Heinz Tietjen

Dirigent, Regisseur, Generalintendant der preußischen Staatstheater.

* 24.06.1881 (Tanger / Marokko) -
† 30.11.1967 (Baden-Baden)

Heinz Tietjen wurde am 24. Juni 1881 in Tanger (Marokko) geboren, wo sein Vater, ein gebürtiger Bremer, gerade Geschäftsträger der deutschen Regierung war. Er starb, als T. drei Jahre als war. Die Mutter siedelte nach Konstantinopel über. Erst als Zehnjähriger kam T. nach Deutschland, wo er ein Gymnasium besuchte. Da er die Diplomatenlaufbahn einschlagen sollte, machte er in Bremen eine dreijährige kaufmännische Ausbildung durch und ging dann im Auftrag der Bremen- Westafrlka- Gesellschaft ins Ausland. Eine Augenkrankheit zwang ihn zur Rückkehr.
In der Musik wurde er Schüler von Arthur Nikisch und war dann in Holland und England Theater- und Konzertkapellmeister. Sein erstes Egagement führte ihn nach Trier, wo er nach drei Jahren Intendant und Direktor wurde. Nach weiteren sechs Jahren kam er als Intendant nach Saarbrücken und von dort im Herbst 1922 in gleicher Eigenschaft nach Breslau. Im Aug. 1925 übernahm T. die Leitung der Städtischen Oper in Berlin-Charlottenburg. Im Sept. 1926 erhielt er die Berufung als Generalintendant der staatlichen Opemtheater. Im Jan.1927 erfolgte die Fusion der Staatsoper mit der Städtischen Oper und T. wurde zum Generalintendanten beider Unternehmungen gewählt. Nach dem Rücktritt Jessners wurde T. im März 1930 die Verwaltung aller preußischen Staatstheater (Oper u.Schauspiel) in Berlin, Hannover, Kassel u. Wiesbaden übertragen. Seit 1931 wirkte er auch als Regisseur bei d. Bayreuther Festspielen mit.

Nach 1933 behielt T. alle diese Ämter bis 1945 bei. Zusammen mit Winifred Wagner leitete er von 1933-44 auch die Bayreuther Festspiele und dirigierte dabei vor allem eine Neuinszenierung des "Lohengrin". Nach Kriegsende wurde T. zunächst wegen seiner bedeutenden Stellung im Dritten Reich scharf angegriffen. Die Rehabilitierung durch die Entnazifizierungskommission für Kunstschaffende in Berlin erfolgte im April 1947. Anfang Aug. 1948 wurde T. auf Beschluss des Berliner Magistrats zum künstlerischen Leiter der Berliner Städtischen Oper ernannt. In dem kleinen Theater des Westens sammelte er einen Kreis ausgezeichnete Sänger und Dirigenten um sich, baute er ein Repertoire auf, dessen Schwerpunkte bei Wagner und Strauß lagen, das aber auch die zeitgenössische Oper zunehmend pflegte. So konnten die ersten Berliner Festwochen 1951 neben »Tristan«, »Fidelio«, »Walküre« und »Entführung« (alle vier in der Regie Tietjens mit Ferenc Fricsay am Pult) Werner Egks »Abraxas« und »Columbus«, Bartóks »Blaubart« und Strawinskys »Oedipus«, Menottis »Konsul« und als Uraufführungen Malipieros »Fantasien um Callot«, Delannoys »Puck« und Blachers »Lysistrata-Ballett« herausstellen - nicht zu reden von Meyerbeers »Afrikanerin«, Verdis »Macht des Schicksals«, Strauß� »Salome« und »Posenkavalier«. T. übergab 1954 die Städtische Oper an Cari Ebert.

Im Aug. 1954 besuchte T. zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder eine Aufführung in Bayreuth. Da er vorher als künstlerischer Antipode Wieland und Wolfgang Wagners galt, wurde diese Tatsache allgemein als Versöhnungsgeste gewertet. Auch war er nach dem Tode Siegfried Wagners als Erziehungsberechtigter für Siegfried und Winifreds Kinder eingetreten, da es zu der Zeit noch nicht üblich war, dass eine Frau diese Rechte wahrnimmt.
Nach zahlreichen internationalen Regiegastspielen (London, Mailand, Wien) nahm er 1956 eine Berufung als Intendant der Hamburgischen Staatsoper an. Mit Ende der Spielzeit 1958/59 gab er die Leitung jedoch an Dr. Rolf Liebermann ab. In Hamburg haben ihn vor allem seine »Ring«-Inszenierungen unvergesslich gemacht. Im Aug. 1959 stand er in Bayreuth als dritter Dirigent der »Lohengrin«- Inszenierung von Wieland Wagner am Pult. Seither lebte T. in Baden-Baden, nur gelegentlich noch ans Pult tretend, um Wagner oder Strauß zu dirigieren. Anlässlich seines 75. Geburtstages dirigierte er im Juni 1956 die »Götterdämmerung« an der Westberliner Städtischen Oper, u.a. wurde ihm aus diesem Anlass auch das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. Der unermüdliche und vielseitige Mann, der an seinem 80. Geburtstag am 24.06.1961 in Berlin die »Ariadne» leitete, hat noch einmal das repräsentative Theater auf den Grundlagen von Ensemble und Repertoire aufgebaut. Anlässlich seines 50jährigen Bühnenjubiläums und in Würdigung der 30jährigen Verdienste um Berlins Kunstleben, erhielt er bei seinem Scheiden aus Berlin die Ernst Reuter-Plakette.

T. war seit 1955 ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er besaß die Goldene Ehrennadel der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger und das Silberne Blatt des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten. Seit 1956 war er Ehrenmitglied des deutschen Bühnenvereins, seit 1958 der Städtischen Oper in Berlin. In Baden-Baden, wo er seinen Lebensabend verbrachte, starb T. am 30. Nov. 1967 im Alter von 86 Jahren.
 

Quelle: 6,22,28,30,38 und Youtube