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| (Bayreuth) |
Jahrgang 1956, ist "echter" Bayreuther, will heißen, er ist mit protzelnder [? brozelnder?] Zuneigung seiner Heimatstadt verbunden. Nach Graserschule und dem Abitur am GMG studierte er an der LM-Universität München Jura... und nebenbei am "ITW" (Institut für Theaterwissenschaften wo er mit großem Spaß an der Gründung der August Everding'schen Regieklasse teilhaben durfte) und der Jesuiten-Uni in der Kaulbachstraße (Kunstgeschichte)... ersteres mit, die beiden letzeren - leider! - ohne Abschluss, denn der plötzliche Tod des Vaters zwang zur schnellen Entscheidung und so führt er seit 1980 in der fünften Generation die Familientradition der Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne fort. Dort hatte er auch den Klavierbau erlernt. So wurde er mit 24 Jahren ungewollt zum jüngsten Chef einer Klavierfabrik.
1980 waren Umbruchzeiten im Deutschen Klavierbau: es musste entschieden werden entweder zur absoluten Weltspitze zu gehören oder den "modernen" Weg der preiswerten industriellen Fertigung zu beschreiten.Steingraeber entschied sich für die erste Variante und so entwickelte ein Steingraeber-Konstruktionsteam, zusammen mit dem Schweizer Konstrukteur Lothar Thomma, in den 80er und 90er Jahren drei neue Flügelmodelle und drei neue Pianos. Diese Neuentwicklungen basieren auf alten, Franz-Liszt-inspirierten, Steingraeber-Konstruktionen der Gründergenerationen Eduard Steingraeber und seinem Sohn George.
Seit 1988 ist Steingraeber & Söhne mit diesen Neuheiten ungeschlagener Sieger bei allen (!) Klaviertests der Spitzenklasse in Paris ... und 2006 starten die Arbeiten für eine weitere Neukonstruktion deren Geheimnis wahrscheinlich 2008 gelüftet werden wird.
1991 wählten ihn die deutschen Klavierbauer zu Ihrem Vorsitzenden im Bund Deutscher Klavierbauer (BDK). In elf Jahren Amtszeit waren die wichtigsten Inhalte die Vereinigung mit dem "Klavierbauer Verband der DDR" (mit Angleichung des Ausbildungsstandes) und der Umbau zu einem "Service-Verband" für Mitglieder aber auch - und das war neu - deren Kunden. Seit 2001 wurde er zum Vizepräsidenten des Europiano-Verbandes gewählt. Hier widmet sich Udo Schmidt-Steingraeber insbesondere der Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Klavierbauerinnen* in Europa. Er initiierte die Schaffung des "Europiano Technician Degree", einer fünfstufigen Prüfungsordnung welche die Ausbildung in 15 Europäischen Ländern (von Sevilla bis Moskau und Helsinki bis Palermo) vereinheitlicht; 2004 verabschiedeten die Landesverbände die Degree-Regeln und machten sich somit als erste weltweit daran, ein bisher völlig unterschiedlich geregeltes (oder auch garnicht geregeltes) Berufsbild international zu vereinheitlichen. Das Ziel ist nichts weniger, als europaweit ein hochklassisches Konzertleben technisch zu ermöglichen. Im April 2006 findet die erste dieser Prüfungen in Le Mans statt und Udo Schmidt-Steingraeber wird die Erreichung des Ziels zum Anlass nehmen, seinen Platz im Präsidium für Jüngere frei zu machen.
Mit der zusätzlichen Zeit möchte er sich nämlich - endlich - mehr seiner Familie widmen (Ehefrau Delia, Rechtsanwältin in Bayreuth - Alban, am MWG, der Studiobühne und im Musikschulorchester als Schlagzeuger aktiv - Fanny die Klavierspielerin, an der Birkenschule und dem Kinderchor der Hochschule f. Kirchenmusik).
Die Bayreuther "Ämter" (Beiratsmitglied der IHK, Stellvertreter in der Vollversammlung der HWK) wird er als einzige 'Fremdaufgaben' behalten denn die vielbeschworene Globalisierung geht an der inzwischen weltweit gefragten Bayreuther Manufaktur nicht vorbei, im Gegenteil. So stehen jedes Jahr Messen in USA, Asien, und den europäischen Ländern an und damit ein durchschnittlich 6-monatiges Reiseprogramm pro Jahr das er sich zur Hälfte mit vier Mitgliedern des Leitungsteams in der kleinen Steingraeber Manschaft teilt.
Schon in den 80er Jahren initiierte er ein breites Kulturprogramm im Steingraeber Haus. Mit 60 – 70 Veranstaltungen pro Jahr und der Erweiterung auf [Hof-]Theater, Kunstgalerie und Fabrikkonzerte geht es weit über den klassischen Steingraeber Konzertbetrieb der früheren Jahrzehnte hinaus (begründet wurde die Serie "Konzerte im Rokokosaal" 1878 von Franz Liszt!).
Auch wegen der Verknüpfung mit anderen Kulturinitiativen Bayreuths (Studiobühne, IWALEWA Haus, Uni-GSP [Prof.Bieler und Dr.Graf], Richard Wagner Verband etc.) verlieh ihm der Bayreuther Stadtrat 1998 den Kulturpreis der Stadt Bayreuth und die Oberfrankenstiftung ihren Kulturpreis im Jahr 2004.
Weitere Infos über die Firma finden Sie unter Steingraeber.de. Dort gibt es auch einen kleinen Rundgang durch das historische Steingraeber-Haus, Anno 1754.