Generalmusikdirektor, langjähriger Dirigent der Bayreuther Festspiele,
Ehrenbürger.
Hans Knappertsbusch wurde am 12. März 1888 in Elberfeld geboren. Sein
früh geäußerter Wunsch, Musik zu studieren, wurde von
seinen Eltern - Knappertsbusch entstammte einer wohlhabenden
Fabrikantenfamilie - strikt abgelehnt. Trotzdem schrieb er sich
während seines Philosophiestudiums in Bonn am Kölner
Konservatorium ein. Vom Leiter der Dirigentenklasse, Fritz Steinbach,
wurde er damals als "unbegabter Schüler" bezeichnet. Nach seiner
Dissertationsarbeit "Über das Wesen der Kundry in Wagners
Parsival" begann er seine Theaterlaufbahn. Sein Weg führte
über Barmen-Elberfeld und Holland, wo er als 26-jähriger 1914
erstmalig den "Parsival" dirigierte, nach Leipzig, Dessau und
schließlich nach München, wo er 1922 der Nachfolger Bruno
Walters wurde und der dortigen Staatsoper über zehn Jahre lang
"glanzvoll als Generalmusikdirektor und Generalintendant vorstand".
1935 allerdings kam es zum offenen Bruch mit dem Hitlerregime. "Aufs
schwerste in seiner künstlerischen Ehre beleidigt", zwang man ihn,
seine Ämter am Nationaltheater abzugeben und nach Wien "ins Exil"
zu gehen, wo er von 1938 bis 1945 wirkte. Doch auch seine triumphale
Rückkehr nach München im Jahre 1945 stand unter einem
"unseligen Stern": Die Besatzungsmacht verhängte über ihn ein
Dirigierverbot von drei Jahren. Erst 1948 stand Knappertsbusch wieder
am Dirigentenpult, diesmal bei dem neugegründeten Bamberger
Symphonieorchester, das sich unter seiner Leitung den ersten Ruhm
erwarb. 1954 übernahm Knappertsbusch wieder die musikalische
Leitung der Münchner Staatsoper; er wurde Generalmusikdirektor auf
Lebenszeit.
Doch die "Heimat seiner künstlerischen Sehnsucht" blieb Bayreuth.
Schon in den Jahren 1909 bis 1912 hatte er hier unter Siegfried Wagner
assistiert und dabei in Hans Richter ein Vorbild gewonnen, das ihn mit
der authentischen Wagner-Interpretation vertraut machte. Es war daher
ein großer Augenblick in seinem Leben, als er 1951 beim
Wiederbeginn der Festspiele zum ersten Mal in Bayreuth - neben seinem
Antipoden Karajan - den "Parsival" und den "Ring" dirigieren durfte.
Aber es konnte nicht ausbleiben, dass es zwischen ihm, dem "Bewahrer
einer geheiligten Tradition", und Wieland Wagner, dem "ruhelosen
Neuerer", zu Spannungen kam. Da Wieland in seinem Bestreben, die
Festspiele zu modernisieren, nicht nachgab, blieb Knappertsbusch, der
seit 1951 jedes Jahr in die Wagnerstadt kam, Bayreuth ein Jahr lang
grollend fern. Dass er dennoch zurückkam und seinen Platz am
Dirigentenpult wieder einnahm, beweist, dass er, der Souverän, der
nie und nirgends von seinen Prinzipien abgewichen war,
"Größe genug besaß, sie der höheren Aufgabe, dem
Dienst am Werk Richard Wagners unterzuordnen".
1953 also war ihm "die Sache Wieland Wagners" zu weitgegangen. Aber
1954 kam er wieder, jedoch lehnte er ab - wie Toscanini - irgendein
Honorar anzunehmen mit der Begründung: "Ich bin nur um der Sache
willen da!"
Vielleicht kann man es als Versöhnungsgeschenk ansehen, dass
Bayreuth Knappertsbusch gerade 1953, zum 65. Geburtstag des
Künstlers am 12. März, das Ehrenbürgerrecht antrug. Eine
Geste, über die sich der große Dirigent aber sehr freute.
Sollte er deshalb im darauffolgenden Jahr wieder nach Bayreuth
zurückgekehrt sein?
Knappertsbusch bedankte sich mit folgendem Schreiben für die Ehrung:
"Jedem einzelnen der verehrten Stadträte drücke ich mit tief
empfundener Dankbarkeit die Hände für die große Ehre
und Auszeichnung, von nun an ihr Mitbürger sein zu dürfen!
Von allen Auszeichnungen, die mir in meinem langen Leben schon zuteil
wurden, bedeutet mir der "Bayreuther Ehrenbürger" die
höchste! ... "
Nach langer Krankheit starb Hans Knappertsbusch am 25. Oktober 1965 in seinem Heim in München.