| * 24.03.1741 † 10.03.1805 |
Johann
Sebastian König wurde am 24. März 1741 in Bayreuth als Sohn
des Hoftanzmeisters und Kammermusikers Caspar König geboren. Sein
Vater lässt sich ab l739 in Bayreuth nachweisen, und zwar als
Violinist und "1. Accompagnist" in der Hofkapelle. Er war
vermutlich der Sohn des Königlich-polnischen Kammermusikus Anton
Balthasar König aus Dresden, der l729 in Bayreuth im Alter von 64
Jahren gestorben war. Johann Sebastians Mutter war Anna Maria, die
älteste Tochter von Georg Christoph Zimmermann, einem
ansbachischen Pfarrer in Büchenbach bei Roth. Getauft wurde Johann
Sebastian bei der Hofgemeinde, d. h. in der damals noch evangelischen
Schlosskirche. Den Taufritus vollzog Oberhofprediger Johann Christoph
Silchmüller, der Hauptvertreter des Bayreuther Pietismus. Als Pate
wird Kapellmeister Johann Pfeiffer genannt, jener Mann, den Markgräfin Wilhelmine
schätzte und zum Lehrer für Komposition auswählte. Ein
weiterer Taufpate war der markgräfliche Kammerdiener Johann
Sebastian Liebhard. Johann Sebastians Vater war zweimal verheiratet. In
erster Ehe hatte er l729 Cunigunde Margareta, die Tochter des dem
Pietismus ergebenen Umgelders Wolfgang Adam Neudecker geheiratet, die
1732 einem Sohn das Leben schenkte, der aber noch im gleichen Jahr
starb. Auch die Mutter des Kindes ist offenbar bald darauf verstorben.
1737 heiratete Caspar König zum zweiten Mal. Diese zweite Frau,
Anna Maria, geb. Zimmermann, gebar ein Söhnlein Wilhelm Andreas,
das schon 1738 starb. Erst das zweite Kind dieser Ehe, der 1741 geborne
Johann Sebastian, überstand die Kleinkinderkrankheiten und wuchs
zur Freude der Eltern auf.
Für die berufliche Tätigkeit
des Vaters Caspar König gibt es Beobachtungen, dass nicht alles
nach Wunsch verlief. Über seine früheste Bayreuther
Tätigkeit ist nichts bekannt. Obwohl Caspar König unter
Kapellmeister Pfeiffer zu den ältesten Musikern zählte,
gelang es ihm nicht, sich weiter voranzuarbeiten. Wenn man Königs
Nennung in den Hofkalendern verfolgt, ist sogar statt einer Karriere
eine Zurückstufung augenfällig: Noch 1741 bis 1743 war
nämlich Caspar 1. Violinist unter sechs Geigern, 1749 ist er der
zweite, 1750 der dritte und l756 erscheint er erst als Nr. 4 hinter
Johann G. Richter, einem Italiener Biantolino (?) und Christian Samuel
Hofmann. An vierter Stelle rangierte er auch noch 1760. Ob er bis
zuletzt der Hofkapelle angehörte, ließ sich nicht mehr
feststellen. Caspar König starb am 8. April 1761 in Bayreuth im
Alter von 64 Jahren.
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| Das kleine Giebelhaus, Maxstraße 27 (heute Perfümerie Douglas), war das Geburts- und Wohnhaus von Johann Sebastian König. |
Wie gering für die erste Zeit seine Einkünfte
waren, verdeutlicht eine erhaltene Besoldungsliste für das Jahr
1765. Während der Premierminister (Ellrodt) fast 5000 Gulden
kassierte, ein Kammerherr mindestens 800 Gulden bekam, blieben für
den kleinen Registratur-Anwärter nur ganze 28 Gulden und 39
Kreuzer. l768 war König noch immer Accessionarius in der
Bayreuther Regierungsregistratur, und zwar hinter Justizrat Georg
Christoph Brunner, Johann Adam Kretschmann und Rupprecht Wilhelm
Schirmer. Merkwürdigerweise fehlt König im Besoldungsetat
für 1771. War er krankheitshalber beurlaubt, oder hat man ihn
einfach vergessen?
Wer sich die Arbeit eines Registrators im 18.
Jahrhundert nicht vorstellen kann, braucht nur im "Zedler"
nachschlagen. Im einschlägigen Band, der in Königs
Geburtsjahr erschienen war, findet man neben den Synonymen
Nachschreiber, Unterschreiber oder Gerichtsschreiber für den
Registrator folgende Erklärung: Dieser "ist ein Bedienter in
einer Cantzeley oder Archiv, dem die Verwahrung der vorhandenen und
täglich einkommenden Briefschaften, Schriften und Urkunden
dergestalt anbefohlen, dass er dieselben ordentlich halten, in gewisse
Verzeichnisse und Register bringen und ein jedes, wenn es erfordert
wird, an seinem Ort zu finden wissen solle".
Das Wort
"Accessionarius" ist im gleichen Nachschlagwerk als Stichwort
nicht vertreten. Wohl aber findet man unter "Accessio" eine
Erläuterung für "Accessisten", die wohl nur eine
andere Schreibung hei gleichem Begriffsinhalt waren:
"Accessisten
sind bey denen kayserl. Hof Aemtern in Wien alle diejenigen, welche
die nächste Anwartung haben, bey erst ereigneter Vacanz vom
demjenigen Amte, unter dessen Matricul sie stehen, wirklich in Besitz
zu nehmen". Accessionarii waren vermutlich ganz ähnlich wie
die Wiener Accessisten Anwärter auf ein bestimmtes Amt, hatten
eine Universitätsausbildung hinter sich und befanden sich in
einer Probezeit, deren Länge vom Freiwerden der
"Planstellen" abhängig war.
Zeitpunkt und Ort der
Eheschließung Königs ließen sich bisher nicht
ermitteln. Man kann aber davon ausgehen, dass er 1763 oder 1764 Sophie
Maria Deg geheiratet hat, die am 2. März 1765 als erstes Kind die
Tochter Dorothea Sophia zur Welt brachte, die wie auch die folgenden
Kinder in der Stadtkirche in Bayreuth getauft wurde. Dorothea Sophia
heiratete 1794 in Eckersdorf Christoph Wilhelm Wagner. Als zweites Kind
kam am 22. Oktober 1766 der Sohn Georg Friedrich Adam zur Welt,
für den die beiden älteren Registratoren Georg Christoph
Brunner und Johann Adam Kretschmann sowie der Hofprediger Friedrich
Adam Ellrodt Pate standen. Das Kind, das wohl große Hoffnungen
der Eltern auf sich vereinigte, starb schon am 26. Juni 1769. 1768 war
dem Ehepaar König ein Töchterchen Elisabeth Christiana
geboren worden, am 23. September 1770 folgte der Sohn Johann Friedrich,
und am 12. Oktober 1772 folgte noch einmal ein Töchterchen
(Dorothea Friederika), das aber schon 1775 wieder verstarb. Der Sohn
Johann Friedrich besuchte wie Johann Sebastian König zuerst die
Lateinschule und das Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth und
studierte 1789 bis 1793 in Erlangen Rechtswissenschaft, erscheint l798
als Justizkommissar in Bayreuth, lässt sich aber später nicht
mehr nachweisen. Wohl bald nach dem Tod des Vaters hatte Johann
Sebastian als Erbe das Haus in der Maxstraße (heute Nr. 27)
übernommen. Er blieb Hausbesitzer bis l796. Warum er sein Haus in
diesem Jahre an den benachbarten Bäcker Dollhopf verkaufte, ist
unbekannt.
1778 rückte König in der Registratur auf den
zweiten Platz vor. Über seine Beförderung konnte man am 14.
Juni dieses Jahres in der Bayreuther Intelligenzzeitung lesen: "Seine
Hochfürstliche Durchlaucht Unser gnädigster Fürst und
Herr haben die erledigte zweyte Registratorstelle bey der
Hochfürstl. Obergebürgischen Regierung dem bisherigen 3ten
Regierungs-Registrator Herrn Joh. Sebastian König wegen seines
bishero mit eben so vieler Geschicklichkeit als Exactitude
bewährten Diensteifers unter dem Caracter und Rang eines
Justitzraths gnädigst verliehen."
Damit war für viele
Jahre seine berufliche Stellung gekennzeichnet. Sein täglicher
Weg vom Marktplatz bis zur Kanzlei und zurück war kurz. Er
verfügte daher vor und nach dem Dienst über reichlich
Freizeit. Noch l788 und 1790 erscheint er als zweiter
Regierungsregistrator hinter dem Justizrat Johann Christoph Seefried.
1788
wurden im "Museum für Künstler und Kunstliebhaber"
unter dem Titel "Einige Kunstnachrichten von Bayreuth" von einem
unbekannten Bayreuth-Besucher die Eindrücke beim Besuch der alten
Markgrafenstadt beschrieben. Der Verfasser schildert dabei auch seine
Begegnungen mit Bayreuther Persönlichkeiten. Besonders
ausführlich zeichnet er uns den Justizrat König. Die
Personenbeschreibung, die er gibt, verdient es, im vollen Wortlaut in
die Biographie Königs eingefügt zu werden. Sie lautet:
"Diese
Bemerkungen schließe ich mit der kurzen Nachricht von einem
Manne, der in stiller Entfernung von allem Geräusche lebt, aber
nach der schönsten und bewährtesten Philosophie, die nicht
in der Schule gelernt wird, seines Daseyns genießt. Ich habe ihn
zwar nur einmal an einem dritten Orte und dann nur etwa auf eine halbe
Stunde, weil er auf die Kanzlei musste, in seinem Hause gesprochen,
allein die Nachrichten, die mir ein Freund von ihm mitteilte, sind
lauter und ächt: Dieser bemerkungswerthe Mann ist der Herr
Justizrath König, ein wahres Kunstgenie. Ohne viele und
große Vorbereitungen durch Unterricht, blos durch sein ungemeines
Talent, das ihm gleich einem vollendeten Meister überall die Hand
zu führen schien, ist er der feinste und delikateste Künstler
geworden, über den die Natur sich freut, wenn er in ihren
schönsten Gegenden sie studirt und Ideen zu seinen Arbeiten
sammlet. Jahr aus Jahr ein sizt er Morgens um vier Uhr auch wol noch
früher schon in seiner Studierstube, liest und arbeitet, bis
seine Amtsgeschäfte ihn rufen. Sein rastloser Fleiß breitet
sich über alle edle Erkenntnisse aus, welche dem menschlichen
Leben erst den wahren Werth ertheilen. Er hat sich Systeme der
Philosophie und Religion entworfen, die gewiss von anhaltendem und
tiefem Forschen zeugen und die einen wirklich denkenden Kopf
verrathen. Auch Freund der Naturgeschichte ist er, und soll eine artige
Sammlung von Naturseltenheiten besitzen, die er ehedem in verschiedenen
Gegenden seines Vaterlandes selbst zusammensuchte.
Bei dieser
Gelegenheit gieng er aber noch weiter. Er legte nemlich ein Magazin
an, worin der Historiker, Physiker und Geograph die interessantesten
und bewährtesten Nachrichten von dem Bayreuthischen
Fürstenthum, und der Maler mit dem Entzücken die
schönsten Aussichten dieses merkwürdigen Landes, und zwar
sehr viele von seiner eigenen Hand in ächtem pittoresken
Geschmacke gezeichnet, beisammen findet. Diese äusserst
schätzbare Sammlung nimmt einige starke Folianten ein, und aus ihr
könnte ohnstreitig die schönste historischmalerische Reise
durch das Fürstenthum Bayreuth zusammengesezt werden. Als
Künstler von Bedeutung ist er in seinem Vaterlande weit umher
bekannt. Ehedem zeichnete er sich als Musiker durch die Flöte
aus, doch, wie ich hörte, giebt er sich jezt nicht mehr so viel
wie sonst mit Musik ab. Aber als Landschaften- und Blumenmaler - ich
habe noch sehr wenige Liebhaber von der Stärke in beiden
Gattungen gesehen. Seine gemalte Blumensammlung von Tulpen, Nelken,
Levkojen, Rosen, vorzüglich Aurikeln ist ansehnlich. Man sieht
wenig gemalte Blumen mehr an, wenn man die von Hrn. König mit
allem Reiz und aller Wahrheit der Natur nachgebildeten Blumen gesehen
hat. Aber nichts übertrifft seine Landschaften. Hier sieht man den
ächten Künstler in der Schöpfung, Erfindung und
glücklichen Verbindung neuer Ideen. Hätte er blos dieses Fach
getrieben, unter großen Meistern gearbeitet, wäre er dann
gereist, ich glaube, er hätte ein zweiter Hackert werden
können. Ehedem malte er blos mit Wasserfarben, aber itzt auch in
Oel, und ich glaube in dieser Manier kann er seine Stärke noch
besser zeigen. Die sogenannte schwarze Allee an der Stadt gegen den
Brandenburger zu hat er in Oel gemalt, und mich deucht, diese
schöne Aussicht kann nicht mit mehr Wahrheit und Schönheit
dargestellt werden. Herr König ist ausserdem ein ungemein artiger
Mann, der gegen Fremde von Einsichten sich nicht in sich selbst
verkriecht, und mit seinen schönen Arbeiten eigensinnig
zurückhält, sondern ihnen solche ohne Stolz und Dünkel
mit der edelsten Bereitwilligkeit zeigt. Wenigstens kann ich
dieß mit vieler Dankbarkeit, die ich ihm stets dafür
schuldig bleiben werde! von ihm rühmen."
Bei der
Neuorganisation der Landeskollegien 1795 wurde König als 2.
Registrator dem 1. Senat der Regierung zugeteilt. Zu den Beamten, die
noch für eine weitere Beförderung anstanden, gehörte der
inzwischen 54jährige König nicht. Die dienstliche Beurteilung
durch den Regierungspräsidenten bezeichnete ihn als "nicht gut
gewöhnt und jetzt im Alter nicht zu ändern". Seinen
Lebenswandel fand man "untadelhaft", seine
Vermögensverhältnisse jedoch "nothdürftig".
Was
hinter einer solchen verbalen Qualifikation wirklich verborgen war,
entzieht sich unserem Urteil. War er zu dieser Zeit vielleicht schon
ein kranker Mann? Ist er schon 1796 aus dem Staatsdienst ausgeschieden?
In den Beurteilungslisten nach 1795 wird er nicht mehr genannt, auch
nicht im Adressbuch für 1798. Die Nachricht, er sei 1798 noch
Geheimer Kanzleidirektor geworden, findet sich nicht sicher belegt.
Nicht auszuschließen ist freilich, dass er mit einem solchen
Titel in den Ruhestand entlassen worden ist.
Vieles spricht
dafür, dass er recht zurückgezogen lebte. Zumindest in seinem
letzten Lebensjahrzehnt ist er kaum mehr hervorgetreten. Zum Adel und
zum Großbürgertum Bayreuths scheint er keine Beziehungen
gehabt zu haben. Caroline von Flotow, die ab 1792 Bayreuther
Ereignisse notierte, kannte zwar aus der Zeitung Leute wie den Lyriker
Zehelein, nicht aber den stillen Chronisten, dessen Werke ungedruckt
blieben. Und während die Justizrätin Deahna in der
Gesellschaft als Sängerin auftrat, wird ähnliches für
Königs Frau nicht überliefert. In den Mitgliederlisten der
1803 gegründeten "Harmoniegesellschaft zu Bayreuth" sucht
man Königs Namen vergeblich.
Als am 12. August 1804 der
Legationsrat Richter in Bayreuth Wohnung nahm, wohnte er zuerst bei der
Justizratswitwe Münch (heute Maxstraße 9). Es ist
natürlich anzunehmen, dass König diese Frau Münch
kannte. Ob aber König den 4ljährigen Jean Paul noch
persönlich kennen lernte, wissen wir nicht. Eine Notiz über
seine Ankunft in Bayreuth suchen wir in Königs Manuskripten
vergeblich.
Am 10. März 1805 nachmittags um 3 Uhr starb
Johann Sebastian König an der "Auszehrung". Als Sterbehaus wird
Haus Nr. 86 genannt, das dem Kaufmann Philipp Eisenbeis gehörte.
Am 13. März wurde König "in der Stille" begraben.
Seine Grabstätte, die wohl in der Nähe der Gottesackerkirche
im Stadtfriedhof lag, ist nicht mehr erhalten. Wie schon sein Vater und
Großvater hatte Johann Sebastian König ein Lebensalter von
64 Jahren erreicht, als man ihn zu Grabe trug.
Der
Historische Verein für Oberfranken besitzt insgesamt 17 Folianten
verschiedenen Umfangs, die man als "von Königs Hand"
eingeordnet hat. Es
sind dies
— Ms 126, 6 Bände, Geschichte des Fürstentums und seiner Regenten
— Ms 127, 5 Bände, Geschichte der Stadt Bayreuth
— Ms 128, 2 Bände, Beschreibung der Straßen und Häuser der Stadt
— Ms 114, 1 Band, Bayreuther Gebäude und Hausnummern vor 1800
— Ms 129, 1 Band, Neues Schloss
— Ms 136, 1 Band, Altes Schloss
— Ms 139, 1 Band, Von Kirchen, Schuten und milden Stiftungen in der Stadt Bayreuth
Das
umfangreichste Werk ist die Geschichte des Fürstentums in
ursprünglich sieben Bänden, von denen aber Band VI, der mit
der Zeit von 1735 bis 1763 die Regierungsära des Markgrafen
Friedrich erfasste, schon 1902 als fehlend bezeichnet wurde. Es ist
durchaus denkbar, dass er nie an den Historischen Verein gekommen ist,
denn einen älteren Inventarnachweis konnten wir bisher nicht
auffinden. Franz Herrmann nahm aber an, dass dieser Band in der 1.
Hälfte des 19. Jahrhunderts den Autoren Heinritz, Holle und Zimmermann noch bekannt gewesen sein dürfte.
Zu
den fünf Bänden der bis 1796 geführten Stadtgeschichte
gesellen sich die beiden Bände der Häuserbeschreibung, die
Bände über das Alte und Neue Schloss sowie das Manuskript
über Kirchen, Schulen und Stiftungen, insgesamt also elf
Manuskriptbände zur Geschichte der Stadt Bayreuth. An Umfang wird
König damit von keinem anderen Stadtchronisten übertroffen.
Noch
Karl Hartmann vertrat die Auffassung, dass für die genannten
Handschriften "der Verfasser nicht gesichert" sei, schreibt
aber an anderer Stelle für das späte 18. Jahrhundert in
Bayreuth:
"In der Stadt nimmt in dieser Zeit der
unermüdliche historische Sammler Justizrat Sebastian König
alles, was er an Quellen für die Vergangenheit seiner Vaterstadt
aufspüren kann, in seine nie veröffentlichten
Sammelbände auf, die auch die Geschichte der Landesfürsten
belichten sollen. Da dies keine von der Wissenschaft geprüften
Stoffe waren, wie auch der Verfasser mehr Sammler als Forscher war und
seien Quellen, von Wolff Heller abwärts, nie angibt, so ist
Vorsicht geboten, wie eben bei älteren Chroniken überhaupt.
Das verringert das Verdienst des bienenfleißigen Mannes nicht,
der seinen Heften durch nicht wenige von ihm selbst gezeichneten oder
gemalten Bilder wertvolle Beilagen einfügte, da die abgebildeten
Gegenstände meist nicht mehr vorhanden sind."
Man kann
daraus entnehmen, dass Hartmann an Königs Urheberschaft nicht im
geringsten zweifelte und nur vor unkritischer Übernahme von
Königs Nachrichten warnte. Da keiner der genannten
Manuskriptbände den Verfassernamen trägt, stellt sich die
Frage, ob diese Folianten vielleicht König nur zugeschrieben
worden seien. Zwei Textstellen, die schon früheren Benützern
aufgefallen sind und die sich ergänzen, deuten allerdings
einwandfrei - ohne den Verfasser und Schreiber zu nennen - auf den
Justizrat Johann Sebastian König. Die erste Stelle befindet sich
in der Beschreibung der Straßen und Häuser, wo für die
Hausbesitzer von Königs Geburts- und Wohnhaus eingetragen ist:
"...Cammermusicus König, von welchen es sein Sohn (der darinnen
gebohrne Schreiber dieses) ererbte und 1796 an obigen Becken
verkaufte". Der Identifizierung des Verfassers dient auch noch
eine weitere Eintragung. Für den Juni 1793 berichtet der Schreiber
im 5. Band der Stadtgeschichte, dass Johann Friedrich König -
"mein Sohn" - zum Regierungsadvokaten ernannt worden ist. Dessen
Vater und zugleich der Sohn des oben erwähnten
"Cammermusicus" war Johann Sebastian König!
Da alle
anderen angesprochenen Manuskriptbände des Historischen Vereins
deutlich die gleiche Handschrift zeigen, ist es verständlich, dass
man sie als "König" einordnete. Dazu kommen Format, Anlage
und Aufmachung, die für ein und denselben Verfasser sprechen.
Bemühungen, signierte Schriftproben aus der Zeit der Abfassung zu
erhalten, blieben leider bisher vergeblich. So muss man sich wohl mit
den Hinweisen zufrieden geben, die in den Manuskripten selbst zu finden
sind.
Wie kamen nun diese Manuskripte in den Historischen
Verein? - Man kann vermuten, dass sie nach Königs Tod
zunächst im Familienbesitz blieben. Im Jahre 1851 berichtete dann Erhard Christian von Hagen
im "Archiv", dass durch Vermittlung des Pfarrers Johann Hirsch,
eines aktiven Vereinsmitglieds, "eine sehr bedeutende Sammlung von
Handschriften über die Bayreuthische Geschichte" für
den Verein erworben werden konnte. Mit dieser Nachricht, die sich
zweifellos auf Königs Handschriften bezieht, haben wir zugleich
auch eine anerkennende Bewertung durch den Vereinsgründer. Im
Bibliothekskatalog 1898 erscheinen Königs Manuskriptbände mit
dem Eintrag "von derselben Hand im 18. Jahrhundert geschrieben, mit,
vielen Porträts, Handzeichnungen etc.". Etwa um diese Zeit
dürfte auch damit begonnen worden sein, die alten Bände neu
aufzubinden und zu beschriften. Genauer erfasst wurden die Bände
erstmals im Katalog 1911. So wie sie dort verzeichnet sind, finden sie
sich noch heute in der Bibliothek des Historischen Vereins.
Auch
außerhalb Bayreuths hat sich ein Manuskriptband Königs
erhalten, ohne bisher als solcher gekennzeichnet zu sein: In der
Staatsbibliothek Bamberg ist im geschlossenen Bestand der ehemaligen
Bibliothek Emil Marschalk von Ostheim eine "Geschichte der Stadt St. Georgen
am See" vorhanden, die sich nach Aufmachung und Schrift unschwer
als eine Handschrift Königs erkennen lässt. Auch der Stil und
die Art der Bearbeitung verraten den Autor als den Verfasser der
Bayreuther Manuskriptbände‘ so dass wir von einem
"typischen König" sprechen können. In drei Kapiteln
behandelt der Verfasser die Geschichte St. Georgens im 18.
Jahrhundert: Er gibt zunächst eine "Beschreibung der
Stadt", behandelt dann die Ordenskirche und Pfarrey" und
beschließt seine Arbeit mit einem Kapitel "Politische Verfassung
und Privilegia". Im Anhang werden mehrere Quellen in
Äbschrift beigefügt.
Als letztgenanntes Jahr erscheint
in diesem Folianten das Jahr 1792, soweit es sich um Königs eigene
Eintragungen handelt. Der Band enthält aber auch eine
größere Zahl von Ergänzungen von anderer Hand. Ein
Nachtrag nach 1857 erwähnt Leers und Schmidt. Das war zu einer
Zeit, als die anderen Bände bereits in der Bibliothek des
Historischen Vereins aufgenommen waren. Die "Geschichte der Stadt St.
Georgen am See" war offenbar andere Wege gegangen, sie wird in
den Vereinskatalogen nie erwähnt. Auch der Verfasser der kleinen
Geschichte von St. Georgen, Johann Martin Busch, hat sie allem
Anschein nach nicht gekannt. Auf welchem Wege dieser Manuskriptband in
die Bibliothek Marschalk von Ostheim gelangte, ist unbekannt.
Königs "Geschichte des Fürstentums und seiner Regenten" endet 1792, d. h. mit der Abdankung des Markgrafen Alexander
und dem Übergang an Preußen. Sie kann damit als
abgeschlossen gelten. Weniger verständlich ist, warum König
seine Geschichte der Stadt Bayreuth nur bis 1796 fortgeführt hat.
War hier vielleicht ein weiterer Band begonnen oder in Vorbereitung,
der nicht mehr vorliegt? Oder waren es andere Gründe, die den
Anlass für diese Zäsur bildeten? Einzeleinträge finden
sich auch nach 1796. In der Beschreibung der Straßen und
Häuser ist im laufenden Text sogar noch eine Eintragung aus dem
Jahre 1804 zu finden, die zeigt, dass König noch im Jahr vor
seinem Tod an diesem Manuskript gearbeitet hat. Wenn man den Beginn der
Arbeiten mit zirka 1780 ansetzt, kann man von rund einem
Vierteljahrhundert sprechen, das der fleißige Justizrat über
seinen Manuskripten verbrachte.
Es ist hier nicht der Ort, in
kritischer Stellungnahme eine Wertung der Manuskriptbände
vorzunehmen. König ist, wie schon Hartmann feststellte, keine
Quelle, die man pauschal übernehmen darf. Selbst in Nachrichten
aus dem 18. Jahrhundert ist er nicht immer zuverlässig. Er hat
offenbar manches, was damals nur mündlich überliefert war,
unkritisch übernommen. So ist bei König die Nachricht zu
finden, der Erbprinz Friedrich sei bereits in Genf Freimaurer geworden.
Das ist schon deshalb unmöglich, weil es zu dieser Zeit in Genf
noch keine Loge gab. In Wirklichkeit ist Friedrich 1740 in Rheinsberg
von Friedrich dem Großen aufgenommen worden.
Solchen
Unrichtigkeiten steht freilich vieles gegenüber, wo König ein
bis ins Detail genauer Berichterstatter ist. Vor allem findet man bei
ihm manche ortsgeschichtlich und biographisch wichtige Angabe, die man
in anderen zeitgenössischen Quellen vergeblich sucht.
Königs
Manuskriptbände sind mehr oder weniger abwechslungsreich
illustriert. Eingeklebt sind kleinere Kupferstiche und gedruckte Texte,
und für die Wiedergabe von Münzen verwendete er häufig
und ausgiebig die Methode des Durchdrückens, bei der das Profil
auf dem Papier sichtbar wird. Im Band "Von Kirchen, Schulen und milden
Stiftungen" sind Lektionsverzeichnisse des Christian-Ernestinums
von 1785 eingefügt, die in der Familie offenbar durch den
Schulbesuch des Sohnes erworben waren. Eingeklebt ist auch ein
Kupferstich der Medaille der Kunstakademie sowie ein
unausgefüllter Vordruck für einen Ausweis der Studierenden.
Der letzte Band der Stadtgeschichte enthält den Sonderdruck
"Volkslied am glücklichen 28. Januar 1792 zu Bayreuth gesungen
von J. G. Krauseneck". Auch aus seiner eigenen Zeit stammende
Theaterzettel hielt König für wertvoll genug, in seine
Stadtgeschichte aufgenommen zu werden.
Für uns heute
wertvoller und bedeutsamer sind Königs Originalzeichnungen, aber
auch seine Kopien, mit denen er seine Bände schmückte. Sie
sind fast immer unsigniert, was dafür spricht, dass er sie
wirklich nur zu seinem eigenen Vergnügen in die Manuskripte
einfügte. Zwei Blätter bilden eine Ausnahme:
Mit dem
Vermerk "Cop von J. S. K." existiert eine kolorierte
Federzeichnung "Grenze Beyder Marggrafthümer Baireuth und
Onolzbach..." nach einem Original von Ambrosius Wolfgang Frosch.
Dargestellt ist das Gebiet mit den Orten Burgbernheim‘ Windsheim,
Herzogenaurach, Erlangen, Nürnberg u. a. wobei die Orte in
Kavaliersperspektive gezeichnet sind. Belegt ist auch die Signatur "J
K", bei der die Vertikale des Buchstabens J mit der des K
zusammenfällt. Es handelt sich um die "Totalansicht" von
Erlangen; die König von J. G. Weis kopierte. Die Legende mit
Königs Handschrift stützt Königs Autorschaft.
Wie
nicht anders zu erwarten, hat sich König auch mit dem Stadtplan
Bayreuths befasst. In der "Beschreibung der Straßen und
Häuser" heißt es gleich eingangs: "Da die Einteilung
der Stadt dieser Teile und derer Plätze, dann verschiedne Dinge
mehr, noch von den ehemaligen älteren, bis in die Mitte des 18.
Jahrhunderts gedauerten Zustände herrührt, so ist es
nötig, diesen erst zu beschreiben, um jene desto besser verstehen
zu können: darüber auch zu mehrer Erklärung eine
Abbildung der Stadt von dem Jahre 1621 (Tafel 1) beigefügt ist, so
hiebei nachzusehen." Diese Tafel ist in dem Band nicht mehr
enthalten. Wenn man aber in Wilhelm Müllers
Arbeit die Kopien des alten Stadtplans von 1603 heranzieht, so kann man
wohl nicht unberechtigt vermuten, dass König diesen Plan, der mit
1621 falsch datiert ist, entweder selbst nachgezeichnet oder eine
fremde Nachzeichnung in sein Manuskript eingefügt hat.
Verwirrung
stiften kann bei den Illustrationen der König-Manuskripte, dass in
der "Beschreibung der Straßen und Häuser" auch noch
andere Signaturen erscheinen. Eine Zeichnung von Gut Birken ist
signiert mit "Fch. Kg. 22. Febr. l789", und eine Zeichnung mit
der Beschriftung "Jacobshof" führt die Signatur "F. K.
27. Dec. 1788". Die Datierung erleichtert uns für diese
Blätter eine begründete Zuschreibung: Es erscheint mehr als
wahrscheinlich, dass diese Zeichnungen von Johann Sebastians Sohn
Johann Friedrich stammen, dem man als etwa 18jährigen Schüler
des Christian-Ernestinums solche Arbeiten zutrauen kann. Wegen der
ähnlichen Technik ist diesem vielleicht auch das im Stadtmuseum
erhaltene, nicht signierte Bild von einer Glockengießerei bei
Bayreuth zuzuweisen.
Zum Bestand der Kanzleibibliothek
(heute in der Universitätsbibliothek Bayreuth) gehören seit
langem fünf Zeichnungen die sich einwandfrei König zuordnen
lassen. Für vier davon lässt sich sogar anhand ihrer Tabula-
Nummer und der beigefügten Seitenzahl der genaue Standort
bestimmen, wo sie einmal Bestandteil der Bände "Beschreibung der
Straßen und Häuser" gewesen sind. Warum und wann man
diese Blätter den Manuskriptbänden entnommen hat, konnte
schon Wilhelm Müller nicht mehr klären. Er konnte aber anhand
eines älteren Aufsatzes von Karl Sitzmann nachweisen, dass sie
schon vor 1930 in der Kanzleibibliothek waren. Es handelt sich um
folgende auf Pappe aufgezogene lavierte Federzeichnungen:
— Pict. 62, Bayreuth, Kopie nach J. A. Riedigers "Prospect" vom Beustschen Garten aus,
—
Pict. 63, Bayreuth, Kopie eines Kupferstichs, der um 1730 nach einer
Zeichnung von J. F. Vetter gefertigt wurde,
— Pict. 64, Bayreuth, Kopie eines Kupferstichs von Johann Peter Demleutner,
— Pict. 66, "Bayreuth. Ao. 1680", Kopie der Stadtansicht von 1680,
— Pict. 67, Altes Schloss Bayreuth, Nachzeichnung eines älteren Kupferstichs.
Die Nummern Pict. 62 und Pict. 66 sind zur Zeit als Leihgaben im Stadtmuseum Bayreuth.
Im
Stadtarchiv Bayreuth existiert außerdem eine Planskizze "Neuer
Weg", die zwar auch nicht signiert ist, aber ebenfalls als
Bestandteil eines König-Manuskripts nachgewiesen werden kann.
Wegen der Tatsache, dass aus Königs Manuskripten schon vor
Jahrzehnten Zeichnungen entnommen wurden, kann man natürlich
nicht ausschließen, dass einzelne Blätter auch noch an
andere Standorte gelangt sind.
Das
Lebensbild Johann Sebastian Königs zeigt uns einen Menschen, der
als höherer Kanzleibeamter in der Residenzstadt Bayreuth kein
gänzlich Unbekannter blieb, aber keineswegs in eine führende
Position vorrückte und bei seinen Zeitgenossen nur wenig
Beachtung fand. Während die Bayreuther Schriftsteller unter
seinen Zeitgenossen durch Zeitschriften und Bücher bekannt und
schon 1795 für Reiche nennenswerte Namen waren, ist König der
Öffentlichkeit so gut wie verborgen geblieben. Die Nachrichten in
Meusels "Museum" bildeten in dieser Hinsicht wohl eine Ausnahme.
So bekannt wie Friedrich Christian Rudel (1744 bis 1814), der Erlanger
Stadtchronist", war König nicht. Rudel war wie König
Justizrat und ist als Chronist seiner Stadt in mancher Hinsicht mit
König vergleichbar, hat aber eine unvergleichlich bessere Karriere
gemacht: Er war zuletzt stellvertretender Präsident des
Justiz-Collegiums Christian-Erlangen und wurde von einem Fürsten
von Schwarzburg-Sondershausen zum Pfalzgrafen erhoben.
Sicher
wäre König durch eine Veröffentlichung wesentlich besser
bekannt geworden. Er selber wird das wohl gewusst haben. So stellt man
wohl mit Recht die Fragen: Warum hat er nie etwas zum Druck gebracht?
Fand er keinen Verleger? Oder war es ihm einfach lieber, seine
Manuskriptsammlung für sich zu behalten und zu seinem eigenen
Vergnügen ständig wachsen zu sehen? - Eine Beantwortung
dieser Fragen wird wahrscheinlich nie mehr möglich sein.
Wie
ganz anders als König hat es ein anderer Regierungsregistrator in
Bayreuth verstanden, die Ergebnisse seiner Forschung seinen
Zeitgenossen nahe zubringen und auch der Nachwelt zu überliefern.
Der schon wenige Jahre nach dem Tode Königs mit Publikationen
hervortretende Johann Georg Heinritz, der 1823 als selbständige
Veröffentlichung seinen "Versuch einer Geschichte der
Kreishauptstadt Baireuth" vorlegte, fand freilich schon wenig
später auch den Kreis, in dem er Ansporn und
Entfaltungsmöglichkeiten zugleich fand: den Historischen Verein
in Bayreuth, bei dem er ab 1828 zwanzig Jahre lang seine Beiträge
unterbringen konnte.
Vergleicht man die beiden Berufskollegen
König und Heinritz, so muss man es als Königs Tragik
bezeichnen, dass für ihn die Zeit noch nicht gekommen war, im
Kreise Gleichgesinnter seiner Freizeitbeschäftigung auch die
gebührende Resonanz verschaffen zu können. Königs
geschichtliche Arbeiten blieben seine individuelle Liebhaberei, an der
er offenbar bereits genug hatte. Er war in seiner Haltung dabei Jean Pauls
"Schulmeisterlein Wuz" gar nicht unähnlich, das in der Zeit
entstand, als König noch an seinen Handschriften arbeitete. Die
Geschichtsstudien von Heinritz dienten bereits der Allgemeinheit.
Veröffentlicht bildeten sie die Nutzanwendung von Schillers
Erfahrung: "Was einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, das hat er allen
erworben."
Die Handschriften Königs haben infolge ihres
Mangels an Publizität erst lange nach dem Tod des Verfassers die
Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Königs Fleiß findet noch
heute manchen Bewunderer. Seine Manuskriptbände verdienen es in
mehrfacher Hinsicht, wirklich beachtet zu werden: einmal als
individuelle Leistung eines Amateurhistorikers des 18. Jahrhunderts,
dann aber auch als Bayreuther Spiegel der ausklingenden Markgrafenzeit
und nicht zuletzt als Quelle, die noch immer Überraschendes aus
unserer Stadt- und Landesgeschichte bereithält.
Quelle: 115