Jakob Fuchs


Jakob Fuchs, Zimmerer-
meister 1893 - 1952
* 13.03.1866
† 19.08.1952

Jakob Fuchs, Zimmerermeister, langjähriger Stadtrat und Kirchenvorsteher, wirkte verdienstvoll für die Entwicklung der Altstadt.


Quelle: 2, 6 (Anzeige im NBK vom 06.03.1993)

Kindheits- und Jugenderinnerungen von Jakob Fuchs, von ihm selbst niedergeschrieben im März 1952, im Alter von 87 Jahren. Zusammengestellt aus drei handschriftlichen Originalen und geringfügig überarbeitet, unter Belassung seiner typischen Erzählweise, im März 1983 von Ruth Fuchs-Hamm. Die Handschriften befinden sich im Besitz seines Enkels Zimmerermeister Wolfgang Fuchs, Bayreuth.

Mein Lebenslauf bis zu meiner Lehrzeit, Jugenderinnerungen von 1866 - 1879

Ich, Jakob Fuchs bin geboren am 13. März 1866. Mein Vater war der Schuhmachermeister Kaspar Fuchs und meine Mutter Barbara Fuchs, eine geborene Förster. klein Vater hat in Kulmbach die Schuhmachermeisterprüfung bestanden. Meine Mutter als Älteste, musste schon bald das Elternhaus verlassen und ist in Tannenbach (Anmerkung: bei Heinersreuth) und in Waldau bei Bauern in Dienst getreten. In Waldau hat sie dann meinen Vater kennengelernt und geheiratet. Die Verheiratung meiner Eltern war seinerzeit sehr schwer. Es durften in den 1850ziger Jahren junge Leute nicht heiraten, wenn sie keine Wohnung nachweisen konnten und darunter mussten auch meine Eltern leiden. Aus Mitleid hat sich nun eine Freundin meiner Mutter, eine verwitwete Bäuerin in Unterlaitsch bei Harsdorf meiner Eltern angenommen und ihnen eine Wohnung gegeben. Nun durften sie heiraten. Mein Vater betrieb dann sein Schuhmacherhandwerk und meine Mutter half der Bäuerin in den landwirtschaftlichen Arbeiten. Meine einzige Schwester Katharina wurde auch in Unterlaitsch geboren. Der Bruder meiner Mutter, Jakob Förster, mein Pate, hat unterdessen die Ziegelhütte Eberhardtsreuth gepachtet, hat dieselbe einige Jahre geführt und wie es scheint auch ein Geld dabei verdient, denn er hat sich nach einigen Jahren nach Leuchau gewendet, hat noch ein Anwesen gekauft und eine Bierwirtschaft und eine Ziegelei errichtet, die noch heute von seinen Söhnen fortbetrieoen wird. Die Ziegelei musste ja unterdessen auch aufgegeben werden, infolge der neuerbauten Dampfziegeleien.
Nachdem nun mein Pate Jakob nach Leuchau verzogen ist, haben meine Eltern die Ziegelhütte Eberhardtsreuth weitergeführt, hierzu gehörte auch der Ökonomiebetrieb. Ich bin dort 1866 geboren und kann mich aus meinen Kinderjahren noch an sehr viel erinnern. Wir hatten einen guten Viehbestand und hatten einen Knecht und eine Magd, Ziegeleiarbeiter waren auch nebenbei beschäftigt. Backsteine und Ziegel wurden seinerzeit noch mit Scheitholz gebrannt. Das Brennholz wurde aus dem anstoßenden Wald entnommen und auch von der Pfarrei Neudrossenfeld bezogen. Das Holz wurde gut gespalten und dann in der Sonne aufgeschichtet und getrocknet und ich kann mir als Kind gut denken, dass die Rotschwänzchen in die Holzstöße ihre Nester eingebaut haben.
Im Wohnzimmer hatten wir noch einen steinernen Ofen, auf dem sich nachts unser Knecht immer Gutes tat. In der Mitte des Wohnzimmers stand ein Ständer mit einer Eisenzange, an der die 1,00 m langen Holzspähne für die Beleuchtung angesteckt wurden. In diese Eisenzange konnten immer 3 - 4 Schleißen angesteckt werden, sodass ständig eine Beleuchtung vorhanden war. Der Rauch von dieser Beleuchtung ist durch ein unter der Decke durchgebendes Dunstloch entwichen. Die Beleuchtungsarbeiten haben die Männer besorgt. Unterdessen haben ja die Männer auf der Ofenbank einen schönen Platz gehabt. Sie haben ihren Rücken an den Ofen gehalten, ihre Pfeifchen geraucht und die schaurigsten Märchen erzählt. Die Frauen saßen mit ihren Spinnrädern um den Lichtständer und spannen ihren Flachs, welchen dann die Weber als Tuch verarbeiteten. Das Spinnen hat hauptsächlich erst nach den Weihnachtsfeiertagen begonnen, denn vor den Feiertagen musste ja immer erst das Getreide gedroschen werden, damit man wieder Brot backen konnte.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Vater 1868/69 im Winter mit der Mutter und meiner Schwester Katharina mitgedroschen hat. Nach den Drescharbeiten hat er sich wieder auf seinen Schusterstuhl gesetzt und hat den Winter über geschustert.
Im Jahre 1869 stand mein Vater im 50. Lebensjahr, er fing im Frühjahr an zu kränkeln und ist dann im Herbst 1869 im Alter von 50 ¾ Jahren gestorben und liegt im Friedhof zu Neudrossenfeld begraben. Nach dem Tode meines Vaters war natürlich auch der Mutter der Mut genommen das Geschäft weiter zuführen, sie stand nun mit meiner Schwester, die erst 15 Jahre alt war, allein da. Die Landwirtschaft konnten sie ja alle beide allein besorgen und für die Ziegelei leisteten der Onkel Jakob in Leuchau und der Onkel Johann noch teilweise Hilfe. Aber auch dies sollte nicht lang währen, denn schon im Jahre 1870 ist der französische Krieg ausgebrochen und mein Onkel Johann musste zu den Cheveauxlegers einrücken. Nun war natürlich mit der Ziegelei Stillstand. Meine Mutter und meine Schwester haben sich während des Krieges so durchgeschleppt. Ein alter Bekannter, der alte Stöcker von Trebgast ist beigesprungen und hat meiner Mutter Hilfe geleistet. Nachdem meine Schwester Katharina kaum 18 Jahre alt war, hat er meiner Mutter vorgeschlagen, sie möchte doch ihre Tochter Katharina nach Trebgast heiraten lassen und da wäre sie auch mit untergebracht.
Dieser Vorschlag des alten Stöcker wurde auch bald zur Tat. Die Hochzeit fand dann im Frühjahr 1871 statt. Im Jahre 1871 wurden die Arbeiten auf der Ziegelhütte beendet und die landwirtschaftlichen Arbeiten geregelt und zu Lichtmess 1872 der Pacht übergeben. Die Eberhardtsreuh wurde dann verlassen und die Übersiedlung nach Trebgast wurde nun vollzogen.

Aber was fand man in Trebgast? Dort haben wir auch kein Paradies gefunden. Der Besitzer des kleinen Anwesens Haus Nr. 38, Hans Leppert, war bereits schon über 30 Jahre alt, er war der älteste Sohn von 7 Kindern und hatte bis jetzt einen Knecht gemacht, er wollte aber doch noch sein väterliches Anwesen retten, was ihm auch durch die Heirat meiner Schwester und den Zuzug der Mutter gelungen ist.
Durch den Zuzug meiner Mutter, die ihre sämtlichen landwirtschaftlichen Geräte wie Wagen, 2 Kühe und sehr viel Hausgeräte mitbrachte, konnte der landwirtschaftliche Betrieb wieder in Stand gesetzt werden. Durch die Abwesendheit des Hans Leppert wurden nämlich sehr viele Gebrauchsgegenstände verschleppt. Im Stall standen nur noch zwei abgemagerte Kühe, eine Mutter war auch nicht mehr da und der alte Vater sorgte nur noch für sich und hatte kein Interesse mehr an der Landwirtschaft. Das Wohnhaus selbst war ein altes baufälliges Holzhaus mit einem Bretterverschlag am Hausgiebel und hatte ein altes Falzziegeldach. Unter diesem Dach habe ich fünf Jahre mit meiner Mutter geschlafen, das einzige war, dass wir ein gutes Bett hatten; im Winter waren wir immer eingeschneit, denn die Ziegel waren nicht dicht und auch die Bretterwand nicht, sodass man morgens erst den Schnee räumen musste.
Hans Fuchs, Zimmerermeister
 und Gewerberat 1937 - 1977
Es war gut, dass meine Mutter mit ihrem guten Haushalt aushelfen konnte, sie hat auch alles in diesen abgewirtschafteten Betrieb hineingesteckt, sogar ein Stück Feld bei Lehen ober Waldau wurde noch von Trebgast aus bewirtschaftet. Nach sehr mühevoller Arbeit, bei der ich auch schon mit eingreifen musste, haben wir diese Wirtschaft wieder hoch gebracht. Es war auch dringend nötig, dass es wieder vorwärts gegangen ist, denn man konnte in dem alten Haus nicht leben. Das Haus war früher viel zu tief eingebaut, denn bei einem Hochwasser (Anmerkung: Zusammenfluss von Weißem Main und der Trebgast) wurde das ganze Haus überschwemmt, sodass man sich nur auf dem Boden aufhalten konnte, das Vieh musste oft zu Mitternacht aus dem Stall geschafft werden. Keller, Stall und die Küche waren immer überschwemmt, sodass das Wasser bei der Haustüre herausgelaufen ist, und dies ist jeden Winter einige Male vorgekommen. im Jahre 1877 waren wir nun soweit und konnten das alte Haus abbrechen und ein neues aufbauen. Von da ab habe ich doch wieder mit meiner Mutter ein Schlafzimmer gehabt, sonst haben wir auf dem Boden nur unter dem Ziegeldach geschlafen.
Das neue Haus wurde gebaut gerade zu einer Zeit wo das Bauen noch recht teuer war, denn zum Beispiel hatte ein Zimmermann pro Tag 3,00 Mark. Im Jahr 1879 und 1880 wurden nur noch 2,50 Mark in der Stadt bezahlt. Die Ausführung der Maurerarbeiten hatte die Baufirma Hollweg aus Neuenmarkt übernommen, die Zimmermannsarbeiten wurden von den Zimmerleuten Hahn ausgeführt. Es ist vorgekommen, dass diese Leute keine Zeit mehr hatten die Arbeiten auszuführen, so musste ich im Alter von 11 Jahren nach Drossenfeld laufen und von dort Zimmerleute herholen, die die obere Stube und den Boden fertig gemacht haben. Ich selbst habe mir seinerzeit auch so manches vom Bauen abgeschaut und mich entschlossen ein Zimmermann zu werden.

Von meiner Kindszeit von der Eberhardtsreuth kann ich mich erinnern, dass ich mit meiner Schwester in einer oberen Giebelstube geschlafen habe. Während der Kriegszeit von 1870 ist meine Schwester auch öfter nach Bayreuth, hiervon hat sie mir erzählt, dass sie die gefangenen Franzosen gesehen habe, sie hat mir immer etwas von Bayreuth mitgebracht.
Ich bin dann in Trebgast im Jahre 1872 in die Schule gekommen, ich habe dort die Volksschule von 1872-79 besucht. Unser Lehrer war Kantor Bauer. Aus Sparsamkeit habe ich nicht einmal eine Schiefertafel bekommen, und musste die Schiefertafel meiner Schwester nehmen, die sie schon sieben Jahre in der Schule gebraucht hatte. Als ich einen Federhalter brauchte, erhielt ich von meiner Mutter einen Federkiel, hiervon sollte mir der alte Kantor eine Schreibfeder machen. In der Schule ist es mir Gottseidank gut gegangen. Zum Lernen war ich nicht ungeschickt und konnte meinen Schulkameraden immer gut aushelfen, so dass ich keine Federkiele mehr brauchte. Für die kleinen Sachen, die ich für die Schule brauchte, habe ich mir bei Nachbar Schinzel mit dem Aufstellen der Kegelkeile ein paar Pfennige verdient. Wir Schüler sind von unserem Kantor schon rechtzeitig zum Besuch des Gottesdienstes angehalten worden. Schon im Alter von 10 Jahren mussten wir Schüler zum Kirchenchor und mussten jeden Gottesdienst in der Kirche singen. Außerdem mussten wir noch bei der Beerdigung singen. Die älteren Schüler im dreizehnten Lebensjahr mussten abwechselnd das Kreuz tragen bei den Beerdigungen, hierbei wurden sie immer von dem Leichenbeter belohnt. Die Pfarrei besorgte Pfarrer Schmidt. Der Pfarrer hat seinerzeit noch in der Schule Religionslehre gehalten. Im zwölften Jahr waren wir Schüler die Präparanden und hatten Vorunterricht für die Konfirmation. Im dreizehnten Jahr, also im 7. Schuljahr, waren wir dann Konfirmanden. Die Konfirmation fand am Trinitatisfest statt. Nach der Konfirmation bin ich dann nach Bayreuth gekommen.

Von meinen Jugendjahren kann ich noch sehr viel erzählen: Ich wurde schon bald an die Verrichtung kleiner Hausarbeiten angewiesen. Die kleinen Arbeiten waren Kartoffelschälen und für das Vieh die Futterrüben stampfen. Im Frühjahr habe ich meine jungen Gänse gehütet, auch den Sommer durch, damit dieselben fett wurden, im Herbst sind die Gänse dann geschlachtet worden. Im Herbste nach der Grummeternte, (Anmerkung: Heu vom zweiten Schnitt), musste ich das Vieh auf den abgemähten Wiesen hüten, hierbei ist es schon oft sehr kalt geworden, dann haben wir Buben uns zusammengemacht und haben Feuer geschürt, damit wir unsere Füße wärmen konnten, denn wir waren meistens noch barfüßig. Im Winter bekam ich eine kleine Drischel und musste das Dreschen lernen. Im Sommer, muss ich noch nachholen, bekam ich eine kleine Sichel und musste mitschneiden. Im Herbste zum Kartoffelgraben musste ich dieselben mit auflesen, dieselben wurden in kleine Körbchen gesammelt und dann in die Säcke geschüttet. Ich war immer angehalten den ganzen Tag mitzuarbeiten, im Winter nach dem Dreschen, habe ich dann mit meinem Schwager Leppert Stöcke gegraben und Holz gemacht; erst nachts konnte ich dann meine Schulaufgaben machen.
Im ersten Jahr meiner Lehrzeit war gerade während der Ernte wenig Arbeit da. Ich habe mich aufgemacht und bin wieder nach Trebgast zurück und habe dann bei meinem Schwager mitschneiden helfen, es war dies ein Leichtes, denn ich hatte es ja schon während meiner Schulzeit gelernt. Als ich bei meinem Schwager fertig war, bin ich dann nach Feuln (Anmerkung: bei Trebgast) und habe bei den größten Bauern mitschneiden helfen. Als letztes haben wir den Weizen geschnitten, da erhielten wir abends zum Nachtessen Milchsuppe und Kuchen, hiermit war dann das Schneiden beendet und ich ging wieder an meine Lehrstelle nach Bayreuth zurück.
Als ich zurückkam war wieder Arbeit da. Der Pflasterer Peter Holl hat sich seinerzeit ein Wohnhaus neben der Ziegelei Büttner erbaut und ist bereits schon am Martinitag 1879 eingezogen, später hat sich Holl ein anderes Haus an der Jakobstraße erbaut, nachdem er sein Haus an Pflasterer Sengenberger verkauft hat. Ich hatte bei dem ersten Neubau Holl noch keine Ahnung, dass ich später im Jahr 1892 selbst mein Wohnhaus auf dem Ziegeleianwesen Büttner errichten werde. Aber unser Herrgott hat mir geholfen.

Ihm sei Dank.

Meine Erlebnisse im Zimmererhandwerk

von Jakob Fuchs ( 1866 - 1952 )

Als dreizehnjähriger Bursche bin ich am Johannistag im Jahre 1879 bei meinem Onkel Hans Hofmann, Zimmermeister, in die Lehre eingetreten. Obwohl es stich um eine sehr große Familie handelte, so wurde ich doch gut aufgenommen. Ich wurde vonseiten des Onkels wie auch der Tante, die die Schwester meiner Mutter war, wie ein eigenes Kind behandelt. Ich durfte am Tisch mitessen und mit im Hause schlafen, war also mit in die Familie aufgenommen. Durch diesen Familienanschluss war mir auch Gelegenheit geboten, vom Zimmererhandwerk so verschiedene Vorteile zu erlangen.
Die Arbeitszeit war damals von früh ½ 6 Uhr bis abends 7 Uhr, bei 1 Stunde Mittagspause, vor- und nachmittags je eine halbe Stunde Brotzeit. Als Gesellen waren beschäftigt: 1. Arzberger als Palier, 2. Maisel Konrad (wohnte mit im Hause) 3. Gärdler, 4. Meyer Leonhard, 5. Schreiner Pankraz Pfaffenberger, Oberpreuschwitz. Von Letzterem habe ich hauptsächlich die Schreinerei gelernt. Im Sommer und Herbst 1879 bauten wir den neuen Stall auf dem Jakobshof und das neue Wohnhaus des Pflasterer Peter Holl, späterer Besitzer Pflasterer Hans Sengenberger jetzt Weigel und ich hatte keine Ahnung, dass ich schon 13 Jahre später als Hausbesitzer deren Nachbar werde. Zu meiner Lehrzeit will ich noch bemerken, dass damals die Geschäftslage wegen Mangel an Arbeit sehr schlecht war. Schon im Hochsommer musste ich nach Trebgast zurückkehren, um dort meinem Schwager Getreideschneiden helfen. Auch im Winter habe ich beim Dreschen mithelfen müssen.
Im 2. und 3. Lehrjahr ist es dann für mich besser geworden, denn ich hatte mich schon gut im Treppenbau und in der Bauschreinerei ausgebildet, sodass jederzeit für mich Arbeit vorhanden war. Dass der Meister mit meiner Arbeitsleistung zufrieden war, hat er dadurch kundgetan, dass er mir im 3. Lehrjahr als Weihnachtsgeschenk eine silberne Uhr mit Kette schenkte. Dieses freudige Ereignis habe ich bis heute nie vergessen und dies bleibt für mich auch weiter ein ehrendes Andenken.
Während der Lehrzeit hat es weder Lohn noch Urlaub gegeben. Der Urlaub hat sich von selbst erledigt, da im Winter keine Arbeit vorhanden war. Die Fortbildungsschule musste am Sonntag Vormittag besucht werden. Am Sonntagnachmittag fand in der Stadtkirche Christenlehre statt. Im Sommer wurden pro Tag 11 Stunden gearbeitet, am Samstag eine Stunde weniger. Der Taglohn für einen Palier betrug bei elfstündiger Arbeit 3.00 M, für einen Gesellen zwischen 2.40 und 2.60 M. Feiertage wurden nicht bezahlt. Eine Arbeitslosenunterstützung war damals noch nicht üblich.
Meine Lehrzeit ging im Jahre 1882 zu Ende. Ich blieb auch weiter beim Meister und erhielt neben Kost und Logie eine mäßige Bezahlung. In der Arbeitsleistung war ich hauptsächlich auf Bauschreinerei und Treppenbau angewiesen, da ich in diesen Fächern gut ausgebildet war. An Arbeit hat es dabei nie gefehlt. Ich habe ja schon im 3. Lehrjahr und später als Geselle selbständig Fenster und Türen machen und auch anschlagen müssen. Nun waren aber auch die Söhne des Meisters mit herangewachsen, sodass einer von ihnen meinen Posten übernehmen konnte. Infolgedessen habe ich bei Hans Hofmann meine Arbeit beendet und bin zu meinem anderen Onkel Wolfgang Hofmann in der Altstadt gekommen. Ich ward auch dort gut aufgenommen und wurde angewiesen, alle vorkommenden Arbeiten in der Werkstatt hauptsächlich Treppenarbeiten für den Wölfels-Neubau auszuführen. Dabei bin ich ja auch nicht zu kurz gekommen, denn ich erhielt neben einer guten Brotzeit auch noch angemessene Trinkgelder. Wenn die Arbeiten in der Altstadt weniger wurden, war ich aushilfsweise bei der Baufirma Wölfel beschäftigt.
Nach einer Zeit von über 3 Jahren bei Onkel Hofmann wurde ich zum Militärdienst gemustert. Von der Altstadt waren wir 18 Rekruten. Unter diesen waren mein Freund Christoph Sack und ich die einzigen, die in diesem Jatre l886 zum Militärdienst eingezogen wurden. Ich selbst kam zum 7. Infanterie-Regiment "Prinz Leopold" nach Bayreuth-Standplatz Alte Kaserne - Christoph Sack kam nach Germersheim, wurde aber auf Weihnachten 1886 wegen Unbrauchbarkeit wieder entlassen. Nach der Rekrutenausbildung durfte ich mein Handwerk in der Kompaniekammer ausüben.

Von meiner Militärzeit

Nach zweijähriger Dienstzeit wurde ich zur Disposition entlassen. Hier war ich der Meinung, dass ich vielleicht nicht mehr eingezogen werde. Aber da hatte ich mich getäuscht. Gleich nach meiner Entlassung war ich wieder im Geschäft tätig. Damals haben wir im Winter 1888/89 die Schreinerarbeiten zu dem Geschäftshaus Schlenk in der Erlangerstraße gemacht. Hier war ich mit meinem Onkel Wolfgang Hofmann und seinem Jüngeren Sohn beschäftigt. Es musste damals noch alles mit der Hand gefertigt werden und da gab es schon bis zum Frühjahr zu arbeiten.
Beim Militär ging es aber auch wieder vorwärts. Meine Kompanie hatte einen anderen Hauptmann bekommen. Anstelle von Hauptmann Ulmer ist Hauptmann Brunner als Kompaniechef eingesetzt worden. Zum Gesamt-Kompanieexerzieren wurden ein Teil der Reservisten eingezogen. Vorschläge von Leutnants und Unteroffizieren, wer hierzu eingezogen werden sollte, wurden vom neuen Hauptmann nicht anerkannt. Durch ein Losverfahren war ich der Erste, der wieder einrücken musste.
Von diesem Losverfahren hat mir mein Leutnant Auvera aus Hof an einem Sonntagvormittag auf dem Marktplatz erzählt und mir geraten, sobald ich eine neue Zustellung erhalte, möchte ich sofort ein begründetes Urlaubsgesuch auf 4 Wochen einreichen. Ich würde dann den nötigen Urlaub bekommen. Ich erhielt auch tatsächlich Urlaub und in einem späteren Falle nochmals.
Während dieser Urlaubszeit habe ich unter anderem eine neue Stockwerktreppe in der Wirtschaft Kolb, Erlangerstraße gefertigt. Nach meinem Wiedereinrücken zur Kompanie wurde ich ganz wenig zum Kompaniedienst herangezogen. Unser Hauptmann Brunner, der bis jetzt bei Köppel, Kasernstraße (Anmerkung: heute Rathenaustraße) gewohnt hat, benötigte eine neue Wohnung und hat hiefür das sogenannte Quastenhäuschen hinter dem Rathaus am Luitpoldplatz ausersehen. Dieses Häuschen war in einem schlechten Zustand und ich wurde angewiesen, die nötigen Arbeiten an Fenstern, Türen, Fußböden und an der Treppe zu erledigen. Geholfen hat mir dabei der Soldat Otto Bötgen, der gelernter Tapezierer war. Während der Abwesenheit der Truppe (Manöver) mussten Bötgen und ich auf Wache ziehen. Bei Wachfreiheit konnten wir wieder an unsere Arbeit gehen und haben auf diese Weise die Wohnung des Hauptmanns Brunner instandgesetzt. Das nötige Material bezogen wir vorn Zimmermeister Vogel am Altbachplatz (Anmerkung: Luitpoldplatz - neues Rathaus).

Nach meiner Militärzeit

Nach meiner Militärzeit im Herbst 1889 bin ich wieder zu meinem alten Onkel Hofmann in die Altstadt zurückgekehrt und habe in meinem Handwerk die alte Kundschaft weiterversorgt, Mit 24 Jahren hatte ich das Bestreben vorwärts zu kommen und mir Werkzeuge und Haushaltsgeräte anzuschaffen. Die notwendigen Sägen und Hobel hatte ich mir schon vor der Militärzeit selbst gemacht. Nun musste auch eine Hobelbank angeschafft werden. Die Wohnverhältnisse haben mich gezwungen, baldmöglichst einen eigenen Hausstand zu gründen. So habe ich mich im Winter 1889/90 entschlossen, die nötigen Möbel für einen Kleinhaushalt zu fertigen. Nachdem im Hause zufällig eine Wohnung frei wurde, habe ich dieselbe gemietet und meine alte Mutter, die seinerzeit noch bei meiner Schwester in Trebgast untergebracht war, zu mir genommen. Sie hat mir dann meinen Haushalt geführt. Im Jahre 1890 lernte ich auch meine spätere Frau kennen, die bei Pflasterermeister Ernst im Dienst stand. Im Jahre 1891 heirateten wir. Im gleichen Jahre mussten wir mit Thomas Heinlein, Schuhmachermeister, der bei Ernst wohnte, einen Wohnungstausch machen, damit die Tante Hofmann ihren Schwiegersohn Heinlein besser beobachten konnte Ich selbst arbeitete weiter bei Onkel Hofmann. Im Frühjahr 1892 war ich mit Mauerer Konrad Hofknecht auf dem Jakobshof tätig. Hier ergab sich, dass zufällig die Ziegelei Büttner im Zwangswege zum Verkauf ausgeschrieben war.
Hofknecht hat mich überredet, die alte Ziegelei miteinander zu kaufen. dieselbe abzubrechen und mit dem Altmaterial einige Häuser zu bauen. Der Verkauf der Ziegelei hat stattgefunden und Hofknecht ließ nicht nach, bis wir den Zuschlag erhielten. Vonseiten des Herrn Wettmeier und seines Kollegen Kießling wurde der Preis etwas in die Höhe getrieben. Mit etwas über 8 000 M haben wir dann den Zuschlag erhalten. In dem Preis waren auch die beiden Wohnhäuschen inbegriffen. Von uns, als rechtliche Besitzer, wurden sofort die Abbrucharbeiten der Trockenhütte begonnen und mit dem Grundlegen meines Wohnhauses angefangen.
Bei den Abbrucharbeiten haben wir alle zusammengeholfen, sogar unsere Frauen und der Vorbesitzer Büttner haben mitgearbeitet. Bedauerlich, wenn ein vorheriger Eigentümer seinen früheren Besitz mit abbrechen muss. Wir wollten es nicht, aber den Mann hat die Not dazu gezwungen, damit er seine Familie ernähren konnte. Er hat uns wirklich leid getan.
Mein Wohnhaus wurde nun als erstes in Angriff genommen, Material war ja vorrätig. Wir brauchten nur Kalk und Zement zu beschaffen. Bauholz und raue Bretter waren genügend vorhanden. Fußbodenbretter und Schreinermaterial wurden vom Zimmermeister Arzberger bezogen. Die Schreinerarbeiten habe ich unter Mithilfe eines Schreiners selbst ausgeführt. Die Arbeiten wurden während des Sommers erledigt, sodass ich noch zu Martini 1892 einziehen konnte.
Unterdessen hat auch Hofknecht sein Wohnhaus, welches anstelle der Brennöfen erbaut wurde, unter Dach gebracht. Die Schreinerarbeiten hierzu habe ich im Winter über allein ausgeführt. Im Herbst 1892 wurde auch noch der kleine Stadel für Nachbar Reuschel fertiggestellt. Die Ausbauarteiten im Wohnhaus Hofkneoht wurden dann im Frühjahr 1893 fertiggemacht und dann haben wir unsere Arbeiten geteilt.

Wolfgang Fuchs,
Baumeister seit 1978
Durch notariellen Teilungsvertrag von 1893 wurde mir mein Wohnhaus (früher Haus Nr. 10 1/3 C) als Alleineigentümer zugeteilt. Hofknecht hat dann das für ihn erbaute Wohnhaus an den Bäckergesellen Johann Götz, der früher bei Heinrich Becher beschäftigt war, verkauft. Bäcker Götz hat dann die Bäckerei angebaut und sein Gewerbe selbständig betrieben. Das alte Wohnhaus des Vorbesitzers Büttner sowie das kleinere Wohnhaus an der Straße hat Hofknecht auch mit übernommen und dasselbe später an den Steinhauer Wilhelm Burkhardt verkauft.
Nach Fertigstellung dieser Arbeiten habe ich im Frühjahr 1893 mein Zimmereigeschäft selbständig angemeldet und auch bei der Unfallversicherungs- Genossenschaft München angezeigt. Ich hatte gleich eine gute Kundschaft. Hofknecht hat nach unserer Trennung auch wieder weitergebaut und ich musste ihm immer seine Zimmermannsarbeiten ausführen. Bei Aufstockung eines einstöckigen Wohnhauses an der Bambergerstraße ist ein Zimmerer aus Mistelbach tödlich abgestürzt. Eine Verantwortung hiefür traf mich nicht.
Das Geschäft hat sich weiter gut entwickelt. Im Jahre 1894 bekam ich bei Heinrich Becher bei dem Wirtschaftsneubau die Zimmermanns- und Schreinerarbeiten. Meine ersten Gesellen waren Georg Preis von Donndorf, Konrad Stiefler aus Pittersdorf, Wippenbeck aus Oberpreuschwitz und hauptsächlich Georg Dressendörfer, wohnhaft St. Nikolausstraße. Letzterer war ein sehr guter Treppenbauer und so konnte ich auch anfallende Treppenarbeiten vom Baumeister Hans Müller übernehmen. Nach dem Ableben des Baumeisters Müller hat dann sein Sohn Georg das Geschäft übernommen. Bei ihm durfte ich auch alle Zimmermannsarbeiten ausführen. Als Gegenleistung habe ich die Mauererarbeiten für das Doppelhaus Kasernstraße 7 + 9 übergeben und wir konnten noch im Jahre 1913 vor Ausbruch des 1. Weltkrieges die Arbeiten fertigstellen.
Es war anfangs schwer für mich diese Wohnhäuser zu erstellen, denn in Bayreuth standen damals 90 Wohnungen zur Verfügung. Ich hatte größere und bessere Wohnungen vorgesehen, aber niemand fragte danach. So mussten schließlich die Wohnungen Kasernstraße 9 geteilt werden. Erst dann konnte ich vermieten. Das zweite Wohnhaus Haus Nr. 7 habe ich gleich bei Beginn für Kleinwohnungen eingerichtet. Der erste Mieter war Hauptmann von Berg, der die Wohnung im 1. Stock innehatte. Nach dem 1. Weltkrieg hat dann mein Sohn Wolfgang die Wohnung erhalten. Er ist dann nach dem 2. Weltkrieg Eigentümer von Kasernstraße 7 geworden.
Im Jahre 1933 habe ich an der Bambergerstraße einen Bauplatz für ein Doppelwohnhaus gekauft. Das erste Wohnhaus wurde für meinen Sohn Hans der Ältere erbaut und das 2. erhielt mein Sohn Georg. Zur Finanzierung habe ich von der Landesversicherungsanstalt eine erste Hypothek auf das zweite Haus erhalten. Als das Haus fertig war, zogen drei Beamtenfamilien der Anstalt ein. Hieraus sind mir später Schwierigkeiten entstanden, die ich nicht vorausgeahnt habe. Die Mieter leiteten von der gegebenen Hypothek ein Dauerwohnrecht ab. Als ich nun das Wohnhaus meinem Sohn Georg übergeben hatte, wollte niemand eine Wohnung für ihn freimachen. Um diesem Missstand abzuhelfen, habe ich die Hypothek sofort abgelöst.
Ich habe ja in meinem Geschäft schon sehr viele Wohnungen geschafft, so z.B. das Wohnhaus Hacker und das Geschäftshaus Ruckriegel an der Jakobstraße und auch das Geschäftshaus Mösch an der Bambergerstraße, aber jetzt in dieser Zeit, in der doch große Wohnungsnot herrscht, hatte ich keine Lust mehr auf eigene Rechnung Wohnhäuser zu bauen. Erstens ist das Baugeld knapp und zweitens hat man kein Recht mehr über sein eigenes Haus, wenn es einmal bezogen ist. Die letzten Aufzeichnungen habe ich deshalb geschrieben, damit man sich noch später an die seinerzeitige Wohnungsnot erinnert.

Bayreuth, im Februar 1952
gez. Jakob Fuchs

Quelle: privat (Wolfgang Fuchs, siehe oben)