Dr. Johann Gottfried Langermann


1768 - 1832
Langermanns „Psychische Heilanstalt“
(1805 - 1810)


Hier ein Ausschnit aus Camille de Tournons Beschreibung über Bayreuth:
"In dem Irrenhaus zu St. Georgen hat die preussische Regierung den Geisteskranken eine Zufluchtsstätte errichtet und eine Sorgfalt zugewendet, wie man sie selten auch in den grössten Städten findet. Diese Anstalt verdient die volle Aufmerksamkeit der Ärzte, der Verwaltungsbeamten und jedes Menschenfreundes. Das Gebäude ist in einer einsamen Vorstadt gelegen, hat reine Luft und ist auf 30-40 Patienten eingerichtet; es ist von einem geräumigen Hof umgeben, an welchen ein grosser Garten anstösst. Die Zimmer sind reinlich, gesund, hell; die Mehrzahl der Insassen bringt den Tag in den gemeinschaftlichen Sälen oder im Hofe zu; wenn man sie da zusammen arbeiten und friedlich plaudern sieht, so glaubt man sich unter den vernünftigsten Menschen. Die sanfteste Behandlung wird ihnen zu Teil; ihre Kleidung ist sauber und wird oft erneuert; ihre Kost besteht in Suppe, Gemüse und zweimal wöchentlich Fleisch; sie bekommen Bier. Die Kranken, für welche bezahlt wird, haben eine bessere Verpflegung. Ausser diesen allgemeinen Mitteln wendet Anstaltsdirektor Dr. Langermann häufige Bäder an und verschiedene Mittel je nach der Natur der Störung und dem Temperament des Gestörten. Aber er schreibt den Erfolg seiner Methode hauptsächlich den Beschäftigungen zu, welchen man den Kranken unterwirft, und welche ihn ohne Unterlass zerstreuen und dadurch allmählich die falsche Richtung seiner Gedanken ändern. Die etwas gebildeten Kranken lernen auch lesen, Brief schreiben oder dürfen Abschriften machen; die anderen werden im Hause oder im Garten zu allen Arbeiten der Haushaltung verwendet. Von 1795 bis 18o5 wurden 57 Männer und 33 Frauen dort aufgenommen = 90. Davon wurden 28 geheilt, 29 starben, die übrigen 33 sind unheilbar oder noch in Behandlung. Seit 1805 ist Dr. Langermann Anstaltsarzt. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist eine Abnahme der Sterblichkeit um die Hälfte und eine Zunahme der Heilungen."

Quelle: 113