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Fotograf
Ein
abenteuerliches Leben, immer mit einem Bein im Gefängnis,
führte der 1844 in Bayreuth als Sohn eines Rechnungsrevisors
geborene Joseph Teufel. Während es sein älterer Bruder Carl
Teufel zu einem angesehenen Fotografen in München brachte, der in
der Sendlinger Straße ein eigenes Atelier betrieb, führte
Josephs Laufbahn konstant bergab. Am Ende seines Lebens hatte er ein
knappes Dutzend Strafen wegen Betrugs und Landstreicherei, wegen
Urkunden- und Wechselfälschung aufzuweisen. Er selbst gab im Juli
1885 in Graz, wo er eine sechsjährige Haftstrafe
verbüßt hatte, zu Protokoll:
,,Im Jahre 1856 kam
ich auf das Gymnasium zu Bayreuth... Nach Absolvierung der 4.
Gymnasialklasse trat ich bei dem Photographen Wolfram in Bayreuth in
die Lehre und bileb bei diesem bis zum Jahr 1863. Hierauf trat ich in
die Lehre bei Herrn Kunstmaler Dietz in Bayreuth und blieb bei diesem
ein halbes Jahr. Im Jahr 1864 ging ich nach Afrika, nachdem ich mich
in Metz zur französischen Fremdenlegion unter dem Namen "Joseph
de Reuth" engagieren ließ. Im Jahre 1867 kehrte ich von
Afrika nach Europa zurück und reiste über Paris nach
Bayreuth, wo ich im Febwar 1868 eintraf.“
Nach einem
kurzen Zwischenspiel als Journalist bei der Oberfränkischen
Zeitung in Bayreuth begab sich Joseph Teufel wieder für zwei
Jahre zur Fremdenlegion. Ab 1875 war er, wie er selbst schreibt,
,,zumeist in österreichischen Strafanstalten“. Die
österreichischen Behörden wollten Teufel nun abschieben, nur
wussten sie nicht, wohin. ,,Joseph de Reuth“ behauptete, in
Straßburg geboren und in Oran in Algerien beheimatet zu sein.
Nach vergeblichen Nachforschungen der Behörden in Frankreich gab
Teufel endlich seine wahre Identität zu, die mit Hilfe einiger bei
ihm gefundener Porträtfotografien von seinen Brüdern Max und
Carl Teufel bestätigt wurde. Vier Tage später traf Teufel in
Bayreuth ein, begab sich jedoch sofort zu Fuß nach München,
wo er in der nächsten Zeit bei seinem Bruder als Fotograf
arbeitete. Sein Plan zur Gründung eines eigenen kleinen
Fotoateliers scheiterte.
Offenbar hat Teufel danach seinen alten
Lebenswandel wieder aufgenommen, denn die letzte Nachricht von ihm
kommt aus dem Kanton St. Gallen, wo er vom Bezirksgericht
Obertoggenburg zu sechs Monaten Arbeitshaft verurteilt wurde. Seine
Beurteilung durch den Bayreuther Stadtmagistrat aus dem Jahre 1861
hatte sich bewahrheitet: ,,Der Leumund des Teufel ist ein sehr
getrübter, sein Leben war von frühester Jugend an das eines
Abenteurers.“