Generalmusikdirektor Karl Muck, langjähriger Dirigent der Bayreuther
Festspiele, Ehrenbürger.
1926 feiert Bayreuth wieder ein Jubiläum: 50 Jahre Bayreuther
Festspiele. Am 13. August 1876 fand die erste Aufführung im
Festspielhaus statt.
Am 11. August 1926 tritt der Stadtrat unter der Leitung des Oberbürgermeisters
Preu
zusammen. Preu gedenkt in einer Rede dieser fünfzig vergangenen
Jahre. Er umreißt kurz diese Epoche und dankt gleichzeitig allen
Personen, die sich um das Werk Richard Wagners verdient gemacht haben,
die für die Festspiele Zeit und Geld opferten und die den Ruf
Bayreuths in die Welt hinaustrugen. Preu schlägt dem Stadtrat vor,
mehrere Ehrungen für den 13. August zu beschließen. Unter
anderem an Richard Wagners Grab einen Kranz niederzulegen und dem nach
Hans Richter berühmtesten Dirigenten, Dr. Karl Muck das Ehrenbürgerrecht anzutragen:

"... Die Goldene Bürgermedaille, verbunden mit dem
Ehrenbürgerrecht der Stadt Bayreuth, wird verliehen dem Herrn
Generalmusikdirektor Dr. Karl Muck, zur Zeit hier, als dem großen
Dirigenten aus Bayreuths größter Zeit und dem treuen Freunde
des Hauses Wagner und unserer Stadt."
Dr. Karl Muck wurde am 22. Oktober 1853 als Sohn des Ministerialrates
Dr. J. Muck in Darmstadt geboren. Er studierte zunächst in
Heidelberg, später, ab 1877, am Konservatorium und an der
Universität in Leipzig, wo er zum Dr. phil. promovierte. Schon
1880 trat er, erst 21-jährig, erfolgreich als Pianist auf, wandte
sich dann aber bald der Kapellmeistertätigkeit zu. Zuerst wirkte
er in Zürich, dann in Salzburg, Brünn und Graz. In all diesen
Städten dirigierte er die Orchestri an der jeweiligen Oper mit
sehr großem Erfolg. Während dieser Zeit leitete er auch die
Symphoniekonzerte des steiermärkischen Musikvereins. Im Juli 1886,
im jungen Alter von siebenundzwanzig Jahren, kam er als erster
Kapellmeister an das Deutsche Theater Pag. Von hier aus machte er eine
Reise als "Nibelungendirigent" durch Russland. Sein Erfolg als Dirigent

der Erstaufführungen von "Cavalleria rusticana" und "Der Barbier
von Bagdad" im Jahre 1891, war so groß, dass man ihn 1892 zum
Hofkapellmeister in Berlin ernannte. Hier gelang es ihm, sich bald
einen angesehenen Namen im Musikleben zu schaffen.
Ausgedehnte Reisen durch Frankreich, Spanien, Russland und andere
Länder brachten ihm auch hier große Triumphe als Dirigent.
1908 wurde er zusammen mit Richard Strauss zum Generalmusikdirektor
ernannt, nach dem 1. Weltkrieg verließ er die Berliner Oper, der
er von 1892 bis 1912 angehörte und leitete von 1922 bis 1935 die

philharmonischen Konzerte in Hamburg. Einmal reiste Karl Muck
während dieser Zeit noch nach Berlin, um als Ehrengast der
Staatsoper im April 1926 den "Ring der Nibelungen" musikalisch zu
leiten.
Nach Bayreuth kam Dr. Karl Muck als Dirigent zum ersten mal im Jahre
1901, um mit Hans Richter,
Felix Mottl und
Siegfried Wagner die
Orchesterleitung zu übernehmen. Muck wurde die musikalische
Leitung des "Parsival" übertragen, der Oper Richard Wagners, mit
der Muck sich immer "am innigsten verbunden fühlte". Auch nach dem
Weltkrieg folgte Dr. Muck gerne dem Ruf Bayreuths. Von 1901 bis 1930
wirkte er in all den Jahren ohne Ausnahme als Orchesterleiter im
"Parsival". Die Bayreuter Festspiele wurden in diesen dreißig
Festspieljahren unter Mucks Leitung zu einem bestehenden Begriff in der
Musikwelt. Neben dem "Parsival" dirigierte er in Bayreuth nur den
"Lohengrin" im Jahre 1909 zusammen mit Siegfried Wagner und 1925 die
"Meistersinger von Nürnberg".
Am 4. März 1940 ist Dr. Karl Muck im Alter von 81 Jahren in Stuttgart verstorben.