Oswald Friedrich Wilhelm Merz

* 10.02.1889 (Schwabach)
† 18.05.1946 (Augsburg)

Studiendirektor, erwarb sich Verdienste um die Arbeitersänger- bewegung. Chorleiter und Dirigent. Vor 1933 Reichsbannerführer der Bayreuther SPD, 1937 wegen Hochverrats verhaftet. Obwohl die Anklage auf schwachen Füßen steht, wird er verurteilt. 1945 wird er als schwer kranker Mann aus dem KZ befreit.

Oswald Merz war nach seiner ersten Verhaftung nach Frankfurt gezogen, wo er in sehr kärglichen Verhältnissen lebte. Zum Verhängnis wurden ihm Reisen nach Bayreuth, wo er sich mit ehemaligen Mitgliedern des Arbeitergesangsvereins traf. Im Halbmonatsbericht vom 06.10.1937 heißt es: „Der frühere marxistische Spitzenfunktionär der SPD und des Reichsbanners Oswald Merz, Studienrat a. D., früher an den Lehrer- bildungsanstalten Schwabach und Bayreuth, jetzt wohnhaft in Frankfurt a. M., unternahm Besuchsreisen nach Hof und Bayreuth, wo er mit früheren Genossen mehrere Zusammenkünfte abhielt; er wurde am 07.09.1937 mit sieben seiner früheren Genossen festgenommen. Wegen Verdachts der Vorbereitung zum Hochverrat kam es schließlich zur Anzeige gegen 17 Personen: Oswald Merz, Johann Franz, Konrad Kettel, Georg Zeitler, Ernst Fickentscher, Hans Bauer, Erhard Roß, Georg Schultheiß, Josef Bauer, Peter Kern, Johann Zahn, Georg Mühl, Josef Sommerer, Max Jahreis, Karl Zimmermann, Karl Seeser, Fritz Fischer.
Oswald Merz wurde zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und nach Verbüßung dieser Strafe nach Dachau eingeliefert. Hier blieb er bis Kriegsende. Er verstarb an den Folgen der Haft am 18. Mai 1946

 
Quelle: 2,8,17

Eine markante Gestalt in der Geschichte der SPD Bayreuth, vor allem als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, ist Oswald Merz.

Er wurde 1889 in Schwabach geboren und besuchte die dortige Lehrerbildungsanstalt. Der ausgezeichnet qualifizierte Volksschullehrer zog mit dem Infanterieregiment 7 ins Feld, wurde schwer verwundet und erhielt mehrere hohe Auszeichnungen. Nach dem Krieg beteiligte er sich in einem Freikorps an der Niederwerfung des Räteputsches in Nürnberg und der Räterepublik in München. 1919 fand er den Weg in die SPD. Er verzichtete auf die ihm zustehende Lehrerstelle und nahm freiwillig das zusätzliche Studium der Pädagogik, Geschichte und Musik auf sich. Nach kurzen Zwischenstationen kam der junge Studienrat an die Lehrerbildungsanstalt Bayreuth und damit in die Stadt seines politischen Schicksals. Hier wurde er politisch aktiv. Fr leitete einen Arbeitergesangverein in St. Georgen, in dem er auch politische Bildung betrieb, und wurde 1924 Leiter des Reichsbanners. Bis zum Jahre 1933 führte Merz mit Wort und Schrift einen scharfen, unerbittlichen Kampf gegen die Nationalsozialisten. Sein örtlicher Gegner, der nachmalige Gauleiter Hans Schemm, verhaftete ihn nach der sogenannten Machtergreifung in der Nacht vom 09.03.1933 persönlich und brachte ihn in das Gefängnis St. Georgen. Von dort wurde er in das Konzentrationslager Dachau verlegt, im September 1933 jedoch entlassen. Er verlor Stellung und Rechte eines Beamten, zog nach Frankfurt und führte mit Frau und Tochter ein kärgliches Leben. Versuche, im Inland und Ausland eine Anstellung zu erhalten, misslangen.


Oswald Merz, schon schwer gezeichnet, 1937 in Frankfurt


1934 und 1937 besuchte er nochmals Bayreuth und suchte Verbindung mit jungen Mitgliedern des ehemaligen Arbeitergesangvereines. Er führte auch eine sehr freimütige Korrespondenz mit allen Freunden, in der er seine politische Meinung sehr offen, geradezu leichtfertig äußerte. Sein zweiter Besuch führte zu Verhaftungen einiger seiner Freunde - darunter Karl Seeser - und zu seiner eigenen Festnahme. In der Anklage wurde er beschuldigt, den organisatorischen Zusammenhalt der aufgelösten SPD betrieben und sich damit eines Verbrechens schuldig gemacht zu haben. Er wurde in Bayreuth zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe kam er sofort zunächst in das KZ Dachau, dann nach Flossenbürg.

Nach Befreiung durch die Amerikaner wurde Merz in das Bayerische Kultusministerium berufen und 1946 zum Leiter der Lehrerbildungsanstalt Bayreuth vorgesehen. Er erkrankte jedoch an den Folgen seiner Haft und verstarb am 18. Mai 1946.

(Ein Auszug aus seinem Gerichtsurteil)

Quelle: 65

Am  1. November 1930 stand in einer Bayreuther Zeitung zu lesen: "Es ist Tatsache, die Arbeit Arbeiter-Sänger-Vereinigung Bayreuth ist unter der genialen Führung ihres Chorleiters Merz auf eine staunenswerte Höhe gelangt. Dies ist inzwischen auch dem gesang- und musikliebenden Publikum Bayreuths zum Bewusstsein gekommen. Daraus erklärt sich der überaus starke Besuch, den andere Konzertveranstaltungen in unserer Stadt bisher nie aufzuweisen hatten. Man bedenke, der größte Saal Bayreuths ist überfüllt und viele Personen mussten wieder umkehren, weil Karten nicht mehr zu haben waren." Diesem Oswald Merz, der allerdings nicht allein ein genialer Chorleiter war, sondern auch ein bedeutender Pädagoge und fränkischer Arbeiterführer, wurde nach dem zweiten Weltkrieg eine Straße gewidmet, in Erinnerung an seine vielen Verdienste um Bayreuth und die Arbeiterbewegung.

Oswald Merz ist gebürtiger Franke. Er erblickte in Schwabach das Licht dieser Welt. Im Lehrberuf sah er für sich die große Aufgabe, junge Menschen zu Persönlichkeiten heranzubilden. Als junger Lehrer zog er in den ersten Weltkrieg, als Oberleutnant kehrte er zurück, mit vielen Orden geschmückt. Aber die Heimat war nicht mehr die von einst. Die Menschen hatten sich gewandelt und Merz erkannte einen neuen größeren Auftrag, der ihm nach dem verlorenen Krieg gestellt war. Er trat der Arbeiterbewegung bei, in der er seine Erziehungsaufgabe verwirklichen konnte.
Zunächst in Rothenburg tätig, kam er bald nach Bayreuth und übernahm 1926 die künstlerische Leitung der Arbeitersängervereinigung. Nach dem ersten Weltkrieg hatten sich in Bayreuth drei Arbeitergesangvereine gebildet, der Arbeitergesangverein St. Georgen, der Arbeitergesangverein "Union" in der Altstadt und der Arbeitergesangverein "Unter uns". In den Jahren 1924 bis 1926 schlossen sich dann die aktiven Teile dieser drei Vereine im "Volkschor Bayreuth" zusammen und 1926 wurde, nachdem Oswald Merz den Altstädter Verein übernommen hatte, die "Arbeitersängervereinigung" gegründet. Sie umfasste damals rund 200 aktive Sänger und Sängerinnen. 1931 kam ein Kinderchor hinzu, dem zeitweise über 400 Kinder angehörten, der aber noch im gleichen Jahr aus "stimmerzieherischen Erwägungen" heraus wieder aufgegeben wurde. Nach der Machtübernahme waren die Arbeitergesangvereine verboten, aber schon ein  Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946 wurde ein neuer Arbeitergesangverein aus der Taufe gehoben. Oswald Merz erlebte noch die ersten Schritte des neuen Vereins, starb aber im Mai des gleichen Jahres. Sein künstlerischer Nachfolger wurde Georg Riedelbauch, der schon 1930 in einem Chorkonzert der Arbeitersängervereinigung als Tenor-Solist bei der Aufführung von Mendelssohns "Walpurgisnacht" mitgewirkt. hatte. Der Chor erhielt den Namen "Oswald-Merz-Chor". Er knüpfte an. die alte Tradition an, wirkte bei vielen Veranstaltungen der Stadt, Parteien und Gewerkschaft mit und hat seitdem das Musikleben Bayreuths maßgebend mitgestaltet.



Wer die alten Konzertprogramme des Chores aus den zwanziger Jahren durchblättert, kann immer wie der feststellen, dass. hier nicht nur gutes altes und gediegenes Liedgut gepflegt wurde, sondern dass sich der Chor auch moderner Volksmusik widmete und große Chorwerke vortrug. Denn Oswald Merz sah in seiner Chorarbeit zugleich eine Erziehungsaufgabe: die Arbeiterschaft mit den großen musikalischen Dichtungen unserer Kultur und der Musik überhaupt vertraut zu machen. So finden sich in den Programmen jeweils Einführungen in das Leben und Werk der Komponisten, Kurzbiographien, Liedtexte und Erläuterungen. Die Programme erreichten einen Umfang bis zu 12 Seiten und wurden wegen Ihrer guten Einführungsnotizen gern von den Zuhörern aufgehoben.

In die Chorkonzerte jener Zeit mischte Merz einzelne Instrumentalstücke, wie etwa daa Mendelssohn Bartholdy gewidmete Konzert vom November 1930. Die Fränkische Volkstribüne unterstützte die Bemühungen von Merz, indem sie vor den Konzerten ausführliche Hinweise und Erläuterungen brachte. In einer Kritik dieser Zeitung stehen die Sätze: »... im zartesten Pianissimo wie im mächtigen Forte zeigten die Sänger beste Ausbildung in Aussprache und Tongebung ... Jeder ist mit Leib und Seele bei der Sache. Merz leitet mit echtem Temperament eines Vollblutmusikers ..."


 
Ein Vollblutmusiker, das war Merz und das bestätigen auch heute noch alle, die ihn als Mensch und als Chorleiter gekannt und erlebt haben. Aber Merz war zugleich ein politisch interessierter und wacher Mensch. Als Studienrat an der Lehrerbildungsanstalt mit den Fächern Musik und Germanistik, beobachtete er sorgenvoll die Entwicklung der NSDAP in den zwanziger Jahren und forderte, dass man gegen sie mit den schärfsten Mitteln vorgehen müsse. Als er nach 1933 aus der Lehrerbildung entlassen wurde, siedelte er nach Frankfurt über. Im Jahre 1937 glaubte er, es wagen zu können, seine Freunde in Bayreuth zu besuchen. Er wurde jedoch festgenommen. Man wollte ein Hochverratsverfahren, das aber ausging wie das Hornberger Schießen. Dennoch wurde Oswald Merz auf Grund von Briefen zu Gefängnis verurteilt, nach der Strafverbüßung nicht entlassen, sondern nach Dachau gebracht und später in andere Konzentrationslager, wo er bis Kriegsende blieb. Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern befreit.
Oswald Merz arbeitete dann einige Zeit im bayerischen Kultusministerium und wurde 1945 als erster an die wiedereröffnete Lehrerbildungsanstalt Bayreuth berufen. Aber noch bevor es sein Amt antreten konnte, starb er. Sein. Andenken lebt in Bayreuth fort unter denen, die ihn kannten, im Arbeiterchor, der seinen Namen trägt und in einer Straße, die nach ihm benannt wurde.

Quelle: 6  (27.04.1961)


Oswald Merz "Mein Onkel Oswald Merz  war der aelteste von 6 Kindern. Er wurde am 10.02.1889 in Schwabach geboren. Er heiratete Maria Emilie (Emma) Reingruber in Schwabach am 16.06.1915.

Sein einziges Kind, eine Tochter, Hilde, verheiratete sich mit einem Wolfram Hohl und deren Sohn Joachim Hohl lebt in Oberhaching bei Muenchen.

Sein voller Name war Oswald Friedrich Wilhelm Merz. Er war auch in einem KZ Lauingen in Schwaben. Meine Mutter und ich versuchten ihn dort zu besuchen jedoch ohne Erfolg. In Lauingen wurde er anscheinend halbwegs gut behandelt und tat all die Schreibarbeiten für den KZ Kommandant. Wie lange er dort war weiss ich nicht. Er starb in Augsburg, Feuerbestattung in München und Beerdigung in Bayreuth."

Quelle (auch von den Soldatenbildern): Oswald F. Merz, in Amerika lebender Enkel. (Hinweis: Die "Kreuzchen" in den Bildern kennzeichnen jeweils Oswald Merz)