Johann Sebastian König

* 24.03.1741
† 10.03.1805
Bayreuther Justizrat und Chronist

von Karl Müssel
Das Leben Königs

Johann Sebastian König wurde am 24. März 1741 in Bayreuth als Sohn des Hoftanzmeisters und Kammermusikers Caspar König geboren. Sein Vater lässt sich ab l739 in Bayreuth nachweisen, und zwar als Violinist und "1. Accompagnist" in der Hofkapelle. Er war vermutlich der Sohn des Königlich-polnischen Kammermusikus Anton Balthasar König aus Dresden, der l729 in Bayreuth im Alter von 64 Jahren gestorben war. Johann Sebastians Mutter war Anna Maria, die älteste Tochter von Georg Christoph Zimmermann, einem ansbachischen Pfarrer in Büchenbach bei Roth. Getauft wurde Johann Sebastian bei der Hofgemeinde, d. h. in der damals noch evangelischen Schlosskirche. Den Taufritus vollzog Oberhofprediger Johann Christoph Silchmüller, der Hauptvertreter des Bayreuther Pietismus. Als Pate wird Kapellmeister Johann Pfeiffer genannt, jener Mann, den Markgräfin Wilhelmine schätzte und zum Lehrer für Komposition auswählte. Ein weiterer Taufpate war der markgräfliche Kammerdiener Johann Sebastian Liebhard. Johann Sebastians Vater war zweimal verheiratet. In erster Ehe hatte er l729 Cunigunde Margareta, die Tochter des dem Pietismus ergebenen Umgelders Wolfgang Adam Neudecker geheiratet, die 1732 einem Sohn das Leben schenkte, der aber noch im gleichen Jahr starb. Auch die Mutter des Kindes ist offenbar bald darauf verstorben. 1737 heiratete Caspar König zum zweiten Mal. Diese zweite Frau, Anna Maria, geb. Zimmermann, gebar ein Söhnlein Wilhelm Andreas, das schon 1738 starb. Erst das zweite Kind dieser Ehe, der 1741 geborne Johann Sebastian, überstand die Kleinkinderkrankheiten und wuchs zur Freude der Eltern auf.
Für die berufliche Tätigkeit des Vaters Caspar König gibt es Beobachtungen, dass nicht alles nach Wunsch verlief. Über seine früheste Bayreuther Tätigkeit ist nichts bekannt. Obwohl Caspar König unter Kapellmeister Pfeiffer zu den ältesten Musikern zählte, gelang es ihm nicht, sich weiter voranzuarbeiten. Wenn man Königs Nennung in den Hofkalendern verfolgt, ist sogar statt einer Karriere eine Zurückstufung augenfällig: Noch 1741 bis 1743 war nämlich Caspar 1. Violinist unter sechs Geigern, 1749 ist er der zweite, 1750 der dritte und l756 erscheint er erst als Nr. 4 hinter Johann G. Richter, einem Italiener Biantolino (?) und Christian Samuel Hofmann. An vierter Stelle rangierte er auch noch 1760. Ob er bis zuletzt der Hofkapelle angehörte, ließ sich nicht mehr feststellen. Caspar König starb am 8. April 1761 in Bayreuth im Alter von 64 Jahren.

Das kleine Giebelhaus, Maxstraße 27
(heute Perfümerie Douglas), war das
Geburts- und Wohnhaus von Johann
Sebastian König.
Johann Sebastians Geburtshaus und langjähriges Wohnhaus wird im Rissebuch als Nr. 65 mit der Besitzerfolge geführt "Umgelder Wolfgang Adam Neudecker 24. Juli 1696 - Hoftanzmeister König Caspar, der die Neudecker Tochter gehabt nunc II. Justizrath und Registrator Joh. Seb. König seit 1760". Es ist das heutige Haus Maxstraße 27, für das sich aus den Eintragungen entnehmen lässt, dass es Caspar König als Schwiegersohn Neudeckers übernahm und an seinen Sohn weitervererbte. Das Haus ist eines der kleineren alten Giebelhäuser am Bayreuther Marktplatz, die ohne barocke Veränderungen in unsere Zeit gekommen sind, wohl aus dem 17. Jahrhundert stammen, sich aber heute mit modernen Ladeneinbauten und modernen Fenstern präsentieren. Mit nur drei Achsen an der Giebelseite ist das alte Haus eines der unscheinbarsten und niedrigsten Marktplatzhäuser. Es grenzt an das mit der Traufseite am Marktplatz liegende Wohnhaus des Oberhofpredigers Caspar von Lilien, der schon 1670 über dem Portal sein barockes Ehe-Wappen anbringen ließ. Beim Wohnhaus Nr. 27 erwähnt Gebeßler nur als bemerkenswert, dass die Fenster "mit proftiertem Gewände" versehen waren.

Man kann sich mit einiger Phantasie recht gut vorstellen, was der kleine Johann Sebastian von den Fenstern dieses Hauses miterlebte. Als Kind muss er die Versetzung des großen Markgrafenbrunnens vom Schloss zur Rennbahn, an den jetzigen Standort mitverfolgt haben. Von seinem Fenster aus konnte er das Alte Schloss sehen und damit Durchreisende und Besucher beobachten. Fama- und Herkulesbrunnen zierten bereits in seiner Kindheit den Marktplatz. Die Errichtung des Neptunbrunnens 1755 erlebte er als 14jähriger.
In den fünfziger Jahren durchlief Johann Sebastian Lateinschule und Gymnasium Christian-Ernestinum in seiner Vaterstadt. Sein Eintritt in diese Schule ist zwar nicht belegt, in der eigentlichen Matrikel ist er nicht zu finden. Doch dürfte das mit dem Schicksal dieser Schule zusammenhängen, die nach der Gründung der Friedrichsakademie und nachmaligen Universität sichtlich im Schatten der Hochschule stand und in mancher Hinsicht vernachlässigt blieb.

Nicht zufällig steht in der Matrikel für 1759: "Nachdem das Collegium illustre Christian-Ernestinum seit der Gründung der Erlanger Akademie im Jahre 1742 verschiedenen Wechselfällen ausgesetzt war, durften wir endlich erleben, dass es durch die Milde des erhabensten Fürsten FRIEDRICH gegen Ende des jüngst verflossenen Jahres unter guten Vorzeichen zur alten Würde erhoben und derart erneuert wurde, dass es zum Direktor hatte den gestrengen, erhabenen und höchst zu verehrenden Dr. German August Ellrodt, Generalsuperintendent und Konsistorialrat..." Hier folgen die Namen der Lehrer, die Johann Sebastian wohl mehr oder weniger lang und intensiv zu seinen eigenen zählen konnte. Besonders die Magister Johann Friedrich Braun, Wolfgang Ludwig Gräfenhahn, Johann Purrucker, Nikolaus Friedrich Stöhr und Lorenz Johann Jacob Lang, die in diesen Jahren auch als Verfasser lateinischer Orationen hervortraten, konnten als Lehrkräfte auch den jungen Johann Sebastian König prägen. Sicher gehörte zu seinen Lehrern auch Johann Peter Aubaret, der 1754 "Sprachmeister" für Französisch und 1758 Professor an der Bayreuther Kunstakademie war. Wie manche seiner Altersgenossen finden wir Johann Sebastian im "Album Baruthinum", einem Verzeichnis der Schüler des Christian-Ernestinums. Da es zu dieser Zeit noch keine Klassenverzeichnisse gab, können wir die Mitschüler nur über den Geburtsjahrgang ermitteln. Von den nahezu Gleichaltrigen lassen sich einige feststellen.
Johann Philipp Daniel Eichel, ein Sohn des Hofschatulliers Eichel, war Geburtsjahrgang 1740, besuchte 1754/61 das Bayreuther Gymnasium, ging zum Studium nach Erlangen und wurde dort 1772 Archivsekretär. Johann Heinrich Modrach, wie König Geburtsjahrgang 1741, besuchte 1757 bis 1761 das Bayreuther Gymnasium, studierte wahrscheinlich mit Johann Sebastian zusammen in Erlangen Rechtswissenschaft, wurde 1797 Polizeidirektor in Bayreuth, starb 1799. Johann Michael Münch ging ebenfalls 1761 von Bayreuth zum Studium der Rechte nach Erlangen und wurde schon 1771 Justizrat. Johann. Daniel Wetzel ging ebenfalls 1761 vom Christian-Ernestinum zum Studium der Rechtswissenschaft nach Erlangen, er wurde 1807 Justizdirektor in Neustadt/Aisch. Da die genannten Daten mehr zufällig festgehalten sind und keineswegs schon viel über die wirkliche Laufbahn und das Lebensschicksal aussagen können, wird man nur mit großer Vorsicht König mit den Genannten, die er wohl alle gut kannte, vergleichen können. Auffällig ist jedenfalls, dass mehrere seiner Mitschüler ganz ähnlich wie er über das Jurastudium in Erlangen Verwaltungsjuristen und Beamte wurden.
Nach seiner Schulzeit widmete sich auch König dem Studium der Rechtswissenschaft. Am 3. November 1759 wurde er an der Friedrichsuniversität in Erlangen immatrikuliert. In seinen Studienjahren gehörten zur juristischen Fakultät die Professoren Andreas Elias Roßmann, Carl Adolph Braun, Johann Justin Schierschmidt, der auch Professor der Philosophie war, ferner Johann Christoph Rudolph, Michael Gottfried Wernher und als außerordentlicher Professor August Gotthelf Schmuck. Während seiner Studienzeit, am 22. Oktober 1760, trat König auch der Deutschen Gesellschaft als Mitglied bei. Die Deutsche Gesellschaft fußte auf den Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts und war 1727 vom "Literaturpapst" Gottsched unter diesem Namen in Leipzig übernommen worden. Sie pflegte sowohl die Dichtung als auch die deutsche Sprache. Ihre Mitglieder traten mit Reden, Gedichten, Schriften und Übersetzungen hervor. Gottsched konnte allerdings seinen Plan, die Deutsche Gesellschaft zu einem deutschen Gegenstück der Academie francaise zu entwickeln, nicht realisieren. Seit 1740 hatte die Gesellschaft allgemein an Bedeutung verloren. Wer König 1760 in Erlangen zum Beitritt veranlasste, wissen wir nicht. Sicher war aber eine über das nüchterne Brotstudium hinweg in ihm schlummernde Neigung zu Literatur und Sprache damit verbunden.
Über den Abschluss seiner Studien sind wir nicht unterrichtet. Am 27. Mai 1762 leistete er den Eid als Advokat und Rechtspraktikant, am 19. Oktober l762 wurde er als Regierungsregistrators-Accessionarius in Pflicht genommen:
Er war damit Anwärter für den Verwaltungsdienst in der Regierung. Bemerkenswert ist, dass er im ersten Dokument als "König", im zweiten als "Koenig" unterzeichnete. Da beide Unterschriften in deutscher Schrift vorliegen und die einzigen bisher erreichbaren von seiner Hand sind, müssen wir beide Schreibungen gelten lassen, geben aber in der weiteren Darstellung der Schreibung mit ö den Vorzug.

Wie gering für die erste Zeit seine Einkünfte waren, verdeutlicht eine erhaltene Besoldungsliste für das Jahr 1765. Während der Premierminister (Ellrodt) fast 5000 Gulden kassierte, ein Kammerherr mindestens 800 Gulden bekam, blieben für den kleinen Registratur-Anwärter nur ganze 28 Gulden und 39 Kreuzer. l768 war König noch immer Accessionarius in der Bayreuther Regierungsregistratur, und zwar hinter Justizrat Georg Christoph Brunner, Johann Adam Kretschmann und Rupprecht Wilhelm Schirmer. Merkwürdigerweise fehlt König im Besoldungsetat für 1771. War er krankheitshalber beurlaubt, oder hat man ihn einfach vergessen?


Wer sich die Arbeit eines Registrators im 18. Jahrhundert nicht vorstellen kann, braucht nur im "Zedler" nachschlagen. Im einschlägigen Band, der in Königs Geburtsjahr erschienen war, findet man neben den Synonymen Nachschreiber, Unterschreiber oder Gerichtsschreiber für den Registrator folgende Erklärung: Dieser "ist ein Bedienter in einer Cantzeley oder Archiv, dem die Verwahrung der vorhandenen und täglich einkommenden Briefschaften, Schriften und Urkunden dergestalt anbefohlen, dass er dieselben ordentlich halten, in gewisse Verzeichnisse und Register bringen und ein jedes, wenn es erfordert wird, an seinem Ort zu finden wissen solle".
Das Wort "Accessionarius" ist im gleichen Nachschlagwerk als Stichwort nicht vertreten. Wohl aber findet man unter "Accessio" eine Erläuterung für "Accessisten", die wohl nur eine andere Schreibung hei gleichem Begriffsinhalt waren:
"Accessisten sind bey denen kayserl. Hof Aemtern in Wien alle diejenigen, welche die nächste Anwartung haben, bey erst ereigneter Vacanz vom demjenigen Amte, unter dessen Matricul sie stehen, wirklich in Besitz zu nehmen". Accessionarii waren vermutlich ganz ähnlich wie die Wiener Accessisten Anwärter auf ein bestimmtes Amt, hatten eine Universitätsausbildung hinter sich und befanden sich in einer Probezeit, deren Länge vom Freiwerden der "Planstellen" abhängig war.
Zeitpunkt und Ort der Eheschließung Königs ließen sich bisher nicht ermitteln. Man kann aber davon ausgehen, dass er 1763 oder 1764 Sophie Maria Deg geheiratet hat, die am 2. März 1765 als erstes Kind die Tochter Dorothea Sophia zur Welt brachte, die wie auch die folgenden Kinder in der Stadtkirche in Bayreuth getauft wurde. Dorothea Sophia heiratete 1794 in Eckersdorf Christoph Wilhelm Wagner. Als zweites Kind kam am 22. Oktober 1766 der Sohn Georg Friedrich Adam zur Welt, für den die beiden älteren Registratoren Georg Christoph Brunner und Johann Adam Kretschmann sowie der Hofprediger Friedrich Adam Ellrodt Pate standen. Das Kind, das wohl große Hoffnungen der Eltern auf sich vereinigte, starb schon am 26. Juni 1769. 1768 war dem Ehepaar König ein Töchterchen Elisabeth Christiana geboren worden, am 23. September 1770 folgte der Sohn Johann Friedrich, und am 12. Oktober 1772 folgte noch einmal ein Töchterchen (Dorothea Friederika), das aber schon 1775 wieder verstarb. Der Sohn Johann Friedrich besuchte wie Johann Sebastian König zuerst die Lateinschule und das Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth und studierte 1789 bis 1793 in Erlangen Rechtswissenschaft, erscheint l798 als Justizkommissar in Bayreuth, lässt sich aber später nicht mehr nachweisen. Wohl bald nach dem Tod des Vaters hatte Johann Sebastian als Erbe das Haus in der Maxstraße (heute Nr. 27) übernommen. Er blieb Hausbesitzer bis l796. Warum er sein Haus in diesem Jahre an den benachbarten Bäcker Dollhopf verkaufte, ist unbekannt.
1778 rückte König in der Registratur auf den zweiten Platz vor. Über seine Beförderung konnte man am 14. Juni dieses Jahres in der Bayreuther Intelligenzzeitung lesen: "Seine Hochfürstliche Durchlaucht Unser gnädigster Fürst und Herr haben die erledigte zweyte Registratorstelle bey der Hochfürstl. Obergebürgischen Regierung dem bisherigen 3ten Regierungs-Registrator Herrn Joh. Sebastian König wegen seines bishero mit eben so vieler Geschicklichkeit als Exactitude bewährten Diensteifers unter dem Caracter und Rang eines Justitzraths gnädigst verliehen."
Damit war für viele Jahre seine berufliche Stellung gekennzeichnet. Sein täglicher Weg vom Marktplatz bis zur Kanzlei und zurück war kurz. Er verfügte daher vor und nach dem Dienst über reichlich Freizeit. Noch l788 und 1790 erscheint er als zweiter Regierungsregistrator hinter dem Justizrat Johann Christoph Seefried.
1788 wurden im "Museum für Künstler und Kunstliebhaber" unter dem Titel "Einige Kunstnachrichten von Bayreuth" von einem unbekannten Bayreuth-Besucher die Eindrücke beim Besuch der alten Markgrafenstadt beschrieben. Der Verfasser schildert dabei auch seine Begegnungen mit Bayreuther Persönlichkeiten. Besonders ausführlich zeichnet er uns den Justizrat König. Die Personenbeschreibung, die er gibt, verdient es, im vollen Wortlaut in die Biographie Königs eingefügt zu werden. Sie lautet:

"Diese Bemerkungen schließe ich mit der kurzen Nachricht von einem Manne, der in stiller Entfernung von allem Geräusche lebt, aber nach der schönsten und bewährtesten Philosophie, die nicht in der Schule gelernt wird, seines Daseyns genießt. Ich habe ihn zwar nur einmal an einem dritten Orte und dann nur etwa auf eine halbe Stunde, weil er auf die Kanzlei musste, in seinem Hause gesprochen, allein die Nachrichten, die mir ein Freund von ihm mitteilte, sind lauter und ächt: Dieser bemerkungswerthe Mann ist der Herr Justizrath König, ein wahres Kunstgenie. Ohne viele und große Vorbereitungen durch Unterricht, blos durch sein ungemeines Talent, das ihm gleich einem vollendeten Meister überall die Hand zu führen schien, ist er der feinste und delikateste Künstler geworden, über den die Natur sich freut, wenn er in ihren schönsten Gegenden sie studirt und Ideen zu seinen Arbeiten sammlet. Jahr aus Jahr ein sizt er Morgens um vier Uhr auch wol noch früher schon in seiner Studierstube, liest und arbeitet, bis seine Amtsgeschäfte ihn rufen. Sein rastloser Fleiß breitet sich über alle edle Erkenntnisse aus, welche dem menschlichen Leben erst den wahren Werth ertheilen. Er hat sich Systeme der Philosophie und Religion entworfen, die gewiss von anhaltendem und tiefem Forschen zeugen und die einen wirklich denkenden Kopf verrathen. Auch Freund der Naturgeschichte ist er, und soll eine artige Sammlung von Naturseltenheiten besitzen, die er ehedem in verschiedenen Gegenden seines Vaterlandes selbst zusammensuchte.
Bei dieser Gelegenheit gieng er aber noch weiter. Er legte nemlich ein Magazin an, worin der Historiker, Physiker und Geograph die interessantesten und bewährtesten Nachrichten von dem Bayreuthischen Fürstenthum, und der Maler mit dem Entzücken die schönsten Aussichten dieses merkwürdigen Landes, und zwar sehr viele von seiner eigenen Hand in ächtem pittoresken Geschmacke gezeichnet, beisammen findet. Diese äusserst schätzbare Sammlung nimmt einige starke Folianten ein, und aus ihr könnte ohnstreitig die schönste historischmalerische Reise durch das Fürstenthum Bayreuth zusammengesezt werden. Als Künstler von Bedeutung ist er in seinem Vaterlande weit umher bekannt. Ehedem zeichnete er sich als Musiker durch die Flöte aus, doch, wie ich hörte, giebt er sich jezt nicht mehr so viel wie sonst mit Musik ab. Aber als Landschaften- und Blumenmaler - ich habe noch sehr wenige Liebhaber von der Stärke in beiden Gattungen gesehen. Seine gemalte Blumensammlung von Tulpen, Nelken, Levkojen, Rosen, vorzüglich Aurikeln ist ansehnlich. Man sieht wenig gemalte Blumen mehr an, wenn man die von Hrn. König mit allem Reiz und aller Wahrheit der Natur nachgebildeten Blumen gesehen hat. Aber nichts übertrifft seine Landschaften. Hier sieht man den ächten Künstler in der Schöpfung, Erfindung und glücklichen Verbindung neuer Ideen. Hätte er blos dieses Fach getrieben, unter großen Meistern gearbeitet, wäre er dann gereist, ich glaube, er hätte ein zweiter Hackert werden können. Ehedem malte er blos mit Wasserfarben, aber itzt auch in Oel, und ich glaube in dieser Manier kann er seine Stärke noch besser zeigen. Die sogenannte schwarze Allee an der Stadt gegen den Brandenburger zu hat er in Oel gemalt, und mich deucht, diese schöne Aussicht kann nicht mit mehr Wahrheit und Schönheit dargestellt werden. Herr König ist ausserdem ein ungemein artiger Mann, der gegen Fremde von Einsichten sich nicht in sich selbst verkriecht, und mit seinen schönen Arbeiten eigensinnig zurückhält, sondern ihnen solche ohne Stolz und Dünkel mit der edelsten Bereitwilligkeit zeigt. Wenigstens kann ich dieß mit vieler Dankbarkeit, die ich ihm stets dafür schuldig bleiben werde! von ihm rühmen."
Bei der Neuorganisation der Landeskollegien 1795 wurde König als 2. Registrator dem 1. Senat der Regierung zugeteilt. Zu den Beamten, die noch für eine weitere Beförderung anstanden, gehörte der inzwischen 54jährige König nicht. Die dienstliche Beurteilung durch den Regierungspräsidenten bezeichnete ihn als "nicht gut gewöhnt und jetzt im Alter nicht zu ändern". Seinen Lebenswandel fand man "untadelhaft", seine Vermögensverhältnisse jedoch "nothdürftig".
Was hinter einer solchen verbalen Qualifikation wirklich verborgen war, entzieht sich unserem Urteil. War er zu dieser Zeit vielleicht schon ein kranker Mann? Ist er schon 1796 aus dem Staatsdienst ausgeschieden? In den Beurteilungslisten nach 1795 wird er nicht mehr genannt, auch nicht im Adressbuch für 1798. Die Nachricht, er sei 1798 noch Geheimer Kanzleidirektor geworden, findet sich nicht sicher belegt. Nicht auszuschließen ist freilich, dass er mit einem solchen Titel in den Ruhestand entlassen worden ist.
Vieles spricht dafür, dass er recht zurückgezogen lebte. Zumindest in seinem letzten Lebensjahrzehnt ist er kaum mehr hervorgetreten. Zum Adel und zum Großbürgertum Bayreuths scheint er keine Beziehungen gehabt zu haben. Caroline von Flotow, die ab 1792 Bayreuther Ereignisse notierte, kannte zwar aus der Zeitung Leute wie den Lyriker Zehelein, nicht aber den stillen Chronisten, dessen Werke ungedruckt blieben. Und während die Justizrätin Deahna in der Gesellschaft als Sängerin auftrat, wird ähnliches für Königs Frau nicht überliefert. In den Mitgliederlisten der 1803 gegründeten "Harmoniegesellschaft zu Bayreuth" sucht man Königs Namen vergeblich.
Als am 12. August 1804 der Legationsrat Richter in Bayreuth Wohnung nahm, wohnte er zuerst bei der Justizratswitwe Münch (heute Maxstraße 9). Es ist natürlich anzunehmen, dass König diese Frau Münch kannte. Ob aber König den 4ljährigen Jean Paul noch persönlich kennen lernte, wissen wir nicht. Eine Notiz über seine Ankunft in Bayreuth suchen wir in Königs Manuskripten vergeblich.
Am 10. März 1805 nachmittags um 3 Uhr starb Johann Sebastian König an der "Auszehrung". Als Sterbehaus wird Haus Nr. 86 genannt, das dem Kaufmann Philipp Eisenbeis gehörte. Am 13. März wurde König "in der Stille" begraben. Seine Grabstätte, die wohl in der Nähe der Gottesackerkirche im Stadtfriedhof lag, ist nicht mehr erhalten. Wie schon sein Vater und Großvater hatte Johann Sebastian König ein Lebensalter von 64 Jahren erreicht, als man ihn zu Grabe trug.

Königs Manuskriptbände

Der Historische Verein für Oberfranken besitzt insgesamt 17 Folianten verschiedenen Umfangs, die man als "von Königs Hand" eingeordnet hat. Es
sind dies

—    Ms 126, 6 Bände, Geschichte des Fürstentums und seiner Regenten
—    Ms 127, 5 Bände, Geschichte der Stadt Bayreuth
—    Ms 128, 2 Bände, Beschreibung der Straßen und Häuser der Stadt
—    Ms 114, 1 Band, Bayreuther Gebäude und Hausnummern vor 1800
—    Ms 129, 1 Band, Neues Schloss
—    Ms 136, 1 Band, Altes Schloss
—    Ms 139, 1 Band, Von Kirchen, Schuten und milden Stiftungen in der Stadt Bayreuth

Das umfangreichste Werk ist die Geschichte des Fürstentums in ursprünglich sieben Bänden, von denen aber Band VI, der mit der Zeit von 1735 bis 1763 die Regierungsära des Markgrafen Friedrich erfasste, schon 1902 als fehlend bezeichnet wurde. Es ist durchaus denkbar, dass er nie an den Historischen Verein gekommen ist, denn einen älteren Inventarnachweis konnten wir bisher nicht auffinden. Franz Herrmann nahm aber an, dass dieser Band in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts den Autoren Heinritz, Holle und Zimmermann noch bekannt gewesen sein dürfte.
Zu den fünf Bänden der bis 1796 geführten Stadtgeschichte gesellen sich die beiden Bände der Häuserbeschreibung, die Bände über das Alte und Neue Schloss sowie das Manuskript über Kirchen, Schulen und Stiftungen, insgesamt also elf Manuskriptbände zur Geschichte der Stadt Bayreuth. An Umfang wird König damit von keinem anderen Stadtchronisten übertroffen.
Noch Karl Hartmann vertrat die Auffassung, dass für die genannten Handschriften "der Verfasser nicht gesichert" sei, schreibt aber an anderer Stelle für das späte 18. Jahrhundert in Bayreuth:
"In der Stadt nimmt in dieser Zeit der unermüdliche historische Sammler Justizrat Sebastian König alles, was er an Quellen für die Vergangenheit seiner Vaterstadt aufspüren kann, in seine nie veröffentlichten Sammelbände auf, die auch die Geschichte der Landesfürsten belichten sollen. Da dies keine von der Wissenschaft geprüften Stoffe waren, wie auch der Verfasser mehr Sammler als Forscher war und seien Quellen, von Wolff Heller abwärts, nie angibt, so ist Vorsicht geboten, wie eben bei älteren Chroniken überhaupt. Das verringert das Verdienst des bienenfleißigen Mannes nicht, der seinen Heften durch nicht wenige von ihm selbst gezeichneten oder gemalten Bilder wertvolle Beilagen einfügte, da die abgebildeten Gegenstände meist nicht mehr vorhanden sind."
Man kann daraus entnehmen, dass Hartmann an Königs Urheberschaft nicht im geringsten zweifelte und nur vor unkritischer Übernahme von Königs Nachrichten warnte. Da keiner der genannten Manuskriptbände den Verfassernamen trägt, stellt sich die Frage, ob diese Folianten vielleicht König nur zugeschrieben worden seien. Zwei Textstellen, die schon früheren Benützern aufgefallen sind und die sich ergänzen, deuten allerdings einwandfrei - ohne den Verfasser und Schreiber zu nennen - auf den Justizrat Johann Sebastian König. Die erste Stelle befindet sich in der Beschreibung der Straßen und Häuser, wo für die Hausbesitzer von Königs Geburts- und Wohnhaus eingetragen ist: "...Cammermusicus König, von welchen es sein Sohn (der darinnen gebohrne Schreiber dieses) ererbte und 1796 an obigen Becken verkaufte". Der Identifizierung des Verfassers dient auch noch eine weitere Eintragung. Für den Juni 1793 berichtet der Schreiber im 5. Band der Stadtgeschichte, dass Johann Friedrich König - "mein Sohn" - zum Regierungsadvokaten ernannt worden ist. Dessen Vater und zugleich der Sohn des oben erwähnten "Cammermusicus" war Johann Sebastian König!
Da alle anderen angesprochenen Manuskriptbände des Historischen Vereins deutlich die gleiche Handschrift zeigen, ist es verständlich, dass man sie als "König" einordnete. Dazu kommen Format, Anlage und Aufmachung, die für ein und denselben Verfasser sprechen. Bemühungen, signierte Schriftproben aus der Zeit der Abfassung zu erhalten, blieben leider bisher vergeblich. So muss man sich wohl mit den Hinweisen zufrieden geben, die in den Manuskripten selbst zu finden sind.

Wie kamen nun diese Manuskripte in den Historischen Verein? - Man kann vermuten, dass sie nach Königs Tod zunächst im Familienbesitz blieben. Im Jahre 1851 berichtete dann Erhard Christian von Hagen im "Archiv", dass durch Vermittlung des Pfarrers Johann Hirsch, eines aktiven Vereinsmitglieds, "eine sehr bedeutende Sammlung von Handschriften über die Bayreuthische Geschichte" für den Verein erworben werden konnte. Mit dieser Nachricht, die sich zweifellos auf Königs Handschriften bezieht, haben wir zugleich auch eine anerkennende Bewertung durch den Vereinsgründer. Im Bibliothekskatalog 1898 erscheinen Königs Manuskriptbände mit dem Eintrag "von derselben Hand im 18. Jahrhundert geschrieben, mit, vielen Porträts, Handzeichnungen etc.". Etwa um diese Zeit dürfte auch damit begonnen worden sein, die alten Bände neu aufzubinden und zu beschriften. Genauer erfasst wurden die Bände erstmals im Katalog 1911. So wie sie dort verzeichnet sind, finden sie sich noch heute in der Bibliothek des Historischen Vereins.
Auch außerhalb Bayreuths hat sich ein Manuskriptband Königs erhalten, ohne bisher als solcher gekennzeichnet zu sein: In der Staatsbibliothek Bamberg ist im geschlossenen Bestand der ehemaligen Bibliothek Emil Marschalk von Ostheim eine "Geschichte der Stadt St. Georgen am See" vorhanden, die sich nach Aufmachung und Schrift unschwer als eine Handschrift Königs erkennen lässt. Auch der Stil und die Art der Bearbeitung verraten den Autor als den Verfasser der Bayreuther Manuskriptbände‘ so dass wir von einem "typischen König" sprechen können. In drei Kapiteln behandelt der Verfasser die Geschichte St. Georgens im 18. Jahrhundert: Er gibt zunächst eine "Beschreibung der Stadt", behandelt dann die Ordenskirche und Pfarrey" und beschließt seine Arbeit mit einem Kapitel "Politische Verfassung und Privilegia". Im Anhang werden mehrere Quellen in Äbschrift beigefügt.
Als letztgenanntes Jahr erscheint in diesem Folianten das Jahr 1792, soweit es sich um Königs eigene Eintragungen handelt. Der Band enthält aber auch eine größere Zahl von Ergänzungen von anderer Hand. Ein Nachtrag nach 1857 erwähnt Leers und Schmidt. Das war zu einer Zeit, als die anderen Bände bereits in der Bibliothek des Historischen Vereins aufgenommen waren. Die "Geschichte der Stadt St. Georgen am See" war offenbar andere Wege gegangen, sie wird in den Vereinskatalogen nie erwähnt. Auch der Verfasser der kleinen Geschichte von St. Georgen, Johann Martin Busch, hat sie allem Anschein nach nicht gekannt. Auf welchem Wege dieser Manuskriptband in die Bibliothek Marschalk von Ostheim gelangte, ist unbekannt.

Königs "Geschichte des Fürstentums und seiner Regenten" endet 1792, d. h. mit der Abdankung des Markgrafen Alexander und dem Übergang an Preußen. Sie kann damit als abgeschlossen gelten. Weniger verständlich ist, warum König seine Geschichte der Stadt Bayreuth nur bis 1796 fortgeführt hat. War hier vielleicht ein weiterer Band begonnen oder in Vorbereitung, der nicht mehr vorliegt? Oder waren es andere Gründe, die den Anlass für diese Zäsur bildeten? Einzeleinträge finden sich auch nach 1796. In der Beschreibung der Straßen und Häuser ist im laufenden Text sogar noch eine Eintragung aus dem Jahre 1804 zu finden, die zeigt, dass König noch im Jahr vor seinem Tod an diesem Manuskript gearbeitet hat. Wenn man den Beginn der Arbeiten mit zirka 1780 ansetzt, kann man von rund einem Vierteljahrhundert sprechen, das der fleißige Justizrat über seinen Manuskripten verbrachte.
Es ist hier nicht der Ort, in kritischer Stellungnahme eine Wertung der Manuskriptbände vorzunehmen. König ist, wie schon Hartmann feststellte, keine Quelle, die man pauschal übernehmen darf. Selbst in Nachrichten aus dem 18. Jahrhundert ist er nicht immer zuverlässig. Er hat offenbar manches, was damals nur mündlich überliefert war, unkritisch übernommen. So ist bei König die Nachricht zu finden, der Erbprinz Friedrich sei bereits in Genf Freimaurer geworden. Das ist schon deshalb unmöglich, weil es zu dieser Zeit in Genf noch keine Loge gab. In Wirklichkeit ist Friedrich 1740 in Rheinsberg von Friedrich dem Großen aufgenommen worden.
Solchen Unrichtigkeiten steht freilich vieles gegenüber, wo König ein bis ins Detail genauer Berichterstatter ist. Vor allem findet man bei ihm manche ortsgeschichtlich und biographisch wichtige Angabe, die man in anderen zeitgenössischen Quellen vergeblich sucht.

König als Illustrator seiner Werke

Königs Manuskriptbände sind mehr oder weniger abwechslungsreich illustriert. Eingeklebt sind kleinere Kupferstiche und gedruckte Texte, und für die Wiedergabe von Münzen verwendete er häufig und ausgiebig die Methode des Durchdrückens, bei der das Profil auf dem Papier sichtbar wird. Im Band "Von Kirchen, Schulen und milden Stiftungen" sind Lektionsverzeichnisse des Christian-Ernestinums von 1785 eingefügt, die in der Familie offenbar durch den Schulbesuch des Sohnes erworben waren. Eingeklebt ist auch ein Kupferstich der Medaille der Kunstakademie sowie ein unausgefüllter Vordruck für einen Ausweis der Studierenden. Der letzte Band der Stadtgeschichte enthält den Sonderdruck "Volkslied am glücklichen 28. Januar 1792 zu Bayreuth gesungen von J. G. Krauseneck". Auch aus seiner eigenen Zeit stammende Theaterzettel hielt König für wertvoll genug, in seine Stadtgeschichte aufgenommen zu werden.
Für uns heute wertvoller und bedeutsamer sind Königs Originalzeichnungen, aber auch seine Kopien, mit denen er seine Bände schmückte. Sie sind fast immer unsigniert, was dafür spricht, dass er sie wirklich nur zu seinem eigenen Vergnügen in die Manuskripte einfügte. Zwei Blätter bilden eine Ausnahme:
Mit dem Vermerk "Cop von J. S. K." existiert eine kolorierte Federzeichnung "Grenze Beyder Marggrafthümer Baireuth und Onolzbach..." nach einem Original von Ambrosius Wolfgang Frosch. Dargestellt ist das Gebiet mit den Orten Burgbernheim‘ Windsheim, Herzogenaurach, Erlangen, Nürnberg u. a. wobei die Orte in Kavaliersperspektive gezeichnet sind. Belegt ist auch die Signatur "J K", bei der die Vertikale des Buchstabens J mit der des K zusammenfällt. Es handelt sich um die "Totalansicht" von Erlangen; die König von J. G. Weis kopierte. Die Legende mit Königs Handschrift stützt Königs Autorschaft.
Wie nicht anders zu erwarten, hat sich König auch mit dem Stadtplan Bayreuths befasst. In der "Beschreibung der Straßen und Häuser" heißt es gleich eingangs: "Da die Einteilung der Stadt dieser Teile und derer Plätze, dann verschiedne Dinge mehr, noch von den ehemaligen älteren, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gedauerten Zustände herrührt, so ist es nötig, diesen erst zu beschreiben, um jene desto besser verstehen zu können: darüber auch zu mehrer Erklärung eine Abbildung der Stadt von dem Jahre 1621 (Tafel 1) beigefügt ist, so hiebei nachzusehen." Diese Tafel ist in dem Band nicht mehr enthalten. Wenn man aber in Wilhelm Müllers Arbeit die Kopien des alten Stadtplans von 1603 heranzieht, so kann man wohl nicht unberechtigt vermuten, dass König diesen Plan, der mit 1621 falsch datiert ist, entweder selbst nachgezeichnet oder eine fremde Nachzeichnung in sein Manuskript eingefügt hat.
Verwirrung stiften kann bei den Illustrationen der König-Manuskripte, dass in der "Beschreibung der Straßen und Häuser" auch noch andere Signaturen erscheinen. Eine Zeichnung von Gut Birken ist signiert mit "Fch. Kg. 22. Febr. l789", und eine Zeichnung mit der Beschriftung "Jacobshof" führt die Signatur "F. K. 27. Dec. 1788". Die Datierung erleichtert uns für diese Blätter eine begründete Zuschreibung: Es erscheint mehr als wahrscheinlich, dass diese Zeichnungen von Johann Sebastians Sohn Johann Friedrich stammen, dem man als etwa 18jährigen Schüler des Christian-Ernestinums solche Arbeiten zutrauen kann. Wegen der ähnlichen Technik ist diesem vielleicht auch das im Stadtmuseum erhaltene, nicht signierte Bild von einer Glockengießerei bei Bayreuth zuzuweisen.

Zum Bestand der Kanzleibibliothek (heute in der Universitätsbibliothek Bayreuth) gehören seit langem fünf Zeichnungen die sich einwandfrei König zuordnen lassen. Für vier davon lässt sich sogar anhand ihrer Tabula- Nummer und der beigefügten Seitenzahl der genaue Standort bestimmen, wo sie einmal Bestandteil der Bände "Beschreibung der Straßen und Häuser" gewesen sind. Warum und wann man diese Blätter den Manuskriptbänden entnommen hat, konnte schon Wilhelm Müller nicht mehr klären. Er konnte aber anhand eines älteren Aufsatzes von Karl Sitzmann nachweisen, dass sie schon vor 1930 in der Kanzleibibliothek waren. Es handelt sich um folgende auf Pappe aufgezogene lavierte Federzeichnungen:
—    Pict. 62, Bayreuth, Kopie nach J. A. Riedigers "Prospect" vom Beustschen Garten aus,
—    Pict. 63, Bayreuth, Kopie eines Kupferstichs, der um 1730 nach einer Zeichnung von J. F. Vetter gefertigt wurde,
—    Pict. 64, Bayreuth, Kopie eines Kupferstichs von Johann Peter Demleutner,
—    Pict. 66, "Bayreuth. Ao. 1680", Kopie der Stadtansicht von 1680,
—    Pict. 67, Altes Schloss Bayreuth, Nachzeichnung eines älteren Kupferstichs.

Die Nummern Pict. 62 und Pict. 66 sind zur Zeit als Leihgaben im Stadtmuseum Bayreuth.
Im Stadtarchiv Bayreuth existiert außerdem eine Planskizze "Neuer Weg", die zwar auch nicht signiert ist, aber ebenfalls als Bestandteil eines König-Manuskripts nachgewiesen werden kann. Wegen der Tatsache, dass aus Königs Manuskripten schon vor Jahrzehnten Zeichnungen entnommen wurden, kann man natürlich nicht ausschließen, dass einzelne Blätter auch noch an andere Standorte gelangt sind.

Versuch einer Würdigung:

Das Lebensbild Johann Sebastian Königs zeigt uns einen Menschen, der als höherer Kanzleibeamter in der Residenzstadt Bayreuth kein gänzlich Unbekannter blieb, aber keineswegs in eine führende Position vorrückte und bei seinen Zeitgenossen nur wenig Beachtung fand. Während die Bayreuther Schriftsteller unter seinen Zeitgenossen durch Zeitschriften und Bücher bekannt und schon 1795 für Reiche nennenswerte Namen waren, ist König der Öffentlichkeit so gut wie verborgen geblieben. Die Nachrichten in Meusels "Museum" bildeten in dieser Hinsicht wohl eine Ausnahme. So bekannt wie Friedrich Christian Rudel (1744 bis 1814), der Erlanger Stadtchronist", war König nicht. Rudel war wie König Justizrat und ist als Chronist seiner Stadt in mancher Hinsicht mit König vergleichbar, hat aber eine unvergleichlich bessere Karriere gemacht: Er war zuletzt stellvertretender Präsident des Justiz-Collegiums Christian-Erlangen und wurde von einem Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen zum Pfalzgrafen erhoben.
Sicher wäre König durch eine Veröffentlichung wesentlich besser bekannt geworden. Er selber wird das wohl gewusst haben. So stellt man wohl mit Recht die Fragen: Warum hat er nie etwas zum Druck gebracht? Fand er keinen Verleger? Oder war es ihm einfach lieber, seine Manuskriptsammlung für sich zu behalten und zu seinem eigenen Vergnügen ständig wachsen zu sehen? - Eine Beantwortung dieser Fragen wird wahrscheinlich nie mehr möglich sein.
Wie ganz anders als König hat es ein anderer Regierungsregistrator in Bayreuth verstanden, die Ergebnisse seiner Forschung seinen Zeitgenossen nahe zubringen und auch der Nachwelt zu überliefern. Der schon wenige Jahre nach dem Tode Königs mit Publikationen hervortretende Johann Georg Heinritz, der 1823 als selbständige Veröffentlichung seinen "Versuch einer Geschichte der Kreishauptstadt Baireuth" vorlegte, fand freilich schon wenig später auch den Kreis, in dem er Ansporn und Entfaltungsmöglichkeiten zugleich fand: den Historischen Verein in Bayreuth, bei dem er ab 1828 zwanzig Jahre lang seine Beiträge unterbringen konnte.
Vergleicht man die beiden Berufskollegen König und Heinritz, so muss man es als Königs Tragik bezeichnen, dass für ihn die Zeit noch nicht gekommen war, im Kreise Gleichgesinnter seiner Freizeitbeschäftigung auch die gebührende Resonanz verschaffen zu können. Königs geschichtliche Arbeiten blieben seine individuelle Liebhaberei, an der er offenbar bereits genug hatte. Er war in seiner Haltung dabei Jean Pauls "Schulmeisterlein Wuz" gar nicht unähnlich, das in der Zeit entstand, als König noch an seinen Handschriften arbeitete. Die Geschichtsstudien von Heinritz dienten bereits der Allgemeinheit. Veröffentlicht bildeten sie die Nutzanwendung von Schillers Erfahrung: "Was einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, das hat er allen erworben."
Die Handschriften Königs haben infolge ihres Mangels an Publizität erst lange nach dem Tod des Verfassers die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Königs Fleiß findet noch heute manchen Bewunderer. Seine Manuskriptbände verdienen es in mehrfacher Hinsicht, wirklich beachtet zu werden: einmal als individuelle Leistung eines Amateurhistorikers des 18. Jahrhunderts, dann aber auch als Bayreuther Spiegel der ausklingenden Markgrafenzeit und nicht zuletzt als Quelle, die noch immer Überraschendes aus unserer Stadt- und Landesgeschichte bereithält.


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