Hans Bartolo Brand

* 1853/54 ?
† 1945 (Bayreuth ?)

Fotograf der Familie Wagner

1874 übernahmen Hans Brand und Heinrich Greiner gemeinsam das Atelier des jung verstorbenen Friedrich Singer. Es entwickelte sich bald zur renommiertesten Fotoanstalt Bayreuths - ein Attribut, das auch heute noch Gültigkeit besitzt. 1877 trennten sich Brand und Greiner, letzterer gründete ein eigenes Unternehmen in der Erlanger Straße. Brand blieb zunächst in Singers Ateliergebäude Richard-Wagner-Straße 39 und erwarb 1897 das stattliche Palais Ludwigstraße 26. Mit 55 Jahren zog er sich aus dem Berufsleben zurück und übergab 1909 sein Geschäft an Konrad Ramme.
Der wichtigste Auftraggeber des Ateliere Brand & Greiner, später Brand, war die Familie Wagner, die 1874 die Villa Wahnfried auf der gegenüberliegenden Straßenseite bezogen hatte. Brand und Greiner mussten nicht nur die Mitglieder der Familie Wagner fotografieren, sondern auch das Festspielhaus in den verschiedenen Bauphasen vom Gerüst bis zur Fertigstellung. Nach einer Aufnahme von Brand malte Franz von Lenbach, der sich in den meisten Fällen fotografischer Vorlagen bediente, das in Wahnfried befindiiche Pästellporträt von Cosima Wagner.
Über die Familie Wagner kam Brand auch mit anderen prominenten Festspielbesuchern in. Kontakt und erhielt dadurch gut dotierte Aufträge.
Im Jahre 1871 hatte der Engländer Richard Maddox das Trockenplattenverfahren erfunden, das nun das umständliche Nassplattenverfahren ersetzte. Brand entwickelte für sich ein eigenes Trockenplattenverfahren, für das ihm die Wiener Photographische Gesellschaft ihre Große Goldene Medaille verlieh. Im Juni 1880 gab er im Bayreuther Tagblatt bekannt, dass er in seinem Atelier nun ausschließlich nach seinem eigenen Trockenplattenverfahren arbeite:

"Das neue Verfahren arbeitet 5, 10, ja sogar 20mal schneller als das jetzt gebräuchllche nasse Verfahren, so dass bei künftigen Aufnahmen der so lästige Kopfhalter zu entbehren ist... Infolge der kurzen Sitzzeit bekommt man schärfere und da der Gesichtsausdruck sich in der kurzen Zeit kaum zu verändem vermag, auch ähnlichere Bilder... Die mit den neuen Verfahren hergestellten Bilder übertreffen, was plastische Wirkung, Modulation und Reinheit anbetrifft, das alte Verfahren in jeder Beziehung." (Bayreuther Tagblatt Nr 165, 12.06.1880)

Seine beruflichen Erfolge wollte Brand auch durch einen entsprechenden Titel gekrönt sehen. Ab 1881 durfte er sich "Königlich Bayerischer Hoflieferant" nennen und gehörte unter die ersten fünf Fotografen in Bayern, die diesen Titel führten. Es handelte sich um einen käuflichen Titel, der jedoch nur an ausgesuchte Unternehmen vergeben wurde: "Das Geschäft muss an sich erstklassig sein, unter den gleichartigen Geschäften am Platz eine hervorragende Stellung einnehmen und die Gewähr für eine günstige Fortentwicklung bieten."
Regelmäßige Aufträge durch das Königshaus waren damit jedoch nicht verbunden.
In seiner Freizeit betätigte sich Hans Brand als geschickter und begeisterter Hochradfahrer. Er war Fahrmeister, d. h. Fahrlehrer, und zeitweise auch Vorsitzender des Velocipedclubs. 1945 verstarb Hans Brand im Alter von 91 Jahren.

Quelle: 26