Studiendirektor, erwarb sich Verdienste um die Arbeitersänger- bewegung.
Chorleiter und Dirigent. Vor 1933 Reichsbannerführer der Bayreuther
SPD, 1937 wegen Hochverrats verhaftet. Obwohl die Anklage auf schwachen
Füßen steht, wird er verurteilt. 1945 wird er als schwer kranker
Mann aus dem KZ befreit.
Oswald Merz war nach seiner ersten Verhaftung nach Frankfurt gezogen,
wo er in sehr kärglichen Verhältnissen lebte. Zum Verhängnis
wurden ihm Reisen nach Bayreuth, wo er sich mit ehemaligen Mitgliedern
des Arbeitergesangsvereins traf. Im Halbmonatsbericht vom 06.10.1937 heißt
es: „Der frühere marxistische Spitzenfunktionär der SPD und des
Reichsbanners Oswald Merz, Studienrat a. D., früher an den Lehrer- bildungsanstalten
Schwabach und Bayreuth, jetzt wohnhaft in Frankfurt a. M., unternahm Besuchsreisen
nach Hof und Bayreuth, wo er mit früheren Genossen mehrere Zusammenkünfte
abhielt; er wurde am 07.09.1937 mit sieben seiner früheren Genossen
festgenommen. Wegen Verdachts der Vorbereitung zum Hochverrat kam es schließlich
zur Anzeige gegen 17 Personen: Oswald Merz, Johann Franz, Konrad Kettel,
Georg Zeitler, Ernst Fickentscher, Hans Bauer, Erhard Roß, Georg
Schultheiß, Josef Bauer, Peter Kern, Johann Zahn, Georg Mühl,
Josef Sommerer, Max Jahreis, Karl Zimmermann,
Karl Seeser, Fritz Fischer.
Oswald Merz wurde zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und
nach Verbüßung dieser Strafe nach Dachau eingeliefert. Hier
blieb er bis Kriegsende. Er verstarb an den Folgen der Haft am 18. Mai
1946
Eine markante Gestalt in der Geschichte der SPD
Bayreuth, vor allem als Widerstandskämpfer gegen den
Nationalsozialismus, ist Oswald Merz.
Er wurde 1889 in Schwabach geboren und besuchte die dortige
Lehrerbildungsanstalt. Der ausgezeichnet qualifizierte Volksschullehrer
zog mit dem Infanterieregiment 7 ins Feld, wurde schwer verwundet und
erhielt mehrere hohe Auszeichnungen. Nach dem Krieg beteiligte er sich
in einem Freikorps an der Niederwerfung des Räteputsches in
Nürnberg und der Räterepublik in München. 1919 fand er
den Weg in die SPD. Er verzichtete auf die ihm zustehende Lehrerstelle
und nahm freiwillig das zusätzliche Studium der Pädagogik,
Geschichte und Musik auf sich. Nach kurzen Zwischenstationen kam der
junge Studienrat an die Lehrerbildungsanstalt Bayreuth und damit in die
Stadt seines politischen Schicksals. Hier wurde er politisch aktiv. Fr
leitete einen Arbeitergesangverein in St. Georgen, in dem er auch
politische Bildung betrieb, und wurde 1924 Leiter des Reichsbanners.
Bis zum Jahre 1933 führte Merz mit Wort und Schrift einen
scharfen, unerbittlichen Kampf gegen die Nationalsozialisten. Sein
örtlicher Gegner, der nachmalige Gauleiter
Hans Schemm,
verhaftete ihn nach der sogenannten Machtergreifung in der Nacht vom
09.03.1933 persönlich und brachte ihn in das Gefängnis St.
Georgen. Von dort wurde er in das Konzentrationslager Dachau verlegt,
im September 1933 jedoch entlassen. Er verlor Stellung und Rechte eines
Beamten, zog nach Frankfurt und führte mit Frau und Tochter ein
kärgliches Leben. Versuche, im Inland und Ausland eine Anstellung
zu erhalten, misslangen.

Oswald Merz, schon
schwer gezeichnet, 1937 in Frankfurt
1934 und 1937 besuchte er nochmals Bayreuth und suchte Verbindung mit
jungen Mitgliedern des ehemaligen Arbeitergesangvereines. Er
führte auch eine sehr freimütige Korrespondenz mit allen
Freunden, in der er seine politische Meinung sehr offen, geradezu
leichtfertig äußerte. Sein zweiter Besuch führte zu
Verhaftungen einiger seiner Freunde - darunter
Karl Seeser
- und zu seiner eigenen Festnahme. In der Anklage wurde er beschuldigt,
den organisatorischen Zusammenhalt der aufgelösten SPD betrieben
und sich damit eines Verbrechens schuldig gemacht zu haben. Er wurde in
Bayreuth zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach
Verbüßung dieser Strafe kam er sofort zunächst in das
KZ Dachau, dann nach Flossenbürg.
Nach Befreiung durch die Amerikaner wurde Merz in das Bayerische
Kultusministerium berufen und 1946 zum Leiter der Lehrerbildungsanstalt
Bayreuth vorgesehen. Er erkrankte jedoch an den Folgen seiner Haft und
verstarb am 18. Mai 1946.
Am 1. November 1930 stand in einer
Bayreuther Zeitung zu lesen: "Es ist Tatsache, die Arbeit
Arbeiter-Sänger-Vereinigung Bayreuth ist unter der genialen
Führung ihres Chorleiters Merz auf eine staunenswerte Höhe
gelangt. Dies ist inzwischen auch dem gesang- und musikliebenden
Publikum Bayreuths zum Bewusstsein gekommen. Daraus erklärt sich
der überaus starke Besuch, den andere Konzertveranstaltungen in
unserer Stadt bisher nie aufzuweisen hatten. Man bedenke, der
größte Saal Bayreuths ist überfüllt und viele
Personen mussten wieder umkehren, weil Karten nicht mehr zu haben
waren." Diesem Oswald Merz, der allerdings nicht allein ein genialer
Chorleiter war, sondern auch ein bedeutender Pädagoge und
fränkischer Arbeiterführer, wurde nach dem zweiten Weltkrieg
eine Straße gewidmet, in Erinnerung an seine vielen Verdienste um
Bayreuth und die Arbeiterbewegung.
Oswald Merz ist gebürtiger Franke. Er erblickte in Schwabach das
Licht dieser Welt. Im Lehrberuf sah er für sich die große
Aufgabe, junge Menschen zu Persönlichkeiten heranzubilden. Als
junger Lehrer zog er in den ersten Weltkrieg, als Oberleutnant kehrte
er zurück, mit vielen Orden geschmückt. Aber die Heimat war
nicht mehr die von einst. Die Menschen hatten sich gewandelt und Merz
erkannte einen neuen größeren Auftrag, der ihm nach dem
verlorenen Krieg gestellt war. Er trat der Arbeiterbewegung bei, in der
er seine Erziehungsaufgabe verwirklichen konnte.
Zunächst in Rothenburg tätig, kam er bald nach Bayreuth und
übernahm 1926 die künstlerische Leitung der
Arbeitersängervereinigung. Nach dem ersten Weltkrieg hatten sich
in Bayreuth drei Arbeitergesangvereine gebildet, der
Arbeitergesangverein St. Georgen, der Arbeitergesangverein "Union" in
der Altstadt und der Arbeitergesangverein "Unter uns". In den Jahren
1924 bis 1926 schlossen sich dann die aktiven Teile dieser drei Vereine
im "Volkschor Bayreuth" zusammen und 1926 wurde, nachdem Oswald Merz
den Altstädter Verein übernommen hatte, die
"Arbeitersängervereinigung" gegründet. Sie umfasste damals
rund 200 aktive Sänger und Sängerinnen. 1931 kam ein
Kinderchor hinzu, dem zeitweise über 400 Kinder angehörten,
der aber noch im gleichen Jahr aus "stimmerzieherischen
Erwägungen" heraus wieder aufgegeben wurde. Nach der
Machtübernahme waren die Arbeitergesangvereine verboten, aber
schon ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946 wurde ein neuer
Arbeitergesangverein aus der Taufe gehoben. Oswald Merz erlebte noch
die ersten Schritte des neuen Vereins, starb aber im Mai des gleichen
Jahres. Sein künstlerischer Nachfolger wurde Georg Riedelbauch,
der schon 1930 in einem Chorkonzert der Arbeitersängervereinigung
als Tenor-Solist bei der Aufführung von Mendelssohns
"Walpurgisnacht" mitgewirkt. hatte. Der Chor erhielt den Namen
"Oswald-Merz-Chor". Er knüpfte an. die alte Tradition an, wirkte
bei vielen Veranstaltungen der Stadt, Parteien und Gewerkschaft mit und
hat seitdem das Musikleben Bayreuths maßgebend mitgestaltet.
Wer die alten Konzertprogramme des Chores aus den zwanziger Jahren
durchblättert, kann immer wie der feststellen, dass. hier nicht
nur gutes altes und gediegenes Liedgut gepflegt wurde, sondern dass
sich der Chor auch moderner Volksmusik widmete und große
Chorwerke vortrug. Denn Oswald Merz sah in seiner Chorarbeit zugleich
eine Erziehungsaufgabe: die Arbeiterschaft mit den großen
musikalischen Dichtungen unserer Kultur und der Musik überhaupt
vertraut zu machen. So finden sich in den Programmen jeweils
Einführungen in das Leben und Werk der Komponisten,
Kurzbiographien, Liedtexte und Erläuterungen. Die Programme
erreichten einen Umfang bis zu 12 Seiten und wurden wegen Ihrer guten
Einführungsnotizen gern von den Zuhörern aufgehoben.
In die Chorkonzerte jener Zeit mischte Merz einzelne
Instrumentalstücke, wie etwa daa Mendelssohn Bartholdy gewidmete
Konzert vom November 1930. Die Fränkische Volkstribüne
unterstützte die Bemühungen von Merz, indem sie vor den
Konzerten ausführliche Hinweise und Erläuterungen brachte. In
einer Kritik dieser Zeitung stehen die Sätze: »... im
zartesten Pianissimo wie im mächtigen Forte zeigten die
Sänger beste Ausbildung in Aussprache und Tongebung ... Jeder ist
mit Leib und Seele bei der Sache. Merz leitet mit echtem Temperament
eines Vollblutmusikers ..."
Ein Vollblutmusiker, das war Merz und das bestätigen auch heute
noch alle, die ihn als Mensch und als Chorleiter gekannt und erlebt
haben. Aber Merz war zugleich ein politisch interessierter und wacher
Mensch. Als Studienrat an der Lehrerbildungsanstalt mit den
Fächern Musik und Germanistik, beobachtete er sorgenvoll die
Entwicklung der NSDAP in den zwanziger Jahren und forderte, dass man
gegen sie mit den schärfsten Mitteln vorgehen müsse. Als er
nach 1933 aus der Lehrerbildung entlassen wurde, siedelte er nach
Frankfurt über. Im Jahre 1937 glaubte er, es wagen zu können,
seine Freunde in Bayreuth zu besuchen. Er wurde jedoch festgenommen.
Man wollte ein Hochverratsverfahren, das aber ausging wie das
Hornberger Schießen. Dennoch wurde Oswald Merz auf Grund von
Briefen zu Gefängnis verurteilt, nach der
Strafverbüßung nicht entlassen, sondern nach Dachau gebracht
und später in andere Konzentrationslager, wo er bis Kriegsende
blieb. Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern befreit.
Oswald Merz arbeitete dann einige Zeit im bayerischen Kultusministerium
und wurde 1945 als erster an die wiedereröffnete
Lehrerbildungsanstalt Bayreuth berufen. Aber noch bevor es sein Amt
antreten konnte, starb er. Sein. Andenken lebt in Bayreuth fort unter
denen, die ihn kannten, im Arbeiterchor, der seinen Namen trägt
und in einer Straße, die nach ihm benannt wurde.
Quelle: 6 (27.04.1961)

"Mein Onkel Oswald Merz war der aelteste von 6 Kindern. Er wurde am
10.02.1889 in Schwabach geboren. Er heiratete Maria Emilie (Emma)
Reingruber in Schwabach am 16.06.1915.
Sein einziges Kind, eine Tochter, Hilde, verheiratete sich mit einem Wolfram Hohl und deren Sohn
Joachim Hohl lebt in Oberhaching bei Muenchen.
Sein voller Name war Oswald Friedrich Wilhelm Merz. Er war auch in einem KZ
Lauingen in Schwaben. Meine Mutter und ich versuchten ihn dort zu
besuchen jedoch ohne Erfolg. In Lauingen wurde er anscheinend halbwegs
gut behandelt und tat all die Schreibarbeiten für den KZ Kommandant.
Wie lange er dort war weiss ich nicht. Er starb in Augsburg,
Feuerbestattung in München und Beerdigung in Bayreuth."
Quelle (auch von den Soldatenbildern): Oswald F. Merz, in
Amerika lebender Enkel. (Hinweis: Die "Kreuzchen" in den Bildern
kennzeichnen jeweils Oswald Merz)