Seine Exzellenz Otto von Strößenreuther, Präsident der Regierung von Oberfranken von 1916 - 1933
Als Regierungspräsident
Roman in den Ruhestand getreten war, wurde
Gustav Ritter von Brenner sein Nachfolger. Er leitete die
Regierungsgeschäfte in Oberfranken von 1909 bis zu seinem Todestag
1916. Ihm folgte Otto Ritter von Strößenreuther in diesem
Amt nach. Er wurde damit auch vorläufig der letzte
Regierungspräsident von Oberfranken. Als er am 1. Januar 1933 in
den Ruhestand trat, war bereits beschlossen worden, dass aus
Einsparungsgründen die Regierungsbezirke Ober- und Mittelfranken
zusammengelegt werden sollten, und dass es nur eine Regierung, mit Sitz
in Ansbach, mit einem Regierungspräsidenten geben werde. Die
Regierungsstadt Bayreuth protestierte lautstark: Sie verlor an "Image".
Aber all das half nichts. Am 1. Januar 1933 ging die Ära Bayreuths
als Regierungshauptstadt bis 1948 zu Ende.
Otto von Strößenreuther, geboren am 4. September 1865 in
Bayreuth, war der Sohn des damaligen Staatsanwaltes und späteren
oberlandesgerichtlichen Senatspräsidenten Christoph
Strößenreuther. Seine Jugend verbrachte
Strößenreuther in Bayreuth, Schweinfurt und Bamberg. Dann,
1882 zog er nach München, um hier Jura zu studieren. 1889 legte er
seine juristische Staatsprüfung, den Staatskonkurs, mit der Note
eins ab. Am 9. Juli 1891, nach einem kurzen Praktikum bei der
oberfränkischen Regierung, trat er eine Stelle als
Bezirksamtassessor in Donauwörth an. 1893 kam er in dieser
Tätigkeit an das Staatsministerium des Inneren. Drei Jahre
später wurde er zum Regierungsassessor im Innenministerium, 1900
zum Regierungsrat und am 1. Juli 1903 zum Oberregierungsrat ernannt.
Zwischenzeitlich, am 28. Dezember 1901, hatte er in Würzburg
Emilie Pöhlmann geheiratet. Ihr Vater war Bezirkspräsident in
Strassburg, ihre Mutter Caroline war Freiin von Falkenhausen.
Strößenreuther hatte drei Kinder: Zwei Söhne und eine
Tochter.
Als er 1906 im Innenministerium zum Ministerialrat ernannt worden war,
war seine aufstrebende Karriere nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1911
erhielt er die Ernennung zum Ministerialdirektor; 1912 erhielt er Titel
und Rang eines Staatsrates im außerordentlichen Dienst. 1915
wurde Strößenreuther der Titel Exzellenz verliehen.
Die letzte Station seines Aufstieges trat er am 1. September 1916 in
Bayreuth als Regierungspräsident von Oberfranken an und er blieb
in diesem Amt bis zur bereits beschriebenen Auflösung der
Regierung am 1. Januar 1933.
Im Alter von 92 Jahren verstarb Strößenreuther am 11. März 1958 in München.
Sechzehn Jahre war er Regierungspräsident gewesen. Bei seinem
Eintritt in den Ruhestand wurde eine von den Städten Oberfrankens
gestiftete Büste enthüllt und der Dank des Regierungsbezirkes
ausgesprochen:
"Mit dem 1. Januar 1933 wird der Regierungsbezirk Oberfranken als
selbständiger bayerischer Kreis aufhören zu bestehen, so hat
es der Wille der bayerischen Staatsregierung beschlossen.
Vom gleichen Tag an werden Euere Exzellenz als der letzte
Regierungspräsident von Oberfranken aus dem Amt scheiden, um in
Bälde Bayreuth und Oberfranken ganz zu verlassen. Über
sechzehn Jahre sind Euere Exzellenz an der Spitze der Regierung von
Oberfranken gestanden ... während Ihrer ganzen Amtszeit haben
Euere Exzellenz durch die Tat bewiesen, wie innig Sie [sich] mit Ihrer
Geburtsstadt Bayreuth ... verbunden fühlten ... Als
äußeres Zeichen dieses Dankes haben die Stadträte von
Bamberg, Hof, Bayreuth, Coburg, Kulmbach, Selb, Forchheim,
Marktredwitz, Wunsieael und Neustadt bei Coburg beschlossen, Euerer
Exzellenz die hier aufgestellte Büste zu überreichen ..."
Wegen dieser Bronzebüste gab es lange Zeit schwerwiegende
Diskussionen. Die Stadt Bayreuth in der Vertretung des
Oberbürgermeisters
Preu rief die übrigen oberfränkischen
Städte auf, zu Ehren seiner Exzellenz von
Strößenreuther jene Büste zu stiften. Dann begann das große Hin und Her. Die meisten
Städte sagten zu, einige lehnten wegen der schlechten Finanzlage
ab. Kronach hatte sich zuerst einverstanden erklärt, im Gegensatz
zu Coburg. Später jedoch zog Kronach seine Zusage wieder
zurück. Dagegen hatten es sich Coburg, Selb und Kulmbach dann doch
anders überlegt.
Die Stadt Bayreuth, von der dieser Aktionsaufruf ausgegangen war, war
Strößenreuther schon seit eh und je zu Dank verpflichtet.
Otto von Strößenreuther förderte seine Geburtsstadt so
gut es ging. Bereits sieben Jahre vor seinem Rücktritt hatte ihm
Bayreuth das Ehrenbürgerrecht verliehen. Dies geschah im Jahre des
50-jährigen Jubiläums der Bayreuther Festspiele. Am 20.
Oktober 1926 tagte der Bayreuther Stadtrat und besprach folgendes:
"Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der Festspiele wurden
eine Reihe von Bürgermedaillen verliehen; nun hat der
Ältesten-Ausschuss in seiner Sitzung vom 28. September unter
Zustimmung des Stadtrates vom 7. des Monats beschlossen, weiteren
hochverdienten Bayreuther Bürgern die gleiche Ehrung zu verleihen.
Das Ehrenbürgerrecht und die Goldene Bürgermedaille wird
verliehen dem Regierungspräsidenten von Oberfranken, Staatsrat
Exzellenz von Strößenreuther als warmer Förderer seiner
Geburtsstadt ..."
Für die Kriegsjahre ab 1916 und nahezu während
der gesamten Weimarer Republik war Otto Ritter von Strößenreuther
Regierungspräsident in Oberfranken. Er war damit der letzte
oberfränkische Regierungspräsident, bevor die Regierung von
Oberfranken infolge von Einsparungsbestrebungen des Deutschen Reiches
in den Jahren 1931 und 1932 mit Wirkung vom 01.01.1933 mit der
Regierung von Mittelfranken zusammengelegt und der Sitz der
Behörde nach Ansbach verlegt wurde. In seine Amtszeit fiel auch
die Ausgliederung der Kammer der Finanzen im Jahre 1920. Otto von
Strößenreuther war gebürtiger Bayreuther (* 04.09.1865),
Sohn eines königlich bayerischen Staatsanwalts und späteren
Senatspräsidenten am Oberlandesgericht. In der Reihe der
oberfränkischen Regierungspräsidenten ist er damit der zweite
gebürtige Oberfranke. Er studierte in München
Rechtswissenschaften und war Praktikant bei der Regierung von
Oberfranken, ehe er 1891 Assessor am Bezirksamt in Donauwörth und
1893 im Innenministerium wurde. Er stieg in dieser Behörde bis zum
Ministerialdirektor (1911) und Staatsrat auf. Am 01.10.1916 wurde er
für den am 14.08.1916 verstorbenen Gustav Ritter von Brenner
Regierungspräsident in Oberfranken. Am 01.01.1933 trat er in den
Ruhestand.
Von 1933 bis 1948 wurde der Regierungsbezirk Oberfranken gemeinsam mit Mittelfranken in Ansbach verwaltet. Die Chefs der
Behörde in diesen Jahren waren Staatsrat Dr. Rohmer (1928 bis
1933), Hans Georg Hofmann (1933-1934), Hans Dippold (1934-1944), Heinrich Detleff von Kalben (1944-1945), Ernst Reichard
(Juni bis Oktober 1945) und Dr. Hans Schregle (1945-1948).