Hans Schäfer

Hans Schäfer
* 22.07.1900 (Bayreuth)
  † 15.01.1976 (Bayreuth)

Graphiker und Maler.

Schaefer, Hans, von Beruf Lehrer, ein feinsinniger Künstler seines Faches nicht nur auf dem Gebiet der Graphik, deren eine Fülle von Federzeichnungen nach Motiven aus dem Bayreuther Umland beredtes Zeugnis gibt, sondern vor allem auf dem von ihm erst in solchem Ausmaße entwickelten Gebiete des Papierschnitts sowie der von ihm meisterhaft gepflegten Technik des Ornamentschnitts. Neben einer bei Callway-München erschienenen Mappe „Entwürfe für Dekorationsmaler und für das Kunstgewerbe“ bezeugt eine Fülle in Form und Komposition mustergültiger Ex-Libris seine Vorliebe für den Ausgangspunkt aller Kunst, das Ornament. Wie sehr ihm auch das das Ausland Anerkennung zollt, beweist eine Stimme aus Paris, „La revue moderne“, Februar 1956, wonach der ausgezeichnete Graphiker H. S., dessen Schöpfungen die Zartheit von Spitzen und die Eleganz von geschmiedetem Eisen haben, in der Geschichte der Ex-Libris unvergleichlich bleiben wird.

Quelle: 2, 20, 43

Es war der 22. Juli 1900 als Hans Schaefer diese irdische Welt als viertes Kind der Eheleute Maximilian Schaefer und seiner Ehefrau Margarete, geborene Sperber, mitten im oberfränkischen Städtchen Bayreuth mit seinem Besuch beehrte. Schon zu früher Stunde um 5.30 Uhr war dies, aber dafür an einem Sonntag und das soll ja, wie immer gesagt wird, ein Glückstag sein.
So war der Bub Hans Schaefer da, aber wie es scheint, waren seine Eltern doch nicht so recht auf einen Knaben eingestellt, was aus dem Eintrag in der Geburtsurkunde ersichtlich ist. Dort heißt es, dass das Kind noch keinen Vornamen erhalten habe. Erst mit einem Nachtrag vom 13. August 1900 wurde vermerkt, dass dem nebenbezeichneten Kinde die Vornamen »Heinrich Hans« beigelegt worden seien. Natürlich haben sich die Eltern nicht so lange besonnen, denn die Taufe fand schon am 6. August 1900 statt.
Das Elternhaus steht in der Sophienstraße mit der Bezeichnung Nr. 9, wo der Vater als Konditormeister in seinem Konditoreibetrieb für die Kaffeekränzchen und Familienfeste die bestellten Torten mit kunstvollen Zuckermalereien zu verzieren pflegte und außerdem Kuchen und viele Arten von Plätzchen herstellte. Wenn er dann nach getaner Arbeit aus der Backstube kam, fand man ihn oft in stillen Feierabendstunden in der Wohnstube malend und zeichnend. Die Mutter besorgte den Laden, bediente in der Kaffeestube, führte den Haushalt und half, wenn es erforderlich war, in der Backstube mit.
Auch sein Großvater Ludwig Schaefer betrieb mit seiner Frau Margareta, geborene Schröppel, in Gunzenhausen eine Konditorei, wo er zeitweilig Bürgermeister der Stadt Gunzenhausen war. Weitere Ahnen waren Lebküchner und Kaufleute in Gunzenhausen und Pfarrer in Wörnitzostheim und Ursheim.
Es waren kreuzbrave, fleißige und bescheidene Handwerksleute seine Eltern. Sie fanden kaum Zeit, sich um die sich zeigende künstlerische Begabung des für den Lehrerberuf bestimmten Buben zu kümmern. Deshalb waren die Eltern froh, dass die Schwester des Vaters, Marie Zirkler, mit im Hause wohnte und es diese Verhältnisse mit sich brachten, dass der Bub in der Wohnung seiner Tante Zirkler ein- und ausging und dort einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte. Vom ersten Tag seines Lebens an betreute sie ihn bis zu ihrem Tode. Wenn sich sein Denken schon früh dem Schönen und der Kunst zuwandte, so hatte Hans Schaefer dies besonders seiner Tante Zirkler zu verdanken. Diese verständnisvolle Tante, versuchte durch gutherzig erfüllte, manchmal recht kostspielige Wünsche um Bücher und Zeichenutensilien, dem noch unbefangenen, bildungshungrigen und suchenden Buben durch Anschauung und künstlerisches Vorbild den rechten Weg zu weisen. Das Interesse für das Zeichnen und Malen stand bei Hans Schaeferwährend seiner Schulzeit im Vordergrund, aber trotzdem wollte er Lehrer werden. Mit der bestandenen Aufnahmeprüfung für die Lehrerbildungsanstalt in Bayreuth im September 1914 begann seine Ausbildung zum Volksschullehrer.
Gemeinsam mit dem Vater unternahm Hans Schaefer viele Spaziergänge in das Umland von Bayreuth und beide zeichneten in der Natur. Die Bauten des alten Bayreuth, das Leben und Treiben, das Kommen und Gehen der Leute im elterlichen Konditoreiladen, die Motive auf seinen Wanderungen regten das Gemüt und die Phantasie mächtig an und gaben dem beschaulichen und handfertigen Schüler viele Anregungen. Zeichnen und malen fielen ihm leicht und waren eine ihm liebe Beschäftigung, die vom Vater eben nicht nur geduldet, sondern auch gefördert wurde.
Die Kriegsverhältnisse zwangen ihn 1918 die Lehrerbildungsanstalt zu verlassen, um der Einberufung zum Fuß-Artillerie-Regiment nach Grafenwöhr Folge zu leisten. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges vollendete Hans Schaefer 1920 seine Ausbildung als Lehrer.
Das Kopieren seiner beliebtesten Vorbilder und einfach so malen, mit sehr dürftiger Anleitung, konnten Hans Schaefer nicht länger befriedigen. Aufgrund einer Annonce der »Kunstschule« meldete er sich zu einem Zeichenlehrgang an. Noch unausgeglichen - aber bald entwickelten sich seine Fähigkeiten in überraschender Weise. Das waren die Anfänge seines eigentlichen künstlerischen Wirkens.
Die Zeitschrift »Kunstschule« hat im November 1922 seine Verlobungsanzeige mit folgenden Worten beschrieben: “In freier Behandlung hat Hans Schaefer seine eigene Verlobungsanzeige gestaltet; auf die Herzform, die er als Umrahmung für das Schriftfeld wählte, ist keck ein malerisches Bild gesetzt, das die Neigungen der Verlobten liebenswürdig charakterisiert; ein Hauch von Natur und Kunst, verschönt durch die Liebe zweier Menschen zueinander, steigt aus diesem Blatt auf.«
Am 15. Dezember 1923 durfte Hans Schaefer seine angetraute junge Frau Betty, geborene Wunderlich, Tochter einer Lehrerswitwe aus Bayreuth, in das neue Zuhause, in das Dorfschulhaus in Osseck bei Hof einführen. Das Glück der jungen Ehe spiegelte sich in den ruhevollen Werken der kommenden Jahre wider und machte sich so in Hans Schaefers Kunst bemerkbar. Das Jahr 1925 aber brachte einen herben Verlust: Am 9. Dezember 1925 starb Tante Marie Zirkler und einige Tage später, am 30. Dezember 1925, starb sein Vater. Tochter Rotraut wurde 1929 geboren. Durch Versetzung an die Volksschule Bayreuth wurde sein Geburtshaus in der Sophienstraße Heimstatt für die ganze Familie. Als zweites Kind wurde 1931 Tochter Ilse geboren. Im Jahre 1932 erfolgte die Umsiedlung von der Sophienstraße zum Wilhelmsplatz. Als drittes Kind kam dann 1942 Sohn Peter dazu.
In einer fast 25-jährigen Ehe war seine Frau Betty ihm eine entgegenkommende Lebensgefährtin. Durch ihre glühende Begeisterungsfähigkeit für alles Schöne war sie die rechte Kraftquelle zur Förderung seines künstlerischen Wirkens. Es war nicht nur ein glückliches Nebeneinander, sondern ein gesegnetes Miteinander und Füreinander. Ihre große Liebe zur Musik und zum Gesang war wohl ein Erbe ihres Vaters.
Dies alles hätte weiterhin befruchtend und ermutigend auf Hans Schaefer wirken können, wenn nicht 1948 ein schwerer Schicksalsschlag, der Verlust seiner Frau Betty, und ein sich jetzt noch stärker bemerkbar machendes Herzleiden, ihn trüb und bedrückt gemacht hätten. Und doch hat er auch in dieser schweren Zeit den Mut und die Lust zur künstlerischen Arbeit nicht verloren. So brachte er in der ihm gewohnten Zurückgezogenheit die innere Ruhe zu weiterem Schaffen auf, was sich neuerlich verstärkte, als er in seiner zweiten Ehe (ab 1949) in Anne, geborene Taig, eine verständnisvolle Frau fand.
Es wäre eine Lücke in dieser kurzen Darstellung des künstlerischen Wirkens Hans Schaefers, wenn nicht auch seiner nachhaltig prägenden Einflüsse gedacht würde, die er als Volksschullehrer während fast Vierjahrzehnten auf viele Schulbuben ausgeübt hat.
Der Beginn seiner Laufbahn als Volksschullehrer war im Jahre 1920 als »Schulamtsbewerber« in der Luitpoldschule Bayreuth. Weitere Stationen als Junglehrer führten ihn in eine Reihe von Dorfschulhäusern, wo sich seinen empfänglichen Augen die Seele der oberfränkischen Landschaft in ihren vielfältigen Formen offenbarte. Im Jahre 1921 wurde Hans Schaefer »die Versehung der erledigten Lehrstelle an der Volksschule in Affalterbach übertragen«. In einem Brief an seinen Schul- und Lebensfreund Hans Bauerschmidt schrieb er unter anderem: »...denn ich habe mich sehr gut da eingelebt. Die Bauern sind Prachtmenschen und der Hauptlehrer mit seiner Familie ist ein Muster echten Familienlebens ... «
Wegen der Vorbereitung zur 2. Staatsprüfung wurde die künstlerische Tätigkeit 1924 etwa für ein Jahr unterbrochen. Am 19. Dezember 1924 erhielt Hans Schaefer das Prüfungsergebnis mit dem Hinweis am Schluss: »...und damit die Befähigung zur Anstellung als ständiger Volksschullehrer.«
Nach der Zeit als Lehrer in Osseck bei Hof, wurde er am 1. April 1929 an die Volksschule seiner Heimatstadt Bayreuth versetzt. In einem Brief an seinen Freund Hans Bauerschmidt erwähnte er dazu: »Allmählich gewöhnt man sich daran und freut sich an den Erinnerungen seiner Landschulzeit und der schönen Arbeit in der einklassigen Dorfschule.«
Eine spätere Begebenheit sei erwähnt, die Hans Schaefer immer wieder gern erzählte: Es war der erste Tag nach der Schuleinführung der Erstklässer. Kurz vor Beendigung der letzten Schulstunde steht einer von den Erstklässern auf und sagte in einem bestimmten Ton: »Herr Lehrer, mir langt‘s aber jetzt!«, worauf der Herr Lehrer meinte: »Mir langt‘s auch, packt eure Sachen ein und geht heim.«
Humor war für Hans Schaefer eine tragende Kraft, was auch heute noch viele der Papierschnitte beweisen.
In seinem Beruf als Lehrer hatte Hans Schaefer pädagogische Aufgaben zu erfüllen, die ihn auf das Gegenständliche verwiesen. Diesen Weg der Gegenständlichkeit hat er im Laufe seines künstlerischen Wirkens stetig beibehalten.
Wegen wiederholter Herzattacken musste Hans Schaefer 1957 den Schulunterricht unterbrechen und brauchte immer längere Erholungszeiten. Schließlich machte ihm das Herzleiden so schwer zu schaffen, dass er 1958 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden musste. Die treue und stete Arbeit an sich selbst, die Zuverlässigkeit, die Stetigkeit und die Tüchtigkeit der Schaeferschen Kunst- und Lebensführung haben auch dem Lehramt jenen ethisch reinen und wirksamen Hintergrund gegeben.
In einem Glückwunschschreiben 1970 zum Geburtstag Hans Schaefers stand unter anderem das Folgende: »....diese nachbarlichen Beziehungen setzten sich erfreulicherweise fort, als ich dankbar erleben durfte, mit welchem Geschick, welcher Hingabe und welchem Erfolg Sie unsere Kinder unterrichteten und miterzogen, wofür Ihnen heute unser und unserer Kinder Dank sicher ist. So ist es mir und den Meinen ein Herzensbedürfnis, Ihnen an Ihrem 70ten Geburtstag unsere herzlichsten Wünsche darzubringen.« Er erzählte dies mit einem mehr zurückhaltenden Stolz und meinte, dass er sich über diese paar Worte sehr gefreut habe. Im privaten Alltag Hans Schaefers war der Mittelpunkt in der Wohnung am Wilhelmsplatz 7 das große Wohnzimmer. Hier spielte sich alles ab, wurde gearbeitet und auch gefeiert. An einem Fenster zum Wilhelmsplatz hin, war sein Werkplatz, seine Atelierecke, und am Fenster zur Friedrich von Schillerstraße stand seine Staffelei, hier entstanden die Pastell- und Ölbilder und dort die wunderbaren Radierungen, die Exlibris- und Familiengrafik. Daneben befand sich das Klavier, auf dem er ab und zu gerne ein wenig spielte. In der Ecke bei der Zimmertüre war seine Bücherecke mit dem runden Tisch und den Sesseln. Mit Hans Schaefer dort bei einem Glas Wein zu sitzen und zu plaudern, war eine besondere Freude. Sein Wissen, gepaart mit einem gesunden Humor, war erfrischend. Dies waren unvergessene Stunden, losgelöst von den Alltagssorgen.

Die Schulferien wurden ausgenützt zu Studienwanderungen; meist zu Fuß war er unterwegs mit dem Rucksack voller Zeichen- und Malutensilien. So gehören das Bayreuther Umland, die Fränkische Schweiz, die Rheinpfalz, das Voralpenland, beziehungsweise Inntal und der Bayerische Wald zu seinen bevorzugten Wandergebieten. Die ruhige Kraft der Mittelgebirgsberge, die malerische Bewegtheit des ihnen eigentümlichen Landschaftsbildes und die Mannigfaltigkeit ihrer Motive waren ihm ans Herz gewachsen. Solche Studienwanderungen unternahm er meist allein. Hatte man aber das Glück, einmal dabei zu sein, so war es ein Erlebnis besonderer Art. Die Wintermonate haben Hans Schaefer stets veranlasst, die in den Mappen liegenden Studien aufzubereiten und auszuformen.
Hans Schaefer wollte mit seinen zeichnerischen Arbeiten die Schönheit seiner Heimat in ihren charakteristischen Äußerungen festhalten. Den vielgestaltigen Ausdruck unserer Landschaft wollte er treffend schildern von der Lieblichkeit der Fränkischen Schweiz bis hin zu der herben Großartigkeit des Bayerischen Waldes. Ebenso reizten ihn die Gegensätze zwischen formenreichen Barockstädten und der ernsten verhaltenen Stimmung mittelalterlicher Stadtteile.
Der Baum in der Landschaft erweist sich als eines von Hans Schaefer wohl am häufigsten dargestellten Motivs. Er liebt jene knorrige Föhre, die an der Kreuzung zweier Wege, in Gesellschaft mit einem Kreuzstein, über Jahrhunderte ein Richtpunkt für Fuhrleute und Wanderer war. Ein andermal aber hält er jene Linde fest, die in einsamer Flur auf grasigem Hügel steht und deren dicker Stamm im mannshohen Gesträuch versteckt ist. Oder er gestaltet jene Wetterfichte am Arber im Bayerischen Wald, die von Stürmen zerzaust, doch noch aus vielen Büscheln von Zweigen grünt, und ein Symbol für die Standhaftigkeit im Lebenskampf darzustellen vermag.
Die Feinfühligkeit, die Ehrfurcht für das zu gestaltende Werk entsprang der Liebe zur Natur, der Hans Schaefer im Bilde ihre Elemente ablauschte. Nicht, dass er einen Ausschnitt aus der Natur abmalte, indem er ihn noch künstlerisch zurechtrückte und in das farblich richtige Verhältnis setzte. Vielmehr baute er jedes Bild aus den charakteristischen Elementen auf, die er sich eingeprägt und zeichnerisch grundgelegt hatte. Hier bleibt er ganz Diener vor der herrlichen, natürlichen Wirklichkeit. Hans Schaefer hat es abgelehnt, ihn nach Botanikerart wie eine merkwürdige Pflanze in eine bestimmte Klasse und Familie von Kunststilen einzureihen. Das wechselvolle, entwicklungsreiche und eigenständig aus sich herausquellende freie Schaffen des Künstlers bedient sich eben verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten ohne deshalb den ihm eigenen innerlichen Stil zu verleugnen. Dieser ist aber etwas anderes als das Eingeschworensein auf eine bestimmte kunstgeschichtliche Richtung. Hans Schaefer hat seinen persönlichen Stil entwickelt, weil sein Naturell und Schaffen erfüllt sind von lebendiger und tiefempfundener Leidenschaft für klare und reine Formen, die zur Ruhe und zum Maßhalten gebändigt sind. Daher liegt über seinem ganzen Werk jene heitere Ruhe, jene sichere Gelassenheit von Idee und Ausdruck. Viele zeichnerische, beziehungsweise malerische Studien eines Motivs sind vorausgegangen, bis sich, - meist in den Wintermonaten, bei schlechtem Wetter oder sogar wenn die Herzbeschwerden Hans Schaefer zu schaffen machten, - ein fertiges Bild herauskristallisierte. Sei es nun eine sorgfältig ausgearbeitete Bleistiftzeichnung, eine Radierung, ein Ölbild, ein Pastellbild oder auch ein Exlibris, in jedem Fall ist erkennbar, wie ausdrucksreiche Techniken Raumwirkung und Empfindung hervorbringen.
Es würde den Rahmen dieser kleinen Plauderei sprengen, Veröffentlichungen, Beschreibungen seines Wirkens und die Beteiligung an Kunstausstellungen aufzuzählen. Im In- und Ausland wurde aus berufenem Munde höchste Anerkennung für seine Arbeiten und sein Wirken ausgesprochen. Die Stadt Bayreuth ehrte Hans Schaefer durch die Benennung einer Straße mit seinem Namen.
Nachdem Hans Schaefer aufgrund seines Herzleidens nach einem segensreichen Wirken als Lehrer pensioniert wurde, begann die besinnliche Zeit des tätigen Ruhestandes. Angeregt durch Künstlerfreunde wandte er sich im Alter von 53 Jahren der Gestaltung in Farbe zu. Er griff zuerst zur Pastellkreide. Dadurch erkannte er die Notwendigkeit auch Farbstudien zu fertigen, wofür er bei vielen die Deckfarbenmaltechnik bevorzugte. Die Muße des Ruhestandes brachte die Möglichkeit, mehr bei Tageslicht und ohne ständige Unterbrechungen zu arbeiten. Darum blühte die Ölmalerei bei ihm erst 1960 auf.
Im weiter vorgerückten Alter wurden die Zeiträume durch die Ausführlichkeit des künstlerischen Wirkens länger und die Anzahl der angefertigten Arbeiten innerhalb eines Jahres geringer. Die Studienarbeiten in der Natur mussten schließlich ganz aufgegeben werden.
Am 15. Januar 1976 erloschen die Augen, die so viel Schönes geschaut und zum Bild gestaltet hatten, die mit seltener Klarheit von Anfang an den Weg gesehen hatten, den die Kunst gehen musste, die Hans Schaefer aus sich selbst entwickelte, den Weg, den er ohne Wanken und Irrungen gegangen war.
Die Lebenswanderschaft Hans Schaefers ist zu Ende. Die »Liebe«, die als Schlusswort an diese kleine Plauderei gesetzt ist, die »Liebe zum Schauen« ist der Schlüssel zum Zugang in das Werk Hans Schaefers.

Rudolf Mehringer



Plaudereien aus meinem Leben.
von Hans Schaefer

Ich weiß nicht ob an jenem 22. Juli 1900 ‚ als ich dahinten in der Sophienstraße 9 geboren wurde‚ die Sonne geschienen hat. Sehen hätte sie mich doch nicht können‚ denn das Geburtszimmer‚ wenn man es so heißen konnte war doch nur ein dunkler fensterloser Raum‚ der sich an das damalige Wohnzimmer anschloss . Heute bilden beide zusammen das Kaffeezimmer . Ich kann mich selbst nur mehr ganz dunkel an diesen Alkoven erinnern und vielleicht geht die Erinnerung mehr auf Erzählungen der Eitern und meiner Tante zurück als auf eigene Anschauung . Aber an das Wohnzimmer kann ich mich noch erinnern Ich sehe mich noch in dem sonnenhellen Raum ohne mich aber der Einrichtungsgegenstände genau mehr entsinnen zu können . Ich war ja auch erst 4 oder 5 Jahre als die Räumlichkeiten durch Einrichtung eines Kaffeezimmers eine durchgreifende Änderungen erfuhren. Das Wohnzimmer wurde ohne viel bauliche Änderungen dazu umgestaltet an den beiden Längswänden wurden je zwei Marmortische mit Bänken aufgestellt und in der Mitte hängte ein zweiarmiger Gaslüster. Er ist mir noch gut in Erinnerung; denn man konnte ihn nach allen Richtungen drehen und hat bis zur Einrichtung des elektrischen Lichtes ums Jahr 1909 all der stickenden‚ strickenden und lesenden Gästen gute Dienste getan. Aus dem Alkoven wurde ein kleiner Nebenraum‚ der zum Einnehmen der Mahlzeiten bestimmt war. Meine Eltern hatten ihr Schlafzimmer seitdem im 1. Stock auf den Hof hinaus. Freilich konnte man sich am Tage im kleinen Zimmer nicht aufhalten‚ es war düster und erhielt sein Licht durch eine große doppeltürige Glastüre durchs Kaffeezimmer. Ein kleines Fenster ging zur Backstube und noch heute entsinne ich mich einer kleinen Nische in der Backofenwand in der es besonders schön warm war . Sie war später der Lieblingsplatz unserer Katze‚ der Mopsl. Die Sonne konnte in diesen Raum also nicht scheinen als ich an dem bewussten 22. Juli 1900 zu sehr früher Stunde‚ es war 51/2 Uhr‚ diese Welt mit meinem Besuch beehrte; dafür hatte ich mir aber einen Sonntag herausgesucht und das soll ja immer ein Glückstag sein. Allerdings hatte ich mich dabei richtig zwischen zwei Sternzeichen hineingesetzt‚ der Krebs war noch nicht ganz fort und der Löwe noch nicht da. Vielleicht habe ich von jedem etwas erhalten. Der Kampf blieb mir bis jetzt nicht erspart und wenn ich manchen vermied‚ vielleicht war der Krebs daran schuld. Da war mein Bruder mit seinem Geschenk doch bestimmt eindeutig: er legte mir gleich am ersten Tag in meine Liegestatt‚ einen Waschkorb‚ eine Kanone hinein und sie hat mich im Leben nicht verlassen und der Klang der Geschütze hat mich treulich verfolgt drunten im Burenkrieg drüben in China‚ dann im Tripolis in der Türkei‚ im Weltenbrand 1914 - 1918 und jetzt wieder! So war ich also da und wohl zum Leidwesen meiner Mutter männlichen Geschlechts. Sie war von diesem ihrem letzten Kind überhaupt nicht entzückt gewesen‚ was ich wohl verstehen konnte; denn was brachte so ein kleine Wurm in einem Geschäft nicht alles für Mehrarbeit‚ dazu hatte meine Mutter schon zwei Kinder wieder hergeben müssen. Draußen im Friedhof lag ihr erstes Kind‚ ihre Tochter Frieda und das dritte, der Wilhelm‚ beide kaum ein Vierteljahr alt. Da Mutter keines ihrer Kinder stillen konnte‚ jedes von der ersten Stunde an mit der Flasche ernährt werden musste‚ wird darin wohl die Ursache zu finden sein. Mutter hing sehr an diesen beiden Kindern und noch bis zu ihrem Ende hob sie von jedem eine Haarlocke auf . Ich habe das Schächtelchen mit den Erinnerungen in meinem Besitz. Und erst im letzten Jahr ihres Lebens (1938) wünschte sie‚ dass das Kinderbräble nicht mehr angekauft werde. Es ist doch ein schönes Zeichen von Elternliebe‚ wenn ein Kindergrab nahezu 45 Jahre gehegt und gepflegt wird. Als sich mein verstorbener Bruder während des ersten Weltkrieges nicht zur Stammrolle anmeldete und kurz darauf ein Schutzmann im Laden erschien um meine Eltern von dieser Nachlässigkeit in Kenntnis zu setzen‚ da meinte mein Vater‚ dass es doch das beste wäre‚ wenn er's ihm selber sagen würde .“Gehen' S nur 'naus in Friedhof ‚ da liegt er seit 17 Jahren !" „ Meiner Mutter war der Tod ihrer Frieda besonders nahe gegangen. Sie war eben eine sehr praktische Geschäftsfrau und sah sich für spätere Jahre eine gute Hilfe und so kann es nicht verwundern‚ wenn sie sich nun noch ein Mädchen ersehnte und wohl etwas enttäuscht war‚ als so ein Lauser erschien .
Dass man so gar nicht auf einen Buben eingerichtet kann man eigentlich auch aus dem Eintrag im Geburtsregister ersehen‚ dort heißt es, „ dass das Kind einen Vornamen noch nicht erhalten habe." Erst am 13. August erfolgte die Eintragung des Namen „Heinrich Hans". Freilich haben sich die Eltern nicht so lange besonnen; denn meine Taufe fand ja schon am 6. August statt. Sie fand nicht in der Stadtkirche sondern zu Hause im Wohnzimmer statt. Getauft hat mich der damalige Pfarrer Reissinger‚ Vater des Architekten Reissinger, eine große schlanke Erscheinung. Den Taufkrug hob Tante in ihrem Sekretär auf und dieser Porzellankrug ist noch heute in meinem Besitz‚ dient freilich profaneren Zwecken als damals. Ob meine Taufpaten bei der Taufe hier waren das weiß ich nicht mehr‚ habe ich doch fast gar keine Erinnerung daran Pate war ein Verwandter‚ ich glaube Onkel meiner Mutter Stüber mit Namen. Mutter hat mehrere Jahre ihrer Jugendzeit bei ihnen dort in Wendelstein verlebt. Sie hat gern von ihnen erzählt und wollte sie dadurch wohl noch enger an unsere Familie binden. Nur einmal habe ich beide gesehen. Es muss um das Jahr 1908 oder 1809 gewesen sein. Ich durfte damals mit meiner Mutter meine 1. Reise nach Nürnberg machen. Damals sind wir nach Wendelstein gefahren und machten dort Besuch Ich weiß aber nicht mehr ob wir dort übernachteten. Nur ist mir noch der Bahnhof in Feucht in Erinnerung‚ wo wir umsteigen mussten Von Wendelstein habe ich nur mehr ganz unklar ein oder andere Haus im Gedächtnis. Der Pate selbst wohnte etwas außerhalb an einem Steinbruch in einem roten Backsteinhaus. Ich bin im Steinbruch herumgeklettert‚ oben standen Föhren und im Föhrenbestand war eine Art Gartenhaus. Wie Pate und Patin aussahen‚ kann ich mich nicht mehr entsinnen‚ obwohl wir dort Kaffee tranken und ich den obligaten Patentaler erhielt. Das war wohl auch der letzte Besuch meiner Mutter. Diese beiden waren schon alt. Später erfuhr ich nur von ihrem Tod und das der Bruder meiner Mutter‚ der Jean (“Schang“) es fertig gebracht hat‚ dass sie und ich nichts erbten‚ obwohl sie genügend hinterließen. Ich habe einen Paten nie vermisst‚ denn ich hatte daheim meine Tante Zirkler‚ die Schwester Marie meines Vaters‚ die mir Tante‚ Patin - und Mutter zugleich war! Sie hat mich vom 1. Tag meines Lebens an betreut bis zu ihrem Tode 1925 und wenn sich mein Denken schon früh dem Schönen und der Kunst zuwandte‚ so hab ich all dies ihr allein zu Danken.
So waren wir zwei Buben im Haus . Mein Bruder Ludwig war damals 4 Jahre alt‚ er war am 23. Juni 1896 geboren und so bestand beste Aussicht‚ dass sich das Geschäft weitererben konnte. Wer hätte damals geglaubt‚ dass keine 50 Jahre nach der Gründung des Geschäfts fremde Leute im Hause sitzen und auch der Name vom Firmenschild verschwunden ist. Nur die älteren Leute erzählen noch von den guten Sachen der Konditorei Schaefer.


Danke an den Schwiegersohn, Herrn Rudolf Mehringer und die Tochter von Hans Schäfer, Frau Ilse Mehringer, für die Bilder und Infos