Max von der Grün


* 25.05.1926 (Bayreuth)

In unmittelbarer Nähe zur Ordenskirche, im Haus Hinter der Kirche 1, wurde 1926 der Schriftsteller Max von der Grün geboren. Sein Buch "Wie war das eigentlich?" schildert in beeindruckender Weise Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Von der Grün, der von 1951 bis 1964 als Bergmann unter Tage arbeitete und seitdem als freier Schriftsteller in Deutschland lebt, hat durch eine Vielzahl von in mehrere Sprachen übersetzten und z.T. verfilmten Büchern und Reportagen einen internationalen Ruf als sozialkritischer Autor. Er erhielt u.a. 1974 den Großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg, 1978 für seine "Vorstadtkrokodile" den Preis der Prager Fernsehzuschauer, 1981 den Annette von Droste-Hülshoff-Preis, aber seine Geburtsstadt erachtet ihn nicht für preiswürdig. Der Antrag der SPD-Fraktion, Max von der Grün 1982 den Kulturpreis der Stadt Bayreuth zu verleihen, wurde mit den Stimmen von CSU und Bayreuther Gemeinschaft abgelehnt.

Zum Vergleich: Den Kulturpreis bekam 1976 als erster der Komponist Hans Fleischer, der in den dreißiger Jahren einer der Wortführer im Kampf für das Wesen wahrer deutscher Musik, gegen jede Jazz und Negerrhythmen, gegen "jüdische Tempelschänder" und ihre "geistigen Exkremente" gewesen war. 1978 ging der Kulturpreis an die Philosophin Gertrud Kahl-Furthmann. Sie war im Dritten Reich nach Bayreuth gekommen, um Gauleiter Hans Schemm mit einer Sammlung seiner Reden zu verherrlichen.

Quelle: 75 und
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/zeus/thema/promis/19_selbst.htm

Max von der Grün, am 25. Mai 1926 in Bayreuth geboren, wuchs während der Nazizeit auf. Als Max von der Grün zwölf Jahre alt war, sah er die Nazis seinen Vater, einen Zeugen Jehovahs, verhaften; sein Vater wurde zwischen 1939 und 1945 in einem Konzentrationslager in Flossenbürg wegen seines religiösen Glaubens inhaftiert.

Von 1943 bis 1944 war von der Grün Soldat; 1944 geriet er in amerikanische Gefangenschaft, blieb so bis 1948. Als Kriegsgefangener war er zuerst in Frankreich und Schottland, dann in Louisiana und New Mexico, endlich wieder in Frankreich. Von 1948 bis 1963 arbeitet er als Bauarbeiter, dann Bergarbeiter, Hauer und, nach einem schweren Unfall, Grubenlokführer. 1955 fing er zu schreiben an. Zwischen 1957 und 1960 schrieb er seinen ersten Roman Männer in zweifacher Nacht (veröffentlicht 1962). 1961 nahm er an der Gründung der "Gruppe 61" teil, deren Ziel "künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt" war, und zu der viele Arbeiter als Schriftsteller gehörte. 1965 lehnte er die Einladung zur Gruppe 47 ab. Seit 1963 lebt er als freier Schriftsteller in Dortmund.


(Quelle: Projekt der Klasse 6c der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule der Stadt Schwelm) und http://www.goethe.de/os/hon/kiju/gruen.htm

Werkverzeichnis (Auszug)


Max von der Grün wurde am  25. 5. 1926 in Bayruth geboren und wuchs in der Oberpfalz auf. Nach der Volks- und Mittelschule besuchte er eine Handelsschule die kaufmännische Lehre. Im Jahre 1944 geriet er als Fallschirmjäger in amerikanische Kriegsgefangenschaft, da begann er zu schreiben. Von 1951 war er als Bergmann im Ruhrgebiet tätig. Nach einem schweren Unfall wurde er vom Hauer zum Grubenlokomotivführer. Seit 1964 arbeitet er als freier Schriftsteller und  war  bis zu ihrer Auflösung der Mitglied der Dortmunder Gruppe 61. Sein erster Roman „Männer in zweifacher Nacht“ erschien in 1962, weitere Werke: „Irrlicht und Feuer“(1962), „Zwei Briefe an Pospischiel“(1968), „Menschen in Deutschland“ (1973) „Stellenweise Glatteis“(1973), „Leben im gelobten Land“ (1975), „Wenn der tote Rabe vom Baum fällt“ (1975) „Vorstadtkrokodile“ (1976), „Wie war das eigentlich?“ (1979), „Flächenbrand“(1979), „Etwas außerhalb der Legalität und andere Erzählungen “ (1980), „Klassengespräche“ (1981), „Späte Liebe“ (1982), „Friedrich und Friederike“ (1984) „Die Lawine“(1986), „Springflut“ (1990)

Seine Wirkung in der Gruppe 61.
Im Frühjahr trafen sich in Dortmund schreibende Arbeiter und Journalisten, um darüber zu beraten, wie die Arbeitswelt wieder zum Thema der Literatur werden könnte. Im Jahr 1963 einigten sie sich über das Programm der Gruppe. Die drei Schwerpunkte waren: Unabhängigkeit ohne Rücksicht auf Interessengruppen, Berücksichtigung der Thematik Arbeitswelt, individuelle Sprache und Gestaltung. Die Schriftsteller zu den wichtigsten gehören Max von der Grün, Wolfgang Körner, Angelika Mechtel und Günter Wallraff lenkten die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf die Kehrseite des deutschen Wirtschaftswunders und das waren vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiter. Später gab es aber Spannungen zwischen fiktionaler und dokumentarischer Darstellung der Arbietswelt. Der Repräsentant der dokumentarischen Form, der Reportage, war Günter Wallraff. Bei den Romanen von Max von der Grün fällt auf, daß anders als bei Wallraff, nicht das Präsens, sondern das Präteritum als Zeitform des Erzählens benutzt wird. Bei ihm handelt es sich um einen fiktiven Bericht. Anfang der siebziger Jahre wurde von Günter Wallraff ein neues Programm ausgearbeitet, in dem auch journalistische und konkrete politische Aktionen erhalten waren. Dieser politische Kurs führte zur Aufspaltung der Gruppe. Günter Wallraff  und Peter Schütt verließen Anfang der siebziger Jahren die Gruppe 61 und orientierten sich mehr an die regionalen Wer­k­kreis-Zentren. Die Gruppe 61 löste sich 1972 auf.

Quelle: http://www.studentske.sk/nemcina/Max_von_der_Grun.htm




"GEGEN DEN FESTSPIELRUMMEL in
Bayreuth habe ich nichts. Er ist doch
genauso wie in Recklinghausen."
"MEIN WEG zum Schriftsteller war sicher
nicht gewöhnlich. Aber vielleicht ist er das
ohnehin niemals."

"JEAN PAUL zu lesen, war zunächst
sicher eine Qual. Erst mit dreißig habe
Ich ihn richtig schätzen gelernt."


Max von der Grün wurde am 25. Mai 1926 im Haus Hinter der Kirche 1 in St. Georgen geboren. Sein Vater war Schuhmachergeselle, seine Mutter zunächst Dienstmagd und später Porzellanarbeiterin. Obwohl er nur als Baby in seiner Geburtsstadt lebte, holte ihn in dieser Woche selbst diese Vergangenheit ein, an die er sich selbst nicht erinnern kann: Bei seiner Signierstunde erwartete ihn ein altes Ehepaar. Die um fünf Jahre ältere Frau, Tochter der damaligen Hausbesitzer, hatte den kleinen Max oft hüten müssen. Zu Bayreuth, das gibt er offen zu, hat Max von der Grün an sich keine große Beziehung: "Ich bin ja nicht hier; sondern im Fichtelgebirge aufgewachsen. Dort ging ich zur Schule und in die Lehre, dort habe ich auch gearbeitet. Bayreuth kommt bei mir deshalb immer wieder zum Vorschein, weil eseben als Geburtsort ein Teil meiner Biographie ist." Er hält sich zu dieser Stadt in kritischer Distanz, zur Umgebung und zum Fichtelgebirge, wo er gerne seinen Urlaub verbringt, hat er eine feste Bindung, sicher auch wegen der Verwandtschaft.

Wie stark diese Bindung an den Fichtelgebirgsraum ist und wie sehr ihn sein Elternhaus geprägt hat, lässt sich bei ihm schwarz auf weiß nachlesen. In vielen seiner Bücher tauchen Gestalten, Beschreibungen aus seiner Heimat auf, die er 1951, arbeitslos geworden, verließ. Im Ruhrgebiet, wo er heute noch, mitten in einem Arbeiterviertel, lebt, fand er sein neues zweites Zuhause.
Max von der Grün gehört zu jenen Autoren, die die beschriebenen Probleme aus der Arbeitswelt selbst durchgemacht haben. Dreizehn Jahre verdiente er seinen Lebensunterhalt als Bergmann unter Tage, bevor er - und auch das nur gezwungenermaßen, weil er gekündigt wurde - freier Schriftsteller wurde. Zum Schreiben kam er durch intensive Beschäftigung mit Literatur, der Lesehunger des Arbeiterkindes wurde schon früh geweckt. In "Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich" beschreibt er, wie sein Lehrer ihm Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" zusteckte. Während seiner Kriegsgefangenschaft in den USA verschlang er dann alles, was er zwischen die Finger bekam: Es waren für mich drei entscheidende Jahre. Hemingway, B. Traven und James Joyce waren für mich endlich Autoren, bei denen man kein Vorwissen mitbringen musste, die eine klare, schnörkellose Sprache hatten."

Bis er seine eigene Sprache an den Mann bringen konnte, schrieb er lange Zeit für den Papierkorb: "Richtig angefangen habe ich 1954/55, richtig bekannt geworden bin ich 1962/63 durch den Roman Irrlicht und Feuer. Der Durchbruch kam genaugenommen erst zehn Jahre später."
Während er heute nur noch ganz selten für den Papierkorb schreibt ("Heute weiß ich, bevor ich mich hinsetze und schreibe, ob der Stoff eine Geschichte abgibt, die sich trägt!"), hat er etwas ganz Bestimmtes aus den Anfangsjahren beibehalten: die Arbeitszeit. Als ich jahrelang Nachtschicht auf der Zeche hatte, konnte ich ja nur morgens regelmaßig schreiben. Heute ist das nicht anders. Was bis zwei Uhr mittags nicht fertig ist, wird nichts mehr."
Seinen zeitlich genau festgelegten Arbeitsstil hat er nur einmal abgelegt: als er seine Stelle verlor und beschlossen hatte, künftig vom Schreiben zu leben, Die größten Schwierigkeiten waren nicht einmal die Schulden und die Prozesse, die ich am Hals hatte. Ich bin geboren und aufgewachsen in dem Bewusstsein, bis 60, 65 zu arbeiten und dann in Rente zu gehen. Plötzlich, noch dazu in einem Alter, wo ich in Saft und Kraft war, sagte niemand mehr, dass ich morgens um sechs vor dem Fabriktor stehen musste."
"Ich hatte den Begriff von Freiheit zunächst natürlich falsch verstanden, geriet ins Gammeln, hing in Kneipen rum. Ich musste erst wieder Disziplin lernen, musste auch lernen, mein eigener Arbeitgeber zu sein. Natürlich habe ich in dieser Phase auch geschrieben, also gearbeitet, aber es geschah aus einem elitären und bourgeoisen Bewusstsein heraus."
Wirklich gefährlich konnte ihm diese Einstellung jedoch nicht werden. Für das Klischee eines Künstlers, der sich in seinen Elfenbeinturm zurückzieht, ist Max von der Grün viel zu sehr auf und von dieser Erde, viel zu sehr auch angewiesen auf Kontakte zu seinen Mitmenschen. "Natürlich kann man als Autor Gefahr laufen, sich zu isolieren. Ich habe diese Gefahr schon immer durch meinen Wohnort aufgefangen." Er wohnt jetzt am Rande einer Trabantenstadt, in der rund 8000 Menschen wohnen, vor allem Berg- und Stahlarbeiter, mit denen er seine Stammkneipe teilt. Seine "Helden" oder "Antihelden" sind Prototypen jener Menschen, die bei ihm um die Ecke wohnen. "Ich brauche den Kontakt mit der Basis, denn wo sonst würde ich meine Informationen herbekommen."
Dass er gut informiert ist, und diese Informationen auch entsprechend verarbeitet, hat ihm natürlich nicht nur Lorbeeren eingebracht. Unternehmer wie auch Gewerkschaften fühlten sich durch seine Schlüssel-Romane" so sehr angegriffen, dass sie vor den Kadi gingen oder versuchten, Max von der Grün zu diskreditieren. Obwohl er selbst - im Schriftstellerverband der IG Druck und Papier - wieder organisiert ist, gibt es seit 1963 permanente Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften: "Mal auf Sparflamme, mal mit großem Geflacker wie bei 'Irrlicht und Feuer' oder 'Stellenweise Glatteis'. Manche Gewerkschafter halten mich für einen Nestbeschmutzer, aber die Gewerkschaften bestehen für mich eben nicht nur aus Bossen."

Auch wenn ers seit 1963 im landläufigen Sinne keinen "Boss" mehr vor sich hat, stellt Max von der Grün zu Beginn seiner Karriere vor allem die Frage nach seiner Existenzgrundlage. "Als mir die Zeche kündigte, wusste ich nicht, wovon ich und meine Familie leben sollten." Erst ein monatllcher Vorschuss über 500 Mark, den sein Verlag über zwei Jahre gab, sicherte das Notwendigste. Mit der Verfilmung von "Irrlicht und Feuer" begann der Rubel zu rollen oder, wie meine Mutter zu sagen pflegte: Kleinvieh macht auch Mist".
Das Kleinvieh, ob gedruckt oder gefilmt, ist inzwischen ganz schön in die Breite gegangen. Einige seiner Bücher haben Millionenauflagen erreicht, bei allen Titeln nehmen die Verkaufsziffern stetig zu, ein Großteil seiner Romane und Erzählungen wurde auch fürs Fernsehen verfilmt.
Bis auf die erste Verfilmung eines seiner Werke hat der Autor immer auch selbst die Drehbücher geschrieben, bei "Zwei Briefe an Pospischiel" arbeitete Max von der Grün auch als Regie-Assistent. Aus gutem Grund: "Man schreibt Drehbücher, arbeitet für ein riesiges Medium, und weiß gar nicht, wie es dort überhaupt zugeht, schon rein technisch." Während dieser sieben Wochen habe ich ungeheuer viel gelernt. Wenn ich heute ein Drehbuch schreibe, dann weiß ich zum Beispiel von vorneherein, was überhaupt machbar ist und was nicht."

Er hat bei seinen Verfilmungen, was auch bei selbstgeschriebenen Drehbüchern nicht unbedingt selbstverständlich ist, stets gute Erfahrungen gemacht. "Natürlich blutet einem manchmal das Herz, wenn durch Kürzungen Kulinarik und Sinnlichkeit des Textes verloren gehet, aber Verzerrungen und Missdeutungen sind noch nicht vorgekommen."
Die positive Zuschauerresonanz spricht für seine Aussagen: Die verfilmten "Vorstadtkrokodile" wurden bisher in vierzig Länder der Erde verkauft und 1978 mit dem renommierten Preis der Prager Fernsehzuschauer prämiert. Weitere Auszeichnungen erhielt Max von der Grün 1974 mit dem Großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg, dem Wilhemine-Lübke-Preis für "Späte Liebe", dem Anette-von-Droste-Hülshoff-Preis und zuletzt mit dem "Eisernen Rainoldus". Neben der internationalen Anerkennung in Prag freute ihn letztere besonders: Dieser Preis wird nicht durch die Stadt Dormund vergeben, sondern durch die Pressevereinigung Ruhr, das heißt, er wurde mir praktisch von Kollegen zuerkannt."
Die Anerkennung von seinen Lesern erfährt er eher bei seiner alljährlichen Lesetournee, nur seine "Vorstadtkrokodile" brachten sie auch unübersehbar auf seinen Schreibtisch: in Form von bisher mehr als 7000 Briefen von Kindern und Jugendlichen. Nur bei den "Krokodilen" und seinen Erinnerungen an die Hitler-Zeit wusste er auch konkret, für wen er eigentlich schreibt. Das Gros seiner Leser ist für Max von der Grün nicht greifbar, denn oft genug hat er diesbezüglich Überraschungen erlebt. Ich bin eben nicht frei von Vorurteilen. Aber ich stelle mir vor, auch wenn ich mich dabei wahnsinnig täuschen kann, dass die Leser meiner Bücher von Haus aus irgendwie ein kritisches Bewusstsein mitbringen." M.S.

Quelle: 6 (13.11.1982)