Karl Friedrich Wilhelm Leuschner
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15.06.1890 (Bayreuth)
- 29.09.1944 (Berlin) |
früher hessischer Innenminister, Gewerkschaftsführer. Er war
im Kabinett Goerdeler als Vizekanzler vorgesehen, wegen seiner maßgeblichen
Beteiligung am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wird er am 29.09.1944
hingerichtet.
Siehe auch http://www.wilhelm-leuschner-stiftung.de/
Achtung! Einige dieser Informationen sind bereits überholt.
Ich bin bisher leider noch nicht dazu gekommen nachzubessern:
Zu erinnern ist auch an Wilhelm Leuschner. Er wurde am 15. Juni 1890
als Sohn eines Ofensetzers in Bayreuth geboren, absolvierte eine Lehre
als Holzbildhauer und besuchte ein halbes Jahr die Akademie der bildenden
Künste in Nürnberg. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte er sich
entschieden als Gewerkschaftler für die Belange der Arbeiter. Ständig
arbeitete er an seiner Weiterbildung, stieg rasch zum Stadtverordneten
in Darmstadt auf, war Landtagsabgeordneter und mit 38 Jahren Innenminister
des Landes Hessen. Er war außerdem stellvertretender Vorsitzender
des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Als überzeugter Demokrat
warnte er immer wieder vor dem Nationalsozialismus und wurde deshalb mit
vielen anderen nach der Machtergreifung verhaftet und mißhandelt.
Trotzdem bot ihm Robert Ley an, mit ihm zusammen zum Kongreß des
Internationalen Arbeitsamtes in Genf zu gehen, um dort positiv für
die nun gleichgeschaltete deutsche Arbeiterschaft zu sprechen und die Gleichschaltung
der Gewerkschaften als legal darzustellen. Leuschner schwieg in der entscheidenden
Versammlung mit der Folge, nach seiner Rückkehr für zwei Jahre
im KZ zu verschwinden. Nach seiner Entlassung arbeitete er im Widerstand,
in enger Verbindung mit Männern wie Goerdeler, Leber, Ostler, Olbricht,
Beck und Canaris. Auch er wurde in Berlin-Plötzensee am 29. September
1944 an einem Fleischerhaken erwürgt. Es dauerte immerhin 40 Jahre,
bis sich das offizielle Bayreuth dazu aufraffen konnte, diesen Mann zu
würdigen.
An Leuschner erinnert nun eine Gedenktafel im Rathaus mit dem Text:
"Die Stadt Bayreuth im Gedenken Wilhelm Leuschners, Gewerkschaftsführer,
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Geb. 15.6.1890,
Bayreuth, hingerichtet 29.9.1944 in Berlin-Plötzensee. - 29.9.1984."
Das Leuschner-Haus ist jetzt - nachdem das Leuschner-Haus in der Richard-Wagner-Straße nicht
mehr existiert - das Geburtshaus Moritzhöfen 25. Dort ist auch die Gedenkstätte.
Quelle: 2, 17, 20
... war zunächst ein Sohn dieser Stadt wie
viele andere auch, aber darüber hinaus ein besonderer, der in die
Geschichte unserer jungen Republik eingegangen ist. Er wurde am 15.
Juni 1890 als Sohn eines Ofensetzers in einfache Verhältnisse
hineingeboren, nach Gottfried Keller einer „aus dem ungezeichneten
Stammesdickicht der Nation“, einer, dem außer den Anlagen zu
einer großen Persönlichkeit nichts an hilfreichen sozialen
Vorteilen mitgegeben war, der aber sicherlich gerade deswegen sich zu
einer starken Persönlichkeit entwickelte.
Er besuchte in unserer Stadt die Volksschule. Einer künstlerischen
Begabung folgend, absolvierte er eine Lehre als Holzbildhauer in
Bayreuth und besuchte anschließend ein halbes Jahr die Akademie
der bildenden Künste in Nürnberg. Sein beruflicher Weg
führte ihn über Leipzig nach Darmstadt. Aus dem 1. Weltkrieg
mit nachhaltigen Eindrücken zurückgekehrt, wandte er sich
entschieden dem Gewerkschaftsleben und der Politik zu. Als
Gewerkschaftler trat er nachhaltig für die Belange der
Arbeitnehmer ein, forderte eine Verbesserung ihrer
Bildungsmöglichkeiten und arbeitete hart an sich selbst, um durch
Fernstudium der Mathematik und der englischen und französischen
Sprache nachzuholen, was ihm durch seine einfache Schulbildung versagt
geblieben war. Freunde berichten von ihm, dass er ständig ein Buch
bei sich hatte, um durch Lesen seinen Horizont zu weiten.
Klarheit des Verstandes, sicheres Urteil, Überzeugungskraft und
großes Verhandlungsgeschick gewannen ihm rasch das Vertrauen
seiner Gewerkschafts- und Parteifreunde, aber darüber hinaus auch
die Achtung vieler Mitbürger. So stieg er in kurzer Zeit zum
Stadtverordneten in Darmstadt, Landtagsabgeordneten und mit 38 Jahren
zum Innenminister des Landes Hessen auf. Zugleich war er
stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen
Gewerkschaftsbundes.
Diese Laufbahn nötigt uns Respekt vor seiner Leistung und
Persönlichkeit ab. Es gibt aber auch noch die andere Seite seines
Lebens, die ihn über die Gewerkschafts- und Parteiebene hinaushob
und die uns daher alle angeht und verpflichtet. Wilhelm Leuschner war
ein überzeugter Demokrat, ein Verfechter des freiheitlichen,
demokratischen, sozialen Rechtsstaates, dem er seine ganze Kraft und
letztlich sein Leben verschrieb. Er kämpfte für diese
Demokratie nicht aus der gesicherten Position am Schreibtisch, mit dem
garantierten Recht der Meinungsfreiheit, wie es die Gegner der jungen
Weimarer Republik konnten, sondern mit wissendem Einsatz seines Lebens
gegen die allmächtigen, kompromißlosen Einrichtungen einer
Diktatur, der Menschenwürde und Menschenleben nichts galten, in
der die uneingeschränkte Staatsgewalt brutal herrschte.
Die Kriegsgeneration weiß, was es bedeutete, Kritik an Ideologie
und Gebaren des Nationalsozialismus zu üben, geschweige denn,
aktiven Widerstand zu leisten. Sicherlich befiel die Mehrheit des
deutschen Volkes spätestens ab der „Machtergreifung“ im Jahre 1933
ein Unbehagen, eine innere Ablehnung der Ereignisse. Aber diese
Mehrheit schwieg, arrangierte sich, hoffte vielleicht auf ein Wunder
und beschwichtigte ihr Gewissen mit der Beschönigung,
persönlich sich nicht schuldig gemacht zu haben an den Verbrechen
des 3. Reiches. Wilhelm Leuschner schwieg nicht, und arrangierte sich
nicht, auch nicht als innerlich widerstrebender Mitläufer. Er
warnte in eindringlichen Worten 1932 vor den künftigen Machthabern
des 3. Reiches mit der unabdingbaren Folge, dass er nach der
Machtergreifung inhaftiert und misshandelt wurde.
Doch da bot sich dem auch im Ausland geschätzten Gewerkschafter
das verlockende Anerbieten des Führers der Deutschen Arbeitsfront,
Robert Ley, mit ihm zusammen zum Kongress des Internationalen
Arbeitsamtes in Genf zu gehen, ihn dort als den Vertreter der
gleichgeschalteten deutschen Arbeiterschaft zu empfehlen und die
Gleichschaltung der Gewerkschaften dem Ausland als legal darzustellen.
Leuschner schwieg in der entscheidenden Versammlung, charakterisierte
jedoch in Gesprächen mit ausländischen Gewerkschaftlern
eindeutig das Vorgehen und die Ziele der Nationalsozialisten. Dieses
beredte Schweigen brachte ihn, was er voraussah, bei der Rückreise
nach Deutschland für 2 Jahre in das Konzentrationslager. Dort traf
er Gesinnungsfreunde, dort wurde sein Widerstand nicht gebrochen,
sondern verstärkt.
Nach seiner Entlassung übernahm er eine kleine Fabrik in Berlin
und nutzte jede Gelegenheit, auf Geschäftsreisen Freunde des
Widerstandes zu gewinnen. Wilhelm Leuschner hätte ins Ausland
gehen und aus gesicherter Entfernung den Zusammenbruch des Nazireiches
abwarten können. Er wählte aber das Bleiben im Lande, den
Aufbau eines Widerstandsnetzes zusammen mit den Gegnern des NS-Staates
aus den verschiedensten Lagern, der Kirchenmänner, der Studenten
vor allem aber der Militärs, auf deren entscheidende Hilfe er
rechnete, ohne die er keine Aussicht auf Erfolg, auf eine Befreiung aus
eigener Kraft sah. Er stand in enger Verbindung mit Männern wie
Goerdeler, Leber und den Generalen Ostler, Olbricht, Beck und Canaris.
Was sie alle einte und verband, war der Wille zur Vermeidung weiteren
sinnlosen Blutvergießens, zur Errichtung eines freiheitlichen
demokratischen Rechtsstaates und zur Zurückgewinnung der Ehre und
des Ansehens unseres Volkes. Der Versuch einer gewaltsamen Erhebung
misslang. Wilhelm Leuschner fand mit vielen Widerstandskämpfern
den Tod.
Wilhelm Leuschner wählte Verfolgung und Einsatz des Lebens, wo
Schweigen und Anpassung Unehre gebracht hätten. Er setzte sein
Leben ein, verlor es in scheinbarer Unehre und gewann es letztlich
dadurch, dass er als leuchtendes Beispiel in den Reihen aller
aufrechten, ehrlichen Demokraten weiterlebt, der Jugend insbesondere
zum Vorbild.
Quelle: 65