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| * 11.09.1891 (Burgkunstadt) † 21.11.1966 (Bayreuth) |
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| Lisette (Lisl) Steinhäuser |
Justin Steinhäuser, geboren 1891 in Burgkunstadt, war um die Jahrhundertwende
mit seinen Eltern nach Bayreuth gezogen. Im 1. Weltkrieg wurde er mit dem
Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet, verlor aber den linken Arm. Seine
Ehe mit einer Christin wurde 1933 in der NS-Presse als "Rassenschande"
gebrandmarkt. Er durfte aber nach einer Geldzahlung an die Stadt in seiner
Wohnung bleiben. Im November 1944 wurde auch er abgeholt und in ein Zwangsarbeitslager
nach Thüringen gebracht. Auf einem Transport von dort nach Flossenbürg
konnte er sich im April 1945 absetzen und versteckt halten, bis die Amerikaner
kamen. Bis zu seinem Tod 1966 setzte er sich als Stadtrat und Bürger
für den demokratischen Aufbau ein.
Quelle: 18, 20
Im Haus Friedrich-von-Schiller-Str. 14 lebten zur Zeit der
faschistischen Machtübernahme der jüdische Kaufmann Max Steinhäuser mit seiner
Ehefrau Minna, sowie deren Sohn Justin mit seiner Frau Lisette. Anhand von
persönlichen Dokumenten und Zeitzeugenberichten kann das Schicksal dieser
Familie während der NS-Diktatur exemplarisch dargestellt werden.
Justin Steinhäuser bestellte 1933 das Aufgebot, um seine
christliche, arische Verlobte zu heiraten. Die Ehe musste in einem
kleinen Ort bei Marktredwitz geschlossen werden, da sich der
Bayreuther Bürgermeister weigerte, eine derartige Mischehe zu
legalisieren. Zwei Jahre später wurden mit den Nürnberger
Gesetzen Ehen zwischen Juden und Ariern offiziell verboten.
In der Nacht zum 9. November 1938 (der sogenannten
"Reichskristallnacht") wurden Max Steinhäuser und sein Sohn von SA-Männern
misshandelt, Mobiliar und Wertgegenstände wurden zerstört. Justin Steinhäuser
wurde verhaftet und für zehn Tage im Gefängnis St. Georgen eingesperrt. Zusammen mit elf
weiteren Bayreuther Juden wurde er dann aufgrund seiner körperlichen Behinderung
am 19. November wieder nach Hause entlassen. Er wurde von da an unter
polizeiliche Beobachtung gestellt.
Im September 1942 wurden die Eltern Max und Minna Steinhäuser
zusammen mit den meisten Bayreuther Juden nach Theresienstadt deportiert. Ihr
gesamtes Barvermögen wurde eingezogen; sie mussten sich einen "Heimplatz" in
Theresienstadt kaufen, wie aus einem Schreiben der "Reichsvereinigung der Juden
in Deutschland" von 1943 an den Sohn hervorgeht. Max Steinhäuser starb in
Theresienstadt an Entkräftung, seine Witwe wurde weiter nach Polen verschleppt
und in Auschwitz vergast.
Im November 1944 wurde Justin Steinhäuser von der Gestapo
verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Altenburg, einem KZ-Außenlager von
Buchenwald, deportiert. Mit ihm zusammen waren neben Dr. Thomas Dehler (dem
späteren Bundesjustizminister) und Dr. Oskar Bloch aus Weiden auch noch mehrere
Bayreuther in dem Lager: der Kriminalbeamte Brieger, Hans Hollfelder, Walter
Riridsberg, Herbert Baier (der Enkel von Dr. Würzburger) und Dr. Karl Beck. Aus
Hof kam der l8jährige Alexander Schlegel.
Im April 1945 wurde das Lager wegen der anrückenden US-Truppen
evakuiert. Die Gefangenen mussten zu Fuß nach Flossenbürg marschieren. Auf diesem
Marsch gelang Justin Steinhäuser die Flucht. Er versteckte sich zusammen mit
einem Kameraden bei einem befreundeten Bahnwärter bis zur Ankunft der
Amerikaner. Im Mai 1945 kehrte er zusammen mit zwei weiteren Bayreuthern nach
Hause zurück. Er war einer der sieben überlebenden Bayreuther Juden.
In der Nachkriegszeit von 1946 bis 1966 war er als liberaler
Vertreter im Stadtrat bekannt und bei der Bevölkerung sehr beliebt. Justin
Steinhäuser starb im November 1966.