Graf Münster

* 17.02.1776 (Langelage)
† 23.12.1844 (Bayreuth)
Georg Graf zu Münster, einer der erfolgreichsten Entdecker vorweltlicher Tiere, stammte aus einer der ältesten deutschen Adelsfamilien, deren bekanntester Vertreter Herbert Graf zu Münster als englischer Außenminister die Kontinentalsperre gegen Napoleon bewirkte. Er wurde 1776 in Langelage (Westfalen) auf den Gütern seines Vaters geboren. Schon früh hat er mit seinen Brüdern Versteinerungen gesammelt und hat auch die Hühnengräber, die dort in der Umgebung liegen, geöffnet. Die zahlreichen dabei ausgegrabenen Urnen waren lange Zeit im oberen Saal des Stammhauses aufbewahrt und stehen jetzt im Osnabrücker Museum.
1800 kam der junge Graf nach Ansbach in den preußischen Staatsdienst als Kriegs- und Domänenrat, 1806 wurde er in dieser Eigenschaft an das Kammerkollegium nach Bayreuth versetzt, wo ihn die ebenso reizvolle wie geologisch merkwürdige Umgebung stark anzog. Die angenehme Geselligkeit, die sich besonders in den traulichen Stätten der Eremitage, im Schloß zu Thurnau und anderen ähnlichen Plätzen abspielte, war nach seinem Sinn und ließ ihn schon bald in Bayreuth vollends heimisch werden.
1810, als die Markgrafschaft an das Königreich Bayern fiel, trat er in den bayerischen Staatsdienst über. Seine Position war der eines heutigen Regierungsvizepräsidenten vergleichbar. In seiner Wahlheimat Bayreuth, wo er bis zu seinem Tode 1844 lebte, einen geologisch äußerst interessanten Raum, widmete er seine ganze Freizeit geologischen Studien und wurde zu einem der Begründer der deutschen Paläontologie, der Wissenschaft von den fossilen Lebewesen. Nach 25 Jahren systematischen Suchens fand er 1834 im Muschelkalk des Oschenbergs ein vollständiges, sehr merkwürdiges Skelett, das er "Wunderbare Bastardechse = Nothosaurus mirabilis" nannte und bei dem es sich um den ersten Saurierfund auf dem europäischen Festland handelte. Lediglich in England war schon 1821 ein Saurierskelett entdeckt worden. Der Saurier, der einen 4 - 5 m langen Körper hatte und ein sehr gefährliches Raubtier war, gilt als der Beherrscher des Muschelkalkmeeres, das vor ungefähr 200 Millionen Jahren in der Nähe des Oschenbergs an das damalige Festland brandete. Durch Münster, der auch weit außerhalb Oberfrankens, z.B. in den Alpen, seinen Forschungen nachging, wurde Bayreuth zu einem Hauptsitz der damals noch jungen geologischen Forschung, der er zusammen mit Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg und Dr. Carl Friedrich Wilhelm Braun nachging. Das von ihm 1832 gegründete "Naturalienkabinett des Obermainkreises", welches nach 1842 jahrzehntelang in der Gewerbeschule in der Friedrichstraße untergebracht war, wurde zu einem Anziehungspunkt für Forscher aus aller Welt.

Näheres zur Bayreuther Paläontologie unter Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg

Funde des Grafen zu Münster im Bayreuther Muschelkalk

a - links oben) Schädel von Placodus andriani mit den Höhlen sechs ausgefallener Vorderzähne

b - links unten) Schädel von Placodus gigas mit abgebrochener Schnauze

c - rechts oben) Schädel von Cyamodus rostratus, von unten, nohc im Gestein steckend

d - rechts mitte) e - rechts unten) Schädel von Gyamodus münsteri, von unten und oben

Quelle: 2 und Informationen aus dem Graf-Münster-Gymnasium Bayreuth.