Richard Georg Strauss

* 11.06.1864 (München) -
† 08.09.1949
(Garmisch - Partenkirchen)

Komponist, Dirigent

Der Sohn des Solohornisten der kgl. Hofoper wurde von Kindheit an gründlich musikalisch ausgebildet. Erste Kompositionen schrieb er mit sechs Jahren; bis zum Abitur 1882 waren es rund 100 ("Schülerarbeiten" ohne gültige Opuszahlen). Von Hans von Bülow gefördert, wurde S. zweiundzwanzigjährig Hofkapellmeister in Meiningen, mit sechsundzwanzig in Weimar, dreißigjährig Generalmusikdirektor an der Berliner Hofoper (bis 1918). 1919-24 war er neben Franz Schalk Direktor der Wiener Staatsoper. 1924 heiratete S. die Sängerin Pauline de Ahna. Als Komponist, beeinflußt von Richard Wagner und Franz Liszt, entwickelte S. zunächst den Ausdruck von Empfindungen durch musikalische Mittel und brachte so Liszts Idee der "Sinfonischen Dichtung" in acht Werken (Don Juan, Tod und Verklärung, Eulenspiegel, Don Quixote, Heldenleben, Alpensinfonie) zur Vollendung. In Zarathustra (1896) erfand S. die erste Zwölftonreihe. Er experimentierte nicht, er schuf stets geschlossenes Neuartiges. Der Gesangsstil seiner Opern überraschte in Salome (1905) mit einer frei über bis dahin ungehörten Orchesterklängen schwebenden Sprachmelodik. In Elektra (1909) überschritt er die Tonalität, zu der er in Rosenkavalier (1912) und Ariadne auf Naxos (1913; alle drei Texte von Hugo von Hofmannsthal) zurückkehrte. Die weiteren elf Bühnenwerke blieben bewusst tonal. Das Alterswerk nach 1938 näherte sich immer mehr verfeinerter Kammermusik, von der er einst ausgegangen war. Arbeitsam und ohne Geniepose führte er gleichsam drei Leben: als weltberühmter Dirigent, als Komponist und Manager seines Schaffens und als Familienvater, der sich um häusliche Belange mit gleicher Akribie kümmerte wie um die Pflege seiner Werke.
Die kühne Harmonik, die ungemein farbig schillernde Orchestrierung und das stupende kompositorische Können, Themen zu vielfältigstem Ausdruck zu bringen, machten seine Musik seit 1880 überraschend neuartig. Dazu kamen eine Melodik vom Liedhaften bis zur Atonalität und sein Instinkt für Dramatik und Sprachkunst, mit dem er bühnenwirksame Opernstoffe von Dichtern wie Oscar Wilde (Salome) und Hugo von Hofmannsthal (sechs Opern, darunter außer den genannten Die Frau ohne Schatten [Uraufführung 1919] und Arabella) fand. Auch seine fast 200 beachtenswerten Lieder zeugen von diesen Fähigkeiten.
Als führender Komponist seiner Epoche vielfach geehrt und an die Spitze deutscher und internationaler Musikerorganisatiqnen berufen, bewirkte er 1900 im Reichstag ein Urheberrecht, das durch Tantiemepflicht die Komponisten erstmals am Ertrag ihrer Werke teilhaben ließ. Ahnlich erfolgreich war er in der sozialen Sicherung der Interpreten. 1933 ernannte die Regierung den Siebzigjährigen ungefragt zum "Präsidenten der Reichsmusikkammer". Er akzeptierte, um seine nichtarische Familie zu schützen. Als er jedoch 1935 Die schweigsame Frau (Text von dem "Nichtarier" Stefan Zweig) uraufführte, wurde er von der NS-Partei angegriffen. Er legt sein Präsidentenamt nieder, blieb jedoch als gefeierter Komponist in Deutschland. Nach Kriegsende 1945 wurde er wegen seiner Tätigkeit im "Dritten Reich" kritisiert und boykottiert.

Literatur: Steinitzer R. S. Berlin 1911. - R. S. und Hugo von Hofmannsthal. Briefwechsel. Gesamtausgabe. Hrsg. v. Willi Schuh. Zürich 1955. - Franz Grasberger "Der Strom der Töne..." Tutzing 1967. - Willi Schuh: R. S. Lebenschronik 1864-1894. Zürich 1976. - Kurt Wilhelm: R. S. persönlich. München 1984. Buchreihe der R. S. Gesellschaft München (bisher 15 Bände).

Quelle: 22,30

Am 11. Juni 1949 beging Richard Strauss seinen 85. Geburtstag. Dieser Ehrentag gab den Anlass für Überlegungen, auf welche Weise die Stadt Bayreuth einen der ältesten und treuesten Freunde des "Bayreuther Festspielwerkes" mit seinen "besonderen originalen Beziehungen zu diesem Werk" (als Komponist) ehren könnte. Diese Ehrung sollte gleichzeitig "auch der Welt gegenüber" demonstrativ sein. Das Land Bayern beabsichtigte, Strauss an seinem Geburtstag in einem Staatsakt zu gratulieren. Also glaubte der Stadtrat in Bayreuth "nicht zu weit [zu] gehen", Richard Strauss an seinem Jubiläumstag das Ehrenbürgerrecht der Wagner-Stadt anzubieten.

Oberbürgermeister Rollwagen schrieb in einem Brief an Richard Strauss:

"..., dass im Fall Ihrer Zustimmung weit weniger Sie durch Bayreuth, als Bayreuth durch Sie geehrt sein würde. Was uns bewegt, Ihnen ... die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bayreuth anzutragen, bedarf wahrlich Ihnen selbst gegenüber so wenig wie gegenüber der Öffentlichkeit einer sonderlichen Begründung."

Die Inschrift des Ehrenbürgerbriefes lautete also folgendermaßen:

"Die Stadt Bayreuth verleiht Meister Richard Strauss aus Anlass seines 85. Geburtstages in tief empfundener Dankbarkeit für das Geschenk einer mehr als sechs Jahrzehnte währenden Freundschaft zur Stadt Richard Wagners das Ehrenbürgerecht."

Richard Strauss wurde am 11. Juni 1864 in München geboren. Sein Vater war der Hofmusiker Franz Joseph Strauss, seine Mutter Josephine Pschorr stammte aus der Brauerei gleichen Namens. Mit vier Jahren bekam Strauss bereits Klavierunterricht von August Tombo. 1870 trat er in die Volksschule in München ein. 1871 wurde Vater Strauss Akademieprofessor. Während seiner Schulzeit wird Richard Strauss weiter in Musiklehre ausgebildet. Er lernt Klavier, Theorie, Komposition und Instrumentation bei C. Niest. Nach dem Abitur 1882 begibt er sich kurze Zeit an die Universität, um Philosophie, Ästhetik und Kunstgeschichte zu studieren. Bald verlässt er jedoch die Hochschule wieder, um sich ganz der Musikerlaufbahn zu widmen. Mit zwanzig Jahren hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt am Dirigentenpult. Ein Jahr später wird er Musikdirektor in Meiningen und begegnet hier zum ersten Mal Brahms. 1886 wird er als dritter Kapellmeister an die Hofoper in München berufen.
Alexander Ritter hatte den jungen Strauss mit dem Schaffen und den Gedanken von Liszt und Wagner bekannt gemacht. Im Jahre 1882 war Richard Strauss zusammen mit seinem Vater zum ersten Mal nach Bayreuth gekommen und hatte "seinen ersten Parsival" gehört. Und bereits sieben Jahre später, 1889, wurde er auf Empfehlung von Hans von Bülow als "musikalische Assistenz nach Bayreuth gerufen. Anfangs stand Strauss dem Werk Wagners kritisch gegenüber. Aber mehr und mehr wurde er ein begeisterter Anhänger Wagners. 1933 und 1934 dirigierte er den Parsival und setzte sich stark für den "Parsival-Schutz " ein. "Parsival" sollte nur in Bayreuth aufgeführt werden, so wie Richard Wagner es gewünscht hatte.
1894 hatte sich Richard Strauss mit Pauline de Ahna verheiratet; 1897 wurde der einzige Sohn Franz geboren. Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes berief man Strauss an die Berliner Hofoper, und er wurde zum ersten königlich preußischen Hofkapellmeister ernannt. Auf einer Frankreichreise im Jahre 1900 lernte Strauss in Paris Hugo von Hofmannsthal kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine langwährende Freundschaft. 1903 verleiht die Universität Heidelberg Strauss die Ehrendoktorwürde; später schließt sich Oxford an. Am 9. Dezember 1905 erlebt ein sensationshungriges Publikum aus vielen Ländern Europas in Dresden die Uraufführung der "Salome", die Vertonung des morbiden Dramas Oscar Wildes. Diese Oper war in Stoff und Musik etwas völlig Neues, schlechthin Schockierendes. Der Komponist war sich dessen bewusst, schon als er im November 1903 in Berlin eine Aufführung von Wildes Drama in der Inszenierung von Max Reinhardt sah.


Nachdem er in Paris die "Salome" sechsmal dirigiert hatte, wurde Strauss aus Ehrerbietung zum Offizier der Ehrenlegion gemacht. Strauss hatte sich mit dieser Oper gänzlich von seinem Vorbild Wagner losgesagt.
Bald nach der "Salome" erschien die Oper "Elektra", und am 26. Juni 1911 war die Premiere des "Rosenkavaliers" - ein sensationeller Erfolg. Auf dem schwarzen Markt wurden die Preise der Eintrittskarten in schwindelhafte Höhe getrieben. Noch nach dreißig Vorstellungen fanden hunderte keinen Einlass.
Es folgten weitere Opern: "Ariadne auf Naxos", "Die Braut ohne Schatten", "Also sprach Zarathustra". 1933 stellte sich Strauss als Präsident der etablierten Reichsmusikkammer "unter der Konstellation der braunen Machthaber in Deutschland" zur Verfügung. Aber schon 1935 gab es Krach zwischen Strauss und der NS-Führung wegen eines Briefes Richard Strauss' an Stephan Zweig - der Präsident trat von seinem Amt zurück.
Am 8. September 1949, Kurz nach seinem 85. Geburtstag stirbt der größte Opernkomponist seiner Zeit in seiner Villa in Garmisch.

Quelle: 31 und Youtube

Strauss, Richard Komponist und Dirigent, geb. 11.06.1864 in München, gest. 08.09.1949 in Garmisch-Partenkirchen.

Sohn eines bekannten Hornisten des Münchner Hoforchesters. 1882-83 Studium d. Philosophie u. Asthetik an der Universität München. 1885 Entdeckung als »musikalisches Wunderkind« durch den gefeierten Dirigenten Hans v. Bülow. Schnell wechselnde Engagements als Kapellmeister bzw. Musikdirektor in Meiningen, München, Weimar und Berlin; dort 1908 Generalmusikdirektor. 1917-20 Prof. für Komposition an der Berliner Akademie der Künste. 1919-24 Leiter der Wiener Staatsoper. Ab 1925 freischaffender Komponist u. Dirigent in Wien und Garmisch-Partenkirchen. 1933-35 Präsident der natsozialistischen Reichsmusikkammer. Als solcher setzte er sich für seinen jüdischen Librettisten Stefan Zweig (Die schweigsame Frau) ein, was zum politischen Eklat führte und 1935 seiner öffentlichen Tätigkeit als einer der musikalischen Protagonisten des Dritten Reichs ein Ende setzte. Als politikferner Künstler mag er sich politisch in den Dienst genommen haben lassen, seinem künstlerischen Ruhm tat dies aber keinen Abbruch. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er am 08.06.1948 als »Entlasteter« eingestuft.
Auf allen drei Gebieten seines künstlerischen Schaffens, auf denen er mit überragendem Erfolg bereits in den Jahren vor dem Dritten Reich tätig geworden war, der Tondichtung (Don Juan, Till Eulenspiegel, Don Quixote, Tod u. Verklärung, Also sprach Zarathustra), der Oper (Elektra, Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Frau ohne Schatten, alle in Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal als Librettisten entstanden) und des Kunstliedes leuchtete sein Ruhm weit über die Grenzen Deutschlands hinaus und sicherte ihm auch im internationalen Rahmen den Platz des bedeutendsten Repräsentanten des dt. Musikschaffens seit der Jahrhundertwende.

Quelle: 98 und Youtube