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| * 22.04.1881 (Bayreuth) † 05.05.1954 (Bayreuth?) |
Landtagsabgeordneter der SPD und Verleger
Von der Baracke zum Druckhaus Bayreuth 1945 - 1970.
Die Entstehungsgeschichte eines Zeitungsverlages
Ein halbes Jahr nach der „Stunde null“, am 16. November, gründet der Besitzer einer Nürnberger Buchdruckerei und frühere Landtagsabgeordnete Julius Steeger in seiner Heimatstadt Bayreuth das Verlagshaus Steeger. Das Ziel: die Herausgabe einer neuen Zeitung. Ihr Titel: „Fränkische Presse“. Am 18. Dezember erscheint die erste Ausgabe der „FP", für die Julius Steeger von der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung die Lizenz Nummer 12 erhalten hat. In den ersten Wochen muss die dreiköpfige Redaktion in einer Baracke an der Rathstraße arbeiten. Für Redakteure und kaufmännische Angestellte steht eine einzige Schreibmaschine zur Verfügung. Gedruckt wird die Zeitung in Hof. In Bayreuth sind alle in Frage kommenden Druckereien zerstört.
Am 1. Februar wird ein eigener technischer Betrieb gegründet. Der
Verlag mietet einen Druckereibetrieb am Schlossberglein und kauft
aufgearbeitete Setz-, Druck- und Buchbindereimaschinen, die der ausgebombte
und aufgelöste Bayreuther Gauverlag nach Obernsees ausgelagert hatte.
Im 20-Mann-Betrieb der Druckerei werden zunächst nur Formulare, Broschüren
und Geschäftsdrucksachen aller Art hergestellt. Währenddessen
schaffen die Mitarbeiter unter schwierigen Bedingungen die Voraussetzungen
für den Druck der „FP“. Am 2. April erscheint die erste im eigenen
Haus gedruckte Ausgabe der „Fränkischen Presse‘.
Mitte Mai tritt Walter Fischer als Chefredakteur der „FP“ in den Verlag
ein.
Vom „Milieu“, in dem gearbeitet werden musste, wissen die damaligen
Mitarbeiter ein Lied zu singen: Als Chefzimmer diente die alte Küche
des gemieteten Hauses. Der einzige Trost für Chefredakteur Walter
Fischer, der zwischen kalten Kacheln saß, war der Blick auf die Skulpturen
über der Dachbalustrade des gegenüberliegenden Markgräflichen
Opernhauses. Das erste Nachrichten-Aufnahmegerät war ein Hellschreiber,
der mit nervtötendem Lärm endlose Streifen tippte. Sie mussten
zerschnitten, aufgeklebt und von den Damen abgeschrieben werden. Die Sekretärinnen
arbeiteten zeitweise bis drei Uhr morgens. Die diensttuende Mitarbeiterin
schlief dann auf einem Feldbett - bis sechs Uhr, wenn die andere Kollegin
mit der nächsten Schicht begann. Man stand damals im Druckereihaus
am Schlossberglein auf nacktem Steinboden, und durch die riesigen
Fenster mit den teils noch zerbrochenen Scheiben wehte und regnete es herein.
Gewitter machten sich nicht nur vor den Fenstern bemerkbar - auch am Helischreiber,
der bei jeder atmosphärischen Störung zu mucken begann und ein
oft unleserliches Gekritzel hinterließ. Da es an den alten Geräten
immer wieder Pannen gab, entwickelten sich die Damen der Redaktion mit
der Zeit zu halben Technikerinnen, die aber dennoch immer wieder erschraken,
wenn aus einem Apparat plötzlich eine hohe Stichflamme schoss,
weil sich die Kohlen des Motors entzündet hatten. Durch die leeren
Fensterhöhlen der benachbarten Ruine schien nachts der Mond gespenstisch
ins damalige Aufnahmezimmer - ein Bild, das nicht eben dazu angetan war,
über die Leere im Magen hinwegzutrösten: Statt belegter Brote
nahm man damals Kartoffeln mit ins Büro - wenn man sie hatte.
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| Der 1960 vollendete, auf dem ehem. Grundstück der alten Mainkaserne an der Bahnhofstraße errichtete Neubau des Verlages, Am Jägerhaus 2 |
Am 25. September erhält Walter Fischer von der Militärregierung die Lizenz Nr. 112 und tritt als Gesellschafter in den Verlag Julius Steeger ein. Am 21. Dezember wird zwischen ihm und Julius Steeger ein Vertrag geschlossen, nach dem beide zu gleichen Teilen Gesellschafter des Unternehmens und Geschäftsführer werden. Der neue Titel des Verlages: „Fränkische Presse Druckerei und Verlag Julius Steeger & Co. GmbH“.
Schon vor der Währungsreform wird mit dem Wiederaufbau des benachbarten Eckhauses Maxstraße 4 begonnen. Danach schreiten die bisher nur zögernd vorangegangenen Arbeiten rascher fort. Eine Klischee-Anstalt wird eingerichtet.
Redaktion und Verwaltung beziehen das wiederaufgebaute Haus Maxstraße 4. Der Verlag erwirbt ein neues Grundstück an der Bahnhofstraße. Mit Hilfe von Gefangenenkolonnen lässt er es von den Trümmern der ehemaligen, völlig zerstörten Mainkaserne räumen. Von Auflagen und Bestimmungen der Behörden stark behindert, entsteht hier, gegenüber dem Stadtbad, der erste Abschnitt eines neuen Verlags- und Druckereigebäudes. In diesem Jahr und den folgenden Jahren wird der Akzidenzbetrieb unter erheblichen Schwierigkeiten ständig erweitert. Unter anderem druckt der Verlag eine Hausfrauenzeitschrift und ein Magazin für den Einzelhändler mit hohen Auflagen.
Der erste Trakt des Neubaues beim Stadtbad wird fertiggestellt. Der technische Betrieb zieht um. Die Jubiläumsnummer zum fünfjährigen Bestehen des Verlages wird bereits auf einer neuen 16seitigen Rotationsmaschine gedruckt. In den nun folgenden Jahren wird der Betrieb laufend erweitert und modernisiert. Neue Setzmaschinen, Schnellpressen, Zylinderautomaten werden angeschafft. Die Handsetzerei erhält neuzeitliche Schriften und Einrichtungen.
Am 5. Mai stirbt der Verlagsleiter Julius Steeger im Alter von 73 Jahren.
„Mit Julius Steeger“, so war unter anderem im Nachruf der „FP“ zu lesen, „ist einer von der ‚alten Garde‘ von uns gegangen, dessen Gedanken und Taten weit zurückreichen in die Anfänge der sozialen und demokratischen Bewegung Bayerns. Er gehörte zu jenen führenden Persönlichkeiten, welche die Tradition einer fortschrittlichen Bewegung mit der Neuzeit verbinden. Gerade und konsequent ist er seinen sturmumtobten, dornenvollen Lebensweg gegangen. Ein fortschrittlicher Betrieb bleibt als Krönung seiner Lebensarbeit zurück.“
In die Geschäftsführung des Unternehmens tritt als Nachfolger
sein Sohn August Steeger ein.
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| Das Eckhaus Maximilianstraße / Schlossberglein, das 1948 / 49 wiederaufgebaut wurde und in dem bis 1960 Redaktion und kaufmännische Abteilung arbeiteten. Unten die Geschäftsstelle der "FP", heute des "Nordbayerischen Kurier" |
Der einstige Hellschreiber wird durch Fernschreiber ersetzt - ferngesteuerte Schreibmaschinen, die das Nachrichtenmaterial mehrerer Agenturen auf viele Meter lange Papierrollen übertragen, in seitenlangen Abschnitten, die sofort redigiert werden können. Bildfunkgeräte ermöglichen es, dass gegebenenfalls schon zwei Stunden nach einem wichtigen Ereignis selbst in entfernten Erdteilen ein druckfertiges Bild empfangen werden kann.
Der Rohbau des zweiten Abschnittes „Am Jägerhaus“ ersteht und wird teilweise ausgebaut. Damit sind die Möglichkeiten für eine beträchtliche Erweiterung der Druckerei und Buchbinderei geschaffen. Im gleichen Jahr wird ein großzügiges und leistungsfähiges Foto-Atelier eingerichtet.
Eine der ersten lochbandgesteuerten Schnellsetzmaschinen Bayerns arbeitet im Pressehaus. Diese Schnellsetzmaschinen werden mit Lochstreifen gefüttert, auf die unsere Perforatorinnen an schreibmaschinenähnlichen Geräten die Manuskripte übertragen haben. Die Lochstreifen werden dann von einem Zusatzgerät an der neuen Setzmaschine wie Blindenschrift automatisch abgetastet und abgesetzt. Das geschieht 4mal so schnell wie mit der Hand und macht die kostspieligen Schnellsetzmaschinen - damals rund 90 000 DM - rentabler.
Der zweite Abschnitt des Neubaues wird vollendet. Redaktion und Verwaltung verlassen das Verlagsgebäude Maxstraße 4 und beziehen das neue Pressehaus.
Die Klischeeanstalt wird völlig modernisiert. Unter anderem erhält
sie eine große Zweiraumkamera, deren rückwärtiger Teil
in eine Dunkelkammer mündet, von der aus sie gesteuert und bedient
werden kann.
Aus Krankheitsgründen verkauft am 21. Oktober der Geschäftsführer
August Steeger seine Geschäftsanteile an den Coburger Verleger Willi
Kurtz. Ihm schließen sich auch Luise Karl (geb. Steeger) und Ludwig
Steeger an. Am 26. Oktober wird Josef Wolter zum neuen Mitgeschäftsführer
bestellt.
Auch die übrigen Mitglieder der Steeger-Gruppe, Senta Förster und Ottilie Schödel, verkaufen ihre Anteile an den Verleger Willi Kurtz, der nun 50 Prozent der Geschäftsanteile des Unternehmens besitzt. Bei der Feier zum 20jährigen Bestehen des Verlags am 18. Dezember im Balkonsaal der Stadthalle wird eine Versorgungsordnung bekanntgegeben, die den Mitarbeitern in Form einer Alters- oder Invaliditätsrente, ihren Angehörigen in Form einer Hinterbliebenenrente eine zusätzliche Sicherung gewährleistet. In den folgenden Jahren werden die Druckerei und Buchbinderei laufend durch neue, rationeller arbeitende und qualitätssteigernde Hochleistungsmaschinen und Einrichtungen ergänzt und es wird mit Offsetdruck begonnen. Die stetige Aufwärtsentwicklung des Verlags und die laufende Erweiterung des technischen Betriebs bringen schon jetzt wieder Raumnöte mit sich.
Bezeichnend für den Raummangel im Pressehaus: Bei der Anschaffung neuer Maschinen musste man immer öfter mit Hilfe des Zollstocks wählen, um sie überhaupt unterbringen zu können. Die Garagen wurden zum Papierlager umfunktioniert. Die Rotation verbrauchte 700 Tonnen Zeitungsdruckpapier im Jahr. An Flachpapier wurden jährlich 250 bis 300 Tonnen benötigt. Allein für einen einzigen Auftrag wurden 900 000 Bogen Papier 62 x 88 cm mit einem Gesamtgewicht von 45 Tonnen verdruckt.
Am 1. Januar vereinigen nach langwierigen Verhandlungen die Firmen „Fränkische Presse Druckerei und Verlag Julius Steeger & Co. GmbH“ und „Bayreuther Tagblatt, Lorenz Ellwanger, Druckerei und Verlagsgesellschaft“ ihre beiden Zeitungen und gründen hierzu eine neue Verlagsgesellschaft mit dem Titel „Nordbayerischer Kurier GmbH & Co., Zeitungsverlag KG“. Die Firma Steeger ist am neuen Unternehmen mit 62,5 Prozent beteiligt. Die Druckereien bleiben weiterhin selbständige Unternehmen, die im Umfang ihres Beteiligungsverhältnisses die Herstellung der neuen Zeitung übernehmen. Die beiden Zeitungen folgen mit der Fusion den allgemeinen Konzentrationsbewegungen, zu denen die ständig wachsenden Herstellungskosten und die Entwicklung des immer komplizierter werdenden Nachrichtenapparates zwingen. Geschäftsführer dieses neuen Unternehmens werden Josef Wolter und Albert Ellwanger. Durch die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat können soziale Härten, die sich aus der Zusammenlegung und der dadurch entstehenden Überzahl von Arbeitskräften ergeben, weitestgehend vermieden werden. Gleichzeitig geht der „Nordbayerische Kurier“ mit der „Bayerischen Rundschau“ in Kulmbach, der „Münchberg-Helmbrechtser Zeitung“ und dem „Selber Tagblatt“ einen redaktionellen Verbund ein. Das Ergebnis ist der „Ring Nordbayerischer Tageszeitungen RNT“ mit einer Zentralredaktion im Pressehaus des Verlags Steeger. Von ihr werden die angeschlossenen Zeitungen mit den allgemeinen Seiten - Politik, Wirtschaft, Sport, Bayern, Kultur, Reportagen, Unterhaltung, Wochenendbeilagen, Welt der Frau u. a. - beliefert.
Die Wettbewerbslage der Druckerei erfordert größtmögliche Rationalisierung der Herstellung. Das macht die Anschaffung weiterer Maschinen erforderlich. Bei der bedrückenden Enge im Pressehaus wird die Aufstellung zusätzlicher Maschinen jedoch unmöglich. Deshalb entschließt sich die Gesellschafterversammlung im Juli zum Kauf eines Geländes von 15000 qm an der Theodor-Schmidt-Straße im Industriegelände. Dort soll ein Neubau entstehen. Die günstige Lage, nur wenige hundert Meter von der neuen Autobahnausfahrt Nord entfernt, ist für Zufahrt und Versand ideal.
Die Gesellschafterversammlung beschließt den Verkauf oder die Vermietung des Pressehauses „Am Jägerhaus“. Mit dem Anschluss des „Boten aus den Sechs Ämtern“ und des „Coburger Tageblatts“ an den Ring Nordbayerischer Tageszeitungen „RNT“ steigert sich dessen Gesamtauflage auf rund 90 000. Sie setzt sich wie folgt zusammen:
„Nordbayerischer
kurier“
38 297
„Coburger
Tageblatt“
20 463
„Bayerische
Rundschau“
15 518
„Münchberg-Helmbrechtser Zeitung‘
6 625
„Selber
Tagblatt“
5 844
„Bote aus den Sechs Ämtern“
2 950
Die Zentralredaktion bezieht Räume im
Druckhaus Bayreuth. Der RNT erstellt hier die Mantelseiten wie Politik,
Wirtschaft, Kultur, Sport, Bayern, die Beilangen zum Wochenende und
beliefert die Ringzeitungen. Das Coburger Tagblatt und das
Obermain-Tagblatt in Lichtenfels steigen ein, Selb, Münchberg und
Wunsiedel scheiden aus.
Die Pläne für den Neubau im Industriegelände reifen.
Es soll ein neues Druck- und Verlagshaus entstehen, das nach modernsten
Gesichtspunkten eingerichtet ist, eine optimale rationelle Fertigung ermöglicht
und das Unternehmen auch weiterhin wettbewerbsfähig erhält. Nicht
nur die Technik, auch die gegenwärtig auf engem Raum arbeitenden Mitglieder
der Redaktion und der Verwaltung werden ihre Arbeit für das Unternehmen
künftig unter besseren Bedingungen leisten können.
Selbstverständlich werden beim Neubau auch in großzügiger
Weise die wünschenswerten Sozialräume - Kantine u. a. - berücksichtigt.
Die Größe des Geländes ermöglicht die Erweiterung
des Betriebs auf lange Zeit.
Am 16. November feiert das Unternehmen sein 2jähriges Bestehen.
Um seine Bedeutung als größter Druckbetrieb der Stadt zu unterstreichen,
nennt es sich nun:
DRUCKHAUS BAYREUTH Verlagsgesellschaft mbH
Das Druckhaus Bayreuth siedelt sich an der
Theodor-Schmidt-Straße zwischen dem einstigen Sägewerk
Becher (heute nach bewegter Vergangenheit mit Nachtclub etc.
Meisterkauf ), der Maschinenfabrik Stäubli und der
BAT-Zigarettenfabrik an. Am 5. März 1973 begannen die Bauarbeiten,
am 28. Juli 1973 war Richtfest und am 20. November 1974 Einzug. Die
Gebäude am Jägerhaus in der Bahnhofstraße sind heute im
Besitz des Freistaates Bayern und waren bis 1994 Teil des Landratsamtes.