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| * 21.10.1790 (Kronach) † 10.09.1857 (Bayreuth) |
Sohn von Christoph Friedrich Stenglein (* 05.04.1744 Lichtenfels) und Anna Rosina Limmer (* 26.10.1755 Bamberg), katholisch, verheiratet Bamberg 30.02.1821 mit Maria Anna v. Cammerloher, wiederverheiratet mit Maria Frn. von und zu Egloffstein; nach Staatsexamen u. a. beim Landgericht (ä. O.) Ebermannstadt, Polizeikommissariat Bamberg, 1817 bei der Regierung des Obermainkreises, 1820 II. Regierungskommissar daselbst, 1826 Regierungssekretär mit dem Titel Rat, 1831 Regierungsrat Regg. von Oberfranken, 1838 Regierungsdirektor der Regg. von Unterfranken K. d. I., 28.09.1840 bis zu seinem Tod Regierungspräsident von Oberfranken und Staatssrat im a. o. Dienst.
Selber ein Oberfranke von Geburt (Kronach), stand er
der Bayreuther Bezirksregierung in den schwierigen Zeitender Unruhen
von 1848 vor und "starb in den Sielen" 10. September 1857.
Klugheit und überlegene Ruhe eigneten ihm bei den
oberfränkischen März-Ereignissen (Fränkische
Blätter S. 49/50 ff). Er widersetzte sich dem Ansinnen der
adeligen Gutsbesitzer, das Standrecht zu verhängen und die
Gemeinden für die Aufruhrschäden haftbar zu machen. Diese
Ansicht erwies sich als richtig. Um der faktischen Not der Untertanen
abzuhelfen, beantragte der Regieurngsprässident wirksame
Hilfsmaßnahmen. Andererseits war er dagegen, dass sich die
Standesherren und ihre Familien irgendwelchen vermeindlichen
Gefährdungen aussetzten (vgl. Graf Carl Giech 1848, Frk. Bl. S.
60).
Nachfolger von Andrian-Werburg in Oberfranken wurde
Melchior Ritter von Stenglein, der insgesamt 17 Jahre als
Regierungspräsident von Oberfranken amtierte. Er war gebürtiger
Oberfranke (geboren am 21.10.1790 in Kronach), sein Vater war Amtsvogt
in Kronach. Auch seine berufliche Laufbahn bewegte sie ganz
überwiegend in Oberfranken: Tätigkeiten am Landgerich
Ebermannstadt, beim Kronfiskalat des Mainkreises, beim Polizei
kommissariat in Bamberg. Bei der Regierung des Ohermainkreises war er
bereits 1817 als Sekretariatskonzipist und danach fortlaufend als
Assessor und Regierungsrat tätig, ehe er 1838 als
Regierungsdirektor an der Kammer des Innern in Unterfranken Oberfranken
für zwei Jahre verließ, um 1840 als Regierungspräsident
in seine Heimat zurückzukehren. Er hatte dieses Amt bis zu seine
Tode am 10.09.1857 inne. Nachfolger wurde Friedrich Frhr. von Podewils.
Melchior Ignatius Nicolaus studierte in Bamberg, Würzburg und Landshut. Zuletzt war er - ab 1840 - Staatsrat und Regierungspräsident von Oberfranken. Er war zweimal verheiratet: einmal, am 30.07.1821 in Bamberg, mit Maria Anna von Kammerlohr (* 27.8.1795 Windischeschenbach), Tochter des Gutsbesitzers von Kammerlohr Hermann (* 17.6.1753 Weiden) und dessen Frau Elisabeth, geborene Schlöhr (* 26.4.1770 Hellziehen), und nach deren Ableben († 19.4.1827 Bamberg) mit der (ev.-luth.) Maria Sophia von und zu Egloffstein (* ~ 1804), Tochter des Fuldaischen Oberstallmeisters Frhr. v. Egloffstein Heinrich Sigmund aus dessen zweiter Ehe mit Freiin v. Münster Eleonore.
Lt. Tag-Blatt vom 03.05.1838 hat er als neuernannter
Regierungsdirektor von Unterfranken auf der Durchreise von Bayreuth nach
Würzburg einige Tage in Bamberg Station gemacht, wozu er von den
Stadthonoratioren gebührend begrüßt wurde. Zur Einweihung des Bamberger
Bahnhofes am 25.08.1844 hat er als Regierungspräsident von Oberfranken die
Festgäste begrüßt (FT v. 25.08.1984).
In den Fränkischen Blättern Nr. 13 als Beilage zum
Fränkischen Tag vom 13.07.1961 hat Prof. Zimmermann Ludwig besonders
Stengleins persönliches und soziales Engagement "in dem unruhigen
[Revolutions-]Jahr 1848" gewürdigt.
Aus der ersten Ehe stammten drei Kinder: Maria Anna Rosina (* 08.06.1822 Bayreuth, † 20.04.1823 Bayreuth), Rosina Elisabeth Maria (* 17.04.1824 Bayreuth) und Melchior Ignaz Hermann Heinrich Christoph (* 04.10.1825 Bayreuth). Die zweite Ehe war kinderlos geblieben.
(Rosina ehelichte am 08.04.1847 in Bayreuth Maximilian Georg
Josef von Enhuber (* 26.11.1814 Nördlingen, † 18.01.1888 München). Ihren
Lebensweg beendete sie am 28.02.1888 in München. Enhuber, Appellations- bzw.
Oberlandesgerichtsrat, war während seiner Bamberger Richtertätigkeit von 1861-64 Vorsitzender des Kunstvereins (Der Kunstverein zu Bamberg,
1823-1973, Bamberg 1973). 1871 spielte er als Mitglied des Comités der
(Museums-)Katholikenversanunlung im Zuge der Auseinandersetzung um das
Unfehlbarkeitsdogma und der Gründung der altkatholischen Bewegung eine führende
Rolle.)
Am 10.09.1857 ist Melchior von Stenglein (er war
1841 persönlich geadelt worden) in Bayreuth verstorben. Beerdigt
wurde er am 11.09.1857 in Bamberg in der Gruft 1/69, die nun den
Familien Kailing und Götz gehört. Darin waren auch seine
Mutter, sein Bruder Christoph, seine erste Frau sowie seine Schwestern
Eleonore und Franziska und auch sein Enkelkind v. Enhuber Karl (†
12.10.1855) beigesetzt. Die Witwe verzog nach München
Briennerstraße 14/2 bzw. Amalienstraße 3/l.
Das Tag-Blatt der Stadt Bamberg berichtete am Freitag, 11.09.1857, wie
folgt: "Se. Exc. der k. Hr. Staatsrath und Regierungspräsident v.
Stenglein, dessen gefährliches Erkranken wir bereits gemeldet, ist
gestern früh 3 Uhr in Bayreuth entschlafen. Mit ihm ist einer der
anhänglichsten, treuesten Unterthanen des Königs, einer der
ausgezeichnetsten unter den hohen Staatsbeamten und es ist vor Allem in
ihm das liebevollste, edelste Herz untergegangen. Dem Willen des edler
Verblichenen entsprechend wird seine Leiche hierher gebracht und an der
Seite seiner geliebten Mutter und seiner sonstigen Lieben zur Erde
bestattet." Tags darauf war zu lesen, dass "dem gestern stattgefundenen
feierlichen Leichenbegängnisse" hohe und höchste Geistliche,
Generäle, Präsidenten und eine große Menge Einwohner
aus allen Ständen beiwohnten ..., "um dem allverehrten Vorstande
des Kreises die Ietzte Ehre zu erweisen und für sein
Iangjähriges, gesegnetes Wirken den letzten Dank zu zollen".