Karl Seeser

* 05.07.1906 (Bayreuth)
† 07.12.1981 (Bayreuth)

Karl Seeser wurde am 5. Juli 1906 in Bayreuth als Sohn des späteren sozialdemokratischen Stadtrates und Bürgermeisters Adam Seeser geboren und am 07.12.1981 unter großer Anteilnahme vieler Menschen, die ihn schätzen gelernt hatten, als Ehrenbürger seiner Vaterstadt zu Grabe getragen. Dazwischen lag das bewegte und erfolgreiche Leben eines Mannes, der sein Leben der Demokratie, dem Kampf für soziale Gerechtigkeit in einem freiheitlichen Rechtsstaat verschrieben hatte und deshalb in der Geschichte der SPD in Bayreuth einen herausragenden Platz einnimmt.

Vom Elternhaus politisch geprägt, fand er schon in jungen Jahren den Weg zu aktiver Tätigkeit für die SPD. Seit 1928 arbeitete er mit dem Elan eines 22jährigen Idealisten als Reporter für die "Fränkische Volkstribüne" und nahm am politischen Geschehen jener harten und bewegten Jahre der Weimarer Republik ohne Schonung seiner Person Anteil in vorderster Front. 1933 verhinderten die Nationalsozialisten den gewählten Stadtrat am Einzug in das Rathaus. Damals verteilten Karl Seeser und sein Freund Georg Ernst als aktive Mitglieder einer Widerstandsgruppe Flugblätter der verbotenen SPD im Frankenwald. Das Material - es handelte sich um einen Abdruck der Rede Otto Wels und einen Aufruf des Landesausschusses der SPD in Bayern - hatten beide vom ehemaligen Landtagsabgeordneten Julius Steeger erhalten. Diesem waren die gefährlichen Schriften in handlichen Rollen aus Nürnberg zugesandt worden. Nach ihrer Aktion, bei der sie sehr leichtsinnig agierten, wurden Karl Seeser und Georg Ernst in Bayreuth festgenommen und nach St. Georgen eingeliefert. Zusammen mit Friedrich Puchta, Claus Pitroff und Edmund Hacke wurde Seeser ins KZ Dachau verbracht, nach seiner Freilassung erneut für kurze Zeit inhaftiert und danach in seiner bürgerlichen Existenz bedroht und bekämpft, weil seine Gegner den ungebrochenen Sozialdemokraten fürchteten und hassten. Im Zusammenhang mit der Verhaftung von Oswald Merz wurde Karl Seeser wiederum für kurze Zeit ins Gefängnis geworfen. Nach kurzer Haft mußte er schweren Herzens seine Vaterstadt verlassen, weil ihm die Nazis keine Möglichkeit ließen, in ihr seine Familie zu ernähren. Er ging nach Aschaffenburg, wo ihm sein alter Arbeitgeber, die Konsumgenossenschaft, Arbeit und Existenzgrundlage bot. 1940 wurde er Soldat und kehrte erst 1946 in das vom Krieg hart getroffene Bayreuth zurück.

Seine leidvollen Erfahrungen mit der Politik hatten ihn nicht bitter gemacht, nicht zur Resignation und Flucht in das beschauliche Leben des Privatmannes veranlasst, sondern im Gegenteil bewogen, sich den schweren Aufgaben der Nachkriegsjahre zu stellen. Die SPD berief ihn 1948 in den ersten demokratischen Stadtrat. Dort wirkte er zunächst als Mitglied der SPD-Fraktion, von 1953 - 1972 als ihr Vorsitzender mit großem persönlichen Einsatz und nachhaltigem Erfolg hei der beispielhaften Aufbauarbeit unter den sozialdemokratischen Oberbürgermeistern Rollwagen und Wild maßgeblich mit. Seine besondere Zuwendung galt immer den sozial Schwachen, seine Verpflichtung den Gesamtinteressen der Stadt. In seiner politischen Arbeit fand er stets das Vertrauen seiner Parteifreunde wie auch den Respekt aller, die zwar politisch anders orientiert waren, jedoch in der demokratischen Überzeugung ihm verbunden sein konnten.

Karl Seeser, in der Verfolgung bewährter, in der Verantwortung hochverdienter Sozialdemokrat, als Mensch bescheiden und liebenswert geblieben, als Freund ein Geschenk, hat die Geschichte der SPD in Bayreuth beispielhaft mitgestaltet.

Quelle: 65

Ebenfalls am 5. Mai 1972, einem Tag vor der offiziellen Eröffnung des neuen Bayreuther Rathauses, bekommt auch Karl Seeser den Ehrenbürgerbrief zusammen Dr. Fritz Meyer überreicht während der ersten Sitzung, die der Stadtrat im Sitzungssaal des neuen Rathauses abhält.
Wie Dr. Meyer schied auch Karl Seeser nach über 25-jähriger Tätigkeit aus dem Stadtrat aus. Er bekam das Ehrenbürgerrecht "in Anerkennung seiner Verdienste und als maßgebender Exponent der erfolgreichen kommunalen Aktivität der Stadt nach 1945."

Oberbürgermeister Wild würdigte seine Leistungen beim Wiederaufbau "im Dienst der Heimatstadt" und unterstrich, dass Seeser zusammen mit Dr. Meyer trotz verschieden verlaufener Lebenswege und über die Parteigrenzen hinweg freundschaftliche Bindungen unterhalten habe, und dass beide ihren "sachverständigen und menschlichen Einfluss zum Besten der Gesamtheit der Bürger eingesetzt" hätten.

Auch Seeser war schon vor 1933 in der Stadtratsarbeit tätig gewesen und hatte in Würdigung seiner besonderen kommunalpolitischen Verdienste" mit Dr. Meyer am 21. Juli 1965 die Goldene Bürgermedaille überreicht bekommen. Seeser hatte sich von Anfang an auf den Standpunkt gestellt, dass nach dem Krieg der Wiederaufbau öffentlicher Einrichtungen, wie Schulen, Wohnungen, Arbeitsplätze vorrangig zu behandeln sei. So befürwortete er auch die Einrichtung des neuen Rathauses, das den Schlussstein im Wiederaufbau der Stadt setzte.

Karl Seeser wurde am 5. Juli 1906 geboren. Schon in jungen Jahren arbeitete er für das Wohl der Stadt. Den Sitzungssaal des Bayreuther Rathauses hatte er 1928 erstmals als Reporter betreten. Wenig später war er ein Stadtratsmitglied geworden. Aber trotz rechtmäßiger Wahl wurde ihm der Einzug in das Rathaus im Jahre 1933 durch Gewalt verwehrt. Bei der Ernennung Hitlers und Hindenburgs zu Ehrenbürgern (1933) "konnte" er an der Stadtratssitzung nicht teilnehmen, weil er sich in "Schutzhaft" befand. Diese sogenannte Schutzhaft sah so aus, dass er in das Konzentrationslager Dachau gebracht worden war.

Nach dem 2. Weltkrieg stellte sich der spätere Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft Bayreuth sofort wieder zur Verfügung. 1948 wurde er als SPD-Stadtrat wiedergewählt. In den Jahren von 1953 bis 1972 war er der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion.
Am 7. Dezember 1981 verstarb Karl Seeser in Bayreuth.

Quelle: 31