![]() |
| * 1968 (Bayreuth) |
Schon mit 29 Jahren wurde Jeff Maisel Geschäftsführer der Brauerei Maisel in Bayreuth. Die wichtigsten Stationen bis dahin: 1968 In der Wagnerstadt geboren, nach der Bundeswehr drei Semester Studium in Charleston, fünf Jahre In Weihenstephan. Das Praktikum machte der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie bei Bitburger.
Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth
Gegründet 1887, ist die Brauerei Gebrüder
Maisel auch heute noch eine Familienbrauerei mit Jeff Maisel und seinem Cousin
Andreas an der Spitze.
Sie zählt als Hersteller von Bierspezialitäten zu
den bedeutendsten Weissbier-Brauereien und ist nationaler
Marktführer im Segment Diätbier.
Der Vertrieb erfolgt in ganz Deutschland
über den Getränkefachgroßhandel und über
Partnerbrauereien.
Brauerei
Gebr. Maisel KG
Hindenburgstraße 9
D-95445 Bayreuth
Telefon: (09 21) 40 1-0
Telefax: (09 21) 40 1-206
E-Mail: brauerei@maisel.com
Homepage: http://www.maisel.com
Quelle: http://www.deutsche-brau-kooperation.de/pages/maisel.asp
Folgendes Interview und die Bilder sind aus der Stadtzeitschrift "Mohr" Nr. 13 vom Januar 2007:
Kennen
Sie Jeff Maisel? Der Chef der Brauerei Maisel ist einer zum Anfassen.
Er bewegt sich in Bayreuth, lässt sich überall mal blicken
und ist ein absolut lockerer Zeitgenosse. Er zeigte uns das
authentische an der Brauerei und an sich. Getreu dem Motto der
Maisel-Brauerei - Machs auf deine Wiesse, anders als die anderen aber
angenehm überraschend - nahm er sich die Zeit für ein
Gespräch mit uns und plauderte über sich und die Brauerei.
MOHR:
Wurde ihnen schon als Kind bewusst gemacht, dass sie später einmal
die Geschäftsführung der Traditions-brauerei überhaupt
leiten werden?
Jeff Maisel: Dieses Thema wurde von
seitens meines Vaters Oscar nie angesprochen. Ab der
Gymnasiumsschulzeit musste ich immer in den Ferien in der Brauerei
arbeiten. Das waren Sachen wie alte Mauern abreißen, Zelte
aufbauen und Bier ausfahren. Das war für mich eher Ieidvoll. Ich
habe aber nie einen Druck verspürt und wurde auch in meinem Denken
nicht beeinflusst. Schulisch habe ich auch den wirtschaftlichen Zweig
gewählt und nicht den mathematisch-naturwissenschaftlichen, der
für die Brauerlehre notwendiger wäre. Nach und nach bin ich
so in die Sache hineingewachsen. Nach drei Semestern Studium in den USA
war für mich klar, nachdem ich so viel Gutes von meinen Eltern
bekommen habe, mein weiterführendes Studium in Weihenstephan
durchzuziehen und danach mal zu schauen, was ich hier bewegen kann.
MOHR: Wann und wie war für Sie der Einstieg hier?
Jeff
Maisel: Das war vor etwa 10 Jahren zusammen mit meinem Cousin Andreas
Maisel. Im Jahr 1996 habe ich in der Technik begonnen. Irgendwann kam
der Zeitpunkt, an dem ich meinem Vater gesagt habe, dass ich hier
verantwortlich sein möchte. Ab diesem Zeitraum zog sich mein Vater
mehr zurück und lies mir mehr Freiräume.
Selber war er
immer mein härtester Mitbewerber. Er hat aber meine Entscheidungen
akzeptiert und stand auch konsequent hinter mir. Da zolle ich
höchsten Respekt an meinen Vater für diese Handlungsweise. So
konnten wir auch die Nachfolge reibungslos im Unternehmen
durchführen. Dadurch haben wir auch alle mit eingebunden. Ob nun
ehemalige Mitarbeiter, das damalige Kernteam und auch neue Mitarbeiter.
So führte mein Weg über die Technik und Verwaltung zu meinem
jetzigen Posten als Geschäftsführer für Verwaltung und
den Brauereibetrieb. Herr Boerger ist als weiterer
Geschäftsführer für den Vertrieb verantwortlich. Herr
Müller als Geschäftsleiter der Verwaltung und Herr
Rutzenhöfer als Geschäftsleiter Marketing machen die
Mannschaft komplett. Wir bilden sozusagen das heutige Kernteam der
Brauerei Maisel und versuchen zusammen Bäume herauszu reißen.
MOHR:
Wie viele Mitarbeiter beschäftigt derzeit die Brauerei? Wie viele
Azubis stellen Sie jährlich ein?
Jeff Maisel:
Wir beschäftigen derzeit 160 Mitarbeiter. Konstant haben wir
zwischen 10-12 Azubis. Jährlich stellen wir zwischen 5-10 neue
Auszubildende ein. Wir bilden aus zum Industriekaufmann, zum
Mechatroniker und zum Brauer und Mälzer.
MOHR: Die Brauerei wird nun in der 4. Generation geleitet. Wächst bereits eine 5. Generation heran?
Jeff
Maisel: Andreas Maisel hat schon zwei Kinder. Meine Schwester hat auch
schon drei Kinder. Ich habe noch keine Kinder aber dafür einen
Hund. (lacht)
MOHR: Sie
haben amerikanische Wurzeln. Setzen Sie oder versuchen Sie etwas von
ihrer amerikanischen Mentalität in der Brauerei umzusetzen?
Jeff
Maisel: Meine Eltern haben mich intellektuell geprägt. Das
versucht man natürlich umzusetzen. In Amerika habe ich viel kennen
gelernt, welche Möglichkeiten sich für einen ergeben, wenn
man etwas erreichen will. Man muss jedoch mit einer gewissen Konsequenz
daraufhin arbeiten. Viele Freundschaften sind in dieser Zeit
entstanden. Viele kommen auch heute eigens zu unserem Weissbierfest.
Auch zu meiner Hochzeit sind viele aus den USA angereist. Wir haben uns
zu schätzen gelernt. Solche Erfahrungen kann man auch in den
Betrieb mit ein-bringen. Es ist bei uns freundschaftlicher und
familiärer als in einem Konzern.
Wir sind ein
Familienbetrieb. Ich und mein Cousin heißen Maisel, die Leute
können sich mit uns identifizieren und so vermitteln wir das
authentische und dynamische was uns auszeichnet. Ich sehe halt nicht
aus wie ein typischer Brauereichef (-) Machs auf deine Weisse, angenehm
überraschend anders.
Arbeitsplatzsicherung und der Spaß an der Arbeit ist unsere Zielsetzung.
MOHR:
Haben Sie vor auf den Bier-misch-Markt, wie es bereits viele andere
Mitbewerber tun, einzusteigen? Vielleicht ein Weißbier-Mix???
Jeff
Maisel: Es ist sicherlich interessant. Doch diese Brauereien
investieren auch zwischen 15 und 20 Mio. EURO in das Marketing. Wir
würden uns aber als mittelständische Brauerei darin zu sehr
verzetteln. Wir bleiben beim Weißbier und versuchen dies trendy
darzustellen. Zur Zeit haben wir ein neues Projekt - und zwar den
WeissbierCocktailMix. Überraschend gut und individuell für
unsere Gastronomen. Man sieht es an unseren Weissbiergläsern - mit
Effekten und Innovationen wollen wir unser Weißbier mehr in den
Vordergrund stellen.
MOHR Welche Biersorte trinken Sie selber gerne?
Jeff
Maisel: Ich trinke auch gerne ein gutes Landbier. In der
Fränkischen Schweiz oder auch hier in Bayreuth. Dennoch sind die
Geschmacksnerven eingebrannt und am liebsten trinke ich unser
Weißbier.
MOHR: Die
Brauerei Maisel Ist eine private Brauerei. ist es als private Brauerei
schwieriger auf dem Markt als für Mitbewerber, die in einem
Konzern Integriert sind?
Jeff Maisel: Es ist
differenziert zu sehen. Wir alle wollen die globalisierte Welt wenn es
um die schönen Dinge geht. Man kann ja auch beim Mc Donalds
schnell essen gehen oder in ein gutes Restaurant. Wir sind froh wenn
man die Biere überall in der Welt genießen kann. Auf der
anderen Seite braucht man natürlich auch die Sicherheit. Man sieht
es daran wenn ein Electrolux Konzern schließt oder bei BenQ
Siemens etwas schief läuft. Da ist man wieder heilfroh wenn man
den Unternehmer vor Ort hat und weiß der steht zu seinem Produkt.
So ähnlich wie es ein Claus Hipp macht. Auch wir stehen genauso
dafür. Da gibt es ein schönes Beispiel: Jeder Konzern ist ein
großer Stein, füllt man diese in ein Glas, so entstehen
viele Zwischenräume. Genau in diesen Zwischenräumen
können wir gerade mit unserem Weißbier hervorragend
arbeiten. Wir gehen über ein anderes Design. Tradition und Moderne
fließen bei unserem Etikett mit ein. Flexibilität,
Authentizität, Schnelligkeit und auch Leistungsfähigkeit sind
unsere Merkmale und zeichnen uns aus.
MOHR:
Nach dem Anteilsverkauf von 35% an Veltins haben sie sich entschieden
einen Rückkauf vorzunehmen und alles, sprich 100% der
Firmenanteile wieder in den Familienbesitz zu bringen? Was gab den
Ausschlag für diesen Rückkauf und was hatte Sie dazu bewogen
Firmenanteile vorher zu verkaufen?
Jeff Maisel: Die
Brauerei Maisel ist groß geworden durch das Champagner Weizen und
durch viele Brauereien, die unser späteres hefehaltiges
Weißbier mit in ihr Sortiment aufgenommen haben. Diese Brauereien
haben aber nach und nach ihr eigenes Weizen produziert. Mitte der 90er
Jahre flachte uns dies zu sehr ab und stagnierte später. Wir
konnten das nicht mehr auffangen und brauchten daher eine neue
Strategie. Wir wollten definitiv nicht verkaufen. So kamen wir auch auf
die Familienbrauerei Veltins, eine Brauerei ohne eigenes Weißbier
und genauso flexibel, authentisch, schnell und leistungsfähig wie
wir. Veltins wollte hier die Mehrheit und so haben wir uns für
eine Allianz mit Veltins entschieden. Es hat sehr gut funktioniert und
wir konnten 2-stellige Zuwachsraten verbuchen. Im Gesellschafterkreis
hat es aber verschiedene Meinungen gegeben und so gab es immer wieder
Reibereien, wie denn die Ausrichtung der Marke in der Zukunft sein
soll. Nach längerem hin und her und viel Rechnerei haben wir uns
darauf geeinigt, unseren Anteil zurück zu kaufen. Die
Vertrieibsallianz bleibt aber weiterhin bestehen. So können wir
uns wieder zu 100% authentisch zeigen und unsere
Au-ßendienstmitarbeiter haben wieder das typische Maiselgesicht.
Herrn Huber von der Brauerei Veltins muss ich aber wirklich ein
Kompliment machen. Mit ihm kann man noch mit Handshake- Agreement
arbeiten. Man ist ein Unternehmer, was bedeutet etwas zu unternehmen
und nicht zu unterlassen. Insgesamt kann sich aber unser Motto: Machs
auf deine Weisse, einfach in einem Konzern nicht umsetzen. Das ist
etwas Besonderes und wir werden so in dem Biermarkt als
mittelständisches Unternehmen sehr gut leben.
MOHR: Wie sehen Sie den Biermarkt heute und wie in 10 Jahren?
Jeff
Maisel: Wir werden uns die Verände-rungen der Bedürfnisse in
der Zukunft ansehen. Schließlich ist es so, dass die
Bevölkerung immer älter wird. Wir haben bereits jetzt einen
Mehrwegkasten mit 4er — Gebinde auf den Markt gebracht. Es wird
sicher noch weitergehen. Der Biermarkt wird weiter rückläufig
sein. Nicht jedoch der Weissbiermarkt, gerade im Norden und Osten wird
dieser noch steigen. In der Gastronomie gibt es bereits einen relativ
hohen Weissbieranteil. Insgesamt sind wir mit dem Weißbier in der
richtigen Nische. Der Erhalt der Biervielfalt wird von den Konsumenten
in den Jahren anerkannt. Es muss aber eine Spezialität bleiben und
soll auch von der Mund-zu-Mund Propaganda leben.
MOHR: Wie sieht der Erfolg der Brauerei im Ausland aus?
Jeff
Maisel: Der russische Markt ist beispielsweise für uns ganz
interessant. Letzte Woche war ich erst in Moskau und auch die Aussage,
dass sich dort unser Bier hervorragend verkauft ist sehr schön und
man erkennt daran, dass der ausländische Markt noch viel Potenzial
hat.
Anmerkung der Redaktion: Die russische Polizei wollte Jeff
Maisel verhaften. Leider ist er, um sich für ein Erinnerungsfoto
in Szene zu setzen, über die Absperrung vor dem Leninmausoleum
getreten und wurde sofort von der russischen Polizei festgehalten. Da
er keine Papiere dabei hattet, gab es einige Komplikationen. Doch mit 4
Flaschen Maisel‘s Weisse und einer Visitenkarte konnte man sich
"einigen".
MOHR:
Die Brauerei Maisel fördert den Vereins- bzw. den Breitensport.
Seit wann tut man dies und wie zeigt sich das?
Jeff
Maisel: Den Breitensport fördern wir seit ca. 25 Jahren. Wir haben
immer versucht den Vereinen im Umland gewisse Unterstützung zu
bieten. Anfang der 80er Jahre strukturierten wir das Programm
,,Maisel‘s Weisse fördert Sport“. Da haben wir
beispielsweise Bälle, Netze etc. gekauft.
Heute laden wir
alle Vereinsvertreter regelmäßig in wechselnde Vereinsheime
ein und übergeben ihnen dort Schecks über gewisse
Geldbeträge. Das ist mittlerweile zu einem schönen Event
herangewachsen, bei dem stets ein reger Erfahrungsaustausch herrscht.
Uns
ist die gesamte Region wichtig und wir versuchen unsere Kräfte auf
alle zu verteilen. Aber auch im Bayreuther Spitzensport sind wir
spürbar positiv vertreten und ein tragendes Element.
MOHR: Die Brauerei besitzt das umfangreichste Biermuseum der Welt. Wie viele Gäste besuchen jährlich das Museum?
Jeff
Maisel: Jährlich besuchen unser Museum im Schnitt 25.000 Menschen.
Das ist ein sehr schönes Erbe und da können wir wirklich
zeigen, wo wir herkommen und wie wir früher produziert haben. Ich
bin sehr stolz darauf.
MOHR: jetzt wieder mehr zu ihnen. Wo trifft man Sie am häufigsten in ihrer Freizeit?
Jeff
Maisel: Ich bin ambitionierter Fußballer. Trotzdem kann ich
besser Bier herstellen als Fußball spielen. Ich gehe auch viel
mit meinem Hund joggen. Sonst bin ich immer mal in verschiedenen
In-Points in Bayreuth zu sehen. Früher war ich auch öfters in
Diskotheken aber heute hat das schon nachgelassen — wäre
gerne noch mal 20 Jahre alt (lacht). Für mich ist immer noch der
Donnerstag der typische Weggehtag.
MOHR: Wie Ist der Rest der Familie Maisel im Betrieb integriert?
Jeff Maisel: Andreas Maisel ist Vorstand der Bayreuther Bierbrauerei und da Ansprechpartner.
Zudem
kümmert er sich um den kompletten Fuhrpark. Er unterstützt
mich bei Kundenbesuchen und hat den Heimatmarkt voll in seiner Hand.
Auch mein Vater und mein Onkel lassen sich regelmäßig noch
bei Kunden sehen und gehen sonntags im Umkreis essen. Da habe ich gar
keine Chance. Da besteht der Bierbezug seit 50 oder 75 Jahren und
diejenigen freuen sich mehr wenn sie meinen Vater oder Onkel sehen.
MOHR: Wie sieht ein Arbeitstag im Leben von Jeff Maisel aus?
Jeff
Maisel: Also ich bin täglich um 7 Uhr da. Hauptsächlich bin
ich zuständig für den gesamten Brauereibetrieb. Das
schöne ist, dass ich hier sehr gute Leute habe, auf die ich mich
verlassen kann. Man tauscht sich regelmäßig mit Marketing,
Vertrieb und Verwaltung aus. Es ist wirklich Teamarbeit. Je nachdem wie
viel Zeit man hat, lass ich mich auch im Betrieb sehen. Einfach mal
durchlaufen und auf die Schulter klopfen, und Besprechungen mit der
Mannschaft führen. Letztlich ist es aber immer so, dass der Tag zu
wenig Stunden hat.
MOHR:
Abschließend noch eine wichtige Frage, die wahrscheinlich die
Meisten interessiert. Wissen Sie, welches Programm uns diesmal zum
Welssbierfest 2007 erwartet?
Jeff Maisel: Es steht
alles bis auf den Hauptact. Der Samstagabend ist noch in Schwebe.
Donnerstag ist definitiv, einhundertprozentig, die ultimativ letzte
Schaumparty. (lacht)
Am Freitag erwartet uns eine Covernight, zu
der es im vornherein im Herzogkeller einen kleinen Wettbewerb gibt. So
geben wir regionalen Bands die Möglichkeit, was sehr wichtig
für mich ist, vor großem Publikum bei uns am Weissbierfest
aufzutreten. Denn das Einzugsgebiet ist sehr groß und so
verhelfen wir auch den Bands zu überregionaler Bekanntheit. Wir
haben eine wirklich gute Bandszene hier und versuchen diese weiterhin
zu pushen.
MOHR: Wir
bedanken uns recht herzIich für ihre Zeit und das angenehme
Gespräch mit ihnen. Vielen Dank und ein gesundes und erfolgreiches
Jahr
2007
