1. Bayreuths Entwicklung bis 1850
  2. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Bayreuth findet im Jahre 1194 statt: Der Bischof Otto von Bamberg aus dem Hause der Andechs-Meranier siedelt mit "stattlichem Gefolge in Bairute". Aber es handelt sich hier nur um eine zufällige Erwähnung; die Urkunde hat sonst keine nähere Beziehung zu dem Ort.

    In späterer Zeit spricht man vom "Meraner Schloss" als dem Urkern Altbayreuths, dort wo bayerische Kolonisten, wahrscheinlich von dem Andechser Geschlecht angeworben, das Land gerodet und später besiedelt hatten. Aber das ist nur eine vermutete Spur; viel wichtiger ist es, die einzelnen Volksgruppen zu betrachten, die damals in unserer Heimat aufeinander trafen:
    Von Norden her siedelten die Thüringer bis Richtung Kirchenlaibach. Ihre Herrschaft wird später von den aus dem Westen herandrängenden Franken abgelöst. Aus dem Süden rückte der Stamm der Bayern bis ins Fichtelgebirge und ins Egerland vor und hinterließ vermutlich im Namen der Stadt Bayreuth seine Spuren. Zwischenzeitlich schoben sich auch die Slawen vom Osten her ins Land, von denen viel in Bezug auf Namengebung, Bräuche und Kenntnisse übernommen wurde. In der Dürschnitz und in der "Altenstadt" finden wir noch Hinweise auf das Slawentum. Um den Urkern, das "Meraner Schloss", gruppierten sich wahrscheinlich später die befestigten Burggüter das Adels. Im Jahre 1231 erhielt die Siedlung die Bezeichnung "Civitas" und hatte ungefähr folgendes Aussehen:
    Der Adel ist der Grundherr, die "treibende Kraft , und hat seine Wohnsitze um Kastrum und Kirche. Auf Klerikalem Gebiet untersteht die "junge Stadt s dem Bistum Bamberg.
    Wahrscheinlich hauen auch verschiedene Klöster, wie etwa Michelfeld oder Speinshart, Einfluss auf die Stadt ausgeübt. Bayreuth selbst war nie der Sitz eines Klosters gewesen.

    1248 stirbt das Geschlecht der Andechs-Meranier aus, und die Stadt Bayreuth mit Umgebung fällt an die Burggrafen von Nürnberg, also an das Geschlecht der Hohenzollern. Im Konkurrenzkampf mit der frei gewordenen Reichsstadt Nürnberg verlegen die Hohenzollern ihre Handelskräfte mehr nach Norden, vor allem nach Böhmen, das unter dem luxenburger Kaiser sich mehr and mehr entfaltet. Der Handel wird versuchsweise außer über Hof nach Leipzig nun auch über Eger geleitet. Somit findet auch Bayreuth Anschluss an die böhmische Oberpfalz (Amberg) und an Prag. Die Handelsstraßen um Bayreuth haben zur Folge, dass eine Münze eingerichtet wird. Bald zieht es deswegen jüdische Händler nach Bayreuth. Fast ununterbrochen siedelt die Judengemeinde in dem ihr zugewiesenen "Ghetto", der Judengasse, die von Zeit zu Zeit verödet, aber nicht wegen blutiger Verfolgung, sondern weil andere Gemeinden wohl ein lohnenderes Ziel boten.

    Im 14. und 15. Jahrhundert beginnt die Blütezeit des Bürgertums. Die Führung der Stadtgeschicke übernehmen der "stadtsessig gewordene" Adel und reich gewordene Bürger, die sich Patrizier nennen. Adel und Patrizier bilden einen "Rat" und leiten die Stadt mit soviel Freiheit, wie im verbrieften Recht gegenüber den Landesfürsten und ihren Organen zulässig ist.
    Allmählich löst sich das Stadtbild aus der Romantik und gleitet in die neue Stilrichtung der Gotik über. Mittelpunkt bleibt das freistehende Rathaus in der Mitte des Marktes. Ein anderer Fixpunkt wird die gotische Stadtkirche mit der Lateinschule, von der Straßen zum ältesten "oberen Tor" (Steingräber), zur Kanzleistraße und zum Markt führen. Diese Grundzüge der gotischen Stadt beherrschen noch heute im Groben den inneren Kern der Stadt.

    1334 hatte die Stadt ihren ersten Rat mit Bürgermeister und Schöffen gebildet. Das ursprünglich geltende bayerische Stadtrecht war allmählich durch Nürnberger Recht ersetzt worden. Nach Jahren des friedlichen Aufbaus, die natürlich durch religiöse und soziale Spannungen erschwert worden war, brachen am 6. Februar 1430 von Böhmen her die Hussiten in Bayreuth ein. Was in zwei Jahrhunderten mühsam aufgebaut worden war - Stadtkirche, Rathaus und die Gotteshäuser außerhalb der Stadtmauer (die Kapelle zum Heiligen Kreuz, die Sankt-Nikolaus-Kirche in der "Altenstadt") - und damit verbunden auch viele wichtige Urkunden und Stadtbücher wurden ein Opfer der Flammen. Die Bevölkerung, allen voran die Ratsherren, waren in die nahen Wälder geflohen.
    Nachdem diese Katastrophe abgeebbt war, galt es nun wieder aufzubauen. Der Burggraf von Nürnberg, jetzt auch Kurfürst, Friedrich I. hatte zusätzlich die Aufgabe der Einigung der Bürger und das Stadtrecht neu zu gestalten. So wurde neben dem alten Rat ein "äußerer Rat" gewählt, dessen Mitglieder den Zünften und den niederen Bürgerkreisen entstammten. Schon 1457 ist Bayreuth wieder eine der bedeutendsten Städte in der Burggrafschaft Nürnberg.

    Bereits im Jahre 1499 wird Bayreuth von der Reformationsbewegung erfasst. Ohne Zögern löst sich die Stadt vom Bistum Bamberg und richtet sich mehr nach Thüringen. Doch zunächst musste die Übergangszeit, die nicht ohne Zwischenfälle vorüberging, überwunden werden. Dazu zählte auch der Bauernkrieg. Der Hass richtete sich vor allem gegen den gewalttätigen und in Glaubensfragen wankelmütigen Markgraf Kasimir, der auf der Plassenburg in Kulmbach residierte. Einflussreiche Leute und Priester versuchten mit den zusammengerotteten Bauern zu verhandeln. Trotzdem zählte Bayreuth nicht zu den schwerwiegenden Auseinandersetzungsstätten im Frankenland. Zur klaren Bekennung zum Protestantismus kam es erst unter Georg dem Frommen im Jahr 1533.

    Neues Unheil wurde für die Stadt und das Fürstentum durch den Sohn Kasimirs, den Kriegerischen Albrecht Alcibiades, heraufbeschworen, der 1541 die Regierung auf der Plassenburg antrat. Im von ihm angezettelten "Markgräflerkrieg" wurde Bayreuth von Alcibiades zweimal belagert, bis es sich der überlegenen Truppenmacht der vereinigten Reichsstädte unter Führung von Heinrich von Plauen ergeben musste. Alcibiades wird mit der Reichsacht belegt und stirbt verarmt in Pforzheim.

    Der nächste Herrscher über Bayreuth war das ganze Gegenteil. Er heilte die Risse und Wunden, die sein Vorgänger hinterlassen hatte. Als mit ihm die ältere Linie der Hohenzollern ausstirbt, will sein Nachfolger Markgraf Christian im Zuge der Renaissance und der mit ihr verbundenen Bautätigkeit nicht länger auf der Plassenburg residieren. Bayreuth soll zur Landeshauptstadt erkoren werden. Obwohl die Stadt bereits auf baulicher Seite neue Züge angenommen hatte, werden diese durch zwei Stadtbrände in den Jahren 1605 und 1621 vernichtet; 1621 brennt auch das erste Rathaus der Stadt ab. Überhaupt wirkt sich dieser Zeitraum für die Stadt nicht angenehm aus. Dreimal wird die Stadt von der Pest heimgesucht, danach leidet sie schwer unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. Selbst nach Friedensschluss liegen noch Truppen in Quartieren in der Stadt und bringen für die Bevölkerung eine große finanzielle Belastung.

    Zögernd setzen Handel und städtisches Leben nach Kriegsende wieder ein. Unter Markgraf Christian Ernst (1655 - 1712) wird der jäh unterbrochene "Residenztraum" fortgesetzt. Bayreuth beginnt sich zu entfalten, und fürstliches Leben zieht in die Stadt ein. Über die alten Stadtmauern hinaus fängt die Stadt an sich auszudehnen. Der Markgraf lässt ein neues Lateingymnasium bauen und das alte Schloss, das leider im Jahre 1753 abbrennt, baulich verändern.

    Unter Prinz Georg Wilhelm weitet sich die Stadt weiter aus. Georg Wilhelm lässt die neue Stadtanlage "Sankt Georgen am See" schaffen. Neben einer Kirche entsteht das Schloss mit einem künstlichen See, auf dem der Prinz Seeschlachten veranstaltet. Außerdem siedeln sich im neuen Stadtteil Manufakturen und private Betriebe an.

    Markgraf Friedrich von Brandenburg - Bayreuth (1735 - 1763), der Sohn von Markgraf Georg Friedrich Karl, genannt "der Bayreuther Augustus", heiratet die geistreiche Schwester Friedrichs des Großen, Friederike Sophie Wilhelmine, und bringt für Bayreuth die eigentliche Blütezeit als Residenzstadt. Der Brand des alten Schlosses ist für Friedrich Grund, ein neues Schloss im Stil der damaligen Zeit zu bauen. In der jetzigen Friedrichstraße, in der Opernstraße und in der Harmonie hinterlässt seine große Bautätigkeit bis heute Spuren. Aber auch Markgräfin Wilhelmine verdanken wir einige schöne Bauten:
    So das Markgräfliche Opernhaus, das auf ihr Geheiß hin von Joseph St. Pierre, Guiseppe Galli Bibiena und wohl auch Karl von Gontard erbaut wird. Die unter Prinz Georg Wilhelm entstandene Eremitage verliert ihre eigentliche Bestimmung als "Einsiedelei" und wird von Wilhelmine prächtig aus- und umgebaut. Auch Universität und Ritterakademie sind für Bayreuth geplant, aber die immer größer werdende Geldnot zerschlägt diese Pläne.

    Als im Jahre 1769 Karl Alexander die Regentschaft antritt, beginnt das erste Herabsinken der Markgrafenstadt Bayreuth. Denn der Markgraf zieht die "sonnige Welt" der Stadt Ansbach den "ernsten Zügen der Mainlandschaft" vor. Bayreuth wird vernachlässigt, und die Zeit der glanzvollen Feste ist endgültig vorbei. Um die Staatskasse aufzubessern verkauft Karl Alexander im Jahre 1777 Soldaten an die Engländer für den Unabhängigkeitskrieg in Amerika. Damit schafft er es, Bayreuth aus den Schulden, die Georg Wilhelm bis Wilhelmine & Co hinterlassen haben, zu befreien.
    Als der Markgraf 1792 abdankt, fallen Bayreuth und Ansbach an Preußen. In dieser Zeit hat Bayreuth - einschließlich Sankt Georgen - 10000 Einwohner.

    In den Revolutionskriegen bleibt Bayreuth zu Anfang lange verschont, jedoch am Schluss wird es stark in die Geschehnisse verwickelt: Bayreuth ist Vorzone der Schlacht von Jena. Weder unter der französischen - von 1806 bis 1810 steht Bayreuth unter napoleonischer Herrschaft und die preußische Provinz Bayreuth muss 2,5 Millionen Kriegskontribution bezahlen - noch unter der bayerischen Regierung, der es am 30. Juni 1810 endgültig zugesprochen wird, kann sich Bayreuth erholen.

    Bereits 1810 wird Bayreuth der Sitz der Regierung des "Obermainkreises", ohne jedoch ein rechtskundiges Stadtoberhaupt zu haben. Außerdem steht die Stadt in der Angst, den Regierungssitz an die Rivalenstadt Bamberg zu verlieren.
    Der Stadt- und Kreisverkehr kann sich auf Grund der Kriegsschwächung noch nicht richtig entwickeln. An Stelle der französischen Post wird die Postei als bayerisches Postamt eingerichtet. Zwar blieb Bayreuth während der französischen Besatzungszeit eine Rekrutierung erspart; da aber Bayern mit dem Franzosenkaiser zur Zeit des Russlandfeldzuges verbündet ist, müssen die bayerischen Gemeinden Truppen zur Verfügung stellen. Auch Bayreuth ist davon betroffen. Zudem wird es Sammelplatz und Standlager des Obermainkreises.

    1813 trifft ein neuer Schlag die Stadt Bayreuth. In diesem Jahr kehren viele Soldaten aus Russland zurück, die an Erfrierungen und Typhus erkrankt sind. Die Soldaten werden im Feldlazarett versorgt, und es kann nicht vermieden werden, dass die Seuche auf die Bevölkerung übergreift. Nach der Niederlage Napoleons ist Bayreuth Durchzugsgebiet der ihn verfolgenden Truppen. Wieder erfolgt Einquartierung. Danach kann sich die Stadt allmählich erholen. 1811 wird Sankt Georgen eingemeindet und die letzte bedeutsame Rodung in Bayreuth vorgenommen: Die Bürgerreuth, die sich von Sankt Georgen bis zur Hohen Warte erstreckt, wird angelegt.

    Endlich, im Jahre 1818, wird der erste juristische Bürgermeister der Stadt Bayreuth gewählt: Erhard Christian Hagen von Hagenfels. Als eine der ersten Aufgaben stellt sich der neugegründete Magistrat der Stadt die Errichtung von Magazinen, in denen Nahrungsmittel gespeichert werden, um gegen Hungerjahre, wie etwa 1807, gewappnet zu sein. Mit Stiftungen, wie die Leers'sche Waisenhausstiftung oder die Schindlersche Doppelstiftung, können viele soziale Probleme gelöst werden.
    1825 wird der Stadt auf Grund geschickter Verhandlungen des Bürgermeisters eine Summe von 32.430 Florin, von der im Jahre 1806 von den Franzosen geforderten Kriegskontribution, erspart.

    Langsam kann sich auch die Industrie erholen. Johann Gotthelf Bayerlein eröffnet in der Maxstraße ein "Kurz- und Schnittwarengeschäft". Der Kaufmann Leers lässt die einstige Porzellan- und Fayencenproduktion in Sankt Georgen wieder erblühen. Außerdem werden 1822 die Städtische Sparkasse und 1845 die erste Textilfabrik neueren Stils von Sophian Kolb in Laineck gegründet.

    Städtebaulich verändert sich Bayreuth folgendermaßen:

    Der Marktplatz erhält seine heutige Form und wird zur Ehre des Königs Maximilian I. Maxstraße genannt. Oberes und unteres Tor werden abgerissen und zusätzlich eine Durchfahrt zum Sternplatz geschaffen. 1827 wohnen 12.026 Bürger in der Stadt, die aus rund 1000 Häusern besteht. In diesem Zeitraum entstehen drei Schulen:
    1820 auf Betreiben Grasers die Taubstummenanstalt, 1833 die Gewerbeschule (heutige Realschule) und eine private Mädchenschule.
    In der Mitte des 19. Jahrhunderts will sich Bayreuth an das neue Eisenbahnnetz anschließen - jedoch ohne Erfolg. 1841 gründet Christian Hagen von Hagenfels das Jean-Paul-Stift als Herberge für bedürftige Kinder. Das Revolutionsjahr 1848 bringt für Bayreuth im Gegensatz zum übrigen Obermainkreisgebiet keine aufregenden Ereignisse.

  3. Bayreuths Entwicklung zwischen 1851 und 1897
  4. Im Jahre 1851 bewilligt die Regierung endlich den langersehnten Anschluss Bayreuths an das Eisenbahnnetz und bereits 1853 kann die Bahnlinie Bayreuth - Neuenmarkt festlich eröffnet werden. Nur war man sich noch uneinig über den Standort des Bahnhofs. Bürgermeister Dilchert und die Mehrheit der Stadträte stimmten für die jetzige Kanalstraße; nur sieben Stadträte, darunter Bankier Feustel, schlugen die heutige Standortstelle vor, was akzeptiert werden musste, als die Regierung den Elan der Mehrheit abgelehnt hatte.
    Erst 1861 erhält die Stadt von der Regierung die Genehmigung, sich an die Ostbahn Nürnberg - Regensburg - Passau in Weiden anzuschließen. Zwei Jahre später ist die Bahnlinie Bayreuth - Weiden fertiggestellt (Eigene Bahngesellschaft auf Aktienbasis). Wichtig war dieser Eisenbahnbau für die aufstrebende Industrie. 1853 erhielt F.C. Bayerlein die Genehmigung, seine vom Vater geerbte Fabrik von Neudrossenfeld nach Bayreuth zu verlegen und errichtet sie vorausschauend in der Nähe des neuen Schienenweges. Im gleichen Jahr wird auch die "Mechanische Baumwollspinnerei" auf Aktienbasis gegründet. Die Aktiengesellschaft wird von einem Augsburger Kaufmann namens Riedinger, von Herzog Alexander von Württemberg und anderen finanzkräftigen Bayreuthern ins Leben gerufen. Dieser Betrieb wird gleich gegenüber vom Bahnhof erbaut.
    1857 gründet der Piano- und Flügelbauer Eduard Steingräber seinen Betrieb in der Maxstraße, von wo dieser in den siebziger Jahren in die Friedrichstraße - seinen heutigen Standort - verlegt wird. 1854 kauft die Stadt das Haus des Regierungsdirektors Vetterlein am Eingang der Wolfsgasse und baut es zum Krankenhaus um.
    Aus Helmbrechts kommt der "Civilarchitekt" Carl Wölfel, der Auffrischung auf baulichem Sektor in die Stadt bringt. Bauten von ihm finden wir in der Dammallee, in der Opernstraße, am Luitpoldplatz und in der nach ihm benannten Wölfelstraße.

    Überhaupt macht die bauliche Entwicklung Bayreuths in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Fortschritte. In der Schulstraße wird ein "Zentralschulhaus" - heute die Graserschule - errichtet. Zugleich wird mit dem Abriss eines Hauses eine Verbindung vom Marktplatz zur Kanalstraße geschaffen. 1864 wird die Gewerbeschule in eine Kreisrealschule umgewandelt, was aber interessierten Kreisen nicht genügt, und man fordert ein Kreisrealgymnasium. Dieser Plan kann erst kurz vor dem 1. Weltkrieg verwirklicht werden.
    Das durch den Schienenweg von Bayreuth abgetrennte Sankt Georgen wird im Jahre 1875 durch den Bau der Tunnelstraße mit der Stadt verbunden.

    In dieser Zeit geht die Ostbahn Bayreuth - Weiden an den Staat über und die Bahnhofsanlage ändert sich völlig. Das Bahnhofsgebäude der Ostbahn wird abgerissen, während im Gebäude der Neuenmarkter Linie eine Post eingerichtet wird. Von jetzt an vergrößert sich das lokale Eisenbannnetz zusehend. 1884 gründet sich ein Verein für die Verschönerung der Stadt Bayreuth. Die ihm zufließenden Spenden dienen dem Ausbau des Festspielparks, der Anlage des Röhrensees und der Erhaltung des Parks in der Eremitage.

    Die erste Telephonanlage wird 1885, die erste elektrische Straßenbeleuchtung zwei Jahre später, 1887, installiert. Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts wird das Pumpwerk (Quellhöfl) errichtet und das Wasserleitungssystem ausgebaut. 1896 kann in der Königsallee (heute Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium) die damalige Lehrerbildungsanstalt eingeweiht werden - eine Vorläuferinstitution der ehemaligen Pädagogischen Hochschule.

    Das wichtigste Ereignis, das sich in dieser Zeitepoche vollzog, war für die Stadt die Auswahl zur Festspielstadt. An einem Sommertag im Jahr 1835 wanderte den 22-jährige Richard Wagner von Eger her über das Fichtelgebirge und sah zum ersten Mal im "oberfränkischen Tal" die Markgrafenstadt Bayreuth. Sie muss großen Eindruck auf Wagner gemacht haben, denn am 20. Februar 1866 schreibt Wagner in einem Brief an Hans von Bülow: "Ich wünschte, der König gäbe mir einen Pavillon des Bayreuther Schlosses zum Ruhesitz." Und als die Frage des Standortes eines Festspielhauses immer dringender wird, schlägt Wagner 1870 in einem Lexikon nach, was über Bayreuth geschrieben wird. Bayreuth, das er seit 1835 nie mehr gesehen hatte und auf dessen Markgräfliches Opernhaus mit seiner großen Bühne Hans Richter den Meister aufmerksam gemacht hatte, geht Wagner nicht mehr aus dem Kopf. Aber beim ersten Besuch Richard und Cosima Wagners vom 16. bis 20. April 1871 wird Wagner enttäuscht: Die Bühne des Opernhauses ist für sein "mystisches Weltendrama", den "Ring der Nibelungen", viel zu klein.
    Dennoch ist der Eindruck, den Wagner von der Stadt bekommt, recht günstig. Sie hat alle Voraussetzungen, die er sich für eine Festspielstadt wünscht: "Der Ort soll keine Hauptstadt mit stehendem Theater, auch kein vielbesuchter Badeort sein; er soll dem Mittelpunkt Deutschlands zu gelegen und ein bayerischer Ort sein."

    Am 12. Mai ist er bereits sicher, dass Bayreuth für sein Vorhaben geeignet ist. In Leipzig überrascht er die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, dass die erste "Gesamtaufführung" seines "Bühnenfestspieles" in Bayreuth stattfinden wird. In Bayreuth wurde ihm vollstes Vertrauen entgegengebracht. Bürgermeister Muncker sah die einmalige Gelegenheit für Bayreuth, eine weltbekannte Festspielstadt zu werden und sicherte Wagner vollste Unterstützung zu. Aber auch der Bankier Feustel und andere Stadtväter waren von der Idee begeistert. Um andere Städte, die Wagner auch in die engere Wahl gezogen hatte, auszuschalten, beschlossen die Stadtväter im November 1871, "das großartige Unternehmen Richard Wagners in jeder der Stadtgemeinde möglichen Weise zu unterstützen" und Richard Wagner für das geplante Festspielhaus ein geeignetes Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen. Am 24. April 1872 lässt sich Wagner endgültig als Bürger in Bayreuth nieder. Zunächst zieht er mit seiner Familie in das Hotel Fantaisie in Donndorf, bis Karl Wölfel ihm einen geräumigen Neubau in der Dammallee zur Verfügung stellt. Bald wird auch mit dem Bau der Villa Wahnfried begonnen, deren Grundriss und Ausführung Wagner selbst entworfen hatte.

    Knapp einen Monat nach der Ankunft der Familie Wagner, am 22. Mai 1872, am 59. Geburtstag des Meisters, wird schon der Grundstein für das Festspielhaus gelegt. Bereits 1874 ist das Bauwerk fast fertiggestellt. Im folgenden Jahr finden nur Proben statt und dann endlich 1876 ist es soweit: Am 13. August eröffnet Wagner die Bayreuther Festspiele mit seiner Oper "Rheingold". Der Bayernkönig Ludwig II nimmt schon an den Generalproben teil und Kaiser Wilhelm I. lässt sich sogar die gesamte Bühneneinrichtung zeigen. Viele Berühmtheiten des letzten Jahrhunderts erscheinen an diesem denkwürdigen Tag in Bayreuth: Neben Liszt kamen viele bedeutende zeitgenössische Komponisten wie Anton Bruckner, Edvard Grieg, Peter Tschaikowsky, Franz von Suppé und die großen Maler Adolph von Menzel und Franz Lenbach.

    Bayreuth war über Nacht zur Weltstadt geworden.

  5. Die Stadtentwicklung von 1900 bis 1919
  6. Ruhig und konstant entwickelt sich die um 1900 30.000 Einwohner zählende Stadt. Es entsteht ein neues Viertel mit Kasernen und dem Justizgebäude, in dessen Nähe auch die "Höhere Töchterschule" verlegt wird. Außerdem entstehen die Luitpold- und die Altstadtschule, und 1910 kann endlich die langersehnte Oberrealschule eröffnet werden. Das alte Krankenhaus war längst zu klein geworden und entsprach nicht mehr den Ansprüchen der Zeit. In den Jahren von 1903 bis 1905 wird das neue Städtische Krankenhaus erbaut und verfügt, nach einem Anbau im Jahre 1911, über 150 Betten.
    Der Oberbürgermeister dieser Zeitepoche in der Stadt Bayreuth, Dr. Leopold Casselmann, versucht wie seine Vorgänger, Bayreuth an eine Haupteisenbahnlinie anzuschließen. Auch diesmal scheitert dieses Begehren. Aber es gelingt, Bayreuth mit seiner Umgebung durch den Bau von Lokalbahnen in bessere Verbindung zu bringen. 1904 wird die Lokalbahn nach Hollfeld eröffnet, 1909 schließt sich die nach Thurnau an. Der industrielle Aufschwung Bayreuths ist nicht mehr aufzuhalten. Der wichtigste Industriezweig sind immer noch die drei Textilfabriken, die ständig aus- und umgebaut werden, damit sie sich der raschen Entwicklung anpassen können. Die mechanische Baumwoll- und Zwirnspinnerei Bayerleins beschäftigt zu Beginn des 1. Weltkrieges 450 Arbeiter und hat eine Kapazität von 37.500 Spinn- und von 5.500 Zwirnspindeln.
    Die Mechanische Baumwollspinnerei wurde 1887 in die "Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bayreuth" umgeändert. Sie gibt, nach einem umfangreichen Umbau von 1906 bis 1914, 1.100 Arbeitern Beschäftigung. Die neue Baumwollspinnerei war 1889 gegründet worden und rückte innerhalb weniger Jahre an die Spitze der Baumwollspinnereien Nordbayerns. Von 1904 bis 1912 verzehnfacht sich die Zahl der Spindeln mit Hilfe einer modernen Spinnereianlage (65.000 Ringspindeln). 1919 arbeiten 1.650 Arbeitnehmer in einem Betrieb mit 157.000 Spindeln. Im 1. Weltkrieg wird es schwierig für die drei Fabriken mit der Beschaffung des Rohmaterials, da England die Nordsee zum Sperrgebiet erklärt hatte und somit keine Schiffe mit Rohstoffen diese Blockade durchbrechen konnten. Aber die Industrie in Bayreuth findet eine Notlösung: Sie produziert Kunstseide, Papiergarne und Papierstoffe. Die Produktion der Kunstseide wird auch nach dem Krieg beibehalten und sogar weiter ausgebaut.
    Um der Gefahr der Vereinseitigung in der Industrie vorzubeugen, bemüht sich der Stadtrat, auch andere Industriebetriebe nach Bayreuth zu holen. 1900 gründet Siegmund Paul Meyer die heute noch bestehende Porzellanfabrik "Walküre" unterhalb des Festspielhauses. Schon 1919 arbeiten 300 Beschäftigte an vier Brennöfen.
    Die Zuckerfabrik in Sankt Georgen hatte sich in den Bankrott gewirtschaftet und aus ihren Resten entstehen nun vier neue Zuckerwarenfabriken "Insel-Schokolade" und Zuckerwarenfabrik gegenüber dem Bahnhof Sankt Georgen; Oskar Teuscher lässt sich gegenüber dem Gefängnis nieder; Martin Wirsings Fabrik neben der jetzigen Hauptpost und Hans Schneider in der Carl-Schüller-Straße.
    Um 1900 siedelt sich auch die Eisenindustrie in Bayreuth an. Der Eisenwerkbesitzer Hensel baut sein Werk westlich des Röhrensees auf.
    Mit der ansiedelnden Industrie wurde auch der Stromverbrauch immer größer. Er konnte nicht mehr vom Pumpwerk und von der 1901 erworbenen Herzogmühle gedeckt werden. Notgedrungen musste man den Beschluss fassen, mit Stadtgeldern ein Elektrizitätswerk zu bauen. Im Mai 1909 begann die Firma AEG mit den Ausführungen und bereits im November des selben Jahres konnte die Anlage in Betrieb genommen werden. Neben dem Stromverbrauch stieg auch der Wasserbedarf. Die Stadt löste das Problem, indem sie die Fichtelgebirgswasserleitung anlegen ließ, die 1908 fertiggestellt wurde.

    Mit der Ausweitung einer Stadt ist unweigerlich auch die Vergrößerung der Verwaltung verbunden. Das alte Rathaus am Markt hatte ausgedient; es war zu klein geworden. Die Stadt erwirbt erblich das Reizensteinpalais, einst Wohnsitz des Herzogs Alexander von Württemberg und später der seiner Frau, Emilie von Meyernberg, und lässt es für 100.000 Goldmark zum neuen Rathaus umbauen. 1945 wird es infolge eines Bombenangriffs zerstört.

  7. Die Ereignisse in Bayreuth zwischen 1922 und 1928
  8. Der 1. Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, und immer noch sind die Auswirkungen auch in Bayreuth zu spüren. Die Wirtschaft in ganz Deutschland ist auf einem Tiefpunkt angelangt. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Bayreuther Textilfabriken um ihre Existenz kämpfen müssen, und sich in Bayreuth keine wirtschaftliche beziehungsweise industrielle Vorwärtsentwicklung abzeichnet. Im Jahre 1920 entstehen jedoch trotzdem eine zweite Porzellanfabrik und die Nahrungsmittelfabrik Niho.
    Im November 1923 erreicht Bayreuth mit 1.800 Arbeitslosen den Krisenhöhepunkt. Der Winter 1923/24 bringt mit Rohstoffmangel und großen Lücken in der Energieversorgung zusätzliche Probleme für die Stadt. Die Industrie stagnierte, aber das Bauwesen arbeitete beständig. In dieser Zeit entstanden viele Arbeiterwohnungen, die in ganzen Siedlungen, meist am Rande der Stadt, zusammengefasst wurden: Saas, Laineck und 1920 die Hammerstatt. Außerdem wurden in der Herzoghöhe, am Rabenstein, am Stuckberg, teils unter Mithilfe des gegründeten Bauvereins, Wohnungen geschaffen. Im Stadtinneren and im Westen der Stadt wurde der Main reguliert. 1923 wird der Schlachthof vergrößert und modernisiert; auch die Rotmainhalle wird in dieser Zeitperiode errichtet. Das Jahr 1926 bringt einen großen Fortschritt für die  Stadt: Das erste Hallenbad Oberfrankens kann eingeweiht werden.
    Mit dem Aufschwung des Bauwesens kann ein Teil der Arbeitslosen Beschäftigung finden. So paradox es klingen mag, aber Bayreuth ist in dieser Zeit immer noch nicht an die Hauptverkehrswege der Eisenbahn angeschlossen. Der Plan, sich durch einen Lokalbahnbau über Hollfeld nach Bamberg an die Ost-West-Verbindung Eger- Bamberg anzuhängen, wird durch die steigende Inflation zunichte gemacht. Dafür bekommt Bayreuth einen eigenen Flugplatz auf dem Gelände der heutigen Bundeswehrkasernen. Bayreuth liegt endlich in dem Kreuzungspunkt des Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrs; aber nicht im Mittelpunkt von Eisenbahnlinien, sondern von europäischen Fluglinien. Die Nordbayerische Luftverkehrs GmbH richtet eine Linie Nürnberg - Bayreuth - Leipzig - Dresden ein und während der Festspielzeit wird Bayreuth sogar von der Lufthansa angeflogen. Die Festspiele hatten im Jahre 1924 ihre Spieltätigkeit wieder aufgenommen; diesmal liegt die Leitung bei Siegfried Wagner. 1925 wird ein Erweiterungsbau am Festspielhaus durchgeführt. 1929/30 gestaltet man die Anlage des Festspielparkes ganz neu. Das Jahr 1930 bringt sowohl für die Familie Wagner als auch für die Stadt zwei schwere Schicksalsschläge kurz nacheinander versterben im selben Jahr Cosima und Siegfried Wagner. Die Leitung der Spiele geht an Siegfrieds Witwe Winifried über.

  9. Bayreuth in der Zeit des Nationalsozialismus 1933 -1937
  10. Am 31. Dezember 1932 geht eine wichtige Periode in der Geschichte Bayreuths zu Ende. Ab 1. Januar 1933 ist die Stadt nicht mehr der Sitz der Regierung. Infolge von Einsparungsmaßnahmen werden die Regierungen von Ober- und Mittelfranken zusammengelegt und als Regierungssitz wird Ansbach auserkoren. Obwohl Bürgerschaft und Stadtrat heftig protestieren, bleiben alle Versuche zwecklos die Regierung in Bayreuth zu behalten. Eine neue Zeit ist angebrochen. - Die des Nationalsozialismus.

    Die vierzehn Jahre der Weimarer Republik waren für Bayreuth weder nutzbringend noch sehr schön, aber sie waren besser als die folgenden unter dem Regime Hitlers. Als Stadt Richard Wagners steht Bayreuth bei den neuen Machthabern "hoch im Kurs". Adolf Hitler, ein begeisterter Verehrer der Werke Richard Wagners, pflegte eine intensive Verbundenheit mit dem Hause Wahnfried. Wahrscheinlich auf Grund dessen sah Hitler Bayreuth als Mittelpunkt seiner geplanten Nord-Süd-Achse. Auch die Freundschaft Hitlers mit dem Gauleiter Hans Schemm brachte der Stadt Sonderstellungen, so den Sitz der Gauleitung, den Hauptsitz des NS-Lehrerbundes und das Privileg, eine der auserwählten Städte Hitlers zu sein. Von den baulichen Veränderungen, die Hitler für die Stadt vorsah, konnten nur einige verwirklicht werden. Bis Kriegsausbruch wurden das "Haus der Erziehung" - die heutige BELG / EVO / EON - und das Stenographenhaus - es ist heute abgerissen - fertiggestellt. Auch die Markgräfliche Reithalle wurde umgebaut und als "Ludwig-Siebert-Festhalle" übergeben. Um das Birkengut entstand ein neuer Stadtteil durch die Anlage der SA-Siedlung für das "kleinere Parteivolk". Denn die "Prominenz" siedelte sich am Fuß des Festspielhauses an, in der Gartenstadt. Ferner wurden die Pläne einer Motorsportschule hinter dem Studentenwald und eines Luftwaffenlazaretts - das heutige Krankenhaus "Hohe Warte" verwirklicht.
    Als Utopie blieben die Reichsmütterschule, das Sportzentrum am Roten Main südlich der Hammerstatt (wurde erst in den 1980er Jahren gebaut) , ein "völkisches Theater, ein Grandhotel, der Aufmarschplatz auf dem Geißmarktgelände und ein Gebäudekomplex für die Gauleitung mit den einzelnen Parteiinstitutionen zwischen "Ludwig-Siebert-Halle" und Jean-Paul-Straße. Die Gebäude der Parteiorgane, sowie Theater, Hotel und Festhalle sollten das Zentrum der Stadt entlang einer geplanten Paradestraße bilden. Ein anderes wichtiges Merkmal der Gauhauptstadt ist die Reichs-Autobahn - 1938 eingeweiht -, die Bayreuth auf der Achse Berlin - München einen besseren Anschluss an das übrige Deutschland bietet.

    Der 2. Weltkrieg konfrontiert Bayreuth im Gegensatz zum 1. Weltkrieg direkt mit dem schrecklichen Kriegsgeschehen. In den Jahren 1914 bis 1918 litt die Stadt zwar Hunger und bangte um die Angehörigen, die an der Front standen, aber sie blieb vor Zerstörungen verschont. Diesmal zeigt sich die Schreckensseite des Krieges bereits am 13. Januar 1941. An diesem Tag fliegen englische Bomberverbände über Bayreuth und werfen Spreng- und Brandbomben auf die Stadt. Als Ziel sind die Mechanische Baumwollspinnerei und -weberei und der Bahnhof ausersehen. Während der Bahnhof bei diesem Angriff nicht sonderlich schwer getroffen wird, hat die Spinnerei große Verluste zu verzeichnen.

    In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 greifen angloamerikanische Bomberflieger Bayreuth erneut an. Die Folgen dieser sinnlosen Bombardierung, da das Deutsche Reich sowieso schon als besiegt galt, sinn entsetzlich. An drei Tagen - hauptsächlich am 5. und am 8. April - werden über 40 % der Gebäude vernichtet, wobei 1000 Menschen ums Leben kommen. Der Bahnhofsplatz und der obere Luitpoldplatz sind nur noch Trümmerhaufen, das neue Rathaus brennt bis auf die Grundmauern nieder, und somit gehen viele Akten verloren, da nur diejenigen der aktiven Stadtbediensteten nach Bad Berneck ausgelagert waren. Weiter sind von dem Bombenanschlag der Wilhelmsplatz, die "Ludwig-Siebert-Halle" und das Haus Wahnfried betroffen. Erneut wird der Stadt am 11. April Schaden zugefügt. Die Alliierten beschießen Bayreuth kurz vor ihrer Einnahme mittelschwer. In der Eremitage vermuten die Amerikaner einen Generalstab und zerstören das Lustschloss Wilhelmines durch Granaten. Auch das Neue Schloss brennt total aus. In ihm befanden sich wichtige Unterlagen der Partei - es ist durchaus möglich, dass es sich hier um eine Aktion der SS handelte.

    Neben Würzburg, Nürnberg und München war Bayreuth eine der am meisten zerstörten Städte. 36,8 % der vorhandenen Wohnungen waren zerstört - das heißt im Klartext 4.500 Familien waren obdachlos geworden. Hinzu kam der gewaltige Strom der Flüchtlinge aus dem Osten. Die Einwohnerzahl stieg trotz der Kriegsopfer um ein Drittel auf 58.000 Bürger. Um die Wohnungsnot einigermaßen zu lindern, schuf man Barackensiedlungen am und um den heutigen Volksfestplatz.

    In der Industrie sah es genauso trostlos aus. Von 3.300.000 Baumwollspindeln in der Textilindustrie arbeiteten nach dem Zusammenbruch lediglich noch 85.000. Der Gebäudeschaden in der Industrie betrug ungefähr zwölf Millionen Mark. - Eine traurige Bilanz.

  11. Bayreuth nach dem 2. Weltkrieg 1949 - 1976
  12. Die Schäden sind groß. Man beginnt mit dem Wiederaufbau - zunächst natürlich nur provisorisch. Als erstes gilt es den Schutt zu beseitigen. Die alten Kasernen werden von den Amerikanern mit einem Panzerregiment belegt; auf dem Bindlacher Berg errichten sie ihre Garnison. Auch das Festspielhaus wird von ihnen zweckentfremdet: Soldatenrevues und ähnliches werden jetzt hier "aufgeführt". Ein Lichtblick in dieser trüben Zeit zeichnet sich am 17. April 1948 ab. Nach 15-jähriger Pause wird Bayreuth wieder der Regierungssitz von Oberfranken. Im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes versammeln sich die neuen Würdenträger des bayerischen Staates, um diese "Wiedergeburt" zu feiern.

    In den Jahren nach 1948 beginnt das Wirtschaftswunder, das Deutschland an die Spitze der Wirtschaftsmächte bringt, und erfasst auch die Stadt Bayreuth. Weder von den Festspielen noch von der Verwaltung allein konnte die Stadt leben. Das erkannte man sehr bald, und nach der Währungsreform wurde auf dem ehemaligen Brandenburger See - 1775 wurde er trocken gelegt und seitdem landwirtschaftlich genutzt - das 800.000 qm große Terrain des Industriegebietes angelegt. Die Erschließungskosten - Straßen und Kanalisation - betrugen 2,5 Millionen Mark; aber sie machten sich bald bezahlt. Firmen wie die B.A.T. Cigaretten-Fabrik, Grundig, Steiner Optik, Raumluft AG und andere siedelten sich im Industriegebiet Bayreuth an, das durch seine volle Erschlossenheit mehr Anziehungskraft hatte als zur Verfügung gestellte Wiesengrundstücke in anderen fränkischen Städten. Der Kommissarische Oberbürgermeister Dr. Kauper versuchte gleich im Jahre 1945, die Siemens-Werke nach Bayreuth zu holen. Nach seinem plötzlichen Tod im November des selben Jahres wurde dieser Plan vom Stadtrat nicht mehr aufgegriffen. Erst Oberbürgermeister Hans Rollwagen wagte es, noch einmal mit Siemens zu verhandeln. Das Resultat war negativ. Die Siemens-Werke hatten nun nicht mehr die Absicht, sich in Bayreuth anzusiedeln, nachdem die anfänglichen Verhandlungen nicht fortgeführt worden waren.
    Im Südosten der Stadt setzte die Firma Zapf ihre Anfänge für das spätere Imperium der Beton-Werke Zapf. Die 13.000 Flüchtlinge bildeten ein großes Arbeitskräftepotential für die neuen Industriebetriebe.

    1951 beginnen die Bayreuther Festspiele unter der Leitung der Enkel Richard Wagners Wieland und Wolfgang. Der absolute Neuerer Wieland ruft mit seinen Inszenierungen viel Kritik, aber auch viel Lob hervor.

    Die 1948 zur Verfügung stehenden 9.058 Wohnungen (für 58.000 Einwohner) vermehren sich im Lauf der Zeit auf 17.000 (im Jahre 1958). In der Hammerstatt, am Roten Hügel, in der Birken und im Gebiet um Wendelhöfen waren innerhalb von zehn Jahren große neue Wohnviertel entstanden. Dem größer gewordenen Versorgungsbedürfnissen müssen sich auch das Krankenhaus, die Wasserversorgung und die Ortsentwässerung anpassen. In den Jahren seit 1958 zeigt die Stadt immer wieder ein neues Gesicht. In den Randgebieten dehnt sie sich durch private Bebauung ständig aus, und. als Folge werden immer wieder Dörfer der Stadt eingemeindet: Seulbitz, Oberkonnersreuth, Aichig, Thiergarten, Destuben, Wendelhöfen, Laineck und Teile der Gemeinde Bindlach.

    Im Stadtinneren gestaltet man den Luitpoldplatz neu. Die Verwaltung der Stadt war in das Alte Rathaus am Markt umgezogen, und die Ruine des Reitzensteinpalais wird endgültig abgerissen. An seiner Stelle baut man die neue Städtische Sparkasse. Daneben erhebt sich seit der Einweinung am 6. Mai 1972 das neue Rathaus der Stadt Bayreuth. Im Zuge der Umgestaltung des Luitpoldplatzes wird die Ludwigsbrücke abgerissen, der Main wird überdacht und die Straßenanlage des Stadtkernrings durchgeführt. Die Straßenkreuzung vor dem Rathaus wird nach der französischen Partnerstadt Annecy benannt.

    1958 wird das "Gründungsjahr" für die Universität. Die alte Lehrerbildungsanstalt wird zur Pädagogischen Hochschule der Universität Erlangen erhoben. Am Geschwister-Scholl-Platz kann 1962 die Grundsteinlegung und fünf Jahre später, 1967 die Einweihung und Eröffnung der neuen Pädagogischen Hochschule gefeiert werden.

    Da im Jahr 1960 oder 1961 ein großes US-Manöver irgendwo zwischen Bayern u. Baden Würtemberg stattgefunden hatte und hierfür die Versorgungseinheiten das gesamte Gelände der jetzigen Markgrafen- u. BGS-Kaserne einschl. Kiesgruben bis fast an den Ortsrand von Bindlach als Nachschub-, Führungs- als auch Instandsetzungsbasis benutzten, begann man auf dem ehemaligen Flugplatz an der Bindlacher Allee mit dem Bau eines neuen Kasernengeländes, in dem 1960 die ersten Panzergrenadiere einziehen konnten. Ein Gebäude an der Wilhelminenstraße wird für den Bundesgrenzschutz zur Verfügung gestellt. Das gesamte Araeal war damals eine riesige Zeltstadt mit Hubschrauberlandungen und zu guter letzt auch ein riesiges Schlammloch, da das Manöver im Januar/Februar stattfand. Die Bundeswehr fing erst danach mit dem Bau der Kasernen an. Die Kaserne wurde dann im Oktober 1964 offiziell an die Bundewehr übergeben und nicht schon 1960.

    Der Wiederaufbau der ausgebrannten ehemaligen Ludwig-Siebert-Halle beginnt 1963 und kann am 21. Januar 1965 mit einer Einweihung zur "Stadthalle" abgeschlossen werden. Die alte "Schwimmschule" - ein besserer Weiher - wird geschlossen und 1964 - als "Kreuzsteinbad" - eines der modernsten Schwimmbäder der damaligen Zeit von Nordbayern - wiedereröffnet.

    Mit dem Flüchtlingsstrom nach dem Krieg waren viele Katholiken in das überwiegend protestantische Bayreuth gekommen. Die einzige katholische Kirche der Stadt, die Schlosskirche, konnte die vielen Gläubigen nicht fassen. 1966 baute man deshalb die Hedwigskirche. Es folgten weitere Kirchenbauten in allen Stadtteilen, teils katholische, teils auch evangelische. Als letzte Kirche konnte Sankt Nikolaus im neuentstandenen Stadtteil Meyernberg ihrer Bestimmung übergeben werden. Durch kirchliche Initiative entstanden auch drei neue Altenheime. Als erstes wurde 1966 das Matthias-Claudius-Altenheim am Geschwister-Scholl-Platz fertig gestellt; im selben Jahr begann man bereits mit dem Altenheim "Mühlhofer-Stift". Die katholische Kirche förderte den Bau des Altenheims Sankt Martin.

    Die nach dem Krieg entstandenen Barackensiedlungen am Flößanger können allmählich abgerissen werden. Der große Platz wird zunächst jahrelang als Volksfestplatz genützt, bis schließlich auch die Schrebergärten eingeebnet worden waren, und das Sportzentrum Bayreuth - mit Dreifachturnhalle, Kunsteisstadion, Hallenschwimmbad und Städtischem Stadion - entstand.

    Anschließend an das Städtische Stadion errichtete die Stadt den Neubau des Humanistischen Gymnasiums Christian Ernestinum im Jahre 1966. Ferner entstanden 1966 der Neubau der Berufsschule Sankt Johannis, 1969 die Lehranstalt für medizinisch-technische Assistenten, 1971 die Johannes-Kepler-Realschule, 1975 die Grundschule in Meyernberg. Die Städtische Berufsschule wurde durch Lehrwerkstätten erweitert - alles im Zuge des ständig wachsenden "Bildungshungers", was schließlich in der Ernennung Bayreuths zur Universitätsstadt seinen Höhepunkt fand.

    Geplant war die Universität bereits 1742, aber man gab damals Erlangen den Vorzug. Als man Ende der sechziger Jahre nach neuen Universitätsstandorten Ausschau hielt, und da Bayreuth Sitz des Teilbereichs "Erziehungswissenschaften" der Universität Erlangen-Nürnberg war, erfüllte sich endlich der Traum. Am 19. September 1968 hatte Oberbürgermeister Wild die Errichtung einer Universität Bayreuth gefordert und schon zwei Monate später verfasste die Stadt ihre erste Denkschrift zur Errichtung einer Hochschule. Am 25. Juni 1970 gab der Kulturpolitische Ausschuss des Landtages seine Zustimmung zum Bau, und am 14. Dezember 1971 erfolgte der Beschluss zur rechtsförmlichen Errichtung, nachdem die Planungen auf baulichem, finanziellen und strukturellen Sektor für den "Standort" Bayreuth positiv verlaufen waren. Am 22. Mai 1974 feierte man auf einem Gelände südlich des ehemaligen Exerzierplatzes die Grundsteinlegung, und schon im November 1975 konnte der Vorlesungsbetrieb aufgenommen werden. Im selben Jahr wurde auch der Fachbereich "Erziehungswissenschaften" in die neue Universität integriert.

    Nach dem Krieg war der "Flugplatz Bayreuth" aufgelöst worden und - wie bereits berichtet - als Kasernengelände der Bundeswehr genutzt. Der Wunsch eines neuen Flugplatzes und damit der Anschluss an die großen Flugplätze der BRD regte sich jedoch bald wieder. 1973 baute man den ehemaligen Luftwaffenflugplatz Bayreuth-Bindlach um und richtete die Fluglinien Bayreuth - Nürnberg und Bayreuth - Frankfurt ein. Diese beiden Linien fanden viel positives Echo, so dass die Stadt den Flugplatz weiter ausbaute. 1975 wurde der Flugplatz mit der Fertigstellung des Towers völlig seiner Bestimmung übergeben und ist heute ein wichtiger Fixpunkt für die oberfränkische Wirtschaft und den Fremdenverkehr.

    Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das "Wagner'sche Familienunternehmen" im Jahre 1973 in die "Richard-Wagner-Stiftung" umfunktioniert wurde, mit bayerischem Staat und der Stadt Bayreuth als den Hauptträgern dieser Stiftung. Der Villa Wahnfried wurde die Vorkriegsgestalt wiedergegeben. Zur 100-Jahr-Feier der Bayreuther Festspiele, 1976, wurden die Bauarbeiten auf den Tag genau abgeschlossen, und die Villa als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im gegenüberliegenden Wohnhaus des Schriftstellers Houston Stewart Chamberlain wurde das Richard-Wagner-Archiv eingerichtet;. 1978 erwarb es mit Mitteln, die von Staat und Stadt zur Verfügung gestellt werden konnten, für zwei Millionen Mark Handschriftliche Manuskripte Wagners in Amerika.


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