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| * 21.11.1862 (Hauteroda) † 1945 |
Obermusikmeister, Leiter der Musikkapelle d. 7. Bayer. Inf.-Regiments. Komponist, Chorleiter und Konzertdirigent, Träger der Silbernen Bürgermünze.
Die Militärmusik gehört zu den verklärten
Erinnerungen an Alt-Bayreuth und an den Herzogkeller in der guten
alten Zeit. Nichts Kriegeri-sches ist mit ihnen verbunden -
dafür viel Urgemütliches bei aller musikalischen
Präzision. Vor allem der Name Oskar Jünger hat bis
heute einen besonderen Klang. Der Obermusikmeister des Bayreuther
"Siebener"-Regiments hat es sogar zu einem
Straßennamen gebracht. Wenn er alljährlich zum
Geburtstag des Prinzregenten Luitpold vor seiner Regimentskapelle her
marschierte, waren Tausende Augen bewundernd auf ihn gerichtet. Aber
auch auf dem Herzogkeller waren, wenn Jünger den Taktstock
hob, die Bayreuther zur Stelle.
Geradezu berühmt wurde er durch seine Marsch-Kompositionen,
die das Zeitgefühl der schönen Epoche um 1900 so
trefflich zum Ausdruck brachten. Vor allem sein Marsch ,,Die Welt ist
so schön“ - der übrigens noch bis in die
80er Jahre in der DDR vom Orchester der Nationalen Volksarmee gespielt
wurde - strotzte nur so von Optimismus. Und der Marsch ,,Hoch
Bayreuth“ entsprach ganz dem Lokalstolz der jungen
Festspielstadt.
Aber auch ein Oskar Jünger blieb von Anfeindungen nicht
verschont. Sein 18 Gold-Mark teurer Spazierstock erregte ebenso
Anstoß wie saftige Spesenrechnungen. Überdies
sprach sich herum, dass Jünger vor jedem Standkonzert erst
einmal einige Seidla Bier für den nötigen Schwung
hinunterschmetterte. So kam dass der Obermusikmeister 1914 eine
hochnot-peinliche Untersuchung über sich ergehen lassen musste
- wegen angeblicher ,,Reklamesucht“ und ausschweifender
Saufereien. Doch das Ganze ging aus wie das berühmte
Hornberger Schießen: Nichts kam dabei heraus. Auch so ging
Jüngers schöne Welt schon bald danach mit dem Ersten
Weltkrieg in die Brüche.