Markgraf Friedrich von Brandenburg - Bayreuth

mkgrf
* 10.05.1711 (Weferlingen)
† 17.02.1763 (Bayreuth)

Unter Markgraf Friedrich gelangte Bayreuth zu besonderer Blüte. Er baute die von seinem Vater Georg Friedrich Karl begonnene Friedrichstraße zu einem prunkvollen Straßenzug aus. Er war der Ehemann von Markgräfin Wilhelmine. Begraben liegt er in der Bayreuther Schloßkirche. Die Regierungszeit war von 1735 - 1763. Seine jüngere Schwester war Prinzessin Sophie Wilhelmine. Markgraf Friedrich errichtete die Bayreuther Freimaurer-Loge "Eleusis zur Verschwiegenheit".

Er hatte in Genf studiert, war als Prinz Gast an etlichen europäischen Höfen gewesen, spielte Cello, und wie seine Gemahlin komponierte und malte er auch. Er hafte eine weltmännische und selbstsichere Art, mit Personen aller Stände umzugehen, was man von ihrer „königlichen Hoheit“ nicht gerade behaupten kann. Die schönste Straße der Stadt, die Friedrichstraße, ist - obgleich schon von einem Vorgänger geplant - vor allem Friedrichs Werk. Wer bauen wollte und sich an festgelegte Richtlinien hielt, bekam kostenlose Grundstücke, billige Baumaterialien und Steuererleichterungen.

Daniel de Superville, Wilhelmines Leibarzt, den sie ihrem königlichen Herrn Papa in Berlin nur dadurch abwerben konnte, daß sie ihm dafür zwei „lange Kerls“ schickte,- dieser Arzt war zugleich ein bedeutender Gelehrter und Direktor des Gymnasiums. Er bewog Friedrich 1742 zur Gründung der „Friedrichsakademie“ - und damit, nach einigen vergeblichen Anläufen, der ersten Bayreuther Universität. Sie hafte allerdings nur ein Jahr Bestand, dann siedelte sie nach Erlangen um, und Bayreuth sollte noch einmal mehr als zweihundert Jahre warten müssen, bis eine neue Universität hier endlich Wurzeln schlug.

Wie die Ehe der Tochter war auch die Ehe der Eltern nicht eben glücklich: Friedrich ließ sich von der schönen, geldgierigen und intriganten Wilhelmine von Marwitz umgarnen, und der Markgräfin gelang es nicht mit guten und nicht mit weniger feinen Finten, die ehemalige Busenfreundin und spätere Konkurrentin vom Hals ihres Gemahls zu schaffen. Die Schulden nahmen schließlich derart überhand, dass Gläubiger schon mit gerichtlichen Klagen gegen den Markgrafen vorgingen und Bankrott drohte. Friedrich hinterließ bei seinem Tod 1763 ein Manko von fast vier Millionen Gulden; hinterließ aber eben auch einige bauliche Juwelen, ohne die Bayreuth heute nicht Bayreuth wäre. Die Untertanen nahmen ihrem Friedrich ohnehin nichts übel. Sie mochten ihn, und bei seinem Tod sah man sie auf den Straßen und in den Dörfern weinen.

Quelle: 2,40,41,64

Dem Markgraf Georg Friedrich Karl folgte sein Sohn Friedrich (1735 - 63). - Auf eigentümliche Weise wurde Friedrichs Studienzeit unterbrochen. Im Sommer des Jahres 1730 besuchte Friedrich Wilhelm I.., König von Preußen, den Vater Friedrichs, den Markgrafen Georg Friedrich Karl in Bayreuth. Der Etikette gemäß holte ihn dieser in Bindlach mit seinem ererbten alten Staatswagen ab. Die Dienerschaft hatte Mühe, den schwankenden Wagen aufrecht zu erhalten; so schlimm waren damals noch die Wege. Darüber erzürnte sich der König gewaltig, er fluchte und schrie öfters: „Donner und Wetter! Feuer her, um den Schinderkarren zu verbrennen!“ Seine Flüche verhallten im Toben eines noch hinzugekommenen heftigen, mit Regengüssen niedergehenden Gewitters. Der stille, gottesfürchtige Fürst saß, die Hände faltend, neben ihm. Am anderen Tag sagte der König zum Markgrafen: „Herr Vetter! Was macht Ihr älterer Sohn so lange auf Universitäten? Lassen Sie ihn heimkommen; ich will ihm meine älteste Tochter zur Frau geben.“ - Der Vater fühlte sich durch die Aussicht, dass sein Sohn eine Königstochter zur Frau bekäme, geschmeichelt. Er veranlasste den Prinzen zur Heimkehr und dessen Vermählung mit der zwei Jahre älteren Friederike Sophie Wilhelmine - so hieß die älteste Tochter des preußischen Königs - fand im Oktober des Jahres 1731 statt.

Unter der Regierung Friedrichs hatte die Stadt Bayreuth ihre Glanzzeit. Eine Menge Geld verwendete er auf Bauten, so dass man ihn den Baumeister unter den Bayreuther Markgrafen nennen möchte. Anfangs wurden deutsche Meister bevorzugt, später aber nur Franzosen und Italiener. Im Jahre 1737 ließ er durch den Hofbaudirektor J. Fr. Grad und den Bauinspektor Johann Georg Weiß, einen einheimischen Meister, die baufällige Kavalleriekaserne am Mainufer umbauen.

Alle schönen Bauten, welche die Stadt Bayreuth noch aus früheren Zeiten aufzuweisen hat, sind großenteils unter ihm entstanden. Wir nennen das große und prächtige Opernhaus, zu dessen Bauleitung (1746 - 48) der kaiserliche Architekt Guiseppe Galli Bibiena von Wien berufen wurde.
Allerdings rührt die Fassade des Opernhauses nicht von Bibiena her, sondern von St. Pierre, da das Gebäude nicht italienischen, sondern französischen Charakter trägt und große Ähnlichkeit mit dem Baustil des von St. Pierre erbauten neuen Schlosses hat. Dagegen ist Bibiena unstreitig der Schöpfer des im italienischen Barockstil gehaltenen Inneren, wie die Inschrift über der Hofloge bezeugt.
Im alten Reithaus, das 1748 erbaut wurde, stand auch ein Komödienhaus, das sog. kleine Opernhaus, das durch einen Gang mit dem neuen Schloss zusammenhing. Im Jahre 1761 wurde es eingerissen, dafür von St. Pierre ein neues Reithaus gebaut und um ein Stockwerk erhöht. 1786 wurde in diesem neuen Reithaus gleichfalls ein kleines Theater errichtet. Es diente als Ersatz für das Opernhaus, das nur wenig benützt wurde, weil sich wegen Heizung und Beleuchtung Schwierigkeiten geltend machten.

Nachdem das Opernhaus vollendet war, begann 1749 der Bau des rechten Flügels der Kanzlei, ferner der Bau der Münzstätte und des Ballhauses, sowie die Anlage eines neuen herrschaftlichen Hofgartens. Bald darauf nahm Markgraf Friedrich gleichzeitig den Bau zweier Schlösser in Angriff. - Das alte Schloss ging am Freitag, den 26. Januar 1753 in Flammen auf. Anfangs wollte Markgraf Friedrich nur das alte Schloss wieder aufbauen. Allein er fügte sich bald den Vorstellungen seiner Baudirektoren, die ihm rieten, ein neues Schloss an einem andern Platz aufzuführen. So entstand das neue Schloss in der jetzigen Ludwigstraße. Ende November 1754 - also in nicht ganz zwei Jahren - war es im Großen und Ganzen fertig. Mit dem Bau des neuen wurde aber zu gleicher Zeit auch der des alten Schlosses und der abgebrannten Schlosskirche begonnen. Sie wurde im Jahre 1758 fertiggestellt. Im Jahre 1759 wurde dem neuen Schloss noch der „Italienische Bau“ hinzugefügt. - Die von seinem Vater zu Gunsten des Waisenhauses angelegte und nach ihm benannte „Friedrichstraße“ verlängerte er.

Wie Markgraf Friedrich selbst neue Gebäude in Bayreuth errichtete, so sah er es gerne, wenn auch der Adel und die Bürger seinem Beispiel folgten. Den Baulustigen wurden von ihm wesentliche Unterstützungen zuteil (z. B. Umlagenfreiheit, freier Grund und Boden, die Hälfte des nötigen Bauholzes). Namentlich die Fassadenbildung und innere Ausschmückung der Gebäude der Friedrichstraße lassen heute noch den ehemaligen Wetteifer im Bauen erkennen. - Zu den berühmtesten Architekten, die an diesen Häusern bauten, zählten die Künstlerfamilie Ränz, der fürstliche Hofarchitekt Joseph St. Pierre, der außer den genannten Bauten des Opernhauses, der Spital- und Schlosskirche auch noch das Liebhardtsche (jetzt Steingräbersche) und das Ellrodtsche Haus erbaute, ferner der Hofbaudirektor Grad. Die meisten Häuser aber baute Karl Christian Gontard, der Schüler St. Pierres. Von ihm stammen z. B. das Jägerhaus, das v. Reitzensteinische Palais, das Harmoniegebäude und das daneben stehende Gontardsche Haus, das der Erbauer selbst bewohnte, ferner die Hofapotheke und das Spindlersche Haus in der Ludwigstraße.

Friedrichs Baukunst verewigte sich aber auch in Orten außerhalb Bayreuths. Unter ihm, namentlich auf Veranlassung seiner Gemahlin, wurde das Lustschloss „Eremitage“ bei Bayreuth im französischen Geschmack jener Zeit mit einem Aufwand von mehr als einer Million Gulden ausgeschmückt und verschönert. Die sogenannte „neue“ Eremitage (das untere Schloss mit dem herrlichen Sonnentempel und dem Bassin) wurde 1749 bis 1753 von diesem Fürstenpaar geschaffen, ebenso 1746 die andere aber kleinere Eremitage zu Zwernitz (bei Wonsees), die im Hinblick auf Friedrich‘s des Großen Schloss „Sanssouci“ den Namen „Sanspareil“ erhielt.

Seinem Günstling, dem Minister Fritz Ellrodt, zu Liebe erbaute er 1753 die Kirche zu Neudrossenfeld. Im Jahre 1758 ließ Markgraf Friedrich in Donndorf, das damals wegen einer großen Linde bekannt war, ein neues Schloss aufführen, das er seiner zweiten Gemahlin schenken wollte, weil ihr Colmdorf nicht recht gefiel. Dieser Schlossbau wurde aber erst 1765 nach Friedrichs Tod vollendet.
Im Jahre 1742 fasste er den Plan, die Ritterakademie von Erlangen nach Bayreuth zu verlegen und sie mit dem Bayreuther Gymnasium zu einer Akademie der höheren Wissenschaften (Universität) zu vereinigen. Seine aufgeklärte Gemahlin war die Haupturheberin dieses Planes. Die neu gegründete Universität konnte jedoch zu keiner Blüte gelangen. Schon vom nächsten Jahre an (1743) wurde der Sitz der Universität wieder nach Erlangen verlegt, wo bereits brauchbare Gebäude vorhanden waren.
Die Pracht- und Prunkliebe des Markgrafen trat vor allem bei den vielen Festlichkeiten hervor. Seine Gattin spöttelte mehrmals über die kleinstädtischen Verhältnisse Bayreuths. Da wollte nun Friedrich ihr an Unterhaltung möglichst viel bieten. - In dem 1748 vollendeten, doch erst im Jahre 1754 eingeweihten Opernhaus wurden großartige Vorstellungen gegeben. Mit einem 90 Mann starken, auserlesenen Opern- und Ballettpersonal wurde bei großartigem Aufwand in diesem Kunsttempel gespielt. Während sein Vater in der Sparsamkeit soweit ging, dass er musikalisch veranlagte Kanzlisten anstellte, um sie bei Theatervorstellungen verwenden zu können, hielt Friedrich außer seiner deutschen Hofkapelle 9 italienische Sänger und Sängerinnen sowie 32 französische Schauspieler und Tänzer.

Als des Markgrafen Schwager Friedrich der Große am 14. Juni 1754 in Bayreuth zu Besuch weilte (zum vierten Mal), hatte die Markgräfin den Text und einige Arien zu einer neuen vom Italiener Bernasconi komponierten Oper „l‘Huomo“, selbst entworfen. Mit Theater oder Darstellung lebender Bilder waren die Gartenfeste im Hofgarten von St. Georgen, auf der Eremitage bei Bayreuth und Wonsees, sowie Wasserfeste auf dem Brandenburger Weiher verbunden. Die Eremitage bei Bayreuth war vor allem der Schauplatz jener wundervollen und allegorischen Darstellungen aus der Mythologie, in deren Anordnung sich die Markgräfin so sehr gefiel.

Am 14. Oktober 1758 - demselben Tage, an dem ihr Bruder von den Österreichern bei Hochkirch geschlagen wurde - starb die Markgräfin bei vollem Bewusstsein an derselben Krankheit wie ihr Vater, nämlich an der Wassersucht, im Alter von 49 Jahren. - Nach Markgräfin Wilhelmines Tode verfiel manches, wofür sie sich besonders interessiert hatte. So ging die Oper ein, auch das bisherige Redoutenhaus wurde verkauft. Es wurde stiller am Hofe, da auch Friedrich der rauschenden Lustbarkeiten müde zu werden schien.
Am 20. September des folgenden Jahres (1759) vermählte sich der Markgraf im Alter von 48 Jahren zum zweiten Mal mit der 22 Jahre alten Prinzessin Sophie Karoline Marie von Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach nur vierjähriger, kinderloser Ehe, ereilte den Markgrafen - erst 52 Jahre alt - der Tod. Seine irdische Hülle wurde in der neuen Schlosskirche beigesetzt. In dieser ruhen ihm zur Seite seine erste Gemahlin Friederike Sophie Wilhelmine und deren Tochter Elisabeth Friederike Sophie.

Quelle: 66