Seine Exzellenz Dr. Rudolph Freiherr von Roman zu Schernau

* 01.12.1836 (Gut Leide bei Aschaffenburg)
† 08.01.1917 (Würzburg)

von 1893 - 1909 Regierungspräsident von Oberfranken. Ehrenbürger.

Am 2. Oktober 1895 eröffnet er in Bayreuth die neue protestantische Lehreranstalt für Oberfranken.

Rudolph Freiherr von Roman wurde am 1. Dezember 1836 als ältester von acht Kindern des königlich bayerischen Kämmerers und Rittergutsbesitzers August Freiherr von Roman und dessen Ehefrau Amalie von Städel auf Gut Leide bei Aschaffenburg geboren. Sein Bekenntnis ist evangelisch. Nach Absolvierung des humanistischen Gymnasiums studierte Rudolph von Roman Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Würzburg und Heidelberg. Im Jahre 1860 bestand er die große juristische Staatsprüfung als achter unter 26 Prüflingen und schlug die Laufbahn des Verwaltungsbeamten ein, die ihn nach Ansbach, Aschaffenburg und Speyer führte. Zum ersten Meilenstein seiner beruflichen Tätigkeit wurde die Ernennung zum Vorstand des Bezirksamtes München, links der Isar, im Jahre 1876; dort erwarb er sich große Verdienste um die Verbesserung des Straßenwesens. Nach seiner Verwendung bei den Regierungen von Unterfranken, Oberbayern und Mittelfranken wurde er am 16. September 1893 als Nachfolger Karl Alexander von Burchtorffs zum Regierungspräsidenten von Oberfranken nach Bayreuth berufen, wo ihm im Jahre 1895 die Auszeichnung "Exzellenz" verliehen wurde. In Bayreuth stand er volle sechzehn Jahre an der Spitze des Regierungsbezirkes und siedelte nach seiner Pensionierung im Jahre 1909 nach Nürnberg und später nach Würzburg über. Dort starb er am 8. Januar 1917 und wurde in der Familiengruft auf dem Friedhof in Schernau bei Kitzingen beigesetzt. Freiherr Rudolph von Roman war verheiratet in erster Ehe mit Thekla von Buch (18.09.1868 Bad Liebenstein bei Meiningen, Tochter von Gustav von Buch, herzoglich sachsen-meining. Wirklich Geheimer Rat und Staatsminister a. D., k. preußischer Generalmajor z.D. und Therese von Uttenhoven) und nach deren Tod in zweiter Ehe mit Nicolaja von Thun aus schlesischem Adel (20.08.1880 Horn am Bodensee, Tochter von Constantin v.Th. a.d. H. Wysoka und Bertha Freiin von Dalwigk). Aus beiden Ehen gingen insgesamt fünf Töchter und der Sohn Raoul von Roman hervor. Dieser wurde 1895 in Bayreuth geboren und besuchte hier das humanistische Gymnasium.

Als Freiherr von Roman in die Stadt Bayreuth kam, da stand diese unter der Führung des Bürgermeisters Theodor Muncker, des Freundes Richard und Cosima Wagners. Zusammen mit Muncker förderte Roman die Festspiele und suchte die Verkehrsverhältnisse Oberfrankens, vor allem im Bayreuther Land, zu verbessern. Nachdem in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Bayreuth als Kreishauptstadt bei der Schaffung von Fernverbindungen übergangen worden war, gelang es nunmehr, wenigstens eine Reihe von Stichbahnen in den Frankenwald, die fränkische Schweiz und das Fichtelgebirge zu bauen, wenn auch die von Roman angestrebte direkte Verbindung zwischen Bayreuth und Bamberg nicht verwirklicht werden konnte. Handel und Industrie, ebenso wie Gewerbe und Handwerk, haben in Oberfranken unter seiner Förderung einen gewaltigen Aufschwung genommen. Als passionierter Landwirt hat von Roman aus der Fülle seiner praktischen Erfahrungen viel zur Hebung der oberfränkischen Landwirtschaft beigetragen. Dem sich entwickelnden Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden stand er mit großem Verständnis gegenüber und förderte die Entwicklung der oberfränkischen Städte, von denen ihm Bayreuth und Forchheim das Ehrenbürgerrecht verliehen haben. Die zeitgenössischen Berichte heben besonders hervor, dass er, soweit es in seinen Kräften stand, stets bemüht war, das Los der Arbeiter zu verbessern und die sozialen Unterschiede auszugleichen. Aber auch auf kulturellem Gebiet verdankte ihm Oberfranken erfreuliche Fortschritte. Da er sich bewusst war, dass "wahre Religiosität, Erziehung und Bildung die Grundpfeiler des Staates sind", erfuhr unter seiner Leitung insbesondere das Volksschulwesen, einschließlich der gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen, besondere Beachtung. Auch fiel in seine Amtszeit die Umwandlung der Kreisrealschule in Bayreuth zu einer Oberrealschule. Die größten Verdienste erwarb sich Freiherr von Roman auf dem Gebiet der Wohlfahrts- und Gesundheitspflege, um das Rote Kreuz und durch die Mitwirkung bei dem Zustandekommen der oberfränkischen Lungenheilstätte. Hervorzuheben ist ferner sein Interesse für Vereine, die sich die Pflege der Wissenschaften und Künste zur Aufgabe gestellt hatten. Auch ist festzustellen, dass er darauf bedacht war, den konfessionellen Frieden in Oberfranken zu erhalten und für die Gleichstellung jedes Bürgers vor dem Gesetz zu sorgen, ohne Unterschiede der Person, der Religion und der Partei. Nicht zuletzt wird von ihm die stete Fürsorge und das Wohlwollen gerühmt, das er den ihm unterstellten Beamten zeigte; sein Name ist auch mit dem Neubau des Regierungsgebäudes in der Ludwigstraße um die Jahrhundertwende verbunden. Welcher Wertschätzung sich Roman erfreute, zeigte sich im besonderen Maße an seinem 70. Geburtstag am 1. Dezember 1906. An diesem Tag trug ihm die Kreishauptstadt Bayreuth das Ehrenbürgerrecht an und gab damit, wie es in der von Bürgermeister Dr. Leopold Casselmann unterzeichneten Urkunde heißt,

"ihrer Verehrung und ihrem Dank für die verbindende
Teilnahme seiner Exzellenz an dem Geschehen der Stadt
Bayreuth und für die vielfachen Beweise der huldvollen
Fürsorge für deren Wohlergehen Ausdruck."

Als weitere Ehrung beschloss der Stadtmagistrat, einen neu angelegten Verbindungsweg von der Richard-Wagner-Straße zur Badstraße "Romanstraße" zu benennen. Auch wurde ihm aus Anlass seines 70. Geburtstages die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg verliehen für seine Verdienste, die er sich auf allen Gebieten des öffentlichen Gesundheitswesens, vor allem für die Schaffung mustergültiger Krankenanstalten und durch die Hebung des Ansehens des ärztlichen Standes in Oberfranken erworben hatte. Sogar das Haus Wittelsbach gedachte an diesem Tage des Freiherrn von Roman in besonderer Weise, da er als königlicher Kammerherr diesem Hause stets eng verbunden war.

Quelle: 2,31

Ähnlich lange wie sein Vorgänger Carl Alexander von Burchtorff, nämlich immerhin 16 Jahre von 1893 bis 1909 konnte Rudolph Frhr. von Roman zu Schernau als Regierungspräsident in Oberfranken amtieren. Mit seinem Namen ist überdies auch der Neubau des Gebäudes der Regierung an der Ludwigstraße verbunden. Auch seine Beamtenlaufbahn verlief typisch für den damaligen königlich-bayerischen Staatsdienst. Geboren in Unterfranken am 01.12.1836 als Sohn eines königlich bayerischen Kämmerers und Rittergutsbesitzers, studierte von Roman in Würzburg und Heidelberg und praktizierte am Landgericht Dettelbach und Bezirksgericht Ansbach. Als Akzessist diente er zunächst bei der Regierung in Mittelfranken, ehe er 1866 Bezirksamtsassessor in Aschaffenburg und 1873 Assessor bei der Kammer des Innern der Regierung der Pfalz wurde. 1876 wurde er zum Bezirksamtmann des Amtes München links der Isar bestellt. In der Folgezeit war er als Regierungsrat bei der Kammer des Innern der Regierung von Mittelfranken (1879), 1884 in der gleichen Funktion in Oberbayern. 1891 kam von Roman erneut nach Mittelfranken diesmal als Regierungsdirektor der Kammer des Innern. Schließlich wurde er 1893 nach Bayreuth als Regierungspräsident von Oberfranken berufen und übte dieses Amt bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1909 aus. Frhr. von Roman starb 1919 in Würzburg. Nachfolger wurde Gustav Ritter von Brenner.

Quelle: 90