Georg Christoph von Gravenreuth

* um 1667 (Oberredwitz ?)
† 06.03.1736 (Kalmreuth)
Christoph von Gravenreuth errichtete 1735 eine Stiftung zur Unterstützung alter bedürftiger Personen.

Wie der Bayreuther Chronist Johann Sebastian König berichtet, soll der Anstoß zur Gründung des Stifts in St. Georgen am See "einstmals auf der Brandenburger Kirchweih" gegeben worden sein: Markgraf Georg Wilhelm verbrachte seinen Namenstag, den Georgstag (23. April), in dem von ihm gegründeten Städtchen. Unter den Gästen befand sich auch Georg Christoph von Gravenreuth aus Kalmreuth bei Floß in der heutigen Oberpfalz, ein Landjunker ohne Titel und Ehrenzeichen. Aber der Name Gravenreuth zählte am Markgrafenhof: Der Vetter Georg Christophs war Christian Martin von Gravenreuth, der Oberst eines Bayreuther Grenadierregiments und seit 1709 Ritter des Ordens de la sincérité war. Die Aufnahme Georg Christophs soll so herzlich gewesen sein, daß er gegenüber dem markgräflichen Stadtinspektor und Kriegscommissarius Cadusch äußerte, er "wolle diese neue Stadt wohl bedenken und vielleicht zu seinem Erben einsetzen". Da man daraufhin die Höflichkeiten gegenüber Gravenreuth verdoppelte, reiste dieser unserem Chronisten zufolge "mit dem Vorsatz ab, an den Ort ein Spital zu stiften".
Der ungefähr 1667 geborene Georg Christoph entstammte einer Familie, die zur Voigtländischen Ritterschaft gerechnet wurde und im Sechsämterland begütert war. Der alte und namengebende Stammsitz war Grafenreuth bei Marktredwitz. Georg Christophs Vater, dessen Porträt in der Kirche hängt, besaß das Rittergut Oberredwitz (heute ein Ortsteil von Marktredwitz), wurde aber durch einen Wunsiedler Amtshauptmann so unter Druck gesetzt, dass er es verkaufte und sich mit einem einfachen Haus in Arzberg begnügte. Georg Christoph hatte noch einen Bruder, der aber schon 1703 starb und sich als Stifter eines Stipendiums für Arzberger Studenten verdient machte. Georg Christoph, der offenbar keine höhere Bildung genossen hatte, erwarb 1703 das Rittergut Kalmreuth im damaligen Herzogtum Sulzbach und lebte von der Wald- und Landwirtschaft. Er war in kinderloser Ehe verheiratet mit Erdmuth Sophie von Thüna, die 1722 starb. Seine 2. Ehe mit Maria Magdalena von Juncker, einer um viele Jahre jüngeren Frau, hatte keinen Bestand. Georg Christoph wurde von seiner Frau verlassen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Zurückgezogenheit und Verbitterung. Da keine persönlichen Briefe oder Schriftstücke von ihm erhalten sind, können wir nur aus den im Nachlass erwähnten Utensilien einige Hinweise auf seine Lebensweise und seinen Charakter gewinnen. Das Fehlen von Büchern spricht dafür, dass er kein Stubenmensch war. Gewehre und Sättel weisen auf den Reiter und Jäger. Er muss auch Musik geliebt und handwerkliches Geschick besessen haben, denn er vermachte der Stiftskirche seine eigene Orgel, von der er sagt, dass er sie selbst gebaut habe.



Am 30. Juli 1735 machte er sein Testament. Seine gesamte Hinterlassenschaft sollte verkauft und für seine Stiftung in St. Georgen verwendet werden. Es solle "Gott dem Allmächtigen zu Ehren und mir zu einem Angedenken ein Haus zu einem Spital benebenst einer kleinen Kapelle in St. Georgen Stadt im Bayreuthschen bei dem Brandenburger Weiher gelegen erbaut werden, und solle dieses Spital und Kapellein nach meinem Namen Georgi genannt werden und hiermit mein künftiger Universalerbe sein und verbleiben; und solle auch zu meinem Andenken ein Epitaphium benebenst einer Schrift, wer der Stifter gewesen ist, hineingehauen werden..." Und es hieß weiter: Sobalden das Spitalhaus und das Kapellein auferbauet und verfertigt worden ist, so sollen alsdann 8-9 alte, arme und gebrechliche Leute, die das Almosen würdig und wert sind, hineingetan [...] verpflegt und auf ewig davon unterhalten werden." In seinem letzten Willen verlangte er auch, dass die künftigen Pfründner seines Stifts täglich am Morgen und am Abend in der Stiftskapelle ein Gebet sprechen und den sonntäglichen Gottesdienst besuchen sollten. Wenn diese Gebete der Pfründner auch nicht zuletzt seinem eigenen Seelenheil dienen sollten, so wollte er damit doch insgesamt für diese alten Leute einen menschenwürdigen Lebensabend sichern. Sein Verhalten zeigt, daß er selbst am Wort Gottes Halt gesucht und gefunden hatte. Nach all dem, was wir über ihn noch in Erfahrung bringen können, war er wohl ein Mann von herber und schlichter, aber doch ausgeprägt tiefer und echter Frömmigkeit.
Georg Christoph von Gravenreuth starb am 6. März 1736 im Alter von fast 70 Jahren. Wahrscheinlich wurde er an der Seite seiner ersten Frau in der Floßer Kirche beigesetzt. Aus dem Kirchenbuch geht hervor, dass der evangelische Pfarrer und der Schulmeister als Kantor von der Nachlassverwaltung 12 Gulden für "Leichgebühren" erhielten. Der Schutzjud Eysig aus Floß verlangte 16 Gulden für "Tuch und Zeug zum Leichcondukt". Gegen das Testament legten die Verwandten Gravenreuths, an ihrer Spitze der ehemalige markgräfliche Minister Adam Christoph Siegmund von Benckendorff, Einspruch ein. Erst durch Intervention des Markgrafen und Vermittlung seines Gesandten von Meyern wurde 1740 in Wien ein kaiserliches Reskript erwirkt, in dem der Einspruch verworfen und zurückgewiesen wurde. 1741 kam es zur Auslieferung des Mobiliars in Kalmreuth. Dabei fand man in einem Tisch 2000 Reichstaler in bar. Das Rittergut wurde an einen Herrn von Podewils verkauft.


Das Wappen der Familie Gravenreuth

Quelle: 2,20,101 (Von Karl Müssel). In Quelle 101 ist auch ein ausführlicherer Artikel über den Gravenreuther Stift.