Otto Ritter von Strößenreuther


* 04.09.1865 (Bayreuth)
† 11.03.1958 (München)

Seine Exzellenz Otto von Strößenreuther, Präsident der Regierung von Oberfranken von 1916 - 1933

Als Regierungspräsident Roman in den Ruhestand getreten war, wurde Gustav Ritter von Brenner sein Nachfolger. Er leitete die Regierungsgeschäfte in Oberfranken von 1909 bis zu seinem Todestag 1916. Ihm folgte Otto Ritter von Strößenreuther in diesem Amt nach. Er wurde damit auch vorläufig der letzte Regierungspräsident von Oberfranken. Als er am 1. Januar 1933 in den Ruhestand trat, war bereits beschlossen worden, dass aus Einsparungsgründen die Regierungsbezirke Ober- und Mittelfranken zusammengelegt werden sollten, und dass es nur eine Regierung, mit Sitz in Ansbach, mit einem Regierungspräsidenten geben werde. Die Regierungsstadt Bayreuth protestierte lautstark: Sie verlor an "Image". Aber all das half nichts. Am 1. Januar 1933 ging die Ära Bayreuths als Regierungshauptstadt bis 1948 zu Ende.

Otto von Strößenreuther, geboren am 4. September 1865 in Bayreuth, war der Sohn des damaligen Staatsanwaltes und späteren oberlandesgerichtlichen Senatspräsidenten Christoph Strößenreuther. Seine Jugend verbrachte Strößenreuther in Bayreuth, Schweinfurt und Bamberg. Dann, 1882 zog er nach München, um hier Jura zu studieren. 1889 legte er seine juristische Staatsprüfung, den Staatskonkurs, mit der Note eins ab. Am 9. Juli 1891, nach einem kurzen Praktikum bei der oberfränkischen Regierung, trat er eine Stelle als Bezirksamtassessor in Donauwörth an. 1893 kam er in dieser Tätigkeit an das Staatsministerium des Inneren. Drei Jahre später wurde er zum Regierungsassessor im Innenministerium, 1900 zum Regierungsrat und am 1. Juli 1903 zum Oberregierungsrat ernannt.

Zwischenzeitlich, am 28. Dezember 1901, hatte er in Würzburg Emilie Pöhlmann geheiratet. Ihr Vater war Bezirkspräsident in Strassburg, ihre Mutter Caroline war Freiin von Falkenhausen. Strößenreuther hatte drei Kinder: Zwei Söhne und eine Tochter.
Als er 1906 im Innenministerium zum Ministerialrat ernannt worden war, war seine aufstrebende Karriere nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1911 erhielt er die Ernennung zum Ministerialdirektor; 1912 erhielt er Titel und Rang eines Staatsrates im außerordentlichen Dienst. 1915 wurde Strößenreuther der Titel Exzellenz verliehen.

Die letzte Station seines Aufstieges trat er am 1. September 1916 in Bayreuth als Regierungspräsident von Oberfranken an und er blieb in diesem Amt bis zur bereits beschriebenen Auflösung der Regierung am 1. Januar 1933.

Im Alter von 92 Jahren verstarb Strößenreuther am 11. März 1958 in München.

Sechzehn Jahre war er Regierungspräsident gewesen. Bei seinem Eintritt in den Ruhestand wurde eine von den Städten Oberfrankens gestiftete Büste enthüllt und der Dank des Regierungsbezirkes ausgesprochen:

"Mit dem 1. Januar 1933 wird der Regierungsbezirk Oberfranken als selbständiger bayerischer Kreis aufhören zu bestehen, so hat es der Wille der bayerischen Staatsregierung beschlossen.
Vom gleichen Tag an werden Euere Exzellenz als der letzte Regierungspräsident von Oberfranken aus dem Amt scheiden, um in Bälde Bayreuth und Oberfranken ganz zu verlassen. Über sechzehn Jahre sind Euere Exzellenz an der Spitze der Regierung von Oberfranken gestanden ... während Ihrer ganzen Amtszeit haben Euere Exzellenz durch die Tat bewiesen, wie innig Sie [sich] mit Ihrer Geburtsstadt Bayreuth ... verbunden fühlten ... Als äußeres Zeichen dieses Dankes haben die Stadträte von Bamberg, Hof, Bayreuth, Coburg, Kulmbach, Selb, Forchheim, Marktredwitz, Wunsieael und Neustadt bei Coburg beschlossen, Euerer Exzellenz die hier aufgestellte Büste zu überreichen ..."

Wegen dieser Bronzebüste gab es lange Zeit schwerwiegende Diskussionen. Die Stadt Bayreuth in der Vertretung des Oberbürgermeisters Preu rief die übrigen oberfränkischen Städte auf, zu Ehren seiner Exzellenz von Strößenreuther jene Büste zu stiften. Dann begann das große Hin und Her. Die meisten Städte sagten zu, einige lehnten wegen der schlechten Finanzlage ab. Kronach hatte sich zuerst einverstanden erklärt, im Gegensatz zu Coburg. Später jedoch zog Kronach seine Zusage wieder zurück. Dagegen hatten es sich Coburg, Selb und Kulmbach dann doch anders überlegt.

Die Stadt Bayreuth, von der dieser Aktionsaufruf ausgegangen war, war Strößenreuther schon seit eh und je zu Dank verpflichtet. Otto von Strößenreuther förderte seine Geburtsstadt so gut es ging. Bereits sieben Jahre vor seinem Rücktritt hatte ihm Bayreuth das Ehrenbürgerrecht verliehen. Dies geschah im Jahre des 50-jährigen Jubiläums der Bayreuther Festspiele. Am 20. Oktober 1926 tagte der Bayreuther Stadtrat und besprach folgendes:

"Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der Festspiele wurden eine Reihe von Bürgermedaillen verliehen; nun hat der Ältesten-Ausschuss in seiner Sitzung vom 28. September unter Zustimmung des Stadtrates vom 7. des Monats beschlossen, weiteren hochverdienten Bayreuther Bürgern die gleiche Ehrung zu verleihen.
Das Ehrenbürgerrecht und die Goldene Bürgermedaille wird verliehen dem Regierungspräsidenten von Oberfranken, Staatsrat Exzellenz von Strößenreuther als warmer Förderer seiner Geburtsstadt ..."

Quelle:  17,31 Siehe auch Quelle 18 (S. 196)

Für die Kriegsjahre ab 1916 und nahezu während der gesamten Weimarer Republik war Otto Ritter von Strößenreuther Regierungspräsident in Oberfranken. Er war damit der letzte oberfränkische Regierungspräsident, bevor die Regierung von Oberfranken infolge von Einsparungsbestrebungen des Deutschen Reiches in den Jahren 1931 und 1932 mit Wirkung vom 01.01.1933 mit der Regierung von Mittelfranken zusammengelegt und der Sitz der Behörde nach Ansbach verlegt wurde. In seine Amtszeit fiel auch die Ausgliederung der Kammer der Finanzen im Jahre 1920. Otto von Strößenreuther war gebürtiger Bayreuther (* 04.09.1865), Sohn eines königlich bayerischen Staatsanwalts und späteren Senatspräsidenten am Oberlandesgericht. In der Reihe der oberfränkischen Regierungspräsidenten ist er damit der zweite gebürtige Oberfranke. Er studierte in München Rechtswissenschaften und war Praktikant bei der Regierung von Oberfranken, ehe er 1891 Assessor am Bezirksamt in Donauwörth und 1893 im Innenministerium wurde. Er stieg in dieser Behörde bis zum Ministerialdirektor (1911) und Staatsrat auf. Am 01.10.1916 wurde er für den am 14.08.1916 verstorbenen Gustav Ritter von Brenner Regierungspräsident in Oberfranken. Am 01.01.1933 trat er in den Ruhestand.

Von 1933 bis 1948 wurde der Regierungsbezirk Oberfranken gemeinsam mit Mittelfranken in Ansbach verwaltet. Die Chefs der Behörde in diesen Jahren waren Staatsrat Dr. Rohmer (1928 bis 1933), Hans Georg Hofmann (1933-1934), Hans Dippold (1934-1944), Heinrich Detleff von Kalben (1944-1945), Ernst Reichard (Juni bis Oktober 1945) und Dr. Hans Schregle (1945-1948).

Quelle:  90