Ludwig Geyer

1779 (Eisleben?) - 1821

Ludwig Geyer, Selbstbildnis in Öl, um 1806. Geyer, aus Eisleben stammend, war zunächst Porträtmaler, ehe er sich, unter anderem angeregt durch den theaterbegeisterten Friedrich Wagner für die Sehauspielerlaufbahn entschied. Von 1809 bis zu seinem Tode 1821 war er als Schauspieler in Dresden engagiert, ab 1854 führte er den Titel »Hofschauspieler«. Als Carl Friedrich Wagner an Typhus starb (23.11.1813), nahm sich Geyer der Familie Wagners an, und am 28. August 1814, gerade ein Dreivierteljahr nach Wagners Tod, heiratete er dessen Witwe. Sechs Monate später, am 26. Februar 1815, kam Cäcilie Geyer, Richard Wagoers jüngste Schwester, zur Welt. Obwohl oft heftig bestritten, ist die Möglichkeit, daß Richard Wagner der Sohn Geyers war, keineswegs auszuschließen. Getauft wurde er zwar unter dem Namen »Wagner« (eigenartigerweise erst ein Vierteljahr nach seiner Geburt), von 1814 bis 1828 hieß er jedoch »Geyer«, nach dem zweiten Ehemann seiner Mutter, während seine älteren Geschwister sämtlich weiterhin den Namen »Wagner« führten. 1822 meldete ihn seine Mutter als »Sohn des Hofschauspielers Geyer« bei der Dresdner Kreuzschule an, und 1827 wurde er als »Richard Geyer« konfirmiert. Mit der Übersiedlung von Dresden nach Leipzig Ende 1827 nahm er den Namen »Wagner« an, ohne daß aber klar wäre, warum das geschah. Wagners Biograph Carl Friedrich Glasenapp schrieb zu der Frage: »Den Gedanken daran, daß der Verstorbene [Geyer] vielleicht gar auch sein leiblicher Vater gewesen sein könne, hat er [Richard Wagner] gegen intime Freunde, deren wir hier mehrere namhaft machen könnten, wiederholt als Möglichkeit mündlich ausgesprochen.« Während der junge Richard zu Friedrich Wagner nach dessen frühem Tod naturgemäß keine Beziehung aufbauen konnte, erlebte er Ludwig Geyer von Anfang an in der Rolle und Funktion des Vaters. Die Beziehung des Kindes zu Geyer - wie auch umgekehrt diejenige Geyers zu dem jungen Richard - scheint sehr innig gewesen zu sein. Wagner sprach später oft zärtlich von seinem »Vater Geyer«.

Quelle: 37