Siegfried Wagner

* 06.06.1869 (Triebschen)
† 04.08.1930 (Bayreuth)
Sohn des Dichterkomponisten Richard und Cosima Wagner. Führte dessen Werk fort. Verheiratet mit Winifred Wagner.

Der Sohn Cosima und Richard. Wagners wurde am 6. Juni 1869 in dem Haus in Triebschen bei Luzern am Vierwaldstätter See geboren. Er war drei Jahre alt, als die Familie Wagner nach Bayreuth übersiedelte. Hier verbrachte er seine Jugend und die meiste Zeit seines Lebens. Bereits im Alter von zehn Jahren begleitete er seinen Vater auf dessen Reisen nach Italien. So lernte er Neapel, Venedig und Palermo kennen. Ihn faszinierten die Kirchen und. auch die anderen Monumente der italienischen Baukunst. Er konnte schon mit zehn Jahren Ornamente aus der Erinnerung nachzeichnen, die er einmal gesehen hatte. Mit elf Jahren genoss er den ersten Musikunterricht, aber er zeigte keine große Begeisterung für den Klavierunterricht und. die Harmonielehre.

Cosima Wagner mit Siegfried Wagner
Nach dem. Tod seines Vaters verlangte es die Finanzlage, dass Siegfried von nun an ein öffentliches Gymnasium besuchen musste. während einer längeren Krankheit in der Schulzeit widmete er sich der Architektur. In dieser Zeit entstanden 46 vollständige Kirchenentwürfe. 1886 machte er sein Abitur. Danach begab er sich nach Frankfurt zu Engelbert Humperdinck, ein Schüler Richard Wagners, um bei ihm Musik zu studieren. Jedoch im Jahre 1890 begab er sich nach Berlin-Charlottenburg, um seine architektonischen Studien fortzusetzen. Er wusste nun nicht, wofür er sich entscheiden sollte: Musik oder Architektur. Er unternahm eine Weltreise, die ein halbes Jahr dauerte. Währenddessen entstanden Entwürfe zu verschiedenen Dramen, Siegfried Wagner skizzierte Operntexte, er komponierte Lieder. Das Geschaffene vernichtete er zwar sofort wieder, aber am Ende der Reise ist er entschlossen, sich gänzlich der Musik zu verschreiben.

Er fing im "eigenen Hause" an und zwar im Jahre 1891. "Er diente von der Pieke auf", er übte sich zuerst mit bühnentechnischen Dingen und versuchte sich später als Dirigent, wobei er in Julius Kniese einen hervorragenden Lehrer fand. Er dirigierte in Berlin, München, Brüssel, London, Wien, Budapest, aber mit "schmeichelhaftestem Erfolg", was bedeutete, dass ihm der Ruf seines Vaters überallhin vorauseilte und das Publikum schon auf Grund des Namens Wagner applausfreudig war. Aber es dauerte nicht lange und es überzeugte wirklich nur sein Können. 1896 dirigierte er zum ersten Mal einen Ring-Zyklus bei den Bayreuther Festspielen. 1901 inszenierte er ganz selbststädig den "Holländer" und erhielt viel Lob dafür.

1895 waren die ersten Entwürfe für sein dramatisches Erstlingswerk "Der Bärenhäuter" entstanden. 1899 fand eine erfolgreiche Premiere in München statt. Von nun an schrieb er noch weitere Opern. Dennoch blieb seine Hauptaufgabe, als Dirigent und Regisseur in Bayreuth zu wirken. Er unterstützte seine Mutter tatkräftig in der Fortführung des Werkes seines Vaters.

Zum 100. Geburtstag Richard Wagners, am 22. Mai 1913, verleiht ihm die Stadt Bayreuth die Ehrenbürgerschaft:

"Durch einstimmigen Beschluss der beiden städtischen Kollegien wurde aus Anlass der heutigen Jahrhundertfeier dem Sohn des Bayreuther Meisters, Herrn Siegfried Wagner ... das Ehrenbürgerrecht in der Stadt Bayreuth und die goldene Bürgermedaille verliehen. Die Überreichung dieser Auszeichnung, der höchsten, die die Stadt gewähren kann, ... wurde beschlossen in dankbarer Würdigung der großen Verdienste, die sich Herr Siegfried Wagner als der berufene Erbe des großen Vaters ... um die Festspiele und damit um die Wohlfahrt der Stadt erworben [hat]. Wir glauben den Meister selbst zu ehren, wenn wir dem verdienten Sohne ... diese Ehrung erweisen."


Siegfried Wagner mit Familie
Ein Jahr später begann der 1. Weltkrieg. Die Pforten des Festspielhauses schlossen sich nach der neunten Aufführung des Spieljahres 1914, und erst nach einer Notpause von zehn Jahren konnte der Wiederbeginn der Spiele gewagt werden. Ein großes Wagnis! Die Inflation hatte den Festspielfond vernichtet, viele Freunde der Bayreuther Festspiele waren gestorben, auf bewährte Künstler musste man verzichten, die Bühne war mit ihrem technischen Apparat total veraltet. Die Spiele 1924 waren keine Fortführung sondern ein völlig neuer Anfang. Diese Tat Siegfried Wagners war der eigentliche Höhepunkt seines Schaffens.

Zusammen mit seiner Mutter und dem Freund der Familie, Adolf von Groß, leitete er die Festspiele bis 1930. Während einer Probe zur Aufführung der "Götterdämmerung" erlitt er einen Herzanfall. Vier Tage später, am 4. August 1930, stirbt er einundsechzigjährig, vier Monate nach dem Tod seiner Mutter Cosima.

 



Überführung der Leiche Siegfried Wagners. Künstler tragen den Sarg vom Altarplatz der Stadtkirche hinaus zum Leichenwagen.

Quelle: 2,18,20,27,28,31