Die erste Stadtgeschichte Bayreuths, die zum Druck gelangte,
war die lateinische Rede "De fatis Baruthi", die Johann Fikenscher 1674 als Professor
des Gymnasiums zum Geburtstag des
Markgrafen Christian Ernst
gehalten hatte. Im 18. Jahrhundert bemühte sich besonders der
Justizrat Johann Sebastian König um die Stadt- und
Fürstentumsgeschichte. Seine umfangreichen Manuskripte blieben
aber bis heute unveröffentlicht. 1823 erschien der "Versuch einer
Geschichte der königlich-bayerischen Kreishauptstadt Bayreuth".
Verfasser war der Regierungsregistrator
Johann Georg Heinritz,
der 1825 noch einen zweiten Teil folgen ließ. Die erste aus einem
Guss erstellte und mit genauen Quellenangaben belegte Darstellung
lieferte 1833 Johann Wilhelm Holle, der genau vor zweihundert Jahren
das Licht der Bayreuther Welt erblickte. Seine "Alte Geschichte der
Stadt Bayreuth" führte zwar nur bis 1792. Sie wurde aber für
das 19. Jahrhundert von seinem Sohn um eine umfangreiche Stadtchronik
erweitert und war damit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die
meistgelesene Darstellung über Bayreuths Vergangenheit.
Geboren wurde Johann Wilhelm Holle am 3. Dezember 1802, evangelisch
getauft am 14. Dezember in der Ordenskirche. Sein Vater war der aus
Coburg stammende Pfeifenmacher Johann Friedrich Holle, der 1797 in
Bayreuth Margarete Barbara Ochs aus Hutschdorf geheiratet hatte.
Seit 1798 war er Bayreuther Bürger, 1802 erbaute er sich ein Haus
in der Brandenburger Straße (heute Nr. 31). Dort ist der kleine
Johann Wilhelm aufgewachsen. Das begabte Kind konnte das Bayreuther
Gymnasium (damals Studienanstalt genannt) besuchen und
anschließend ein Jahr am Philologischen Seminar des namhaften
Pädagogen Thiersch in München verbringen.
Dann studierte Johann Wilhelm an der Universität Erlangen
Altphilologie und Geschichte. 1823 wurde er nach bestandener
Staatsprüfung unter Rektor Gabler als Lehramtsassistent am
Bayreuther Gymnasium angestellt und 1825 zum Studienlehrer ernannt. In
dieser beruflichen Stellung, zuletzt als Klassenleiter der oberen
Lateinschulklasse, verblieb er bis zu seiner gesundheitlich bedingten
Frühpensionierung im Jahr 1858. Aus seiner Ehe mit Wilhelmine,
einer Tochter des Pfarrers Haberstumpf in Birk, gingen acht Kinder
hervor, Grund genug, um sich in der Dürschnitz (heute
Richard-Wagner-Str. 60) ein eigenes Haus zu bauen.
Auf seine Stadtgeschichte folgten bald weitere wissenschaftliche
Arbeiten, die zum großen Teil im "Archiv für Geschichte von
Oberfranken" veröffentlicht wurden. Mit einer "Abhandlung
über die ältesten Bewohner des früheren Bayreuther
Landes", einer ganz in lateinischer Sprache geschriebenen Dissertation,
promovierte er 1842 an der Universität Erlangen zum Dr. phil.
Über "Die Slawen in Oberfranken" berichtete er 1814 in einem
Vortrag des Historischen Vereins, bei dem sich Bamberger und Bayreuther
Geschichtsfreunde als Gäste von Hans von Aufseß in
Unteraufseß trafen. Holles slawenkundliche Schriften zur
Geschichte des Bayreuther Landes hat Prof. Helmut Schaller in einer
Monografie ausführlich gewürdigt, die erst 1995 in
München erschienen ist.
Mit den alten Adelsfamilien und ihrer Rolle in der Geschichte
Oberfrankens hat sich Holle immer wieder befasst, so mit den
Orlamünde, Truhendingen, Künsberg, Giech und nicht zuletzt
mit den Hohenzollern, die als Burggrafen und Markgrafen Landesherren
waren. In den Jahren 1848-1852 veröffentlichte Holle im "Archiv"
eine umfangreiche Studie über "Das Fürstenthum Bayreuth im
dreißigjährigen Krieg". Bleibende Verdienste erwarb sich
Holle um den Historischen Verein für Oberfranken. Anfänglich
zum ersten Bibliothekar bestellt, wurde er nach dem frühen Tod von
Theodor Dorfmüller Sekretär des Vereins und als solcher die
rechte Hand des Vorsitzenden, des Bayreuhter
Bürgermeisters von Hagen.
Er war nicht nur Geschäftsführer und Schriftführer,
sondern auch der Redakteur des "Archivs". Er pflegte die Kontakte zu
den Nachbarvereinen und Universitäten. Beim 25-jährigen
Vereinsjubiläum stellte Hagen 1852 Holles Ortsbeschreibungen
für das geplante Historisch-topographische Lexikon des
Königreichs raus.
Holles letzte Jahre waren von Krankheit gezeichnet. Nach langem Leiden
starb er am 16. September 1862. Bürgermeister Erhard Christian von
Hagen rühmte "als langjähriger Freund" Holles Bescheidenheit,
Ausdauer und Treue und widmete ihm ein Trauergedicht ( "Wir denken Dein
für immer!").
Holles Grab existiert nicht mehr Aber auch 140 Jahre nach seinem Tod
ist seine Stadtgeschichte als "der Holle" Geschichtsfreunden und
Heimatforschern ein fester Begriff.