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| 1768 - 1832 |
Hier ein Ausschnit aus Camille de Tournons Beschreibung über Bayreuth:
"In dem Irrenhaus zu St.
Georgen hat die preussische Regierung den Geisteskranken
eine Zufluchtsstätte errichtet und eine Sorgfalt zugewendet, wie
man sie selten auch in den grössten Städten findet. Diese
Anstalt verdient die volle Aufmerksamkeit der Ärzte, der
Verwaltungsbeamten
und jedes Menschenfreundes. Das Gebäude ist in einer einsamen
Vorstadt gelegen, hat reine Luft
und ist auf 30-40 Patienten eingerichtet; es ist von einem
geräumigen
Hof umgeben, an welchen ein grosser Garten anstösst. Die Zimmer
sind reinlich,
gesund, hell; die Mehrzahl der Insassen bringt den Tag in den
gemeinschaftlichen
Sälen oder im Hofe zu; wenn man sie da zusammen arbeiten und
friedlich
plaudern sieht, so glaubt man sich unter den vernünftigsten
Menschen. Die sanfteste Behandlung wird ihnen zu Teil; ihre Kleidung
ist sauber
und wird oft erneuert; ihre Kost besteht in Suppe, Gemüse und zweimal wöchentlich
Fleisch; sie bekommen Bier. Die Kranken, für welche bezahlt wird,
haben eine bessere Verpflegung. Ausser diesen allgemeinen Mitteln
wendet Anstaltsdirektor Dr. Langermann
häufige Bäder an und verschiedene Mittel je nach der Natur
der
Störung und dem Temperament des Gestörten. Aber er schreibt
den
Erfolg seiner Methode hauptsächlich den Beschäftigungen zu,
welchen
man den Kranken unterwirft, und welche ihn ohne Unterlass zerstreuen
und
dadurch allmählich die falsche Richtung seiner Gedanken
ändern. Die etwas gebildeten Kranken lernen auch lesen, Brief
schreiben oder
dürfen Abschriften machen; die anderen werden im Hause oder im
Garten
zu allen Arbeiten der Haushaltung verwendet. Von 1795 bis 18o5 wurden
57
Männer und 33 Frauen dort aufgenommen = 90. Davon wurden 28
geheilt,
29 starben, die übrigen 33 sind unheilbar oder noch in Behandlung.
Seit 1805 ist Dr. Langermann Anstaltsarzt. Das Ergebnis seiner
Bemühungen
ist eine Abnahme der Sterblichkeit um die Hälfte und eine Zunahme
der Heilungen."