Die letzte Verleihung des Ehrenbürgerrechts
am 13. Februar 1933 betraf Arturo Toscanini. Die Stadt verlieh ihm
dieses Recht, da er seine große Kunst aus reiner Begeisterung dem
ihm heilig gewordenen Werk gewidmet hat ...
Geboren am 25. März 1867 in Parma, war Toscanini jüngstes
Kind und einziger Sohn eines armen italienischen Schneiders, Claudio
Toscanini, der den Kampf Garibaldis für die Unabhängigkeit
seines Landes miterlebt hatte. Schon sehr früh zeigte Arturo
musikalische Begabung und bereits im Alter von neun Jahren wurde er
Schüler des Konservatoriums von Parma. Seine musikalische Laufbahn
begann er 1885 als Cellist bei einer reisenden Operntruppe.
Während einer Südamerika-Tournee seines Ensembles ergriff er
im Jahre 1886 in Rio de Janeiro zum ersten Mal den Taktstock. Der
Dirigent, der mit dem Orchester auf sehr schlechtem Fuß stand,
legte eines Abends den Taktstock nieder. Toscanini sprang ein und hatte
sagenhaften Erfolg. Arturo Toscanini dirigierte nun in vielen
italienischen Städten und übernahm 1898 die Leitung der
Mailänder Scala und machte aus ihr das, was sie heute ist - eine
der berühmtesten Opern der Welt. 1908 ging er nach Amerika und
setzte die Hörer der Met in Erstaunen, als er Wagners
"Götterdämmerung" auswendig dirigierte (Sein unglaubliches
Gedächtnis versetzte ihn in die glückliche Lage, immer ohne
Partitur dirigieren zu können). 1915 verließ Toscanini
plötzlich die Metropolitan; es hieß damals, es hatte eine
Revolte gegen seine diktatorische Disziplin, sein unberechenbares
Benehmen und seine häufigen Wutanfälle - die unzähligen
Taktstöcke, die er aus zornigem Eifer zerbrach, sind zu Reliquien
geworden - gegeben. Er kehrte nach Italien zurück und
übernahm die Mailänder Scala ein zweites Mal, um sie aus
ihrer schwersten Krise zu retten.
1920 unternahm er eine triumphale Tournee durch Amerika. 1926 wurde er
als Dirigent an die New Yorker Philharmonie berufen., wo er das
höchste Gehalt (80.000 Dollar im Jahr) erhielt, das dort jemals
gezahlt worden war.

Als überzeugter Demokrat lehnte es Toscanini ab, 1922 die
faschistische Nationalhymne zu spielen. Als er 1931 dasselbe tat, wurde
er von der Menge tätlich angegriffen, in den Jahren 1930 und 1931
dirigierte er bei den Bayreuther Festspielen, jedoch nach der
Machtergreifung Hitlers lehnte er es ab, in Deutschland wieder
aufzutreten. Er war dann Gastdirigent der Salzburger Festspiele von
1934 bis 1937.
Im Herbst 1929 hatte Toscanini die Leitung der Scala abgegeben, um nur
noch als Gastdirigent tätig zu sein.. Als er jedoch 1936 nach
Italien zurückkehrte, hatte er die Absicht hier zu bleiben. Als
erklärter Gegner des Faschismus verließ er aber 1938
Italien., das er während der Regierungszeit Mussolinis nicht mehr
betrat. Er folgte den begeisterten Briefen vieler Amerikaner und
gründete die National Broadcasting Company, ein Orchester, das nur
für den Rundfunk spielte.
1950, im Alter von 83 Jahren, unternahm Toscanini die längste Tournee seines Lebens durch die Vereinigten Staaten.
Am 4. April 1954 trat der große Maestro mit einem letzten Konzert
aus dem hellen Licht des öffentlichen Musiklebens. Drei Jahre
später, am 16. Januar 1957, kurz vor seinem 90. Geburtstag, erlag
er einem Schlaganfall in seinem Haus in Riverdale, einem Vorort von New
York.