Der Sohn des Solohornisten der kgl. Hofoper wurde von Kindheit an gründlich
musikalisch ausgebildet. Erste Kompositionen schrieb er mit sechs Jahren;
bis zum Abitur 1882 waren es rund 100 ("Schülerarbeiten" ohne gültige
Opuszahlen). Von Hans von Bülow gefördert,
wurde S. zweiundzwanzigjährig Hofkapellmeister in Meiningen, mit sechsundzwanzig
in Weimar, dreißigjährig Generalmusikdirektor an der Berliner
Hofoper (bis 1918). 1919-24 war er neben Franz Schalk Direktor der Wiener
Staatsoper. 1924 heiratete S. die Sängerin Pauline de Ahna. Als Komponist,
beeinflußt von Richard Wagner und
Franz Liszt, entwickelte S. zunächst
den Ausdruck von Empfindungen durch musikalische Mittel und brachte so
Liszts Idee der "Sinfonischen Dichtung" in acht Werken (Don Juan, Tod
und Verklärung, Eulenspiegel, Don Quixote, Heldenleben, Alpensinfonie)
zur Vollendung. In Zarathustra (1896) erfand S. die erste Zwölftonreihe.
Er experimentierte nicht, er schuf stets geschlossenes Neuartiges. Der
Gesangsstil seiner Opern überraschte in Salome (1905) mit einer
frei über bis dahin ungehörten Orchesterklängen schwebenden
Sprachmelodik. In Elektra (1909) überschritt er die Tonalität,
zu der er in Rosenkavalier (1912) und Ariadne auf Naxos (1913;
alle drei Texte von Hugo von Hofmannsthal) zurückkehrte. Die weiteren
elf Bühnenwerke blieben bewusst tonal. Das Alterswerk nach 1938
näherte sich immer mehr verfeinerter Kammermusik, von der er einst
ausgegangen war. Arbeitsam und ohne Geniepose führte er gleichsam
drei Leben: als weltberühmter Dirigent, als Komponist und Manager
seines Schaffens und als Familienvater, der sich um häusliche Belange
mit gleicher Akribie kümmerte wie um die Pflege seiner Werke.
Die kühne Harmonik, die ungemein farbig schillernde Orchestrierung
und das stupende kompositorische Können, Themen zu vielfältigstem
Ausdruck zu bringen, machten seine Musik seit 1880 überraschend neuartig.
Dazu kamen eine Melodik vom Liedhaften bis zur Atonalität und sein
Instinkt für Dramatik und Sprachkunst, mit dem er bühnenwirksame
Opernstoffe von Dichtern wie Oscar Wilde (Salome) und Hugo von Hofmannsthal
(sechs Opern, darunter außer den genannten Die Frau ohne Schatten
[Uraufführung 1919] und Arabella) fand. Auch seine fast 200
beachtenswerten Lieder zeugen von diesen Fähigkeiten.
Als führender Komponist seiner Epoche vielfach geehrt und an die
Spitze deutscher und internationaler Musikerorganisatiqnen berufen, bewirkte
er 1900 im Reichstag ein Urheberrecht, das durch Tantiemepflicht die Komponisten
erstmals am Ertrag ihrer Werke teilhaben ließ. Ahnlich erfolgreich
war er in der sozialen Sicherung der Interpreten. 1933 ernannte die Regierung
den Siebzigjährigen ungefragt zum "Präsidenten der Reichsmusikkammer".
Er akzeptierte, um seine nichtarische Familie zu schützen. Als er
jedoch 1935 Die schweigsame Frau (Text von dem "Nichtarier" Stefan
Zweig) uraufführte, wurde er von der NS-Partei angegriffen. Er legt
sein Präsidentenamt nieder, blieb jedoch als gefeierter Komponist
in Deutschland. Nach Kriegsende 1945 wurde er wegen seiner Tätigkeit
im "Dritten Reich" kritisiert und boykottiert.
Literatur: Steinitzer R. S. Berlin 1911. - R. S. und Hugo von Hofmannsthal.
Briefwechsel. Gesamtausgabe. Hrsg. v. Willi Schuh. Zürich 1955. -
Franz Grasberger "Der Strom der Töne..." Tutzing 1967. - Willi Schuh:
R. S. Lebenschronik 1864-1894. Zürich 1976. - Kurt Wilhelm: R. S.
persönlich. München 1984. Buchreihe der R. S. Gesellschaft München
(bisher 15 Bände).
Am 11. Juni 1949 beging Richard Strauss seinen 85.
Geburtstag. Dieser Ehrentag gab den Anlass für Überlegungen,
auf welche Weise die Stadt Bayreuth einen der ältesten und
treuesten Freunde des "Bayreuther Festspielwerkes" mit seinen
"besonderen originalen Beziehungen zu diesem Werk" (als Komponist)
ehren könnte. Diese Ehrung sollte gleichzeitig "auch der Welt
gegenüber" demonstrativ sein. Das Land Bayern beabsichtigte,
Strauss an seinem Geburtstag in einem Staatsakt zu gratulieren. Also
glaubte der Stadtrat in Bayreuth "nicht zu weit [zu] gehen", Richard
Strauss an seinem Jubiläumstag das Ehrenbürgerrecht der
Wagner-Stadt anzubieten.
Oberbürgermeister Rollwagen schrieb in einem Brief an Richard Strauss:
"..., dass im Fall Ihrer Zustimmung weit weniger Sie
durch Bayreuth, als Bayreuth durch Sie geehrt sein würde. Was uns
bewegt, Ihnen ... die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bayreuth
anzutragen, bedarf wahrlich Ihnen selbst gegenüber so wenig wie
gegenüber der Öffentlichkeit einer sonderlichen
Begründung."
Die Inschrift des Ehrenbürgerbriefes lautete also folgendermaßen:
"Die Stadt Bayreuth verleiht Meister Richard Strauss
aus Anlass seines 85. Geburtstages in tief empfundener Dankbarkeit
für das Geschenk einer mehr als sechs Jahrzehnte währenden
Freundschaft zur Stadt Richard Wagners das Ehrenbürgerecht."
Richard Strauss wurde am 11.Juni 1864 in
München geboren. Sein Vater war der Hofmusiker Franz Joseph
Strauss, seine Mutter Josephine Pschorr stammte aus der Brauerei
gleichen Namens. Mit vier Jahren bekam Strauss bereits
Klavierunterricht von August Tombo. 1870 trat er in die Volksschule in
München ein. 1871 wurde Vater Strauss Akademieprofessor.
Während seiner Schulzeit wird Richard Strauss weiter in Musiklehre
ausgebildet. Er lernt Klavier, Theorie, Komposition und Instrumentation
bei C. Niest. Nach dem Abitur 1882 begibt er sich kurze Zeit an die
Universität, um Philosophie, Ästhetik und Kunstgeschichte zu
studieren. Bald verlässt er jedoch die Hochschule wieder, um sich
ganz der Musikerlaufbahn zu widmen. Mit zwanzig Jahren hat er seinen
ersten öffentlichen Auftritt am Dirigentenpult. Ein Jahr
später wird er Musikdirektor in Meiningen und begegnet hier zum
ersten Mal Brahms. 1886 wird er als dritter Kapellmeister an die
Hofoper in München berufen.
Alexander Ritter hatte den jungen Strauss mit dem Schaffen und den
Gedanken von Liszt und Wagner bekannt gemacht. Im Jahre 1882 war
Richard Strauss zusammen mit seinem Vater zum ersten Mal nach Bayreuth
gekommen und hatte "seinen ersten Parsival" gehört. Und bereits
sieben Jahre später, 1889, wurde er auf Empfehlung von Hans von
Bülow als "musikalische Assistenz nach Bayreuth gerufen. Anfangs
stand Strauss dem Werk Wagners kritisch gegenüber. Aber mehr und
mehr wurde er ein begeisterter Anhänger Wagners. 1933 und 1934
dirigierte er den Parsival und setzte sich stark für den
"Parsival-Schutz " ein. "Parsival" sollte nur in Bayreuth
aufgeführt werden, so wie Richard Wagner es gewünscht hatte.
1894 hatte sich Richard Strauss mit Pauline de Ahna verheiratet; 1897
wurde der einzige Sohn Franz geboren. Ein Jahr nach der Geburt des
Sohnes berief man Strauss an die Berliner Hofoper, und er wurde zum
ersten königlich preußischen Hofkapellmeister ernannt. Auf
einer Frankreichreise im Jahre 1900 lernte Strauss in Paris Hugo von
Hofmannsthal kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine
langwährende Freundschaft. 1903 verleiht die Universität
Heidelberg Strauss die Ehrendoktorwürde; später
schließt sich Oxford an. Am 9. Dezember 1905 erlebt ein
sensationshungriges Publikum aus vielen Ländern Europas in Dresden
die Uraufführung der "Salome", die Vertonung des morbiden Dramas
Oscar Wildes. Diese Oper war in Stoff und Musik etwas völlig
Neues, schlechthin Schockierendes. Der Komponist war sich dessen
bewusst, schon als er im November 1903 in Berlin eine Aufführung
von Wildes Drama in der Inszenierung von Max Reinhardt sah.
Nachdem er in Paris die "Salome" sechsmal dirigiert hatte,
wurde Strauss aus Ehrerbietung zum Offizier der Ehrenlegion
gemacht. Strauss hatte sich mit dieser Oper gänzlich von seinem Vorbild Wagner losgesagt.
Bald nach der "Salome" erschien die Oper "Elektra", und am 26.Juni 1911 war die Premiere des "Rosenkavaliers" - ein
sensationeller Erfolg. Auf dem schwarzen Markt wurden die Preise der Eintrittskarten in schwindelhafte Höhe getrieben.
Noch nach dreißig Vorstellungen fanden hunderte keinen Einlass.
Es folgten weitere Opern: "Ariadne auf Naxos", "Die Braut ohne
Schatten", "Also sprach Zarathustra". 1933 stellte sich Strauss als
Präsident der etablierten Reichsmusikkammer "unter der
Konstellation der braunen Machthaber in Deutschland" zur
Verfügung. Aber schon 1935 gab es Krach zwischen Strauss und der
NS-Führung wegen eines Briefes Richard Strauss' an Stephan Zweig
- der Präsident trat von seinem Amt zurück.
Am 8. September 1949, Kurz nach seinem 85. Geburtstag stirbt
der größte Opernkomponist seiner Zeit in seiner Villa in Garmisch.
Strauss, Richard Komponist und Dirigent, geb.
11.06.1864 in München, gest. 08.09.1949 in
Garmisch-Partenkirchen.
Sohn eines bekannten Hornisten des Münchner Hoforchesters. 1882-83
Studium d. Philosophie u. Asthetik an der Universität München. 1885
Entdeckung als »musikalisches Wunderkind« durch den gefeierten
Dirigenten Hans v. Bülow. Schnell wechselnde Engagements als
Kapellmeister bzw. Musikdirektor in Meiningen, München, Weimar und
Berlin; dort 1908 Generalmusikdirektor. 1917-20 Prof. für Komposition
an der Berliner Akademie der Künste. 1919-24 Leiter der Wiener
Staatsoper. Ab 1925 freischaffender Komponist u. Dirigent in Wien und
Garmisch-Partenkirchen. 1933-35 Präsident der natsozialistischen
Reichsmusikkammer. Als solcher setzte er sich für seinen jüdischen
Librettisten Stefan Zweig (Die schweigsame Frau) ein, was zum
politischen Eklat führte und 1935 seiner öffentlichen Tätigkeit als
einer der musikalischen Protagonisten des Dritten Reichs ein Ende
setzte. Als politikferner Künstler mag er sich politisch in den Dienst
genommen haben lassen, seinem künstlerischen Ruhm tat dies aber keinen
Abbruch. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er am 08.06.1948 als
»Entlasteter« eingestuft.
Auf allen drei Gebieten seines künstlerischen Schaffens,
auf denen er mit überragendem Erfolg bereits in den Jahren vor
dem Dritten Reich tätig geworden war, der Tondichtung
(Don Juan, Till Eulenspiegel, Don Quixote, Tod u. Verklärung, Also
sprach Zarathustra), der Oper (Elektra, Der
Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Frau ohne Schatten, alle in
Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal als Librettisten
entstanden) und des Kunstliedes leuchtete sein Ruhm weit über die
Grenzen Deutschlands hinaus und sicherte ihm auch im internationalen Rahmen den Platz des bedeutendsten
Repräsentanten des dt. Musikschaffens seit der Jahrhundertwende.