Dr. Jula Dittmar


* 25.04.1887 (Nürnberg)
† 23.03.1976 (Bayreuth)

Sie ist vielen Bayreutherinnen und Bayreuthern noch bekannt als das "Fräulein Doktor" oder, wie sie auch respekt- und liebevoll genannt wurde, als "die Jula". Sie hat durch die Ausübung ihres Berufes sicherlich zu einer Veränderung des Frauenbildes der 20er Jahre beigetragen.

Sie war die erste Bayreuther Ärztin und übte ihre ärztliche Praxis mehr als 40 Jahre lang in der Sophienstraße 29/II aus. Das "Fräulein Doktor" war schon in den 20er Jahren bei Wind und Wetter mit Motorrad und Arzttasche unterwegs, behandelte die vielen ärmeren Patienten auch ohne nach Geld zu fragen, sodass sie am Ende selbst zu wenig davon hatte, und ihre letzten Jahre in sehr bescheidenen Verhältnissen verbringen musste.
Am 5. Juli 1922 war sie wohl mehr oder weniger unfreiwillig Thema der Stadtratssitzung. In den ersten Monaten ihres Schaffens fiel der niedrige Lohn auf, den sie als Schulärztin im Vergleich zu ihren Berufskollegen erhielt. Seitens des ärztlichen Bezirksvereins wurde ihr Lohn, der sich auf M 600.- belief, als "statusunwürdig" bezeichnet. Deshalb drohte man damit, dem "Fräulein Doktor" die Ausübung ihrer Tätigkeit zu untersagen. Der Stadtrat einigte sich dann vorerst darauf, Erkundigungen bei anderen Städten einzuholen, um zu erfahren, wie diese mit einer Problematik solcher Art umgingen.
Vergegenwärtigt man sich die Zahl der Ärztinnen in Deutschland von 1925, es waren insgesamt 2720, so erleichtert dies die Vorstellung des damals Ungewöhnlichen. Furore machte sie nicht nur damit, dass sie ihre Hausbesuche auf dem Motorrad machte, sondern auch damit, dass sie zu einer Zeit Bergtouren unternahm, als das für Frauen noch völlig ungewöhnlich war.
Auch ihr politisches Engagement sprengte die traditionellen Rollenvorstellungen: Jula Dittmar war eine engagierte und überzeugte Liberale. Schon am 19. Februar 1923 wurde sie zu einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Demokratischen Partei gewählt. Sie kandidierte am 7. Dezember 1924 auf der Liste ihrer Partei erstmals für den Bayreuther Stadtrat (Platz 3 auf der Liste der Deutschen Demokratischen Partei). Sie war für die FDP Mitglied des ersten Nachkriegsstadtrats. Am 30. Mai 1948 wurde sie erneut in den Stadtrat gewählt. Sie trat im März 1949 aus gesundheitlichen Gründen als Stadträtin zurück und kandidierte noch einmal bei der Wahl am 30. März 1952 auf Platz 2 der FDP-Liste.

Quelle: 20, 75