Unter Markgraf Friedrich gelangte Bayreuth zu besonderer Blüte.
Er baute die von seinem Vater Georg Friedrich
Karl begonnene Friedrichstraße zu einem prunkvollen Straßenzug
aus. Er war der Ehemann von Markgräfin Wilhelmine.
Begraben liegt er in der Bayreuther Schloßkirche. Die Regierungszeit
war von 1735 - 1763. Seine jüngere Schwester war Prinzessin Sophie
Wilhelmine. Markgraf Friedrich errichtete die Bayreuther
Freimaurer-Loge "Eleusis zur Verschwiegenheit".
Er hatte in Genf studiert, war als Prinz Gast an etlichen
europäischen Höfen gewesen, spielte Cello, und wie seine Gemahlin komponierte
und malte er auch. Er hafte eine weltmännische und selbstsichere Art, mit
Personen aller Stände umzugehen, was man von ihrer „königlichen Hoheit“ nicht
gerade behaupten kann. Die schönste Straße der Stadt, die Friedrichstraße, ist - obgleich schon
von einem Vorgänger geplant - vor allem Friedrichs Werk. Wer bauen wollte
und sich an festgelegte Richtlinien hielt, bekam kostenlose Grundstücke,
billige Baumaterialien und Steuererleichterungen.
Wie die Ehe der Tochter war auch die Ehe der Eltern nicht
eben glücklich: Friedrich ließ sich von der schönen, geldgierigen und intriganten
Wilhelmine von Marwitz umgarnen, und der Markgräfin gelang es nicht mit guten
und nicht mit weniger feinen Finten, die ehemalige Busenfreundin und spätere
Konkurrentin vom Hals ihres Gemahls zu schaffen. Die Schulden nahmen schließlich
derart überhand, dass Gläubiger schon mit gerichtlichen Klagen gegen den Markgrafen
vorgingen und Bankrott drohte. Friedrich hinterließ bei seinem Tod 1763 ein
Manko von fast vier Millionen Gulden; hinterließ aber eben auch einige bauliche
Juwelen, ohne die Bayreuth heute nicht Bayreuth wäre. Die Untertanen nahmen
ihrem Friedrich ohnehin nichts übel. Sie mochten ihn, und bei seinem Tod
sah man sie auf den Straßen und in den Dörfern weinen.
Dem Markgraf Georg Friedrich Karl folgte sein Sohn Friedrich
(1735 - 63). - Auf eigentümliche Weise wurde Friedrichs Studienzeit
unterbrochen. Im Sommer des Jahres 1730 besuchte Friedrich Wilhelm I.., König
von Preußen, den Vater Friedrichs, den Markgrafen Georg Friedrich Karl
in Bayreuth. Der Etikette gemäß holte ihn dieser in Bindlach mit
seinem ererbten alten Staatswagen ab. Die Dienerschaft hatte Mühe, den
schwankenden Wagen aufrecht zu erhalten; so schlimm waren damals noch die
Wege. Darüber erzürnte sich der König gewaltig, er fluchte
und schrie öfters: „Donner und Wetter! Feuer her, um den Schinderkarren
zu verbrennen!“ Seine Flüche verhallten im Toben eines noch hinzugekommenen
heftigen, mit Regengüssen niedergehenden Gewitters. Der stille, gottesfürchtige
Fürst saß, die Hände faltend, neben ihm. Am anderen Tag sagte
der König zum Markgrafen: „Herr Vetter! Was macht Ihr älterer Sohn
so lange auf Universitäten? Lassen Sie ihn heimkommen; ich will ihm
meine älteste Tochter zur Frau geben.“ - Der Vater fühlte sich
durch die Aussicht, dass sein Sohn eine Königstochter zur Frau
bekäme, geschmeichelt. Er veranlasste den Prinzen zur Heimkehr
und dessen Vermählung mit der zwei Jahre älteren Friederike Sophie
Wilhelmine - so hieß die älteste Tochter des preußischen
Königs - fand im Oktober des Jahres 1731 statt.
Unter der Regierung Friedrichs hatte die Stadt Bayreuth ihre Glanzzeit. Eine
Menge Geld verwendete er auf Bauten, so dass man ihn den Baumeister
unter den Bayreuther Markgrafen nennen möchte. Anfangs wurden deutsche
Meister bevorzugt, später aber nur Franzosen und Italiener. Im Jahre
1737 ließ er durch den Hofbaudirektor J. Fr. Grad und den Bauinspektor
Johann Georg Weiß, einen einheimischen Meister, die baufällige
Kavalleriekaserne am Mainufer umbauen.
Alle schönen Bauten, welche die Stadt Bayreuth noch aus früheren
Zeiten aufzuweisen hat, sind großenteils unter ihm entstanden. Wir
nennen das große und prächtige Opernhaus, zu dessen Bauleitung
(1746 - 48) der kaiserliche Architekt Guiseppe Galli Bibiena von Wien berufen
wurde.
Allerdings rührt die Fassade des Opernhauses nicht von Bibiena her, sondern von
St. Pierre,
da das Gebäude nicht italienischen, sondern französischen Charakter
trägt und große Ähnlichkeit mit dem Baustil des von St. Pierre
erbauten neuen Schlosses hat. Dagegen ist Bibiena unstreitig der Schöpfer
des im italienischen Barockstil gehaltenen Inneren, wie die Inschrift über
der Hofloge bezeugt.
Im alten Reithaus, das 1748 erbaut wurde, stand auch ein Komödienhaus,
das sog. kleine Opernhaus, das durch einen Gang mit dem neuen Schloss
zusammenhing. Im Jahre 1761 wurde es eingerissen, dafür von St. Pierre
ein neues Reithaus gebaut und um ein Stockwerk erhöht. 1786 wurde in
diesem neuen Reithaus gleichfalls ein kleines Theater errichtet. Es diente
als Ersatz für das Opernhaus, das nur wenig benützt wurde, weil
sich wegen Heizung und Beleuchtung Schwierigkeiten geltend machten.
Nachdem das Opernhaus vollendet war, begann 1749 der Bau des rechten Flügels
der Kanzlei, ferner der Bau der Münzstätte und des Ballhauses,
sowie die Anlage eines neuen herrschaftlichen Hofgartens. Bald darauf nahm
Markgraf Friedrich gleichzeitig den Bau zweier Schlösser in Angriff.
- Das alte Schloss ging am Freitag, den 26. Januar 1753 in Flammen auf. Anfangs
wollte Markgraf Friedrich nur das alte Schloss wieder aufbauen. Allein
er fügte sich bald den Vorstellungen seiner Baudirektoren, die ihm rieten,
ein neues Schloss an einem andern Platz aufzuführen. So entstand
das neue Schloss in der jetzigen Ludwigstraße. Ende November 1754 -
also in nicht ganz zwei Jahren - war es im Großen und Ganzen fertig.
Mit dem Bau des neuen wurde aber zu gleicher Zeit auch der des alten Schlosses
und der abgebrannten Schlosskirche begonnen. Sie wurde im Jahre 1758
fertiggestellt. Im Jahre 1759 wurde dem neuen Schloss noch der „Italienische
Bau“ hinzugefügt. - Die von seinem Vater zu Gunsten des Waisenhauses
angelegte und nach ihm benannte „Friedrichstraße“ verlängerte
er.
Wie Markgraf Friedrich selbst neue Gebäude in Bayreuth errichtete, so
sah er es gerne, wenn auch der Adel und die Bürger seinem Beispiel folgten.
Den Baulustigen wurden von ihm wesentliche Unterstützungen zuteil (z.
B. Umlagenfreiheit, freier Grund und Boden, die Hälfte des nötigen
Bauholzes). Namentlich die Fassadenbildung und innere Ausschmückung
der Gebäude der Friedrichstraße lassen heute noch den ehemaligen
Wetteifer im Bauen erkennen. - Zu den berühmtesten Architekten, die
an diesen Häusern bauten, zählten die Künstlerfamilie
Ränz, der fürstliche Hofarchitekt
Joseph St. Pierre,
der außer den genannten Bauten des Opernhauses, der Spital- und Schlosskirche
auch noch das Liebhardtsche (jetzt Steingräbersche) und das
Ellrodtsche Haus erbaute, ferner der Hofbaudirektor Grad. Die meisten Häuser aber baute
Karl Christian Gontard,
der Schüler St. Pierres. Von ihm stammen z. B. das Jägerhaus, das
v. Reitzensteinische Palais, das Harmoniegebäude und das daneben stehende
Gontardsche Haus, das der Erbauer selbst bewohnte, ferner die Hofapotheke
und das
Spindlersche Haus in der Ludwigstraße.
Friedrichs Baukunst verewigte sich aber auch in Orten außerhalb Bayreuths.
Unter ihm, namentlich auf Veranlassung seiner Gemahlin, wurde das Lustschloss
„Eremitage“ bei Bayreuth im französischen Geschmack jener Zeit mit einem
Aufwand von mehr als einer Million Gulden ausgeschmückt und verschönert.
Die sogenannte „neue“ Eremitage (das untere Schloss mit dem herrlichen
Sonnentempel und dem Bassin) wurde 1749 bis 1753 von diesem Fürstenpaar
geschaffen, ebenso 1746 die andere aber kleinere Eremitage zu Zwernitz (bei
Wonsees), die im Hinblick auf Friedrich‘s des Großen Schloss „Sanssouci“
den Namen „Sanspareil“ erhielt.
Seinem Günstling, dem Minister
Fritz Ellrodt,
zu Liebe erbaute er 1753 die Kirche zu Neudrossenfeld. Im Jahre 1758 ließ
Markgraf Friedrich in Donndorf, das damals wegen einer großen Linde
bekannt war, ein neues Schloss aufführen, das er seiner zweiten Gemahlin
schenken wollte, weil ihr Colmdorf nicht recht gefiel. Dieser Schlossbau
wurde aber erst 1765 nach Friedrichs Tod vollendet.
Im Jahre 1742 fasste er den Plan, die Ritterakademie von Erlangen nach Bayreuth
zu verlegen und sie mit dem Bayreuther Gymnasium zu einer Akademie der höheren
Wissenschaften (
Universität) zu vereinigen.
Seine aufgeklärte Gemahlin war die Haupturheberin dieses Planes. Die
neu gegründete Universität konnte jedoch zu keiner Blüte gelangen.
Schon vom nächsten Jahre an (1743) wurde der Sitz der Universität
wieder nach Erlangen verlegt, wo bereits brauchbare Gebäude vorhanden
waren.
Die Pracht- und Prunkliebe des Markgrafen trat vor allem bei den vielen Festlichkeiten
hervor. Seine Gattin spöttelte mehrmals über die kleinstädtischen
Verhältnisse Bayreuths. Da wollte nun Friedrich ihr an Unterhaltung
möglichst viel bieten. - In dem 1748 vollendeten, doch erst im Jahre
1754 eingeweihten Opernhaus wurden großartige Vorstellungen gegeben.
Mit einem 90 Mann starken, auserlesenen Opern- und Ballettpersonal wurde
bei großartigem Aufwand in diesem Kunsttempel gespielt. Während
sein Vater in der Sparsamkeit soweit ging, dass er musikalisch veranlagte
Kanzlisten anstellte, um sie bei Theatervorstellungen verwenden zu können,
hielt Friedrich außer seiner deutschen Hofkapelle 9 italienische Sänger
und Sängerinnen sowie 32 französische Schauspieler und Tänzer.
Als des Markgrafen Schwager Friedrich der Große
am 14. Juni 1754 in Bayreuth zu Besuch weilte (zum vierten Mal), hatte die
Markgräfin den Text und einige Arien zu einer neuen vom Italiener Bernasconi
komponierten Oper „l‘Huomo“, selbst entworfen. Mit Theater oder Darstellung
lebender Bilder waren die Gartenfeste im Hofgarten von St. Georgen, auf der
Eremitage bei Bayreuth und Wonsees, sowie Wasserfeste auf dem Brandenburger
Weiher verbunden. Die Eremitage bei Bayreuth war vor allem der Schauplatz
jener wundervollen und allegorischen Darstellungen aus der Mythologie, in
deren Anordnung sich die Markgräfin so sehr gefiel.
Am 14. Oktober 1758 - demselben Tage, an dem ihr Bruder von den Österreichern
bei Hochkirch geschlagen wurde - starb die Markgräfin bei vollem Bewusstsein
an derselben Krankheit wie ihr Vater, nämlich an der Wassersucht, im
Alter von 49 Jahren. - Nach Markgräfin Wilhelmines Tode verfiel manches,
wofür sie sich besonders interessiert hatte. So ging die Oper ein, auch
das bisherige Redoutenhaus wurde verkauft. Es wurde stiller am Hofe, da auch
Friedrich der rauschenden Lustbarkeiten müde zu werden schien.
Am 20. September des folgenden Jahres (1759) vermählte sich der Markgraf
im Alter von 48 Jahren zum zweiten Mal mit der 22 Jahre alten Prinzessin
Sophie Karoline Marie von Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach nur vierjähriger,
kinderloser Ehe, ereilte den Markgrafen - erst 52 Jahre alt - der Tod. Seine
irdische Hülle wurde in der neuen Schlosskirche beigesetzt. In dieser
ruhen ihm zur Seite seine erste Gemahlin
Friederike Sophie Wilhelmine und deren Tochter
Elisabeth Friederike Sophie.