den
Schutt zu beseitigen. Die alten Kasernen werden von den Amerikanern mit
einem Panzerregiment belegt; auf dem Bindlacher Berg errichten sie ihre
Garnison. Auch das Festspielhaus wird von ihnen zweckentfremdet:
Soldatenrevues und ähnliches werden jetzt hier "aufgeführt".
Ein Lichtblick in dieser trüben Zeit zeichnet sich am 17. April
1948 ab. Nach 15-jähriger Pause wird Bayreuth wieder der
Regierungssitz von Oberfranken. Im Sitzungssaal des
Regierungsgebäudes versammeln sich die neuen
Würdenträger des bayerischen Staates, um diese "Wiedergeburt"
zu feiern.
In den Jahren nach 1948 beginnt das Wirtschaftswunder, das Deutschland
an die Spitze der Wirtschaftsmächte bringt, und erfasst auch die
Stadt Bayreuth. Weder von den Festspielen noch von der Verwaltung
allein konnte die Stadt leben. Das erkannte man sehr bald, und nach der
Währungsreform wurde auf dem ehemaligen Brandenburger See - 1775
wurde er trocken gelegt und seitdem landwirtschaftlich genutzt - das
800.000 qm große Terrain des Industriegebietes angelegt. Die
Erschließungskosten - Straßen und Kanalisation - betrugen
2,5 Millionen Mark; aber sie machten sich bald bezahlt. Firmen wie die
B.A.T. Cigaretten-Fabrik, Grundig, Steiner Optik, Raumluft AG und
andere siedelten sich im Industriegebiet Bayreuth an, das durch seine
volle Erschlossenheit mehr Anziehungskraft hatte als zur Verfügung
gestellte Wiesengrundstücke in anderen fränkischen
Städten. Der Kommissarische Oberbürgermeister Dr. Kauper
versuchte gleich im Jahre 1945, die Siemens-Werke nach Bayreuth zu
holen. Nach seinem plötzlichen Tod im November des selben Jahres
wurde dieser Plan vom Stadtrat nicht mehr aufgegriffen. Erst
Oberbürgermeister Hans Rollwagen wagte es, noch einmal mit Siemens
zu verhandeln. Das Resultat war negativ. Die Siemens-Werke hatten nun
nicht mehr die Absicht, sich in Bayreuth anzusiedeln, nachdem die
anfänglichen Verhandlungen nicht fortgeführt worden waren.
Im Südosten der Stadt setzte die Firma Zapf ihre Anfänge
für das spätere Imperium der Beton-Werke Zapf. Die 13.000
Flüchtlinge bildeten ein großes Arbeitskräftepotential
für die neuen Industriebetriebe.
1951 beginnen die Bayreuther Festspiele unter der Leitung der Enkel
Richard Wagners Wieland und Wolfgang.
Der absolute Neuerer Wieland ruft
mit seinen Inszenierungen viel Kritik, aber auch viel Lob hervor.
Die 1948 zur Verfügung stehenden 9.058 Wohnungen (für 58.000
Einwohner) vermehren sich im Lauf der Zeit auf 17.000 (im Jahre 1958).
In der Hammerstatt, am Roten Hügel, in der Birken und im Gebiet um
Wendelhöfen waren innerhalb von zehn Jahren große neue
Wohnviertel entstanden. Dem größer gewordenen
Versorgungsbedürfnissen müssen sich auch das Krankenhaus, die
Wasserversorgung und die Ortsentwässerung anpassen. In den Jahren
seit 1958 zeigt die Stadt immer wieder ein neues Gesicht. In den
Randgebieten dehnt sie sich durch private Bebauung ständig aus,
und. als Folge werden immer wieder Dörfer der Stadt eingemeindet:
Seulbitz, Oberkonnersreuth, Aichig, Thiergarten, Destuben,
Wendelhöfen, Laineck und Teile der Gemeinde Bindlach.
Im Stadtinneren gestaltet man den Luitpoldplatz neu. Die Verwaltung der
Stadt war in das Alte Rathaus am Markt umgezogen, und die Ruine des
Reitzensteinpalais wird endgültig abgerissen. An seiner Stelle
baut man die neue Städtische Sparkasse. Daneben erhebt sich seit
der Einweinung am 6. Mai 1972 das neue Rathaus der Stadt Bayreuth. Im
Zuge der Umgestaltung des Luitpoldplatzes wird die Ludwigsbrücke
abgerissen, der Main wird überdacht und die Straßenanlage
des Stadtkernrings durchgeführt. Die Straßenkreuzung vor dem
Rathaus wird nach der französischen Partnerstadt Annecy benannt.
1958 wird das "Gründungsjahr" für die Universität. Die
alte Lehrerbildungsanstalt wird zur Pädagogischen Hochschule der
Universität Erlangen erhoben. Am Geschwister-Scholl-Platz kann
1962 die Grundsteinlegung und fünf Jahre später, 1967 die
Einweihung und Eröffnung der neuen Pädagogischen Hochschule
gefeiert werden.
Da im Jahr 1960 oder 1961 ein großes US-Manöver irgendwo zwischen Bayern u. Baden Würtemberg
stattgefunden hatte und hierfür die Versorgungseinheiten das gesamte Gelände
der jetzigen Markgrafen- u. BGS-Kaserne einschl. Kiesgruben bis fast an den Ortsrand
von Bindlach als Nachschub-, Führungs- als auch Instandsetzungsbasis benutzten,
begann man auf dem ehemaligen Flugplatz an der Bindlacher Allee
mit dem Bau eines neuen Kasernengeländes, in dem 1960 die ersten
Panzergrenadiere einziehen konnten. Ein Gebäude an der
Wilhelminenstraße wird für den Bundesgrenzschutz zur
Verfügung gestellt. Das gesamte Araeal war damals eine riesige Zeltstadt mit
Hubschrauberlandungen und zu guter letzt auch ein riesiges Schlammloch, da das
Manöver im Januar/Februar stattfand. Die Bundeswehr fing erst danach mit dem Bau der Kasernen an.
Die Kaserne wurde dann im Oktober 1964 offiziell an die Bundewehr übergeben und nicht schon 1960.
Der Wiederaufbau der ausgebrannten ehemaligen Ludwig-Siebert-Halle
beginnt 1963 und kann am 21. Januar 1965 mit einer Einweihung zur
"Stadthalle" abgeschlossen werden. Die alte "Schwimmschule" - ein
besserer Weiher - wird geschlossen und 1964 - als "Kreuzsteinbad" -
eines der modernsten Schwimmbäder der damaligen Zeit von
Nordbayern - wiedereröffnet.
Mit dem Flüchtlingsstrom nach dem Krieg waren viele Katholiken in
das überwiegend protestantische Bayreuth gekommen. Die einzige
katholische Kirche der Stadt, die Schlosskirche, konnte die vielen
Gläubigen nicht fassen. 1966 baute man deshalb die Hedwigskirche.
Es folgten weitere Kirchenbauten in allen Stadtteilen, teils
katholische, teils auch evangelische. Als letzte Kirche konnte Sankt
Nikolaus im neuentstandenen Stadtteil Meyernberg ihrer Bestimmung
übergeben werden. Durch kirchliche Initiative entstanden auch drei
neue Altenheime. Als erstes wurde 1966 das Matthias-Claudius-Altenheim
am Geschwister-Scholl-Platz fertig gestellt; im selben Jahr begann man
bereits mit dem Altenheim "Mühlhofer-Stift". Die katholische
Kirche förderte den Bau des Altenheims Sankt Martin.
Die nach dem Krieg entstandenen Barackensiedlungen am
Flößanger können allmählich abgerissen werden. Der
große Platz wird zunächst jahrelang als Volksfestplatz
genützt, bis schließlich auch die Schrebergärten eingeebnet worden waren,
und das Sportzentrum Bayreuth - mit Dreifachturnhalle, Kunsteisstadion,
Hallenschwimmbad und Städtischem Stadion - entstand.
Anschließend an das Städtische Stadion errichtete die Stadt
den Neubau des Humanistischen Gymnasiums Christian Ernestinum im Jahre
1966. Ferner entstanden 1966 der Neubau der Berufsschule Sankt
Johannis, 1969 die Lehranstalt für medizinisch-technische
Assistenten, 1971 die Johannes-Kepler-Realschule, 1975 die Grundschule
in Meyernberg. Die Städtische Berufsschule wurde durch
Lehrwerkstätten erweitert - alles im Zuge des ständig
wachsenden "Bildungshungers", was schließlich in der Ernennung
Bayreuths zur Universitätsstadt seinen Höhepunkt fand.
Geplant war die Universität bereits 1742, aber man gab damals
Erlangen den Vorzug. Als man Ende der sechziger Jahre nach neuen
Universitätsstandorten Ausschau hielt, und da Bayreuth Sitz des
Teilbereichs "Erziehungswissenschaften" der Universität
Erlangen-Nürnberg war, erfüllte sich endlich der Traum. Am
19. September 1968 hatte Oberbürgermeister Wild die Errichtung
einer Universität Bayreuth gefordert und schon zwei Monate
später verfasste die Stadt ihre erste Denkschrift zur Errichtung
einer Hochschule. Am 25. Juni 1970 gab der Kulturpolitische Ausschuss
des Landtages seine Zustimmung zum Bau, und am 14. Dezember 1971
erfolgte der Beschluss zur rechtsförmlichen Errichtung, nachdem
die Planungen auf baulichem, finanziellen und strukturellen Sektor
für den "Standort" Bayreuth positiv verlaufen waren. Am 22. Mai
1974 feierte man auf einem Gelände südlich des ehemaligen
Exerzierplatzes die Grundsteinlegung, und schon im November 1975 konnte
der Vorlesungsbetrieb aufgenommen werden. Im selben Jahr wurde auch der
Fachbereich "Erziehungswissenschaften" in die neue Universität
integriert.
Nach dem Krieg war der "Flugplatz Bayreuth" aufgelöst worden und -
wie bereits berichtet - als Kasernengelände der Bundeswehr
genutzt. Der Wunsch eines neuen Flugplatzes und damit der Anschluss an
die großen Flugplätze der BRD regte sich jedoch bald wieder.
1973 baute man den ehemaligen Luftwaffenflugplatz Bayreuth-Bindlach um
und richtete die Fluglinien Bayreuth - Nürnberg und Bayreuth -
Frankfurt ein. Diese beiden Linien fanden viel positives Echo, so dass
die Stadt den Flugplatz weiter ausbaute. 1975 wurde der Flugplatz mit
der Fertigstellung des Towers völlig seiner Bestimmung
übergeben und ist heute ein wichtiger Fixpunkt für die
oberfränkische Wirtschaft und den Fremdenverkehr.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das "Wagner'sche
Familienunternehmen" im Jahre 1973 in die "Richard-Wagner-Stiftung"
umfunktioniert wurde, mit bayerischem Staat und der Stadt Bayreuth als
den Hauptträgern dieser Stiftung. Der Villa Wahnfried wurde die
Vorkriegsgestalt wiedergegeben. Zur 100-Jahr-Feier der Bayreuther
Festspiele, 1976, wurden die Bauarbeiten auf den Tag genau
abgeschlossen, und die Villa als Museum der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Im gegenüberliegenden Wohnhaus des
Schriftstellers Houston Stewart Chamberlain wurde das
Richard-Wagner-Archiv eingerichtet;. 1978 erwarb es mit Mitteln, die
von Staat und Stadt zur Verfügung gestellt werden konnten,
für zwei Millionen Mark Handschriftliche Manuskripte Wagners in
Amerika.
Quelle: 31