Johann Wilhelm Holle

* 03.12.1802 (Bayreuth)
† 16.09.1862 (Bayreuth)

Von Karl Müssel

Die erste Stadtgeschichte Bayreuths, die zum Druck gelangte, war die lateinische Rede "De fatis Baruthi", die Johann Fikenscher 1674 als Professor des Gymnasiums zum Geburtstag des Markgrafen Christian Ernst gehalten hatte. Im 18. Jahrhundert bemühte sich besonders der Justizrat Johann Sebastian König um die Stadt- und Fürstentumsgeschichte. Seine umfangreichen Manuskripte blieben aber bis heute unveröffentlicht. 1823 erschien der "Versuch einer Geschichte der königlich-bayerischen Kreishauptstadt Bayreuth". Verfasser war der Regierungsregistrator Johann Georg Heinritz, der 1825 noch einen zweiten Teil folgen ließ. Die erste aus einem Guss erstellte und mit genauen Quellenangaben belegte Darstellung lieferte 1833 Johann Wilhelm Holle, der genau vor zweihundert Jahren das Licht der Bayreuther Welt erblickte. Seine "Alte Geschichte der Stadt Bayreuth" führte zwar nur bis 1792. Sie wurde aber für das 19. Jahrhundert von seinem Sohn um eine umfangreiche Stadtchronik erweitert und war damit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die meistgelesene Darstellung über Bayreuths Vergangenheit.

Geboren wurde Johann Wilhelm Holle am 3. Dezember 1802, evangelisch getauft am 14. Dezember in der Ordenskirche. Sein Vater war der aus Coburg stammende Pfeifenmacher Johann Friedrich Holle, der 1797 in Bayreuth Margarete Barbara Ochs aus Hutschdorf geheiratet hatte.
Seit 1798 war er Bayreuther Bürger, 1802 erbaute er sich ein Haus in der Brandenburger Straße (heute Nr. 31). Dort ist der kleine Johann Wilhelm aufgewachsen. Das begabte Kind konnte das Bayreuther Gymnasium (damals Studienanstalt genannt) besuchen und anschließend ein Jahr am Philologischen Seminar des namhaften Pädagogen Thiersch in München verbringen.
Dann studierte Johann Wilhelm an der Universität Erlangen Altphilologie und Geschichte. 1823 wurde er nach bestandener Staatsprüfung unter Rektor Gabler als Lehramtsassistent am Bayreuther Gymnasium angestellt und 1825 zum Studienlehrer ernannt. In dieser beruflichen Stellung, zuletzt als Klassenleiter der oberen Lateinschulklasse, verblieb er bis zu seiner gesundheitlich bedingten Frühpensionierung im Jahr 1858. Aus seiner Ehe mit Wilhelmine, einer Tochter des Pfarrers Haberstumpf in Birk, gingen acht Kinder hervor, Grund genug, um sich in der Dürschnitz (heute Richard-Wagner-Str. 60) ein eigenes Haus zu bauen.
Auf seine Stadtgeschichte folgten bald weitere wissenschaftliche Arbeiten, die zum großen Teil im "Archiv für Geschichte von Oberfranken" veröffentlicht wurden. Mit einer "Abhandlung über die ältesten Bewohner des früheren Bayreuther Landes", einer ganz in lateinischer Sprache geschriebenen Dissertation, promovierte er 1842 an der Universität Erlangen zum Dr. phil. Über "Die Slawen in Oberfranken" berichtete er 1814 in einem Vortrag des Historischen Vereins, bei dem sich Bamberger und Bayreuther Geschichtsfreunde als Gäste von Hans von Aufseß in Unteraufseß trafen. Holles slawenkundliche Schriften zur Geschichte des Bayreuther Landes hat Prof. Helmut Schaller in einer Monografie ausführlich gewürdigt, die erst 1995 in München erschienen ist.
Mit den alten Adelsfamilien und ihrer Rolle in der Geschichte Oberfrankens hat sich Holle immer wieder befasst, so mit den Orlamünde, Truhendingen, Künsberg, Giech und nicht zuletzt mit den Hohenzollern, die als Burggrafen und Markgrafen Landesherren waren. In den Jahren 1848-1852 veröffentlichte Holle im "Archiv" eine umfangreiche Studie über "Das Fürstenthum Bayreuth im dreißigjährigen Krieg". Bleibende Verdienste erwarb sich Holle um den Historischen Verein für Oberfranken. Anfänglich zum ersten Bibliothekar bestellt, wurde er nach dem frühen Tod von Theodor Dorfmüller Sekretär des Vereins und als solcher die rechte Hand des Vorsitzenden, des Bayreuhter Bürgermeisters von Hagen. Er war nicht nur Geschäftsführer und Schriftführer, sondern auch der Redakteur des "Archivs". Er pflegte die Kontakte zu den Nachbarvereinen und Universitäten. Beim 25-jährigen Vereinsjubiläum stellte Hagen 1852 Holles Ortsbeschreibungen für das geplante Historisch-topographische Lexikon des Königreichs raus.
Holles letzte Jahre waren von Krankheit gezeichnet. Nach langem Leiden starb er am 16. September 1862. Bürgermeister Erhard Christian von Hagen rühmte "als langjähriger Freund" Holles Bescheidenheit, Ausdauer und Treue und widmete ihm ein Trauergedicht ( "Wir denken Dein für immer!").
Holles Grab existiert nicht mehr Aber auch 140 Jahre nach seinem Tod ist seine Stadtgeschichte als "der Holle" Geschichtsfreunden und Heimatforschern ein fester Begriff.

Quelle: 6 (Heimatkurier 01/2003)