Der Sohn Cosima und Richard. Wagners wurde am 6.
Juni 1869 in dem Haus in Triebschen bei Luzern am Vierwaldstätter
See geboren. Er war drei Jahre alt, als die Familie Wagner nach
Bayreuth übersiedelte. Hier verbrachte er seine Jugend und die
meiste Zeit seines Lebens. Bereits im Alter von zehn Jahren begleitete
er seinen Vater auf dessen Reisen nach Italien. So lernte er Neapel,
Venedig und Palermo kennen. Ihn faszinierten die Kirchen und. auch die
anderen Monumente der italienischen Baukunst. Er konnte schon mit zehn
Jahren Ornamente aus der Erinnerung nachzeichnen, die er einmal gesehen
hatte. Mit elf Jahren genoss er den ersten Musikunterricht, aber er
zeigte keine große Begeisterung für den Klavierunterricht
und. die Harmonielehre.
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| Cosima Wagner mit Siegfried Wagner |
Nach dem. Tod seines Vaters verlangte es die Finanzlage, dass Siegfried
von nun an ein öffentliches Gymnasium besuchen musste.
während einer längeren Krankheit in der Schulzeit widmete er
sich der Architektur. In dieser Zeit entstanden 46 vollständige
Kirchenentwürfe. 1886 machte er sein Abitur. Danach begab er sich
nach Frankfurt zu
Engelbert Humperdinck,
ein Schüler Richard Wagners, um bei ihm Musik zu studieren. Jedoch
im Jahre 1890 begab er sich nach Berlin-Charlottenburg, um seine
architektonischen Studien fortzusetzen. Er wusste nun nicht, wofür
er sich entscheiden sollte: Musik oder Architektur. Er unternahm eine
Weltreise, die ein halbes Jahr dauerte. Währenddessen entstanden
Entwürfe zu verschiedenen Dramen, Siegfried Wagner skizzierte
Operntexte, er komponierte Lieder. Das Geschaffene vernichtete er zwar
sofort wieder, aber am Ende der Reise ist er entschlossen, sich
gänzlich der Musik zu verschreiben.
Er fing im "eigenen Hause" an und zwar im Jahre 1891. "Er diente von
der Pieke auf", er übte sich zuerst mit bühnentechnischen
Dingen und versuchte sich später als Dirigent, wobei er in Julius
Kniese einen hervorragenden Lehrer fand. Er dirigierte in Berlin,
München, Brüssel, London, Wien, Budapest, aber mit
"schmeichelhaftestem Erfolg", was bedeutete, dass ihm der Ruf seines
Vaters überallhin vorauseilte und das Publikum schon auf Grund des
Namens Wagner applausfreudig war. Aber es dauerte nicht lange und es
überzeugte wirklich nur sein Können. 1896 dirigierte er zum
ersten Mal einen Ring-Zyklus bei den Bayreuther Festspielen. 1901
inszenierte er ganz selbststädig den "Holländer" und erhielt
viel Lob dafür.

1895 waren die ersten Entwürfe für sein dramatisches
Erstlingswerk "Der Bärenhäuter" entstanden. 1899 fand eine
erfolgreiche Premiere in München statt. Von nun an schrieb er noch
weitere Opern. Dennoch blieb seine Hauptaufgabe, als Dirigent und
Regisseur in Bayreuth zu wirken. Er unterstützte seine Mutter
tatkräftig in der Fortführung des Werkes seines Vaters.
Zum 100. Geburtstag Richard Wagners, am 22. Mai 1913, verleiht ihm die Stadt Bayreuth die Ehrenbürgerschaft:
"Durch einstimmigen Beschluss der beiden städtischen Kollegien
wurde aus Anlass der heutigen Jahrhundertfeier dem Sohn des Bayreuther
Meisters, Herrn Siegfried Wagner ... das Ehrenbürgerrecht in der
Stadt Bayreuth und die goldene Bürgermedaille verliehen. Die
Überreichung dieser Auszeichnung, der höchsten, die die Stadt
gewähren kann, ... wurde beschlossen in dankbarer Würdigung
der großen Verdienste, die sich Herr Siegfried Wagner als der
berufene Erbe des großen Vaters ... um die Festspiele und damit
um die Wohlfahrt der Stadt erworben [hat]. Wir glauben den Meister
selbst zu ehren, wenn wir dem verdienten Sohne ... diese Ehrung
erweisen."
Siegfried Wagner mit Familie |
Ein Jahr später begann der 1. Weltkrieg. Die Pforten des
Festspielhauses schlossen sich nach der neunten Aufführung des
Spieljahres 1914, und erst nach einer Notpause von zehn Jahren konnte
der Wiederbeginn der Spiele gewagt werden. Ein großes Wagnis! Die
Inflation hatte den Festspielfond vernichtet, viele Freunde der
Bayreuther Festspiele waren gestorben, auf bewährte Künstler
musste man verzichten, die Bühne war mit ihrem technischen Apparat
total veraltet. Die Spiele 1924 waren keine Fortführung sondern
ein völlig neuer Anfang. Diese Tat Siegfried Wagners war der
eigentliche Höhepunkt seines Schaffens.
Zusammen mit seiner Mutter und dem Freund der Familie,
Adolf von Groß,
leitete er die Festspiele bis 1930. Während einer Probe zur
Aufführung der "Götterdämmerung" erlitt er einen
Herzanfall. Vier Tage später, am 4. August 1930, stirbt er
einundsechzigjährig, vier Monate nach dem Tod seiner Mutter Cosima.
Überführung der Leiche Siegfried Wagners. Künstler tragen
den Sarg vom Altarplatz der Stadtkirche hinaus zum Leichenwagen.