Gottfried Weimann
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* (Ellefeld / Thüringen) † 13.03.1990 (Bayreuth)
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Olympia 1932 - Ein Dollar Taschengeld
Der Speer flog 68,18 Meter weit. Olympischer Rekord! Eine knappe
Viertelstunde war er Inhaber des Olympischen Rekordes. Zu einer
Medaille bei den Olympischen Spielen im Jahr 1932 in Los Angeles
genügte es aber dann doch nicht. Gottfried Weimann, der ab 1950 in
Bayreuth lebte, musste sich mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden
geben. Die drei Finnen Järvinen, Sippala und Renttilä überboten im
Laufe eines bis heute einmaligen Speerwurf-Wettbewerbs den
fantastischen Wurf des damaligen Leipzigers.
In der deutschen Leichtathletik-Geschichte hat der im Jahr 1990
verstorbene Dr. Gottfried Weimann (er promovierte 1935 an der
Handelshochschule Leipzig zum Dr. rer. Oec.) dennoch seinen festen
Platz: Fünfmal wurde er Deutscher Meister.
Sein erfolgreichstes Jahr war das Jahr 1933, als er am 27. August mit 73,40
Metern seinen siebten deutschen Rekord aufstellte und hinter
Olympiasieger Matti Järvinen auf dem zweiten Platz der Weltrangliste
notiert wurde.
Als einer der großen Favoriten startete er bei der Olympiade 1936 in
Berlin. Der Wettbewerb im Olympiastadion in Berlin geriet allerdings zu
heute kaum mehr nachvollziehbaren "Lottospiel". Der Boden vor dem
Abwurfbalken war so hart, dass mit dem Schuhmaterial der Speerwerfer
kein einwandfreier Abwurf möglich war. So wurden die Top-Leute
Järvinnen und Weimann am Ende auf Rang fünf und acht notiert.
Olympiasieger wurde Weimanns Mannschaftskamerad Gerhard Stöck: Er hatte
sich die Laufschuhe des Zehnkämpfers Heinz Sievert geborgt....
Über sechzig Jahre ist dies nun her. Während inzwischen nur noch
Metallspeere verwendet werden, hatten die damaligen Athleten nur
"kopflastige" Holzspeere zur Verfügung. Mit dem modernen Material sind
heutzutage Würfe bis zu einhundert Metern möglich.
Zur Finanzierung der Reisekosten für die Teilnahme an den Olympischen
Spielen in Los Angeles hat Dr. Gottfried Weimann einen wesentlichen
Teil beigetragen. Damals mussten die Olympioniken Marken in Wert von
zehn Pfennigen verkaufen, die neben den Briefmarken auf Postsendungen
geklebt wurden. Dr. Weimann gegenüber dem Bayreuther Sportpfleger
Gerhard Gollner: "Die Marken waren wegen der Weltwirtschaftskrise und
6,5 Millionen Arbeitsloser in Deutschland sehr schwer an den Mann zu
bringen." Trotzdem gelang es Weimann in einem halben Jahr über 5000
Stück zu verkaufen und war damit der Sportler, der die weitaus meisten
Marken verkauft hat.
"Erstaunlicherweise", so Weimann, "kauften gerade viele sportbegeisterte Arbeitslose trotz
ihrer bescheidenen Unterstützung viele Marken. Eine echte
Einschränkung. Für jede Marke verzichteten sie auf vier Zigaretten."
Als Taschengeld erhielten die 88 deutschen Sportler pro Tag einen Dollar!
Ein Erlebnis war die Olympiade in Los Angeles für alle. Aufgrund der
langen Schiffsreise lernten sich die Athleten richtig kennen. Weimann:
"Das schweißte zusammen, da bangte man für die anderen 87 bei jedem
Wettkampf mit!"
Dr. Gottfried Weimann gehörte viele Jahre zum Sportkuratorium der Stadt
Bayreuth und war aktives Mitglied des Bayreuther Verbandes in der
Deutschen Olympischen Gesellschaft.
Olympia-Gschichtla: Rekord nützte nichts...
Bayreuth/Los Angeles. Ein Olympia-Sammelalbum des Cigaretten-Bilderdienstes
Hamburg-Bahrenfeld aus dem Jahr 1932 aus dem Nachlass ihres
Urgroßvaters stellte uns Birgit Zapf für unsere Olympiaserie zur
Verfügung. Über den Bayreuther Speerwerfer Gottfried Weimann sind
folgende Zeilen zu lesen:
Ein Athletenkörper huscht tief unten in der Stadionschlucht über den
großen, grauen Sandfleck im smaragdgrünen Rasenoval. Jetzt ist der
günstigste Augenblick, jetzt schleudert er den schlanken Speer mit
allen Kräften. Das vibrierende Stück Holz fliegt und fliegt.
Sekundenlang. Es überfliegt eine Kreidelinie nach der anderen. Vor der
letzten schnappt die Speerspitze Grund. 68,18 Meter! Ein neuer
Olympischer Rekord von der Nummer 179 – dem Deutschen Weimann! Fast
zwei Meter mehr als der alte Rekord. (...) Der Rekord hält nicht lang.
Als der Finne Matti Järvinnen den Speer schleuderte waren die 70 Meter
überboten. (...) Phantastisch ist das Können der Finnen. Während
Weimann sich nicht zu steigern vermag, wird er von Sippala (69.80 m)
und Tenttilä (68.70 m) überboten.

Damit blieb die Goldmedaille für den Speerwurf weiter in skandinavischen
Händen: E. Lemming – Schweden (1908 und 1912), J. Myrrha – Finnland
(1920 und 1924) und E. H. Lundquist – Schweden (1928). Erst der
langjährige deutsche Konkurrent und Freund Weimanns Gerhard Stöck holte
1936 als erster "Nichtskandinavier" Gold in Berlin. Stöck lernten
übrigens die Bayreuther Olympiateilnehmer
Weber, Zeitler und Semmelmann
als Delegationsleiter während der Olympiade 1956 in Melbourne kennen.
StM.
An allen Masten Finnlands Fahne: Das Zigarettenbildchen zeigt die
Siegerehrung für das Speerwerfen. Järvinen, Sippala und Penttilä
zerstörten die Medaillenhoffnungen des Bayreuthers Gottfried Weimann.
Foto und Quelle: Stephan Müller.