Christoph von Gravenreuth errichtete 1735 eine Stiftung zur Unterstützung
alter bedürftiger Personen.
Wie der Bayreuther Chronist Johann Sebastian König berichtet,
soll der Anstoß zur Gründung des Stifts in St. Georgen am See "einstmals auf der
Brandenburger Kirchweih" gegeben worden sein:
Markgraf Georg Wilhelm verbrachte
seinen Namenstag, den Georgstag (23. April), in dem von ihm gegründeten
Städtchen. Unter den Gästen befand sich auch Georg Christoph von Gravenreuth aus
Kalmreuth bei Floß in der heutigen Oberpfalz, ein Landjunker ohne Titel und
Ehrenzeichen. Aber der Name Gravenreuth zählte am Markgrafenhof: Der Vetter
Georg Christophs war Christian Martin von Gravenreuth, der Oberst eines
Bayreuther Grenadierregiments und seit 1709 Ritter des Ordens de la sincérité
war. Die Aufnahme Georg Christophs soll so herzlich gewesen sein, daß er
gegenüber dem markgräflichen Stadtinspektor und Kriegscommissarius
Cadusch äußerte, er "wolle diese neue Stadt wohl bedenken und
vielleicht zu seinem Erben einsetzen". Da man daraufhin die Höflichkeiten
gegenüber Gravenreuth verdoppelte, reiste dieser unserem Chronisten zufolge "mit
dem Vorsatz ab, an den Ort ein Spital zu stiften".
Der ungefähr 1667 geborene Georg Christoph entstammte einer
Familie, die zur Voigtländischen Ritterschaft gerechnet wurde und
im Sechsämterland begütert war. Der alte und namengebende
Stammsitz war Grafenreuth bei Marktredwitz. Georg Christophs Vater,
dessen Porträt in der Kirche hängt, besaß das
Rittergut Oberredwitz (heute ein Ortsteil von Marktredwitz), wurde
aber durch einen Wunsiedler Amtshauptmann so unter Druck gesetzt, dass
er es verkaufte und sich mit einem einfachen Haus in Arzberg
begnügte. Georg Christoph hatte noch einen Bruder, der aber schon
1703 starb und sich als Stifter eines Stipendiums für Arzberger
Studenten verdient machte. Georg Christoph, der offenbar keine
höhere Bildung genossen hatte, erwarb 1703 das Rittergut
Kalmreuth im damaligen Herzogtum Sulzbach und lebte von der Wald- und
Landwirtschaft. Er war in kinderloser Ehe verheiratet mit Erdmuth
Sophie von Thüna, die 1722 starb. Seine 2. Ehe mit Maria
Magdalena von Juncker, einer um viele Jahre jüngeren Frau, hatte
keinen Bestand. Georg Christoph wurde von seiner Frau verlassen. Seine
letzten Lebensjahre verbrachte er in Zurückgezogenheit und
Verbitterung. Da keine persönlichen Briefe oder Schriftstücke
von ihm erhalten sind, können wir nur aus den im Nachlass
erwähnten Utensilien einige Hinweise auf seine Lebensweise und
seinen Charakter gewinnen. Das Fehlen von Büchern spricht
dafür, dass er kein Stubenmensch war. Gewehre und Sättel
weisen auf den Reiter und Jäger. Er muss auch Musik geliebt und
handwerkliches Geschick besessen haben, denn er vermachte der
Stiftskirche seine eigene Orgel, von der er sagt, dass er sie selbst
gebaut habe.
Am 30. Juli 1735 machte er sein Testament. Seine
gesamte Hinterlassenschaft sollte verkauft und für seine Stiftung in St. Georgen
verwendet werden. Es solle "Gott dem Allmächtigen zu Ehren und mir zu einem
Angedenken ein Haus zu einem Spital benebenst einer kleinen Kapelle in St.
Georgen Stadt im Bayreuthschen bei dem Brandenburger Weiher gelegen erbaut
werden, und solle dieses Spital und Kapellein nach meinem Namen Georgi genannt
werden und hiermit mein künftiger Universalerbe sein und verbleiben; und solle
auch zu meinem Andenken ein Epitaphium benebenst einer Schrift, wer der Stifter
gewesen ist, hineingehauen werden..." Und es hieß weiter: Sobalden das
Spitalhaus und das Kapellein auferbauet und verfertigt worden ist, so sollen
alsdann 8-9 alte, arme und gebrechliche Leute, die das Almosen würdig und wert
sind, hineingetan [...] verpflegt und auf ewig davon unterhalten werden." In
seinem letzten Willen verlangte er auch, dass die künftigen Pfründner seines
Stifts täglich am Morgen und am Abend in der Stiftskapelle ein Gebet sprechen
und den sonntäglichen Gottesdienst besuchen sollten. Wenn diese Gebete der
Pfründner auch nicht zuletzt seinem eigenen Seelenheil dienen sollten, so wollte
er damit doch insgesamt für diese alten Leute einen menschenwürdigen Lebensabend
sichern. Sein Verhalten zeigt, daß er selbst am Wort Gottes Halt gesucht und
gefunden hatte. Nach all dem, was wir über ihn noch in Erfahrung bringen können,
war er wohl ein Mann von herber und schlichter, aber doch ausgeprägt tiefer und
echter Frömmigkeit.
Georg Christoph von Gravenreuth starb am 6. März 1736 im Alter
von fast 70 Jahren. Wahrscheinlich wurde er an der Seite seiner ersten Frau in
der Floßer Kirche beigesetzt. Aus dem Kirchenbuch geht hervor, dass der
evangelische Pfarrer und der Schulmeister als Kantor von der Nachlassverwaltung
12 Gulden für "Leichgebühren" erhielten. Der Schutzjud Eysig aus Floß verlangte
16 Gulden für "Tuch und Zeug zum Leichcondukt". Gegen das Testament legten die
Verwandten Gravenreuths, an ihrer Spitze der ehemalige markgräfliche Minister
Adam Christoph Siegmund von Benckendorff, Einspruch ein. Erst durch Intervention
des Markgrafen und Vermittlung seines Gesandten
von Meyern wurde 1740 in Wien
ein kaiserliches Reskript erwirkt, in dem der Einspruch verworfen und
zurückgewiesen wurde. 1741 kam es zur Auslieferung des Mobiliars in Kalmreuth.
Dabei fand man in einem Tisch 2000 Reichstaler in bar. Das Rittergut wurde an
einen Herrn von Podewils verkauft.