Fritz Semmelmann, Horst Weber und Hans - Jumbo - Zeitler


Fußballer der 50er und 60er Jahre. (Host Weber war Schwimmer)



Fritz SemmelmannBayerische Fußballmeister mit Jumbo Zeitler (rechts unten)


Fritz Semmelmann Hans (Jumbo) Zeitler (ganz links), Fritz Semmelmann (mitte) und Nationaltrainer Sepp Heuberger (rechts)


Hans Zeitler (oben)
Fritz Semmelmann (unten)
Foto: Sportamt Bayreuth
Hans Zeitler (links neben dem Herrn im Anzug) mit dem SPVGG als Bayerischer Meister 1959


Fritz Semmelmann, Horst Weber und Hans Zeitler. Hans Zeitler, Horst Weber und Fritz Semmelmann.
Foto: Sportamt Bayreuth


Fritz Semmelmann
*
Horst Weber
* 20.08.1939
† 200?
Hans Zeitler
* 30.04.1927 (Bindlach)


1952 Bayreuths Olympioniken Leni und Jumbo in Helsinki

Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki war die Sportstadt Bayreuth mit zwei Athleten vertreten: Der Leichtathletin Leni Hofknecht von der Bayreuther Turnerschaft und dem damals 23-jährigen Fußballer Hans "Jumbo" Zeitler vom VfB Bayreuth.
Die deutsche Vizemeisterin Leni Hofknecht, eine hervorragende 100-Meter-Sprinterin (persönliche Bestleistung 12,5 Sekunden) und Weitspringerin (5,92 Meter) erreicht in Helsinki immerhin im Weitsprung den sechsten Platz. Sie wanderte nach dieser Olympiade in die Vereinigten Staaten aus. Hans Zeitler, der ab 1949 für den VfB und ab 1959 als Mittelstürmer für die SpVgg Bayreuth spielte, konnte ebenfalls mit Stolz nach Helsinki zurückblicken. Nach dem 3:1-"Pflichtsieg" über Ägypten gelang der deutschen Nationalmannschaft ein 4:2-Sensationssieg über Brasilien. Jumbo erzielte das 3:2 in der Verlängerung. Trotz der folgenden Niederlagen gegen Jugoslawien und Schweden erreichte die deutsche Truppe einen sensationellen vierten Rang. Zeitler, der beim TSV Bindlach das Fußballspielen lernte, absolvierte ab 1950 insgesamt 35 Spiele für die Bayernauswahl und wurde in 13 Länderspielen der deutschen Amateur-Nationalmannschaft – darunter bei den Olympischen Spielen in Helsinki und Melbourne – und acht Mal in der B-Nationalmannschaft eingesetzt. Am 20. April 1952 stand er im Aufgebot von Sepp Herberger für das A-Länderspiel gegen Luxemburg wobei er sich beim 3:1-Sieg sogar als Torschütze auszeichnete. Jumbo Zeitler, über den es in einem weiteren Teil unserer Serie noch mehr zu erfahren gibt, ist nach wie vor der erfolgreichste Fußballer in Bayreuth. StM.


1956 HORST WEBER

Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne waren mit dem Schwimmer Horst Weber und die beiden Fußballer Hans "Jumbo" Zeitler und Fritz Semmelmann gleich drei Sportler aus Bayreuth dabei. Horst Weber war der Jüngste aus der bekannten Bayreuther Schwimmerfamilie Weber und zählte in seiner Jugend zusammen mit seiner Schwester Lisl zu den erfolgreichsten deutschen Schwimmern. In seiner Spezialdisziplin Schmetterling wurde er von 1956 bis 1959 siebenfacher deutscher Meister. Der damalige "Jung-Postbote" wurde 1960 Militär-Weltmeister und stellte insgesamt 22 neue deutsche Rekorde auf. Weber ist seit 42 Jahren städtischer Schwimmmeister und wurde 1976 mit Eröffnung des SVB-Hallenbades an den Schwimmverein abgeordnet. Ab 1980 war er Leiter der SVB-Schwimmabteilung.
"Eine wirklich fundierte Medaillenchance hat nur der bullenstarke, unkomplizierte Naturbursche Horst Weber". "Dem jungen Bayreuther ging es wie dem Schneider, der zuviel Stoff in den Rock verarbeitet hatte, dass ihm die Hose zu kurz wurde. Für die letzten hundert Meter fehlten ihm plötzlich Kraft und Luft". "Der blutjunge Horst Weber hat sein Selbstvertrauen wiedergefunden, das er vor den Olympischen Spielen verloren hatte". Drei Schlagzeilen, die im Jahr 1956 in deutschen Zeitungen und die kurz und eindeutig die Hoffnungen, die Enttäuschung und den Blick in die Zukunft ausdrückten. Inzwischen ist die Olympiateilnahme im australischen Melbourne für den bescheidenen Horst Weber nichts weiter als eine schöne Erinnerung.
Bayreuth war damals in Deutschland die große Schwimmerhochburg: Die "Bayreuther Schwimmfabrik" mit den gefürchteten "W´s" Horst und Isolde Weber, Sieglinde Wolff und Christl Werther sammelte bei den deutschen Titelkämpfen die meisten Titel. Obwohl von diesem Quartett nur Horst Weber für die Olympia nominiert wurde, gab es keine vergleichbare deutsche Kleinstadt, die 1956 gleich drei Olympiateilnehmer nach Australien schickte.
Als 17jähriger stieg er am 11. November 1956 mit der damals noch gesamtdeutschen Mannschaft in Hamburg in das Flugzeug. Nach Zwischenlandungen in Nordschweden, Alaska (noch einmal Alaska, weil das Flugzeug wegen technischer Schwierigkeiten umkehren musste), Hawaii (nach Begrüßung mit Blumenkränzen und Küsschen von Hula-Girls wurde ein kurzes Training im Pazifik angesetzt) und den Fidschi-Inseln kam die deutsche Mannschaft nach 96 Stunden im 20.000 Kilometer entfernten Melbourne an.
Horst Weber hatte am 20. August 1956, seinem 17. Geburtstag, den ungarischen Europameister Europameister György Tumpek (noch dazu dessen Hausbahn "im Fegefeuer von Budapest") mit dem neuen deutschen Rekord von 2:26,5 Minuten über 200 Meter Schmetterling besiegt und galt bei der Presse sofort als große Medaillenhoffnung für Australien. Aufgrund seiner in Regensburg aufgestellten Bestzeit von 2:25,9 Minuten, die zwei Sekunden schneller als der von Herbert Klein vier Jahre vorher aufgestellte Weltrekord war, schwamm er sich endgültig in den Favoritenkreis.
Sein Manko: Er hatte kaum internationale Erfahrung und musste in Australien ohne Trainer und Betreuer auskommen, weil DSV-Trainer Paul Andreas aus Kostengründen in Deutschland blieb. So traf der junge Postbeamtenanwärter die falsche taktische Entscheidung, als er im Vorlauf alles riskierte und loslegte wie die Feuerwehr. Er schwamm die ersten 100 Meter in 1:06,2 Minuten! Drei Sekunden schneller als die Durchgangszeit bei seinem Deutschen Rekord! Nach 150 Metern verließen ihn die Kräfte: Mit einer für ihn schwachen Zeit von 2:32,4 Minuten wurde er zwar hinter Europameister Tumpek in diesem Vorlauf Zweiter - seine Zeit reichte jedoch nicht für den ersehnten Endlauf.
Wenige Wochen später verbesserte er in Deutschland den deutschen Rekord erst auf 2:23,8 Minuten (der Silbermedaillenzeit von Melbourne) und schließlich im Länderkampf gegen Holland auf 2:22,7 Minuten. Den Olympiadritten Tumbek schlägt er in 2:25,7 Minuten bei einem Länderkampf in Reutlingen ein weiteres Mal. Offensichtlich kamen die Olympischen Spiele für Horst Weber etwas zu früh. Seinen Leistungshöhepunkt erreichte er erst in den Jahren danach. In seiner Spezialdisziplin Schmetterling wurde er von 1956 bis 1959 siebenfacher deutscher Meister, wurde 1960 Militär-Weltmeister und stellte insgesamt 22 neue deutsche Rekorde auf. Doch noch einmal zurück nach Australien: Nachdem der Hinflug schon nicht reibungslos verlief, kam es beim Rückflug - diesmal über Bangkok - noch schlimmer. Das Flugzeug sackte in ein Luftloch, so daß es zahlreiche Verletzungen und sogar Armbrüche unter den Olympiateilnehmern gab. Ein Steward wurde samt seiner Kanne an die Decke geschleudert und goß Fritz Semmelmann den heißen Kaffee in den Kragen...
Zu seinem 60. Geburtstag wurde der Horst Weber nun Ehrenmitglied "seines" Schwimmvereines.. Sichtlich gerührt nahm er Urkunde und Anstecknadel von SVB-Vorstand Jürgen Mayer an, bevor Helmut Künzel seine sportliche und berufliche Laufbahn Revue passieren ließ: Der Jüngste aus der bekannten Bayreuther Schwimmerfamilie Weber zählte in seiner Jugend zusammen mit seiner Schwester Lisl zu den erfolgreichsten deutschen Schwimmern. wurde 1976 mit Eröffnung des SVB-Hallenbades an den Schwimmverein abgeordnet. Im SVB war Weber ab 1980 Leiter der Schwimmabteilung. Und: Eines hat er sich seit damals behalten: Wie hieß eine weitere Pressemeldung aus den fünfziger Jahren? "Horst trägt ein kleines Bäuchen!" StM.
(Horst Weber Ist inzwischen leider gestorben)
 
ZEITLER UND SEMMELMANN

Nur wenige Länder verfügten 1956 über die finanziellen Mittel, um eine "Expedition" von über zwanzig Mitgliedern zu einem Amateur-Fußballwettbewerb rund um die Erde reisen zu lassen. Noch dazu in einer Disziplin, in der die Goldmedaille schon vor Beginn praktisch vergeben war. Allen Beteiligten war vor der ersten Begegnung klar, dass die "Staatsamteure" aus Russland, Bulgarien und Jugoslawien nicht mit dem westeuropäischen Begriff des Amateurs verglichen werden konnte. So traf die deutsche Olympiaauswahl gleich im ersten Spiel auf die selbe russische Mannschaft, die kurz vorher in Hannover die deutsche (Vertragsspieler-) Nationalmannschaft – immerhin amtierender Weltmeister von 1954) mit 2:1 besiegt hatte. Gleiches Recht für alle galt damals nicht. Die Bulgaren wahrten auf eine andere Weise das Amateurgesicht: Sie traten zwar mit der stärksten Mannschaft auf, ließen aber ihrer Vertragsspieler unter anderem Namen antreten!
 
Nur ein Spiel konnte die deutsche Olympia-Nationalmannschaft 1956 in Melbourne absolvieren. Nach der Niederlage gegen die Staatsamateure der Sowjetunion war das Unternehmen Olympia für "Jumbo" Zeitler, Fritz Semmelmann und Co. schon vorbei...
Nachdem das Geld für die Unterkunft knapp war beschloss das deutsche NOK zwei Fussballer in eine Maschine zu setzen, die noch zwei Plätze frei hatte. Es wurde um die beiden Nieten gelost. Fritz Semmelmann musste zurück, Jumbo Zeitler hätte bis zum Ende der Olympiade bleiben dürfen. "Was soll ich hier ohne Fritz? Ich reise auch ab" schimpfte Jumbo und gab seinen Platz an den Düsseldorfer Mauritz, der die zweite "Niete" gezogen hatte, ab. Dieses Vorgehen hatten die beiden Bayreuther im Fall der Fälle vorher ausgemacht.
Der DFB, der das finanzschwache NOK einen Zuschuss über die Hälfte der Olympiakosten unterstützte, bekam Wind von der Sache und setzte durch, das die Fußballer bleiben durften. Alle! "Im Endeffekt war ich ‚Schuld daran" grinst Hans Zeitler. "So konnten wir alle Entscheidungen sehen. Wir hatten ja Zeit...". StM.

Fritz Semmelmann und Hans Zeitler
Fritz Semmelmann, Horst Weber und Hans Zeitler. Foto vom März 2000
 

1956

Der VfB Bayreuth wird Meister der Bayernliga Nord. Die SpVgg landet auf dem achten Tabellenplatz, während der 1. FC Bayreuth als Tabellenletzter absteigen muss. Im Endspiel um die Bayerische Amateurmeisterschaft verlieren die Prellmühler das Vorspiel beim Südmeister ESV Ingolstadt mit 3:0. Nach dem 2:1-Rücksspielsieg in Bayreuth kommt es zum Entscheidungsspiel in Nürnberg. Der VfB gewinnt mit 1:0 und ist der erste Bayerischer Amateurmeister aus der Wagnerstadt und nimmt an den Aufstiegsspielen zur Zweiten Liga Süd teil.
Hans Zeitler spielte von 1949 bis 1958 für den VfB Bayreuth, ehe zur SpVgg Bayreuth wechselte. Über die Oberfrankenauswahl gelangte Jumbo bereits 1950 in die Bayernauswahl, für die er 35 Spiele bestritt. Insgesamt 13 mal trug er das Trikot der detuschen Amateur-Nationalmannschaft und vertrat die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen in Helsinki und Melbourne. AM 20. Apriol 1952 stand er im Aufgebot von Sepp Herberger für das A-Länderspiel gegen Luxemburg wobei er sich beim 3:1-Sieg sogar als Torschütze auszeichnete. In der B-Nationalmannschaft kam der erfolgreichste Bayreuther Fußballer acht Mal zum Einsatz.


Jumbo, Bäckla und Patsch

Bayreuth. Schade, dass es so manche Tradition nicht mehr gibt. Früher hatte so gut wie jeder Fussballer "seinen" Spitznamen. Unsere beiden Olympiafussballer Hans Zeitler und Fritz Semmelmann waren der "Jumbo" und des "Bäckla". Beim VfB spielte der Pöhlmanns "Duddara", bei der SpVgg der Sommerers "Knacker". Begriffe unter den Bayreuther Fans sind freilich der Hauensteins "Patsch", der Webers "Dubbe", der Bachofners "Bagdi" und eine Generation später "Bobby" Breuer oder der Größlers "Manne".
Aus unseren Tagen fällt uns höchstens noch der Bärs "Hanni", der sich inzwischen auch zur Ruhe gesetzt hat, und aus der aktuellen SpVgg-Truppe der Hagens "Enni" ("Hanni" und "Nanni"?) ein... StM.
 
Bayreuth. Der damals xx-jährige Horst Weber war im November 1956 wahrscheinlich froh, dass ihn die beiden älteren Bayreuther Fussballer "Jumbo" Zeitler und Fritz Semmelmann zur Olympiade nach Australien begleiteten. Für einen Betreuer oder Trainer hatte das NOK damals kein Geld. Sogar der Nationaltrainer musste zu Hause bleiben.
Übernervös und viel zu schnell startete Weber im Vorlauf über die 200-Meter-Schmetterling-Strecke. Im zweiten Teil fehlte ihm die Luft, so dass er statt dem erhofften Spitzenplatz (seine persönliche Bestzeit hätte zum vierten Platz gereicht) im Vorlauf scheiterte und sich mit dem (freilich trotzdem hervorragenden) elften Platz unter xx Teilnehmern zufrieden geben musste. Mit einem Trainer an seiner Seite wäre aber mit Sicherheit ein besseres Ergebnis möglich gewesen. Übrigens: Die 433 deutschen Olympiateilnehmer von Sydney werden von 278 Trainern und Betreuern begleitet... Das deutsche Innenministerium finanziert das Unternehmen Olympia 2000 mit insgesamt 6,5 Millionen Mark. StM.
 
 
GESCHICHTLA

Bayreuth. Als 17jähriger stieg Horst Weber am 11. November 1956 mit der damals noch gesamtdeutschen Mannschaft in Hamburg in das Flugzeug. Nach Zwischenlandungen in Nordschweden, Alaska (noch einmal Alaska, weil das Flugzeug wegen technischer Schwierigkeiten umkehren musste), Hawaii (nach Begrüßung mit Blumenkränzen und Küsschen von Hula-Girls wurde ein kurzes Training im Pazifik angesetzt) und den Fidschi-Inseln kam die deutsche Mannschaft nach 96 Stunden im 20.000 Kilometer entfernten Melbourne an.
Auch der Rückflug - diesmal über Bangkok – verlief nicht reibungslos: Es kam noch schlimmer. Das Flugzeug sackte in ein Luftloch, so dass es zahlreiche Verletzungen und sogar Armbrüche unter den Olympiateilnehmern gab. Ein Steward wurde samt seiner Kanne an die Decke geschleudert und goss Fritz Semmelmann den heißen Kaffee in den Kragen...
Noch länger dauerte die Anreise der 88 deutschen Sportler im Jahr 1932. Der Speerwerfer Gottfried Weimann, der damals für Leipzig startete, reiste mit dem Team auf einem Dampfer nach Los Angeles. Als Taschengeld erhielten die deutschen Sportler pro Tag einen Dollar und konnten damit keine großen Sprünge machen. Ein Erlebnis war die Olympiade in Los Angeles schon deshalb für alle, weil sie sich auf der langen Schiffsreise erst so richtig kennen lernten. Weimann: "Das schweißte zusammen, da bangte man für die anderen 87 bei jedem Wettkampf mit!"
Anscheinend hat Leni Hofknecht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten trotz des kargen Taschengeldes so richtig lieben gelernt. Die Bayreutherin wanderte später nach Amerika aus. StM.


Quelle: (Stephan Müller und Sportamt Bayreuth)