Max Stirner

"Max Stirner" war der Deckname des Philosophen Kaspar Schmidt.

Dieses Bild ist leider nur ein Phantasiebild, weil Stirner
zu Lebzeiten nie echt porträtiert wurde. Es gibt nur ein
Totenbild (siehe diese Seite ganz unten).
* 25.10.1806 (Bayreuth)
† 25.06.1856 (Berlin)

Folgendes zitiere ich von der Webseite des Max-Stirner-Archives in Leipzig, von der auch die Bilder sind:

Noch nicht so lange ist es her, als in Bayreuth an der Ecke von Maximilianstraße und Brautgasse eine Gaststätte ihr Domizil hatte. "Stirnerhaus" war ihr Name - eingedenk der Tatsache, daß dort, in der Maxstraße 31, am 25. Oktober 1806 ein gewisser Instrumentenmacherssohn Johann Caspar Schmidt geboren wurde, der später unter dem Pseudonym "Max Stirner" als Verfasser des Werkes "Der Einzige und sein Eigentum" (1844) der Stadt Bayreuth zu mehr als nur einer Fußnote in den geistes- wissenschaftlichen Nachschlagewerken verhalf. Das Leben des drittbesten Schülers des (wie man heute sagen würde) Abiturientenjahrganges 1826 der "Königlich Bayerischen Studienanstalt zu Bayreuth" (vor- und nachmals "Christian-Ernestinum"), der nach erfolgreichem Philosophiestudium in Erlangen, Königsberg und Berlin, als Lehrer, Journalist, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer tätig war, verlief unspektakulär - bis ihn in Berlin, seiner Wahlheimat seit 1832, als Konsequenz eines falsch behandelten infizierten Insektenstichs eine Blutvergiftung und in deren Gefolge am 25. Juni 1856 der Tod ereilte. Schon zu Lebzeiten kaum mehr gekannt - seinem "Einzigen" war zunächst nur ein flüchtiger Achtungserfolg beschieden gewesen, erst lange nach seinem Tode kam das Buch als Grundlagenwerk eines gegen ideologische und moralische "fixe Ideen", Totalitarismus, Vermassung und Herdenmenschentum gerichteten bewußten Individualismus zu einer gewissen Bedeutung und Verbreitung -, fiel Stirner nun nahezu völlig der Vergessenheit anheim. Was an Nachlaß des in seinem letzten Lebensjahrzehnt oft von materieller Not Heimgesuchten noch vorhanden gewesen sein mag, ging durch gedankenlose Unachtsamkeit verloren oder wurde in alle Winde zerstreut. Mit ihm verscholl auch eine noch an Stirners Totenbett angefertigte Zeichnung des Philosophen; von etwaigen weiteren authentischen Bildern des Philosophen ist nichts bekannt. Schon der Schriftsteller John Henry Mackay (1864-1933), der ein Vierteljahrhundert seines Lebens (von 1889 bis 1914) daran gab, aus allerlei verstreuten Zeugnissen und verklingenden Erinnerungen Vita und Werk des von ihm verehrten "Einzigen" zu dokumentieren, mußte resigniert feststellen, daß es wohl keine Hoffnung mehr gebe, ein authentisches Bild Max Stirners aufzutreiben. Als kümmerlicher Ersatz mußte eine karikaturenhafte Skizze herhalten, die Friedrich Engels noch 1892 - über fünfzig Jahre nachdem er im Berliner vormärzlichen Intellektuellenzirkel der "Freien" mit Stirner zusammengetroffen war - für Mackay angefertigt hatte. Diese sowie eine (ebenfalls von Engels stammende) Karikatur der "Freien" mit Stirner waren die einzig erhaltenen von einem Zeitgenossen Stirners herrührenden Bilder, die zumindest einen vagen Eindruck von Stirners äußerer Erscheinung boten.

Quelle: 2, 3

Weitere Links:
http://www.lsr-projekt.de/ms.html
http://www.max-stirner-archiv-leipzig.de

Max Stirners Lebenslauf

Johann Kaspar Schmidt, alias Max Stirner, ist in Bayreuth, seiner Geburtsstadt unvergessen und wurde mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus, Maximilianstraße 31, geehrt. Er stammt, weiß Gott, nicht aus einer besonderen Familie, sondern wurde am 31.10.1806 als Sohn eines blasenden Instrumentenmachers Albert Christian Heinrich Schmidt aus Ansbach und der aus Erlangen gebürtigen Tochter des Postboten Reinlein geboren. Wegen seiner auffallend hohen Stirn erhielt er später von seinen Kommilitonen den Spitznamen Stirner, dem er noch den Vornamen Max hinzufügte. Diesen Namen benützte er für die Herausgabe seiner Werke als Pseudonym, und als Max Stirner fand er Eingang in die Geschichte der Philosophie.
Schon im Alter von erst zwei Jahren verlor er seinen Vater, und seine Mutter heiratete zwei Jahre danach den Provisor der Bayreuther Hofapotheke,
namens Ballerstedt, der noch im gleichen Jahr Bayreuth verließ und mit seiner Frau und dem Jungen nach Kulm in Westpreußen übersiedelte. Hier in der kleinen Weichselstadt verlebte der Junge von 1810 bis 1818 unbeschwerte Jugendjahre. Bald jedoch stellte sich heraus, daß der Knabe seine Altersgenossen in der Schule weit überragte. Da es im Umkreis keine höhere Lehranstalt gab, brachte ihn der Vater, der sich ihm eingehend widmete und für eine gute Ausbildung Sorge trug, nach Bayreuth, wo er ihn bei seinem Paten, dem Strumpfwirkermeister Sticht, in Logis und Verpflegung gab, denn der Junge sollte das in deutschen Landen hochangesehene Gymnasium in Bayreuth besuchen. Bald überragte auch hier der begabte Schüler seine Klassenkameraden durch seine schnelle Auffassungsgabe und seine Gedächtnisleistungen.


(v.l.n.r: Stirnerhaus, Brautgasse, altes Rathaus)

Er legte deshalb im Jahr 1826 ein sehr gutes Abitur ab und entschloss sich danach, an der Universität in Berlin sein Studium zu beginnen, wo er in den ersten Semestern Philologie und Philosophie zu hören begann. Da in jenen Jahren der hervorragendste Philosoph seiner Zeit, Georg Friedrich Hegel (1770 bis 1831), hier lehrte, empfing er hier die anregendsten Impulse für sein späteres Werk, die seine Kreativität auf dem Gebiet der Philosophie ungemein förderte. Im Oktober 1828 wechselte er die Universität und immatrikulierte sich in Erlangen, unternahm dann im Sommer 1829 eine längere Reise durch ganz Deutschland, wechselte 1830 an die Universität in Königsberg, wo er bis 1832 blieb, um dann wieder nach Berlin zurückzukehren (1832 bis 1835), wo er sein Studium abschloß und dann im April 1835 die Abschlussprüfung, allerdings nicht mit Prädikat, ablegte und die Lehrbefähigung für den Unterricht an den unteren Gymnasialklassen vom Provinzkollegium erhielt. Sein Probejahr als Lehrer erlebte er an der kgl. Realschule in Spilleke.
Als er sich 1837 um eine Anstellung im staatlichen Schuldienst bewarb, erfuhr er eine unbegreifliche Ablehnung, die ihn vor allem finanziell sehr belastete, denn seine familiären Verhältnisse veränderten sich zu seinen Ungunsten. Sein Stiefvater und uneigennütziger Förderer Ballerstedt war in Kulm im Juli 1837 gestorben, und im Oktober mußte seine Mutter wegen einer sich abzeichnenden Geisteskrankheit in eine private Anstalt in Berlin eingewiesen werden. Last not least heiratete er im Dezember 1837 die Stadthebamme Clara Kunigunde Burtz, was ihm auch gesellschaftlich etwas geschadet hatte. Schon ein Jahr später starb die junge Frau im Kindbett, und Max Stirner zog zu seiner Schwiegermutter in der Neuen Friedrichstraße, die ebenfalls Hebamme war. Ein neues Gesuch um Anstellung lehnte das hochmögende staatliche Schulkollegium ab, so daß sich Max Stirner veranlaßt sah, sich um eine Anstellung im privaten Schulbereich zu bewerben, was ihm dann bei der „Privaten Lehr- und Erziehungsanstalt für höhere Töchter“ bei Madame Gropius gelang. Hier war er bald als Lehrer nicht nur respektiert, sondern genoss ein großes Ansehen, weshalb er hier nun über Jahre hinweg, zwar finanziell nicht gerade gut bedacht, aber doch ein sorgloses und ungetrübtes Leben führen konnte. Nur lebte er geistig sehr angespannt und in der Dialektik zwischen seiner Tätigkeit als Lehrer und seinem immer stärker werdenden Drängen als philosophischer Denker, bis ihn diese Spannung zu einem plötzlichen Entschluss trieb.
Dieser hing mit seiner privaten und persönlichen Lebensführung zusammen. Denn Max Stirner, der diesen Namen von seinen Kommilitonen in Berlin wegen seiner auffallend hohen Stirn bekommen hatte, gehörte in Berlin zu einem spätromantischen Kreis von jungen „Stürmern und Drängern“, der sich „Die Freien“ nannte und deren Mitglieder in der Hippelschen Weinstube verkehrten. Sie bildeten einen politischen und literarischen Gesprächskreis und begegneten mit kritischen und journalistischen Arbeiten dem Metternichschen Uberwachungssystem im sogenannten „Vormärz“.
Zum Kreis der „Freien“ zählten namhafte, später berühmt gewordene Persönlichkeiten, wie der Dichter Georg Herwegh (1817 - 1875), der nach 1848 ausgewiesen wurde und in der Schweiz lebte, wo sich eine beträchtliche Schar deutscher Emigranten sammelte. Der Dichter trat als politischer Anhänger des Deutschen Allgemeinen Arbeitervereins hervor und schuf das berühmte, heute noch wirksame Gedicht:

„Mann der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht,
alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“


Auch der Breslauer Professor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1876) war ein Gast der Hippelschen Weinstube, der wegen seiner eigentlich recht harmlosen „Politischen Lieder“ seine Stellung verlor, deshalb als Wandersänger durch Deutschland tingelte, auf Helgoland 1821 das „Deutschlandlied“ geschrieben hatte und sich durch zahlreiche noch heute gesungene Kinderlieder bekannt gemacht hatte, z. B. „Alle Vöglein sind schon da.. .„ oder „Ein Männlein steht im Walde.. .„Auch der Dichter Wilhelm Jordan (1819 - 1905) zählte zu dem Kreis, der eine Neufassung „Der Nibelungen“ geschrieben hatte und zahlreiche Studentenlieder, wie „Gaudeamus igitur“. Der Kreis aber ergänzte sich durch zwei Männer, die Weltgeschichte gemacht haben, nämlich durch Karl Marx und Friedrich Engels. Daß diese Persönlichkeiten unseren heranreifenden Philosophen geistig und schöpferisch befruchteten und ihm anregende Denkimpulse und -anstöße vermittelten, die für sein späteres philosophisches Werk unerlässlich waren, lässt sich darin deutlich erkennen, ging es ihm doch in all seinem Denken um das Ideal der Freiheit.
1840 heiratete Max Stirner die recht wohlhabende Apothekerstochter Maria Dänhardt, von der er sich nach knapp drei Jahren scheiden ließ, denn der recht schwierige, in anderen Sphären lebende und denkende Philosoph war alles andere als ein verträglicher und kompromissbereiter Ehemann. So musste die eigentlich recht fröhlich begonnene Ehe vorzeitig scheitern. Diese Marie Dänhardt hatte nach der Trennung von Max ein besonderes Schicksal, das mir erwähnenswert erscheint, deshalb sei ein kleiner Exkurs erlaubt. Die beiden hatten nämlich in ihrer kurzen Ehe ein flottes, sogar aufwendiges Leben geführt, manche finanzielle Dummheit begangen, indem die Marie an dubiose Geschäftemacher Geld verlieh. So war das Vermögen allmählich dahingeschmolzen wie Frühlingsschnee, und sie floh zu ihrer jüngeren Schwester, die in London lebte. Aber mit der jungen Frau kam sie wegen deren gesellschaftlichen Ambitionen nicht zu Rande. Deshalb kaufte sie sich vom Rest ihres geretteten Geldes eine Überfahrt nach Australien, wozu sie eine Bekannte ihrer Schwester überredet hatte. Doch dort wäre sie als Einwanderin beinahe zugrunde gegangen, fand keine Anstellung und mußte sich als Waschfrau oder Dienstmagd in Kneipen ein kärgliches Brot verdienen, Ihre Rettung war der Tod ihrer Londoner Schwester, deren Vermögen sie erbte und womit sie die Rückreise nach Europa bezahlen konnte.
Stirner jedoch nützte die neugewonnene Einsamkeit, trat aus der Mädchenschule unvermittelt aus und vollendete Ende Oktober sein Werk „Der Einzige und sein Eigentum“ im Jahr 1845. Er hatte 1844 Bruchstücke seines Werkes einigen Verlegern angeboten, die aber lehnten alle ab. Nur sein Freund Otto Wiegand, der eine der angesehensten buchhändlerischen Firmen in Deutschland innehatte und auch die radikalsten Werke dieser Epoche verlegte, brachte in Leipzig das Gesamtwerk heraus. Das Buch trug als Widmung „Meinem Liebchen Marie Dänhardt“, somit fand sie Eingang in die philosophische Literatur. Doch es war von jeher das Streben der öffentlichen Gewalt, ihr feindliche Gedanken zu unterdrücken und deren Verbreitung zu verhindern. Schon in Sachsen, wo ja das Werk erschienen war, verfiel es der Zensur, und die Kreisdirektion von Leipzig verfügte die Beschlagnahme. Es sollen ihr noch 250 Exemplare in die Hände gefallen sein. Doch nach einigen Wochen wurde die Beschlagnahme vom Ministerium des Innern wieder aufgehoben, weil das Buch „zu absurd“ sei (Mackay, S. 127). In Preußen, Kurhessen und Mecklenburg-Schwerin wurde es verboten und die Verfügung niemals wieder aufgehoben. Es fand daher unter der studierenden Jugend begeisterte Leser und ging von Hand zu Hand.
Dem Autor aber war kein durchschlagender Erfolg beschieden; mehr als tausend Exemplare, die ganze Auflage umfassend, sind nicht abgesetzt worden. Kaum einer auch von seinen Freunden würdigte das Werk, denn aller Interesse wandte sich der aufkeimenden gewaltsamen Lösung der politischen Lage in Deutschland durch eine Revolution zu, und nach deren Niederschlagung durch die Reaktion blieb es unbeachtet und verfiel dem Vergessen. Ihm erging es wie so vielen deutschen genialen Denkern und Dichtern, die oft posthum zu Ehren gelangten.
Inzwischen hatte auch der junge Marx sein erstes Werk veröffentlicht, und zwar in Paris „Misere de la Philosophie“, seine Kritik an dem bürgerlichen Liberalismus bekannt und die geistige Willensbekundung des sogenannten „Vierten Standes“ (Arbeiterklasse) als kommende Revolution des Proletariats proklamiert, die dann 1848 in sein „kommunistisches Manifest“ mündete: „Ein Gespenst geht um in Europa... das Gespenst des Kommunismus..
Auch der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804 - 1872) trat mit seinen „Thesen“ hervor und stellte das Gottesbild als ein von Menschen geschaffenes Wunschideal dar, er lenkte dadurch den Blick auf eine positivistische Wirklichkeitsbejahung. Schließlich hatte auch Friedrich Hegel, der Philosophiepapst dieser Epoche, sein umfassendes Weltbild mit dem zentralen Gedanken vorgestellt, daß sich die göttliche Vernunft in der Weltgeschichte manifestiere. Gegen dieses konservative Staatsdenken wandten sich Marx und Engels mit ihrem sozialistischen Gedankengebäude. So entstand in dieser Umbruchszeit, in die Max Stirner hineingestellt worden war, auch die marxistische Philosophie mit ihrem vom Historischen Materialismus ausgehenden Dialektischen Materialismus, dessen Vater die Hegelsche Dialektik genannt werden kann. Man erkennt die frischaufquellende philosophische Dynamik, die sodann mit Friedrich Nietzsche und Schopenhauers Pessimismus zu einem geistig weitreichenden Einfluß gelangte, ja, die Denkstrukturen bis heute beeinflußt hat. Dass hier hinein auch das Werk Stirners Eingang gefunden hat, soll die anschließende Interpretation beweisen.
Die letzten zehn Jahre aber, nachdem er mit seinem „Einzigen“ den eigenen Kulminationspunkt erreicht hatte, mit seiner Ehe jedoch gescheitert war, lassen einen dramatischen Abstieg seines doch recht kurzen Lebens erkennen. So ist bekannt, daß sich Stirner weder für die 48er Revolution engagiert, noch geistigen Anteil daran gewonnen hatte, während seine Freunde aus dem Kreis der „Freien“ nicht nur subjektiv an den Ereignissen im März 1848 teilnahmen und einige sogar bei den Barrikadenkämpfen verwundet wurden und gefallen sind. Sein Freund Löwenstein wurde z. B. schwer verwundet und ein anderer, Ottensossen, schmachtete einige Jahre im Gefängnis. Die Hippelsche Weinstube war eine Art Stabsquartier für die Aufständischen, die sich dort - wie Zeitgenossen berichtet hatten - zu Hunderten aufgehalten hätten, so daß der Wirt sie nicht alle versorgen konnte. Doch nach der Erfolglosigkeit des Aufstandes lösten sich die „Freien“ auf und ihr revolutionärer gemeinsamer Elan verlor sich in Einzelschicksalen im Kampf um das nackte Überleben.
Eine neue Epoche löste den Vormärz ab, die der Restauration der siegreichen Monarchien, die Reaktion auf die Revolution zerstörte einfach alles, was so hoffnungsfroh angestrebt worden war und die alten Zwingburgen des mittelalterlichen Geistes wurden in neuen Formen wieder aufgebaut, welche die ‚Freien‘ mit ihrem Sturmbock der Kritik vernichtet zu haben meinten“ (Stirner). Es war auch nicht sein Kampf, das Blut und die Barrikaden, denn er hatte Gewalt stets zutiefst verabscheut und um ihre zerstörende Macht gewußt, so daß er an dem Sieg der Reaktion nie gezweifelt hatte. Es gab also in dem vereinsamten Leben des Philosophen in der 48er Zeit keinen Aufruhr, und er lebte weiter echt berlinerisch, begnüglich und war nur bemüht, unbemerkt zu bleiben.
Zu Anfang des Jahres 1852 veröffentlichte er sein zweites Werk „Die Geschichte der Reaction“, das in zwei Teilen erschien, „1. Die Vorläufer der Reaction“, und „2. Die moderne Reaction“. Beide Teile sind jedoch nur teilweise Stirners geistiges Eigentum, sondern mehr eine Sammlung fremder Aufsätze und Studien, und er verzichtete am Schluss auch darauf, die Reaction der Absoluten Monarchie in ihren Auswirkungen in Frage zu stellen oder gar zu richten: „Sie stellt sich in ihren Entscheidungen und Wirkungen selbst vor das Tribunal der Geschichte“ (Stirner). Dieses Werk war sein letzter öffentlicher Auftritt, ja sein Name wird nirgends mehr genannt, und man kann die folgenden Jahre von 1848 bis fast 1856 als seine elendsten bezeichnen.
Denn zweimal wurde er wegen seiner Schulden in Schuldarrest genommen im März 1852 und September 1853, weil er seine Schulden nicht begleichen konnte und ihm auch niemand helfen wollte. Aber die Haft dauerte meistens nur ein paar Wochen, denn nach preußischem Recht mußte der Gläubiger die Kosten für den Arrest selbst bezahlen. Man war natürlich nicht daran interessiert, dass dies sich länger hinauszögerte, zumal ja ein Schuldner nichts verdiente. Wenn man aber bedenkt, daß noch 1845 Max Stirner als der glänzendste Denker seiner Zeit gefeiert wurde, nach ein paar Jahren vor der Verfolgung durch seine Gläubiger flüchten musste und monatlich sogar seine Wohnungen wechselte, dann weiß man, was das Wort bedeutet „sic transit gloria mundi“. Auf dem Höhepunkt seines Elends und knapp vor dem Abgrund ward ihm unverhoffte Rettung zuteil, denn er konnte das Haus seiner Mutter in Schwetz bei Kulm an der Weichsel endlich verkaufen und erhielt von dem Käufer Mairsohn die Kaufsumme von 5000 Taler, die der in Wechseln zu 1000 Taler bezahlte. Jetzt fand er bei der Witwe Weiß endlich eine zweizimmrige Bleibe, wo er aller Verfolgung ledig die letzten Jahre seines Lebens, betreut von der guten Vermieterin, ungestört verleben konnte.
Innerhalb weniger Wochen erkrankte er 1856 an einem bösartigen Karbunkel, wurde von einem Arzt falsch behandelt, denn die faustgroße Geschwulst griff mit Eiter andere Körperteile an, so daß auch Eiter ins Blut gelangte und er am 25. Juni 1856 an einem „Nervenfieber“ infolge der Eiterungen verstarb. Sein Grab liegt auf dem Sophienfriedhof in Berlin. Nur drei Freunde hatten ihn auf seinen letzten Weg begleitet, darunter der Erbe seines Werkes, Ludwig Buhl, und die Witwe Weiß. Auf dem Totenbett war er von einem Bekannten noch gezeichnet worden und so im Tode noch festgehalten. (Bild)

Quelle: 70