Bei
den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki war die Sportstadt Bayreuth
mit zwei Athleten vertreten: Der Leichtathletin
Leni Hofknecht von der
Bayreuther Turnerschaft und dem damals 23-jährigen Fußballer Hans
"Jumbo" Zeitler vom VfB Bayreuth.
Die
deutsche Vizemeisterin Leni Hofknecht, eine hervorragende
100-Meter-Sprinterin (persönliche Bestleistung 12,5 Sekunden) und
Weitspringerin (5,92 Meter) erreicht in Helsinki immerhin im Weitsprung
den sechsten Platz. Sie wanderte nach dieser Olympiade in die
Vereinigten Staaten aus. Hans Zeitler, der ab 1949 für den VfB und ab
1959 als Mittelstürmer für die SpVgg Bayreuth spielte, konnte ebenfalls
mit Stolz nach Helsinki zurückblicken. Nach dem 3:1-"Pflichtsieg" über
Ägypten gelang der deutschen Nationalmannschaft ein 4:2-Sensationssieg
über Brasilien. Jumbo erzielte das 3:2 in der Verlängerung. Trotz der
folgenden Niederlagen gegen Jugoslawien und Schweden erreichte die
deutsche Truppe einen sensationellen vierten Rang. Zeitler, der beim
TSV Bindlach das Fußballspielen lernte, absolvierte ab 1950 insgesamt
35 Spiele für die Bayernauswahl und wurde in 13 Länderspielen der
deutschen Amateur-Nationalmannschaft – darunter bei den Olympischen
Spielen in Helsinki und Melbourne – und acht Mal in der
B-Nationalmannschaft eingesetzt. Am 20. April 1952 stand er im Aufgebot
von Sepp Herberger für das A-Länderspiel gegen Luxemburg wobei er sich
beim 3:1-Sieg sogar als Torschütze auszeichnete. Jumbo Zeitler, über
den es in einem weiteren Teil unserer Serie noch mehr zu erfahren gibt,
ist nach wie vor der erfolgreichste Fußballer in Bayreuth. StM.
1956 HORST WEBER
Bei
den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne waren mit dem Schwimmer Horst
Weber und die beiden Fußballer Hans "Jumbo" Zeitler und Fritz
Semmelmann gleich drei Sportler aus Bayreuth dabei. Horst Weber war der
Jüngste aus der bekannten Bayreuther Schwimmerfamilie Weber und zählte
in seiner Jugend zusammen mit seiner Schwester Lisl zu den
erfolgreichsten deutschen Schwimmern. In seiner Spezialdisziplin
Schmetterling wurde er von 1956 bis 1959 siebenfacher deutscher
Meister. Der damalige "Jung-Postbote" wurde 1960 Militär-Weltmeister
und stellte insgesamt 22 neue deutsche Rekorde auf. Weber ist seit 42
Jahren städtischer Schwimmmeister und wurde 1976 mit Eröffnung des
SVB-Hallenbades an den Schwimmverein abgeordnet. Ab 1980 war er Leiter
der SVB-Schwimmabteilung.
"Eine
wirklich fundierte Medaillenchance hat nur der bullenstarke,
unkomplizierte Naturbursche Horst Weber". "Dem jungen Bayreuther ging
es wie dem Schneider, der zuviel Stoff in den Rock verarbeitet hatte,
dass ihm die Hose zu kurz wurde. Für die letzten hundert Meter fehlten
ihm plötzlich Kraft und Luft". "Der blutjunge Horst Weber hat sein
Selbstvertrauen wiedergefunden, das er vor den Olympischen Spielen
verloren hatte". Drei Schlagzeilen, die im Jahr 1956 in deutschen
Zeitungen und die kurz und eindeutig die Hoffnungen, die Enttäuschung
und den Blick in die Zukunft ausdrückten. Inzwischen ist die
Olympiateilnahme im australischen Melbourne für den bescheidenen Horst
Weber nichts weiter als eine schöne Erinnerung.
Bayreuth
war damals in Deutschland die große Schwimmerhochburg: Die "Bayreuther
Schwimmfabrik" mit den gefürchteten "W´s" Horst und Isolde Weber,
Sieglinde Wolff und Christl Werther sammelte bei den deutschen
Titelkämpfen die meisten Titel. Obwohl von diesem Quartett nur Horst
Weber für die Olympia nominiert wurde, gab es keine vergleichbare
deutsche Kleinstadt, die 1956 gleich drei Olympiateilnehmer nach
Australien schickte.
Als
17jähriger stieg er am 11. November 1956 mit der damals noch
gesamtdeutschen Mannschaft in Hamburg in das Flugzeug. Nach
Zwischenlandungen in Nordschweden, Alaska (noch einmal Alaska, weil das
Flugzeug wegen technischer Schwierigkeiten umkehren musste), Hawaii
(nach Begrüßung mit Blumenkränzen und Küsschen von Hula-Girls wurde ein
kurzes Training im Pazifik angesetzt) und den Fidschi-Inseln kam die
deutsche Mannschaft nach 96 Stunden im 20.000 Kilometer entfernten
Melbourne an.
Horst
Weber hatte am 20. August 1956, seinem 17. Geburtstag, den ungarischen
Europameister Europameister György Tumpek (noch dazu dessen Hausbahn
"im Fegefeuer von Budapest") mit dem neuen deutschen Rekord von 2:26,5
Minuten über 200 Meter Schmetterling besiegt und galt bei der Presse
sofort als große Medaillenhoffnung für Australien. Aufgrund seiner in
Regensburg aufgestellten Bestzeit von 2:25,9 Minuten, die zwei Sekunden
schneller als der von Herbert Klein vier Jahre vorher aufgestellte
Weltrekord war, schwamm er sich endgültig in den Favoritenkreis.
Sein
Manko: Er hatte kaum internationale Erfahrung und musste in Australien
ohne Trainer und Betreuer auskommen, weil DSV-Trainer Paul Andreas aus
Kostengründen in Deutschland blieb. So traf der junge
Postbeamtenanwärter die falsche taktische Entscheidung, als er im
Vorlauf alles riskierte und loslegte wie die Feuerwehr. Er schwamm die
ersten 100 Meter in 1:06,2 Minuten! Drei Sekunden schneller als die
Durchgangszeit bei seinem Deutschen Rekord! Nach 150 Metern verließen
ihn die Kräfte: Mit einer für ihn schwachen Zeit von 2:32,4 Minuten
wurde er zwar hinter Europameister Tumpek in diesem Vorlauf Zweiter -
seine Zeit reichte jedoch nicht für den ersehnten Endlauf.
Wenige
Wochen später verbesserte er in Deutschland den deutschen Rekord erst
auf 2:23,8 Minuten (der Silbermedaillenzeit von Melbourne) und
schließlich im Länderkampf gegen Holland auf 2:22,7 Minuten. Den
Olympiadritten Tumbek schlägt er in 2:25,7 Minuten bei einem
Länderkampf in Reutlingen ein weiteres Mal. Offensichtlich kamen die
Olympischen Spiele für Horst Weber etwas zu früh. Seinen
Leistungshöhepunkt erreichte er erst in den Jahren danach. In seiner
Spezialdisziplin Schmetterling wurde er von 1956 bis 1959 siebenfacher
deutscher Meister, wurde 1960 Militär-Weltmeister und stellte insgesamt
22 neue deutsche Rekorde auf. Doch noch einmal zurück nach Australien:
Nachdem der Hinflug schon nicht reibungslos verlief, kam es beim
Rückflug - diesmal über Bangkok - noch schlimmer. Das Flugzeug sackte
in ein Luftloch, so daß es zahlreiche Verletzungen und sogar Armbrüche
unter den Olympiateilnehmern gab. Ein Steward wurde samt seiner Kanne
an die Decke geschleudert und goß Fritz Semmelmann den heißen Kaffee in
den Kragen...
Zu
seinem 60. Geburtstag wurde der Horst Weber nun Ehrenmitglied "seines"
Schwimmvereines.. Sichtlich gerührt nahm er Urkunde und Anstecknadel
von SVB-Vorstand Jürgen Mayer an, bevor Helmut Künzel seine sportliche
und berufliche Laufbahn Revue passieren ließ: Der Jüngste aus der
bekannten Bayreuther Schwimmerfamilie Weber zählte in seiner Jugend
zusammen mit seiner Schwester Lisl zu den erfolgreichsten deutschen
Schwimmern. wurde 1976 mit Eröffnung des SVB-Hallenbades an den
Schwimmverein abgeordnet. Im SVB war Weber ab 1980 Leiter der
Schwimmabteilung. Und: Eines hat er sich seit damals behalten: Wie hieß
eine weitere Pressemeldung aus den fünfziger Jahren? "Horst trägt ein
kleines Bäuchen!" StM.
(Horst Weber Ist inzwischen leider gestorben)
ZEITLER UND SEMMELMANN
Nur
wenige Länder verfügten 1956 über die finanziellen Mittel, um eine
"Expedition" von über zwanzig Mitgliedern zu einem
Amateur-Fußballwettbewerb rund um die Erde reisen zu lassen. Noch dazu
in einer Disziplin, in der die Goldmedaille schon vor Beginn praktisch
vergeben war. Allen Beteiligten war vor der ersten Begegnung klar, dass
die "Staatsamteure" aus Russland, Bulgarien und Jugoslawien nicht mit
dem westeuropäischen Begriff des Amateurs verglichen werden konnte. So
traf die deutsche Olympiaauswahl gleich im ersten Spiel auf die selbe
russische Mannschaft, die kurz vorher in Hannover die deutsche
(Vertragsspieler-) Nationalmannschaft – immerhin amtierender
Weltmeister von 1954) mit 2:1 besiegt hatte. Gleiches Recht für alle
galt damals nicht. Die Bulgaren wahrten auf eine andere Weise das
Amateurgesicht: Sie traten zwar mit der stärksten Mannschaft auf,
ließen aber ihrer Vertragsspieler unter anderem Namen antreten!
Nur
ein Spiel konnte die deutsche Olympia-Nationalmannschaft 1956 in
Melbourne absolvieren. Nach der Niederlage gegen die Staatsamateure der
Sowjetunion war das Unternehmen Olympia für "Jumbo" Zeitler, Fritz
Semmelmann und Co. schon vorbei...
Nachdem
das Geld für die Unterkunft knapp war beschloss das deutsche NOK zwei
Fussballer in eine Maschine zu setzen, die noch zwei Plätze frei hatte.
Es wurde um die beiden Nieten gelost. Fritz Semmelmann musste zurück,
Jumbo Zeitler hätte bis zum Ende der Olympiade bleiben dürfen. "Was
soll ich hier ohne Fritz? Ich reise auch ab" schimpfte Jumbo und gab
seinen Platz an den Düsseldorfer Mauritz, der die zweite "Niete"
gezogen hatte, ab. Dieses Vorgehen hatten die beiden Bayreuther im Fall
der Fälle vorher ausgemacht.
Der
DFB, der das finanzschwache NOK einen Zuschuss über die Hälfte der
Olympiakosten unterstützte, bekam Wind von der Sache und setzte durch,
das die Fußballer bleiben durften. Alle! "Im Endeffekt war ich ‚Schuld
daran" grinst Hans Zeitler. "So konnten wir alle Entscheidungen sehen.
Wir hatten ja Zeit...". StM.
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| Fritz Semmelmann und Hans Zeitler |
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| Fritz Semmelmann, Horst Weber und Hans Zeitler. Foto vom März 2000 |
1956
Der
VfB Bayreuth wird Meister der Bayernliga Nord. Die SpVgg landet auf dem
achten Tabellenplatz, während der 1. FC Bayreuth als Tabellenletzter
absteigen muss. Im Endspiel um die Bayerische Amateurmeisterschaft
verlieren die Prellmühler das Vorspiel beim Südmeister ESV Ingolstadt
mit 3:0. Nach dem 2:1-Rücksspielsieg in Bayreuth kommt es zum
Entscheidungsspiel in Nürnberg. Der VfB gewinnt mit 1:0 und ist der
erste Bayerischer Amateurmeister aus der Wagnerstadt und nimmt an den
Aufstiegsspielen zur Zweiten Liga Süd teil.
Hans Zeitler
spielte von 1949 bis 1958 für den VfB Bayreuth, ehe zur SpVgg Bayreuth
wechselte. Über die Oberfrankenauswahl gelangte Jumbo bereits 1950 in
die Bayernauswahl, für die er 35 Spiele bestritt. Insgesamt 13 mal trug
er das Trikot der detuschen Amateur-Nationalmannschaft und vertrat die
deutschen Farben bei den Olympischen Spielen in Helsinki und Melbourne.
AM 20. Apriol 1952 stand er im Aufgebot von Sepp Herberger für das
A-Länderspiel gegen Luxemburg wobei er sich beim 3:1-Sieg sogar als
Torschütze auszeichnete. In der B-Nationalmannschaft kam der
erfolgreichste Bayreuther Fußballer acht Mal zum Einsatz.
Jumbo, Bäckla und Patsch
Bayreuth.
Schade, dass es so manche Tradition nicht mehr gibt. Früher hatte so
gut wie jeder Fussballer "seinen" Spitznamen. Unsere beiden
Olympiafussballer Hans Zeitler und Fritz Semmelmann waren der "Jumbo"
und des "Bäckla". Beim VfB spielte der Pöhlmanns "Duddara", bei der
SpVgg der Sommerers "Knacker". Begriffe unter den Bayreuther Fans sind
freilich der Hauensteins "Patsch", der Webers "Dubbe", der Bachofners
"Bagdi" und eine Generation später "Bobby" Breuer oder der Größlers
"Manne".
Aus
unseren Tagen fällt uns höchstens noch der Bärs "Hanni", der sich
inzwischen auch zur Ruhe gesetzt hat, und aus der aktuellen
SpVgg-Truppe der Hagens "Enni" ("Hanni" und "Nanni"?) ein... StM.
Bayreuth.
Der damals xx-jährige Horst Weber war im November 1956 wahrscheinlich
froh, dass ihn die beiden älteren Bayreuther Fussballer "Jumbo" Zeitler
und Fritz Semmelmann zur Olympiade nach Australien begleiteten. Für
einen Betreuer oder Trainer hatte das NOK damals kein Geld. Sogar der
Nationaltrainer musste zu Hause bleiben.
Übernervös
und viel zu schnell startete Weber im Vorlauf über die
200-Meter-Schmetterling-Strecke. Im zweiten Teil fehlte ihm die Luft,
so dass er statt dem erhofften Spitzenplatz (seine persönliche Bestzeit
hätte zum vierten Platz gereicht) im Vorlauf scheiterte und sich mit
dem (freilich trotzdem hervorragenden) elften Platz unter xx
Teilnehmern zufrieden geben musste. Mit einem Trainer an seiner Seite
wäre aber mit Sicherheit ein besseres Ergebnis möglich gewesen.
Übrigens: Die 433 deutschen Olympiateilnehmer von Sydney werden von 278
Trainern und Betreuern begleitet... Das deutsche Innenministerium
finanziert das Unternehmen Olympia 2000 mit insgesamt 6,5 Millionen
Mark. StM.
GESCHICHTLA
Bayreuth.
Als 17jähriger stieg Horst Weber am 11. November 1956 mit der damals
noch gesamtdeutschen Mannschaft in Hamburg in das Flugzeug. Nach
Zwischenlandungen in Nordschweden, Alaska (noch einmal Alaska, weil das
Flugzeug wegen technischer Schwierigkeiten umkehren musste), Hawaii
(nach Begrüßung mit Blumenkränzen und Küsschen von Hula-Girls wurde ein
kurzes Training im Pazifik angesetzt) und den Fidschi-Inseln kam die
deutsche Mannschaft nach 96 Stunden im 20.000 Kilometer entfernten
Melbourne an.
Auch
der Rückflug - diesmal über Bangkok – verlief nicht reibungslos: Es kam
noch schlimmer. Das Flugzeug sackte in ein Luftloch, so dass es
zahlreiche Verletzungen und sogar Armbrüche unter den
Olympiateilnehmern gab. Ein Steward wurde samt seiner Kanne an die
Decke geschleudert und goss Fritz Semmelmann den heißen Kaffee in den
Kragen...
Noch
länger dauerte die Anreise der 88 deutschen Sportler im Jahr 1932. Der
Speerwerfer Gottfried Weimann, der damals für Leipzig startete, reiste
mit dem Team auf einem Dampfer nach Los Angeles. Als Taschengeld
erhielten die deutschen Sportler pro Tag einen Dollar und konnten damit
keine großen Sprünge machen. Ein Erlebnis war die Olympiade in Los
Angeles schon deshalb für alle, weil sie sich auf der langen
Schiffsreise erst so richtig kennen lernten. Weimann: "Das schweißte
zusammen, da bangte man für die anderen 87 bei jedem Wettkampf mit!"
Anscheinend
hat Leni Hofknecht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten trotz des
kargen Taschengeldes so richtig lieben gelernt. Die Bayreutherin
wanderte später nach Amerika aus. StM.