Regierungspräsident Carl Friedrich Wilhelm Freiherr von Voelderndorff und Waradein

* 27.10.1758 (Wunsiedel)
† 17.02.1832 (zu Kolmberg
bei Cham)
von Friedrich Drechsel (stark gekürzte Wiedergabe)

C. F. W. v. Voelderndorff  ist geboren am 27.10.1758 in Wunsiedel, gestorben am 17.02.1832 zu Kolmberg bei Cham. Er war von 1780 bis 1791 Regierungsrat in Bayreuth im Dienst des Ansbacher Markgrafen Alexander, dann im Dienst des preußischen Königs. Von 1795 an war er Regierungspräsident, von 1806 an unter der Herrschaft Napoleons und schließlich ab 1810 unter dem König von Bayern, in dessen Dienst von 1811 bis 1817 Präsident des Appellationsgeflchts zu Memmingen. Danach lebte er auf seinen Gütern in der Oberpfalz, Ränkam, Amschwang und Kolmberg, in der Nähe von Cham.
In ihm begegnet uns eine Gestalt, die für ihre Umgebung von Bedeutung war. In der Zeit großen Umbruchs erfüllte er seine Pflichten mit großem Eifer und Gewissenhaftigkeit. Nachdem aus zeitgenössischen Berichten mehr über ihn zu erfahren war, als es sonst wohl möglich ist, lohnt es sich, von ihm zu berichten. Aus dem Erleben einer Einzelpersönlichkeit bzw. einer Familie mag eine ganze Periode und Zusammenhänge über Perioden hinweg lebendig werden.
Welche Quellen stehen zur Verfügung? Außer den üblichen, wie den Kirchenbüchern, Gymnasial- und Universitätsmatrikeln, den Genealogischen Tabellen von Biedermann, vor allem den Akten der Staatsarchive in Bamberg und Amberg, dem Archiv der Stadt Bayreuth, sind es Schriften von ihm selbst, die sich in der Bibliothek des Historischen Vereins für Oberfranken in Bayreuth befinden (z.B. seine Autobiographie" 1798), oder durch die Fernleihe der Univ.-Bibl. zugänglich waren. Auch Jean Paul berichtet von ihm in seinen Briefen und in der Geschichte der "Großloge zur Sonne in Bayreuth" von Bernhard Beyer wird er ebenfalls erwähnt. Dass Einträge von Carl Friedrich Wilhelm (künftig: CFW) selbst im Poesiealbum seiner Frau und in anderen Alben vorhanden sind, die in den Familien der Nachkommen seiner ältesten Tochter als kostbares Erbe bewahrt werden, ist ein besonderer Glücksfall. Sein Bild hat er seiner Autobiographie vorangestellt. Es ist ein Stich (die runde Abbildung weiter unten). Die Freimaurerloge Bayreuth besitzt die Fotografie eines Pastellgemäldes, das seit der Verwüstung der Loge im Jahre 1933 verloren ist (die Abb. im Kasten oben).

Die Familien der Eltern:
Von Voelderndorff und Waradein

CFW stammte aus "einer der 24 ältesten adeligen Familien Osterreichs". So steht es auf der Gedenktafel in der Annenkapelle auf dem Friedhof in Chammünster, wo er begraben liegt. Stammsitz der Familie war Voellerndorf ob der Piellach in der Nähe von Pöchlarn an der Donau. Ein Georg von Voelderndorff (um 1420), der Begründer der mährischen Linie, führte als erster den Beinamen "zu Waradein", den später auch die Hauptlinie übernommen hat. Ein Ort Waradein in Mähren, auf den sich der Name beziehen könnte, war nicht zu finden. Kaiser Karl V. hat 1538 die Familie in den Freihermstand erhoben. Kaiser Leopold I. bestätigte am 10. Juli 1684 erneut den Freiherrnstand mit gänzlicher Erneuerung des Wappens.
Nachdem auch nach dem Westfälischen Frieden die Evangelischen in Österreich nicht frei ihres Glaubens leben konnten, verließ mit vielen anderen vom Adel, der Bürgerschaft und der Landbevölkerung auch die Familie Voelderndorf die Heimat. Haupt der Familie war Hans Adam Eusebius. Durch den Erwerb zweier immatrikulierter Güter in Franken erlangte er 1660 die Aufnahme in die "fränkische Reichsritterschaft Canton Altmühl". Erst der Sohn Hans Adam konnte 1682 die Güter in Österreich verkaufen. Er starb 1699 und wurde in der Kirche zu Dentlein am Forst begraben. Die Gattin starb erst 1736 in Dinkelsbühl. Die Güter mussten wohl nach dem Tod des Ehemanns verkauft werden.
Der einzige überlebende Sohn, ebenfalls Johann Adam, geb. 1681 in Dinkelsbühl, ist beim Geburtseintrag seines Sohnes Johannes Martin in Alerheim 1715 "königlich Dänischer Obristlieutenant". Er stirbt als "Churbayerischer Obrist-Wacht-Meister bey dem Hattschier-Corpo" bereits 1734 zu München. Seine Frau, Rosina Magdalena, Tochter eines Hofrates Faber aus Nördlingen, lebte mit ihrem Sohn Johann Martin später in Bayreuth. Sie stirbt dort 1750.
Johann Martin ist der Vater unseres CFW. Er wird 1732 in das Gymnasium Bayreuth aufgenommen und 1735 mit dem "testimonio rei apud nos praeclare gestae", mit "dem Zeugnis, seine Sache bei uns vorzüglich gemacht zu haben", auf die Universität entlassen. In den Matrikeln der Universität Altdorf ist sein Name nicht zu finden. CFW gibt in seiner Autobiographie an, der Vater habe erst Jura studiert, sei dann Soldat geworden und habe "den siebenjährigen Krieg unter den bayerischen Truppen mitgemacht, dann nach Endigung des letzteren das Marschcommissariat und in der Folge die Commendantenstelle über das Wunsiedler Landausschussregiment erhalten".

Die mütterliche Familie: Die Reichsfreiherren von Zedtwitz

Johann Martin von Voelderndorff hat im Jahr 1757 die Freiin Maria Christiana Sophia von Zedtwitz geheiratet. Sie stammt aus einer Familie, die seit sechshundert Jahren im "Ascher Ländchen" als reichsfreie Herren, zwar als böhmische Lehensleute, doch nicht als Landsassen, wohnten. Die Kaiserin Maria Theresia, bestrebt ihre Grenzen festzumachen, zwang die Familie um 1750, sich als Landsassen und damit ihr Land als Teil Böhmens zu bekennen. Nach langem Widerstand gaben die Herren von Zedtwitz nach. Vater und Bruder der Mutter von CFW hatten sich am längsten widersetzt. Der Vater starb 1750. Aus diesen schwierigen Verhältnissen kam Maria Christiana Sophia nach Wunsiedel. Hier wird nun CFW 1758 geboren.

Die Familie von Voelderndorff in Wunsiedel

Die Stadt war damals geprägt durch Handwerksunternehmen, vor allem aber durch die Beamten, die seit dem 17. Jahrhundert die Stadt als Hauptstadt der Sechs Ämter bestimmten: Landrichter, Stadtrichter, Superintendent, Kastenamtmann, Bergkommissarius, Stadt- und Kreisarzt, drei weitere Geistliche, vier Lehrer am Lyceum bildeten die Führungsschicht. Unter ihnen hatte der "Obristleutenant und Commendant des Landesausschussregiments" Johann Martin von Voelderndorff, der Vater unseres CFW, seine besondere Stellung. Johann Martin stirbt 1772. Im Beerdigungsbuch des Pfarramtes heißt es: "in die fontjulianische Gruft begraben". Cesar Antoine Marsane de Fontjuliane war eine Persönlichkeit von zweifelhaftem Ruf, erst Günstling von Markgraf Friedrich, dann als Oberforstmeister nach Wunsiedel versetzt, von Markgraf Alexander seines Amtes enthoben. Bei der Taufe des achten Kindes der Voelderndorffs 1771 ist Fontjuliane als Pate angegeben. Hat sich Vater Voelderndorff um den verarmten Standesgenossen angenommen und Verbindung zu ihm gehalten?

In der Familie von Voelderndorff wurden acht Kinder geboren. Beim Tod des Vaters 1772 leben noch drei Kinder: Das älteste ist unser Carl Friedrich Wilhelm, damals also 14 Jahre alt. Dann die 1761 geborene Caroline Wilhelmina Friederica (11 J.). Aus den sehr schlecht geführten Kirchenbüchern der Zeit sind zu entnehmen: ein Zwillingspaar, von dem nur der Todestag eines Adam Erdmann als Zwillingskind 1767 im Alter von 4 Jahren 3 Monaten, 3 Wochen und 4 Tagen bekannt ist. Eine weitere Tochter war am 02.02.1766 geboren. Sie starb im Alter von 2 Jahren weniger 2 Monaten, 3 Wochen und 4 Tagen. Danach Zwillingsmädchen 1768, von denen eines vom Vater "jachgetauft" wurde. Es starb im Alter von 2 Monaten, 14 Tagen, das andere mit 9 Monaten und 2 Tagen. Das jüngste der acht Kinder ist die am 20.02.1771 geborene Wilhelmina Friedrica Christiana Antoinette, wie schon erwähnt, das Patenkind des Herrn Antoine de Fontjuliane. Ihr Todestag ist nicht zu finden, sie stirbt wohl nicht lange nach dem Vater. Ein erschütterndes Eheschicksal!
In dem Trauercarmen, das sie zur Beerdigung des Gatten, wohl kaum von ihr selbst verfasst, drucken ließ, heißt es:
"... Das schwerste Leid ist nicht dem meinen zu vergleichen. / Es stellet mich fast jedes Jahr / zu einer neuen Trauerbahr. / Des Todes kalte Hand macht erst aus Kindern Leichen. / Nun raubt sie den Gemahl. Ach! ich zerfließ in Thränen."
Sie bekennt, dass der Mut und die Glaubenszuversicht ihres Mannes sie bisher gehalten habe. Diesen Trost hält sie weiter fest:
Gott ist der Witwen Trost und Mann, / nimmt sich verwaister Kinder an... Muß gleich der Gliederbau hier aus einander gehen; / Wird doch der Glaube einst zum Schauen auferstehen."
Mutter Voelderndorff hat 1775 den Amtsnachfolger ihres Gatten, den Obristen Christoph Friedrich von Haimburg, geheiratet. Er ist auch schon nach einem Jahr verstorben - an der Schwindsucht. Die Mutter erscheint später als Patin bei den Kindern von CFW, das letzte Mal bei der jüngsten Tochter 1797, meist "in Abwesenheit", obwohl sie in Aichig in einem "Landgütchen" wohnt, es also nicht weit nach Bayreuth gehabt hätte. War sie krank? Eine Notiz über ihren Tod war in den Kirchenbüchern der in Frage kommenden Pfarreien nicht zu finden.

Schulzeit und Studium

Über seine Entwicklung berichtet CFW in seiner Autobiographie:
"Nur den allerersten Unterricht genoss jener Erstgeborene von 8 Kindern aus dieser Ehe in Privatstunden, dann wurde er in die Teutsche Knaben und Mädgenschule ... geschickt, in der Folge waren der Tertius Fischer, der Cantor Becker und der Rektor Lang 8 Jahre hindurch seine Lehrer am Lyceum zu Wunsiedel, das aus einer äußerst herabgesunkenen Schulanstalt durch den rastlosen Eifer des jetzigen Pfarrers M. Lang in Creußen in kurzer Zeit bis zu einer unmittelbaren Pflanzstatt für Universitäten emporgehoben war." CFW denkt also mit Hochachtung an seine Lehrer, besonders den Rektor Lang. M. Christoph Lang war noch in der alten theologischen Schule aufgewachsen, vom Geist der großen Pädagogen und Philanthropen seiner Zeit mächtig berührt, wie seine Wunsiedler Tätigkeit sehen lässt. "... Er verstand die seltene Kunst, seine Schüler so an sich zu ziehen, dass sie ihn liebten und fürchteten."
CFW berichtet über seine Schulzeit in seiner Autobiographie: "Schon seine ersten Jugendjahre waren mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Zwar schloss er mit Schöpf und Schlemmer ... den Bund ewiger Freundschaft, und verlebte mit ihnen glückliche Sonntage. Aber wenn ihn sein Vater von vertrauterem Umgang mit unartigen Schülern zurückhielt, so legten jene [die] Absonderung für Stolz aus, und wenn andere Eltern für ihre Söhne eine gelinde Behandlung zu erkaufen suchten, so war Vater Voelderndorff der Meinung, dass kein Schlag zuviel sei, als der nebenhin gehe. Und so war der Sohn von seinen Mitschülern angefeindet, von seinen Lehrern zum Teil sehr streng behandelt." Die Erinnerung ist also wesentlich bestimmt durch das Verhältnis zum Vater. Über den Bildungserfolg der Schule sagt es nichts aus. Den werden wir mehr aus dem beurteilen müssen, was er von seiner Universitätszeit berichtet.
Als der Vater 1772 stirbt, kommt der vierzehnjährige CFW in eine Krise. In der Autobiographie sagt er: "Nun glaubte sich der Sohn in Freiheit versetzt. Er pflegte jetzt mehr des Umgangs seiner Commilitonen, opferte denselben anfänglich den Privatfleiß, in der Folge die Lehrstunden selbst auf." Er schreibt weiter, dass "er wieder zu seinem vorigen Fleiß zurückkehrte, aber von allem Umgang ausgelassener Cameraden sich loszumachen, war noch zu viel für einen Jüngling von 14 Jahren. Und doch fühlte er die Notwendigkeit dieses Schrittes, um sich die Achtung des vernünftigen Publikums, deren Verlust ihm ganz unerträglich war, wieder ganz zu erwerben". Die Lösung schien ihm nur möglich durch einen Wegzug von Wunsiedel. Er hörte etwas von einem Gymnasium in Coburg, vielleicht durch die Verwandten aus der Coburger Linie der Familie, die bei den Geschwistern als Paten genannt werden. Dorthin strebte er nun: "nach Coburg oder Soldat; das war die Alternative, durch die er seine Mutter auf der Stelle fürs erste stimmte. Aber nun wussten beide nicht, wie die Sache einzuleiten seyn möchte. Ein Vater, an den der Sohn schrieb, rühmte einen Professor Faber, und liebevoll versprach dieser, die wissenschaftliche Leitung zu übernehmen. Von einer andern Seite wurde ein Major von Heldritt als Menschenfreund geschildert und dieser wollte Vaterstelle vertreten". Zu Ostern 1774 eilt CFW nach Coburg. Faber war nach Ansbach versetzt, "desto mehr schmiegte er sich an seinen Pflegvater mit dem festen Entschluss brav zu werden. In diesem ihm unvergesslichem Hause liebte er und wurde er geliebt, wie Eltern und Kinder und Geschwister sich lieben". So wohl das dem heranwachsenden Jüngling getan haben mag, in schulischer Beziehung entwickelte er sich nicht gut. Er kam im Unterricht nicht mit. Um zu zeigen, wer er ist, schrieb er 1775 lateinische Briefe nach Bayreuth an seinen Paten und Vormund, den Justizrat Killinger, einen Schwager des Superintendenten Silchmüller, und seinen ehemaligen Lehrer, den Rektor Lang, nach Wunsiedel. Seine Betreuer waren so entsetzt über diese "Briefe obscuri viri", dass sie ihn nach Hause einluden. Killinger "benutzte eine damals erschienene Verordnung, nach welcher die Landeskinder gewisse Jahre auf Landesschulen zubringen sollten, mittelst eines frommen Betruges soweit, dass das Bayreuther Consistorium den ferneren Aufenthalt in Coburg verbot, und übergab hierauf im September 1775 seinen Mündel dem Gymnasium zu Bayreuth und der besonderen Leitung des Consistorialrats und Professors Lang". Dieser hat nun sein Augenmerk besonders darauf, dass er nicht wieder dem Drang zum Soldatenstand verfällt. CFW gibt zu, dass auch die Wissenschaften für den Soldatenstand nützlich sind und stürzt sich nun mit grenzenlosem Fleiß" in die Arbeit.
Eines Tages kam der Markgraf Alexander von Ansbach nach Bayreuth zur "Revue". CFW erlebte das Aufflackern der Begeisterung für den Soldatenstand. Er hoffte wegen seiner Körperlänge, die er inzwischen erreicht hatte, beim Fürsten aufzufallen. Aber er bekam eine "Beule am Knie" und konnte nicht zum Paradeplatz gehen. Also studierte er weiter so eifrig, dass er innerhalb eines Jahres das Zeugnis zum Abgang auf die Universität bekam.

Am 17.10.1776 nahm er Abschied nach Erlangen. Kaum hatte er sich ein wenig in den Universitätsbetrieb eingefunden, kam 1777 die Meldung, dass Bayreuth-Ansbachische Truppen nach Amerika ziehen sollen. Er wollte mit. Aber es ging nicht; denn er wurde schwer krank. Die Mutter holte ihn, um ihn auszukurieren, mitten aus den Studien. Dann bekam er das Angebot eines mächtigen Kurfürstentums (welches sagt er nicht) auf eine Offiziersstelle. In der Autobiographie gibt er zu, dass der Gram der Mutter ihn bewogen hat, von dem Plan abzustehen. Im Gedichtband schreibt er davon.
1778 geht er dann nach Jena, um ernsthaft Jura zu studieren, und tut es, wie er sagt, "mit größter Anstrengung von 4 Uhr morgens bis nachts 10 bis 12 Uhr. Die Sonnabende und Sonntage verbringt er in einer Privatgesellschaft". Es wird musiziert, es werden Gedichte vorgetragen. Man lebt im Sinne der schöngeistigen Gesellschaft der Zeit. "Die große Anstrengung und vor allem der viele Kaffee, der, um den Schlaf zu vertreiben, erst Abends in Menge getrunken wurde" berichtet er, verursachten ein hitziges Nerven- und zuletzt ein Gallenfieber, von dem er nur sehr langsam genaß."

Im Herbst 1779 unterzieht er sich in Bayreuth der juristischen Prüfung. Er legt Wert darauf, festzustellen, dass er als Adeliger auch ohne Prüfung mit Sitz und Stimme in ein Landeskollegium hätte kommen können, er aber darauf bestand, streng geprüft zu werden. Er erreicht beim dirigierenden Minister, dass er geprüft wird. Sein Bericht dazu: "So sehr man aber mit den Resultaten der Prüfung, die von morgens um halb 9 Uhr bis Abends um halb 7 Uhr gedauert hatte, und der Proberelation zufrieden zu sein schien, so wurde er doch am 17. Febr. 1780 auf ein Jahr blos zur Probe angestellt. Über diese ihn treffende Abweichung von allen seinen Vorgängern konnte er seine Empfindlichkeit in einer kleinen Anrede, die er beim Eintritt ins Collegium hielt, nicht ganz unterdrücken."
Am 31.08.1780 erhielt er den "Access beim Hofgericht". Bald darauf wurde ein Zögling der Regierung von Ansbach Regierungsrat in Bayreuth. Am 18.12.1780 wurde er zur Entschädigung Kammerjunker. Aber zurückgesetzt zu werden trotz großer Anstrengung, das scheint die Wunde zu sein, an der er sein Leben lang litt.
Am 23.04.1781 endlich wird er Regierungsrat und Hofgerichtsassessor. Sein Gehalt steigt etwas, so dass er daran denken kann, eine Familie zu gründen. Er schreibt: "Diese Einnahme von 482 fl. fränkl. (im Jahr) hielt er damals für hinreichend, um sich um eine Gattin bewerben zu können. Offenherzig erzählte er dem Mädgen, das er liebte, seinen Mangel an den Kenntnissen eines Weltmanns, seinen auffahrenden empfindlichen Character, seine Armut (denn sein geringes väterliches Erbteil war auf Schulen, Universitäten und erste Dienstzeit bereits ganz verwendet) und forderte gewissenhaft dasselbe zur strengen Prüfung auf, ob sie von ihrem Gatten nicht mehr Eigenschaften erwarte? den Ansprüchen auf glänzendes Leben zu entsagen sich getraue? in Missmuth den Gatten aufzurichten den Mut, seine Launen zu ertragen die Geduld habe? ohne Umschweife verlangte er von seiner künftigen Gattin Religion, Tugend, Leben für ihn, und so viel Vermögen, als sie selbst bedürfte. Unter diesen Bedingungen gab ihm die Freiin Ernestine von Seckendorff am 12. Dec. 1782 ihre Hand, die würdige verwittibte Ritterhauptmännin von Seckendorff, geborene von Lüchau, ihre Tochter, und der Fürst - den Kammerherrnschlüssel." CFW ist jetzt 24 Jahre.

Bayreuth im ausgehenden 18. Jahrhundert

Bayreuth ist "eine verwaiste Residenz". Nach dem Tod von Markgräfin Wilhelmine (1758) und Markgraf Friedrich (1763), auch des Nachfolgers Friedrich Christian (1769) verlor sie etwa ein Viertel ihrer Bewohner, da viele Hofbeamte entlassen, andere abgezogen wurden. Die sich daraus ergebenden wirtschaftliche Folgen waren deutlich zu spüren.
Die Stadt ist über den alten Bering hinausgewachsen. Die alten Tore sind abgebrochen. Nur zu polizeilichen Zwecken - Kontrolle der Ein- und Ausreisenden, die Einnahme von Pflasterzoll und ähnlichen Abgaben - hat Markgraf Friedrich 1752/53 sechs Tore errichtet, Säulenpaare, mit Schlagbäumen und Gittern gesichert, die nun auch die Vorstädte außerhalb der alten Mauern miteinbeziehen, allerdings ohne St. Georgen und Moritzhöfen. Wir können uns diese etwa so vorstellen, wie die Säulen am Eingang zum Geißmarktparkplatz von der Friedrichstraße her. (1855 wurden sie abgebrochen.)


Der regierende Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth erschien nur einige Zeit im Sommer, besuchte seine Cousine, die Herzogin Elisabeth Friederik Sophie von Württemberg, die Tochter von Friedrich und Wilhelmine, in der Fantaisie. Da war für kurze Tage Hofbetrieb. Sonst ist Alexander meist in seiner Sommerschlösschen Triesdorf südlich von Ansbach, wenn er nicht im Ausland auf Reisen ist. Da er sparsam wirtschaftet, gewinnt er die Achtung seiner Untertanen, auch der Bayreuther.
Die gebildeten Kreise freilich haben dadurch, dass kein Hof mehr in der Stadt ist, einen gewissen Freiraum gewonnen. Nachdem der Glanz der großen Welt verblasst ist, versuchen sie ihr eigenes Licht leuchten zu lassen, wenn es auch bescheiden genug ist. Immerhin ist es etwas Eigenes.
Da ist zum Beispiel die "würdige verwittwete Ritterhauptmännin von Seckendorf, geb. von Lüchau", die Schwiegermutter unseres CFW. Er war zwar durch seine Großmutter mütterlicherseits, Maria Sophia Florentine von Zedtwitz geb. von Reitzenstein, bereits mit dem vogtländischen Adel und mit den fränkische Rittern verwandt, aber jetzt kommt er in noch nähere Beziehung zu diesen Kreisen. Sein Schwiegervater, der Ritterhauptmann Joh. Wilhelm Friedrich Seckendorff (1708-1770), war "Hof- und Justitienrath, Amtshauptmann und zugleich Oberdirektor der Hof-Capell- und Cammermusik" zu Wilhelmines Zeiten. Bei den geistigen und künstlerischen Ansprüchen des damaligen Bayreuther Hofes lässt das schon auf fachliche Qualitäten und Kunstverständnis schließen. Seine weiteren Titel in späterer Zeit: "Kayserlicher würklicher Geheimer Rath, Hochfürstlich Brandenburg-Kulmbachischer rother Adlerordensritter, Ministre, würklicher Geheimer Rath".

Der Titel Ritterhauptmann, den nun auch die Witwe führt, bezieht sich auf die Organisation der Fränkischen Ritterschaft seit dem 16. Jahrhundert. Die Ritterburgen und -schlösser waren auch in Franken auf die verschiedensten Herrschaftsgebiete verteilt. Die Ritter hatten sich in sechs Kantonen organisiert, deren jeder einen Hauptmann wählte, der ihre Interessen beim Reich zu vertreten hatte. Unser Ritterhauptmann Johann Wilhelm Friedrich von S. war Hauptmann im Kanton Steigerwald, da er seine Hauptbesitzungen in Sugenheim hatte, das damals zur Grafschaft Schwarzenberg gehörte.
Nach dem Aussterben der Karolinger hatte sich im Lauf der Auseinandersetzungen zwischen dem König und den Stammesherzögen der Rechtszustand entwikkelt, dass Franken jeweils dem König gehörte. Vom Rhein her den Main aufwärts bildeten bereits geistliche Herren ihre Herrschaftsgebiete. Für die Herrschaft des Königs, ob er nun im Norden saß, wie die Ottonen, oder im Westen die Staufer oder der Bayern im Süden, war es von großer Bedeutung, mit der Herrschaft über Franken einen Machtzuwachs in Richtung auf die Mitte des Reiches zu bekommen, der noch dazu den Weg nach Osten gegen das eine eigene politische Größe darstellende Böhmen offenhielt. Geschlechter wie die von Andechs und die Truhendinger waren als Grafen in Franken willkommene Statthalter, solange sie dem König die Treue hielten. Sie starben aus. Die Grafen von Schweinfurt wurden, als sie eine eigene Herrschaft aufzubauen begannen, bekämpft und beseitigt. So kam es zur Gründung des Bistums Bamberg 1007. Auch das Geschlecht der Hohenzollern, die Burggrafen von Nürnberg, konnten sich nur als königstreue Vasallen entfalten und schließlich ein eigenes Territorium aufbauen. Überall aber blieben die Ritter unmittelbare Untertanen des Kaisers. Sie waren "reichsfrei" und bestanden ebenso wie die Reichsstädte und Reichsdörfer auf ihrer Selbständigkeit. Sie hatten gegenüber den Landesherren, den Fürsten, immer noch das "Reich" und den Kaiser im Hintergrund. Die Idee lebte fort; noch immer waren sie würkliche geheimde "kaiserliche Räte", wie der Ritterhauptmann von Seckendorf, und an ihren Burgtoren prangte der Reichsadler. Selbst im ausgehenden 18. Jahrhundert waren noch Glieder der Familie Seckendorf in Wien als wichtige Räte tätig und haben die kaisertreue Politik auch gegen die hohenzollerisch-preußischen Interessen vertreten. Der Titel Ritterhauptmann war allerdings im Ausgang des 18. Jahrhunderts nicht mehr mit großen Vollmachten verbunden. Die Ritter waren ja meist Beamte oder Offiziere bei den Fürsten, wollten sich aber gegen sie als "Reichsfreye Herren" in der Ritterschaft behaupten.
Ein Beispiel dafür, wie solche Freiheit zu Ende ging, war die Geschichte der Familie von Zedtwitz. Ebenso wird es das Thema sein, wenn wir von Hardenbergs Reformen sprechen.
Unsere Ritterhauptmännin Sophie Friederica Henriette geb. Freiin von Lüchau (1715-1800) war die letzte Erbin der Familie Lüchau, auch einer alteingesessenen in Franken, den Herren von Eckersdorf, Donndorf und Unterleinleiter, den Erbkämmerern des Burggraftums Nürnberg. Ihre Mutter war eine geb. Rußwurm. Sie starb 1715. (Die 2. Gattin ihres Vaters, Maria Charlotta von Löschwitz auf Glashütten, ist die Erbauerin des Lüchauhauses in Bayreuth.)
Die Eheleute Seckendorff hatten elf Kinder. Eine Tochter Wilhelmine, geb. 1734, neun Söhne, von denen drei jung starben, dann noch eine Tochter, unsere Ernestine, geb. 1753. Der erste der Söhne, Friedrich Carl, geb. 1736, war seit 1770 als Nachfolger seines Vaters dirigierender Minister in Bayreuth. Der nächste, Christoph Albrecht, war Minister in Ansbach. Diese beiden wurden von Markgraf Alexander 1788 abgesetzt, als er ihre Abneigung, ja Feindschaft gegen Lady Craven, seine Freundin, entdeckte. Den Brüdern Alexander (geb. 1743) und Siegmund (geb. 1744) werden wir noch begegnen.

Carl Friedrich Wilhelm als Präsident

Wir berichten nach der "Autobiographie" aus dem Jahr 1798 über die berufliche Tätigkeit von CFW in Justiz und Verwaltung. Er schreibt: "... in der Folge begannen unter solchen Verhältnissen, in einem Dienst, in dem nur allein die Ancienneté entschied, bei 6 Vormännern in der Regierung, bei einer Einnahme, die nach 6 Jahren in 1000 fl rhl. bestand, bei der jährlichen Vermehrung der Familie und bei dem täglichen Steigen der Preise aller Lebensmittel, allmählich die Prüfungen des Schicksals". Er verdankt es der göttlichen Vorsehung, dass ein entfernter Verwandter, den er gar nicht kannte, noch dazu einer andern Kirche zugetan, ihm eine Erbschaft vermachte. Er konnte sich dafür das Haus Friedrichstr. 18 (heute Amtsgericht Bayreuth) kaufen. Das war ein seiner Stellung angemessener Wohnsitz.
Er schildert nun die Arbeit, durch die er meinte, sich Verdienste zu erwerben, die auch eine bessere Bezahlung zur Folge haben würden. Für seine Arbeit können wir einen unbestechlichen Zeugen anführen, Karl Heinr. Ritter von Lang, der damals wegen seiner ohne Rücksicht auf Stellung und Würde von Personen berichtenden Memoiren gefürchtet war. Er schreibt: "In Völderndorf traf ich einen langen, schwarzen, hageren Mann, der sich mit einem eisernen Sinn über alle kleineren Konvenienzen des Lebens hinwegsetzte, ein Enthusiast des besten Willens und ins Hetzen, Treiben und Arbeiten gleichsam romantisch verliebt. Der jungen Leute, der Auskultatoren ("Zuhörer" bei den Kollegien der Regierung ohne Stimmrecht) und Referendare nahm er sich mit Eifer, das ist, wie überall, mit heftigem Eifer an, war aber ein unbarmherziger Meister, wo er Mangel an gutem Willen argwohnte." Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth war damals bestrebt, die Grenzen zu den Nachbarn Oberpfalz, Bistum Bamberg und Böhmen abzurunden. Dieser aufgeklärte Fürst war schon beim Beginn der Verhandlungen dadurch aufgefallen, dass er nicht von oben herab den anderen seine Forderungen stellte, sondern in höflichem Ton Verhandlungen anbot. So lässt sich denken, dass Voelderndorff, als er mit in diese "Geschäfte" hineingezogen wurde, eifrigst arbeitete.
1788 gibt er eine Schrift "Ursula Ungerin" heraus. Es erschien damals in einem "Gemeindebothen", 2. Jahrg, Nr. 6, eine Geschichte von einem Fräulein von Wangenheim, das von der Stiefmutter nach dem Tod des evangelischen Vaters in ein Kloster gebracht worden sei, nach fünf Jahren entfliehen konnte, dann in Kulmbach, wo sie von früher bekannt und beliebt gewesen sei, freundlich aufgenommen wurde, dann aber von Verwandten der Mutter wegen ihres Erbes verfolgt und durch bestochene, böswillige Zeugen verdächtigt nach Bayreuth in das Zuchthaus gebracht wurde und dort durch "unmenschliche Behandlung und ungeheure Prügel" verstorben sei. Diese Geschichte ist zweimal ganz ähnlich in dem erwähnten "Gemeindebothen" für die Jahre 1775 und 1777 mit verschiedenen Namen erzählt worden. Der Bericht von den ungeheuren Prügeln im Zuchthaus in Bayreuth hat CFW veranlasst, der Sache nachzugehen. Er findet heraus, dass weder ein Fräulein von Wangenheim noch [wie es das zweite Mal heißt] von Redwitz dergleichen Dinge erlebt hat, sondern eine Ursula Ungerin, die unter den verschiedensten Namen bei verschiedenen Leuten, auch vom Adel, gebettelt und sich eingeschlichen hat, wegen dieser Betrügereien in Bayreuth einsaß. Prügel gibt es dort nicht, sondern höchstens für Diebinnen bei der Einlieferung und bei der Entlassung "Ruthenstreiche, die durch zwei Dirnen ad posteriora [also auf das Hinterteil] in einem hölzernen Behältnis, das man Krautbänklein nennt", verabreicht werden. CFW stellt sich also vor die Justizverwaltung, weist durch Zitate aus gerichtlichen Protokollen und Bestätigung von Pfarrämtern und Klöstern nach, dass die ganze Geschichte unsinnig, ja böswillig verdreht wurde. Da kein Autor angegeben ist, kann er die Sache nicht weiter verfolgen.
Im gleichen Jahr (1788) veröffentlichte er eine Schrift "Etwas über Nachlassverträge", die er seinem "geliebten Mündel, Carl Christoph Gottlob Killinger, dem Sohn seines Paten und späteren Vormunds, zuletzt seines Freundes" Killinger widmet, eine wissenschaftliche Abhandlung über seine Erfahrungen mit Prozessen unter Erben. Nach Abklärung aller Möglichkeiten gibt er den Rat, dass der Richter "nach seinem guten Herzen urteilen" soll.
Ich zitiere weiter aus der Autobiographie: "Aber im Jahr 1788 fingen die Nahrungssorgen an drückend zu werden. Schon waren vier Kinder zu ernähren und zu erziehen. Schon war eine Präsentation ans Kaiserl. und Reichskammergericht in Wetzlar vereitelt, und der schon neun Jahre lang dienende Rath legte dem Minister die Frage vor, was aus ihm, der sich durch anhaltende Berufsgeschäfte schon einen kränklichen Körper zugezogen hätte, was aus seiner Gattin? seinen Kindern werden sollte? Er wurde nur vertröstet, dass man an ihn denke. Inzwischen waren es sieben Kinder, ein Haushalt von 16 Personen, darunter ein Erzieher seiner Kinder."
Versuche in einer Lotterie etwas zu gewinnen, schlugen fehl. Weder von Verwandten noch Freunden kam Hilfe. Er muss sich selbst helfen. Er versuchte "sich selbst eine Zulage zu geben, [dadurch] dass er sich bis auf die unentbehrlichsten Bedürfnisse des menschlichen Lebens einschränke". Er stellte einen Etat für seine Ausgaben auf. Um die Einnahmen zu mehren, zog er mit der Familie aus der mittleren Etage seines neugekauften Hauses in die Mansarden. Dadurch erhöhte sich der Etat auf 1650 fl. "Von den Ausgaben strich er sein Frühstück, seinen Rauch und Schnupftoback, schließlich auch den Tischwein, für Kleidung nicht mehr als 40 fl. und um die fehlenden 12 fl. zu decken, nahm er den Puder für sein Haar hinweg." Auch das weitere Verfahren müssen wir ihn selbst erzählen lassen: "Hierzu war aber auch noch die Veräußerung des ganzen Mobiliars nötig. Nur erfahren musste das Publikum den Beweggrund, damit hierunter nicht der Credit des Richters Not leiden möchte. Dann konnte die vernünftige Welt es unmöglich tadeln, dass ein Vater sich beinahe alles versagte, um seinen Kindern Brot und vernünftige Erziehung zu verschaffen. Um das Urteil des vornehmen und gemeinen Pöbels hingegen bekümmerte sich ohnehin dieser Mann nie." Er setzte seinen Plan durch und "verauktionierte unter dem Beistand seiner Freunde Wucherer und Clarner sein Mobiliar ... Als er am Abend desselben Tages (31.03.1790) im freien Feld seinen Empfindungen Luft gemacht hatte, als er zurück in das leere Haus gekehrt war, als jeder Laut in den Zimmern doppelt hallte und sogar die Fenster, ohne Vorhänge, noch einmal so viel Licht gaben, da konnte er sich einiger Tränen nicht enthalten". Am Abend schrieb er ein Lied nieder:
"Errungen ist der Sieg des Weisen, / trieft dieser gleich vom Kampfe noch, / vom schweren Kampf, sich alles zu entreißen / was viel im halben Leben wog! ... / Im Erdenleben keinen Lohn? / doch nein! den Lohn gelebt zu haben, / den süßen Lohn erfüllter Pflicht / mehr brauche, bis sie meinen Leib begraben, / ich armer Erdenpilger nicht."
"Nun saß die ganze Familie auf Rohrstühlen, aß mit blechernen Löffeln und die einzige Zerstreuung des Hausvaters war der Spaziergang nach dem Landgut seiner Mutter und das mühevolle, aber auch in der Folge gediehene Unternehmen, einen beträchtlichen Distrikt Landes urbar zu machen." Das war wohl damals noch recht ungewöhnlich, dass ein Freiherr und hoher Regierungsbeamter selbst zu Hacke und Spaten greift und sein Land selbst bestellt.
Wir erfahren nichts darüber, was die Gattin bei der Verauktionierung des Mobiliars gedacht und gefühlt hat. Er scheint das alles, ohne sie mit in die Überlegungen einzubeziehen, durchgeführt zu haben. Nur die eigenen Gefühle kommen zu Wort, und die sind voller Selbstmitleid, auch was die Folgen der Einschränkung betrifft, denn so streng er seinen Etat einhielt, "nur in Ansehung des Tobacks musste er davon abweichen. Denn durch viermonatliches Entbehren litt die Gesundheit so wesentlich, dass Rauchen und Schnupfen zur Lebensrettung notwendig war". Das waren die damaligen Hygienevorstellungen!
Zum Glück griff nun doch der Minister ein (es ist nicht mehr der Schwager, sondern der Herr von Weitershausen) und eine Tochter bekam eine Präbende in dem neu errichteten Dienerstift mit dem Orden "ob merita patris" (wegen Verdiensten des Vaters). Im Oktober 1790 erhielt CFW selbst eine Erhöhung seiner Bezüge um 162 fl. Weitere Versprechungen des Markgrafen wurden gegenstandslos durch den Regierungsverzicht des Fürsten und die Ubernahme der Regierung durch die preußische Verwaltung unter Hardenberg 1792.
"An diesen wendete sich der Regierungsrat von Voelderndorff im Oktober 1791, um sich zum drittenmal um eine Präsentation ans Reichskammergericht zu bewerben. Dieser Menschenfreund, dessen Kenntnissen, Scharfblick, Gerechtigkeitsliebe und Wohlwollen die fränkischen Fürstentümer unendlich viel zu verdanken haben, versprach zwar Verwendung, wenn der Bittsteller in den Aussichten, die ihm hier [also in Bayreuth] dargeboten werden können, nicht Beweggründe finden sollte, jenem Wunsche zu entsagen, bot ihm aber, da er (wie er sich ausdrückte) seinen Verlust ungemein bedauern würde, zuvor noch eine Unterredung an. In dieser warf er mit der ihm so eigenen Gabe mehrere Strahlen schöner Hoffnung und glücklicher Zukunft auf den Unglücklichen. Diese Behandlung, dieses Anerkenntnis der Brauchbarkeit, diese Hoffnungen waren Balsam" ... dazu kamen noch Versprechungen des Königs von Preußen für eine baldige Verwendung. "Alles dies war ein neuer Ansporn für den Diensteifer. Dieser hatte dadurch bereits einen neuen Ansporn bekommen, dass ihm 1790 im Verlauf der Neuordnung der Verwaltung das Department des Advokatenwesens und die Direktion der Polizei übertragen worden war."
Das erstere bedeutete Einfluss auf die Ausbildung der Juristen. Er legte es darauf an, junge Leute, denen die Gaben fehlten, erst gar nicht zum Studium zuzulassen, um nicht "Geld und die beste Jugendzeit zu verschwenden". Er freut sich über den Beifall der "gesetzgebenden Gewalt und über den sichtbaren Nutzen im Fürstentum Bayreuth".
Polizeidirektion war damals die innere Verwaltung. Zunächst war der Wirkungskreis auf die Stadt Bayreuth begrenzt, wurde aber bald auf das ganze Fürstentum ausgedehnt. "Es entstand das Streben, alle Kräfte aufzubieten, um willkürliche Behandlung so viel als möglich von diesem wichtigen Zweig der Staatsverwaltung zu entfernen und ... vorzüglich aber durchaus kein Ansehen der Person gelten zu lassen." Das brachte Feindschaft, die sich in öffentlich angeschlagenen "Pasquille" äußerte. "Er ließ diese in die Intelligenzzeitung einrücken. Alle Klagen wurden widerlegt." So berichtet er selbst über seine Tätigkeit. [...]

CFW berichtet weiter von Versuchen, zu besseren Einnahmen zu kommen: mit Reg.-Rat R. Kretschmann unternahm er die Herausgabe einer Zeitschrift für "Staatswissenschaftliche und Juristische Literatur", die zwar großen Beifall fand, "aber wegen Fortdauer des Krieges [1. Koalitionskrieg Österreich und Preußen gegen Frankreich] nicht weitergeführt werden konnte, den Herausgebern sogar noch Schaden einbrachte". Es kam nur ein Jahrgang mit Rezensionen über die verschiedensten Bücher zustande.Wie nun die Wendung eintrat, muss er uns selbst erzählen:
"So blieb kein erlaubtes Mittel, Brot zu schaffen, unversucht, und keines gelang. Es war ein schreckliches Gefühl, von Morgen 5 Uhr bis Nachts um 10 Uhr zu arbeiten und doch nicht mit dem Bewusstsein sich niederlegen zu können, dass genug Brod verdient sey ... Jahre lang harrte jeder auf Verbesserung, aber noch immer verzog die Hülfe. Am 5. July Abends war seine traurige Stimmung bis zur Verzweiflung gestiegen. Er suchte in der Arbeit Zerstreuung, als Nachts um halb 10 Uhr jemand mit der größten Hastigkeit die Treppe herauf eilte. Ein Freund, der General von Hahn aus Kurland, stürzt ins Zimmer, drückt ihn an seine Brust, und kann vor teilnehmender Freude kaum die Nachricht hervorbringen, daß die Organisation der Collegien vollendet, die Regierung in zwei Senate getheilt, und Voelderndorff Präsident des ersten Senats mit 4000 fl Gehalt geworden sey. Jetzt lässt der Freund den Freund in der ersten Betäubung, eilt zur Gattin und achtzigjährigen Schwiegermutter, die schlafenden Kinder und ihr Erzieher ... erwachen, die versammelte Familie staunt sich an, das Glück aller ist unaussprechlich! Und der Präsident kann sich am folgenden Tage noch nicht überzeugen, dass er Präsident sey. So überrascht war er bei diesem schnellen Übergang vom Kummer zum Glück." Es folgt wieder ein Gedicht mit dem Schluss: "Gott, der mir Prüfungszeiten gab, / gab mir auch Hardenberg, und Trost und Glück durch ihn. ... So herrlich führte die göttliche Vorsehung ihr Werk hinaus."


Das ursprüngliche Wappen nach Siebmachers
Wappenbuch "Die Wappen des Adels in
Niederösterreich", Tafel 223

Nun wurde mit neuem Diensteifer die neue Ordnung nach einem geborgten Exemplar des Preußischen Canzlei- und Registraturreglements innerhalb von vier Wochen eingeübt. Es war einer der entscheidenden Einschnitte in die Verwaltung der fränkischen Fürstentümer durch Hardenberg. Der von Berlin nach Bayreuth abgeordnete Vizepräsident von Kircheisen, der die neue Ordnung einführen und überwachen sollte, habe bereits "manche Spur davon angetroffen".
Durch eine Gehaltszulage von 1500 fl. wurde CFW im Juni 1796 den übrigen Präsidenten gleichgestellt. Im September war "er durch ein hitziges Nerven- und Gallenfieber am Rand des Grabes". Im November 1796 wurde er, noch nicht ganz wiederhergestellt, nach Ansbach beordert, um durch den Austausch des Ansbacher Präsidenten mit dem Bayreuther "die Verschiedenheit im Geschäftsgang der Ansbachischen und Bayreuthischen Regierung zu beheben und die Arbeiten beider Collegien nach einerlei Grundsätzen behandelt zu sehen ... Am 13. November reiste er ab, am 16. November trat er das interimistische Präsidium mit einer Rede an". Wieder: "ein hitziges Nervenfieber schien seinem Leben ein Ende zu machen". Sein Ökonomiegebäude in Bayreuth brannte ab, Schaden 1000 fl. Aber die Arbeit half ihm über den Verlust hinweg. Die Übertragung der "Interimsdirektion des Kaiserl. Landgerichts Burggr. Nürnberg (Berufungsinstanz für die Gerichte) hält ihn noch einige Zeit in Ansbach, bis er am 18. Februar 1797 im Beysein des dir. Min. Freih. von Hardenberg, der sich von den Resultaten des bisher Geschehenen selbst überzeugen wollte, von dem Collegium Abschied nahm. Tags darauf übernahm er schon wieder die Präsidialgeschäfte des ersten Senats in Bayreuth und am 22. Februar trat er das am 28. November 1796 ihm gleichfalls übertragene Präsidium des Consistoriums, Pupillencollegiums [= Vormundschaftspflege] und überhaupt des II. Senats in einer Rede an".
In seinem folgenden Bericht über die Arbeit in diesen neuen Aufgabengebieten wird wieder betont: "unerschütterliches System über gerechte Vorschläge zur Vertheilung von Stipendien und Wiederbesetzung geistlicher Stellen, ... heiliges Wachen über das Eigentum der milden Stiftungen, Kämpfen gegen Benutzung der Einkünfte, Vermeidung der Nachtheile, die durch strenge Anwendung des Religionsediktes [das antiaufklärerische Religionsedikt Wöllners vom 09.07.1788] hätten entspringen können, ... Reduktion der Sporteln der Untergerichte in gerichtlichen Angelegenheiten, Minderung der Vokationsgebühren, und ein neuerlich vorgelegter Plan zur Verbesserung des Schulwesens im Fürstentum".
Die Kanzleibibhiothek wird neu geordnet und "den Geschäftsmännern aller Classen" zur Verfügung gestellt. "09.04.1797 wird ihm die Landrichterstelle des kaiserl. Landgerichts Burggrafthums Nürnberg in Ansbach - nicht mehr nur als Interim - übertragen und am 1. September die erste Oberinspektorstelle über das Baron Steinische Stift Birken." Damit hat er wohl Wesentliches erreicht.
Im Schlußwort betont er nochmal, dass im Falle seines Todes der Staat, dem er gedient, "die Sorge für seine Wittwe und neun Waisen übernehmen wird, deren Gatte und Vater nur den Ruhm eines ehrlichen und tätigen Mannes, aber nicht das Vermögen, dessen sie bedurften, hinterlassen konnte".
Wenigstens kurz soll darauf hingewiesen werden, welche Beunruhigung in jenen Jahren durch den Zustrom von Flüchtlingen aus Frankreich, die durch die Revolution vertrieben wurden, im Land zu spüren war. Die Stände des Fränkischen Kreises nahmen ganz verschiedene Haltungen ein. Im Fürstentum Hohenlohe wurde sogar ein Bataillon von Royalisten aufgenommen. In den geistlichen Gebieten kamen vor allem Ordensleute und Priester unter. In den rheinischen Städten machten sich die Exulanten durch ihren Luxus unbeliebt. CFW drückt in einem Brief an Hardenberg im August 1794 seine Befürchtung wegen des schlechten Einflusses aus, der durch die Lebensart der Franzosen auf die Einwohner des Fürstentums ausgehen könnte: "Der Franzose bleibt auch im Unglück leichtsinnig und opfert seinen Sinnen alles auf." So geißelt er den Luxus, "den der Franzose selbst im Elend sich nicht versagen kann". Er weiß wohl den wirtschaftlichen Vorteil zu schätzen, den die Flüchtlinge bringen, wehrt sich aber gegen eine Vermehrung ihrer Zahl. CFW musste sich von Hardenberg belehren lassen, dass etwa 20 Emigranten für eine Stadt wie Bayreuth keine Belastung bedeuten.
Zum Verständnis der Lage muss man sich vergegenwärtigen, in welchem Umbruch die fränkischen Fürstentümer in jener Zeit standen. Hardenberg war bereits 1790 vor dem Regierungsverzicht von Markgraf Alexander nach Bayreuth gekommen. Er sollte die Angleichung der zum Teil noch aus dem Mittelalter stammenden Verhältnisse im Fürstentum Ansbach-Bayreuth an die rationale Verwaltung Preußens bewerkstelligen. [...]

Die Kinder der Familie kamen in diesem Bericht immer wieder vor. Es sind:

  1. Christian Heinrich Carl Eduard, * 1783
  2. Eleonore Mariane Wilhelmine Theresia Ernestine, * 1785
  3. Alexandrine Caroline Henriette Florentine, * 1786
  4. Zwillinge Ernst Friedr. Erdman Franz Alexander und
  5. Caroline Luise Marianne Auguste Rosalie, * 1789
  6. Friedr. Christian Heinrich Gustav, * 1789
  7. Maria Friederike Luise Charlotte, * 1790, starb 1796 mit 6 Jahren
  8. August Friedr. Emmerich, * 1791, starb 1795 mit 4 Jahren
  9. Friedrich Wilhelm, * 1792
  10. Philippine Sophie Friederike Elise, * 1797
CFW selbst ist 40 Jahre alt, seine Frau Ernestine ist 45 Jahre. Die Kinder wurden von Hauslehrern unterrichtet, die Söhne wohl auch in der Lateinschule, bis sie ins Gymnasium gehen konnten. [...]
Aus dem Jahr 1804 lesen wir in einem Bericht über einen Besuch in Bayreuth. Man erlebt ein Konzert "im großen Saal des neuen Schlosses". "Es bestand aus Herrn Stadtkantor (Stadtler) mit seinen Schülern, Herrn C. M. Heinel mit seinen Leuten und verschiedenen Musikhiebhabern. Heute spielte Graf König ein sehr schönes Solo auf der Violine, dann ein Quartett mit den Voelderndorffschen Kindern Therese und Franz und dem Grafen v. Heinitz ... ich hatte mir vorgestellt, es müsste sonderbar aussehen, wenn ein Frauenzimmer die Violine spielte, es sah aber sehr gut aus, da Therese ein hübsches Mädchen ist und vorzüglich einen sehr schönen Arm hat! Dann machte ich auch die Bemerkung, dass sich die hübsche Figur eines Mannes beim Flötenspielen sehr gut ausnimmt, wozu mich heute ein junger schwarzgekleideter Mann mit einer Flöte von Ebenholz veranlasste, der der Geliebte von Frl. Therese sein soll." Die Familie ist also in das Musikleben der Stadt eingebunden, so wie der Vater wenigstens eine Zeitlang in das Theaterleben.
Hier muss nun noch ein Zeuge eingeführt werden, dessen Auftritt verwundern mag: Jean Paul. In seinen Briefen kommt der Herr von Voelderndorff vor. Am 11. November 1796 schreibt Jean Paul nach Hof an Renate Otto und ihren Mann Christian, seine Freunde: "Morgen ess ich bei Völderndorf, der so rechtschaffen ist als das Kammerkollegium und Konsistorium zusammen: ich lieb ihn herzlich." - "Ich war bei Völderndorf und esse Mittwochs bei ihm. Ich halt ihn unter den Staatsdienern für den redlichsten Mann im Lande. Ich fand blos Güte, Offenheit, Patriotismus und Feuer bei ihm. Er würde mich, wäre der Himmel und der Boden zu brauchen [es ist also schlechtes Wetter], auf sein Landgut mitnehmen. Wir öffneten uns einander weit und voll Wahrheit und Liebe. Sein Äußeres hat trotz dem Quartanfieber nichts von eckigen Klippen und Felsen; es gefiel mir ... N.S. Eben komm ich vom seeligen Essen. Ich hätte Völderndorf vor Liebe auch fressen mögen. Der biederste Mann im spitzbübischen Bayreuth." Am 01.05.1797 war J. P. wieder bei CFW. Vater Völderndorf und Kinder, lehrende und hörende gefielen mir so sehr und geben mir so viele Freude als der ebene Rektor Engelhard nur erkälten kann."
Diese Zusammenkünfte werden wohl auch für CFW etwas Besonderes gewesen sein. Ob er dabei auch von seinen eigenen dichterischen Arbeiten gesprochen hat? Ich könnte mir denken, dass im Gespräch mit Jean Paul genug andere Themen in der Luft lagen. Die Tochter Rosalie hat später ein besonderes Verhältnis zu Jean Paul und seiner Frau: Jean Paul wird u.a. Pate bei dem am 16.08.1817 geborenen Sohn von Rosalie, Johann Paul Friedrich August v. Ungern-Sternberg. Jean Paul trifft sie 1818 in Heidelberg. Er berichtet über das gute Aussehen von Rosalie und die gute Entwicklung seines Patenkindes. Noch einmal berichtet Jean Paul von einem Besuch von ¾ Stunden bei Lenz in Ansbach auf der Durchreise. Da war er also bei Therese Lenz, deren Mann inzwischen von Berneck als Landrichter nach Ansbach versetzt war.

Voelderndorff unter den Freimaurern

Als weitere wichtige Tätigkeit CFWs wurde bereits seine Mitarbeit bei den Freimaurern genannt. J. S. König hat in seiner Geschichte der Stadt Bayreuth für das Jahr 1791 im § 27 eine Notiz über das 50jährige Jubiläum der Entstehung der Bayreuther Loge.
Die im Mittelalter "Bauhütten" genannten Werkgenossenschaften der Steinmetzen und Maurer, die im Gegensatz zu den ortsgebundenen Zünften wegen ihrer beruflich bedingten Freizügigkeit "freie Maurer" genannt wurden, waren die gesellschaftliche Grundlage für die Entstehung dieses geistig von der Aufklärung geprägten Männer- und Mysterienbundes. Entstehungsjahr ist 1717, als sich vier Londoner Lodges (franz. Logen) zusammenschbossen. Den "freien Maurern" schlossen sich "angenommene Maurer" an, die in drei Einweihungsgraden, Lehrling - Geselle - Meister, eingeführt wurden.
Die Logen bildeten "ein Sammelbecken für die Ideen der Aufklärung und die sich an sie anschließenden reformerischen Bestrebungen und boten ihren Mitgliedern einen inneren Freiraum, der vor den absoluten Ansprüchen von Kirche und Staat einen gewissen Schutz bot". Die erste Loge in Deutschland war die in Hamburg, gegründet 1737. Besondere Förderung fand die Freimaurerei durch Friedrich den Großen von Preußen. Er hat im Jahr 1740 Markgraf Friedrich von Bayreuth in Rheinsberg in die Loge aufgenommen. Bereits am 21.01.1741 gründete dieser in Bayreuth eine streng elitäre Schlossloge, in der nur französisch gesprochen wurde. Atheisten wurden nicht aufgenommen, über Politik und Religion durfte nicht debattiert werden, wohl aber widmete man sich den Fragen nach Verbesserung der Gesellschaft und der allgemeinen Sitten sowie Pflege von Kunst und Wissenschaft. Noch 1741 im Dezember trat daneben eine Stadtloge, in der auch deutsch gesprochen wurde, eine Freimaurer-Bauhütte für eine schönere Zukunft. 1753, nach dem Brand des Schlosses, in dem die Schlossloge ihren Sitz hatte, vereinigten sich die beide Logen zur "Großloge zur Sonne". Es müsste uns wundern, wenn CFW, der schöngeistige, reformfreudige Aufklärer, nicht auch dabeigewesen wäre. Wir sind für seine Beteiligung auf den Bericht von Bernh. Beyer in seiner Geschichte der Loge zur Sonne in Bayreuth angewiesen. Voelderndorf wurde am 11.01.1780 in die "Loge zur Sonne" aufgenommen. Schon bald trat er als Redner hervor. Sein Ideal war, wie er in einer Rede ausführte, "dass kein Bruder hilflos von uns ginge, dass inniges Wohlwollen in unsere profanen Geschäfte übertragen würde, Menschenliebe uns in das Gemeinwesen begleite, strenge Tugend unsere Ämter besorgen helfe, Weisheit, männliche Würde und Zuneigung uns in die Zirkel unserer Bekannten, unserer Freunde, unserer Familien folge". Dazu erklärte er sich als "ein Feind von Blendwerk übernatürlicher Dinge, somnabulistischer Erscheinungen und eines vertrauten Umgangs mit Geistern". Er wollte sich nicht bewegen "unter Männern, die die Erde aufwühlten und Sternschnuppen auffingen, um den Stein der Weisen zu finden." Beyer schildert CFW folgendermaßen: "Voelderndorfs Charakter war gerade und gerecht, aber auch leidenschaftlich in Verteidigung des Rechts." Er war nach der Erkrankung des uns bereits bekannten Freiherrn Spiegel von Pickelsheim Meister vom Stuhl geworden. Als in seiner Gegenwart ein Bruder gröblich beleidigt wurde und der Obermeister nicht sofort eingriff, erhob er Anklage. Als dieser aber nicht stattgegeben wurde, verließ er die Loge und beteiligte sich nicht meher an den "Arbeiten".
Das müsste im Jahr 1788 gewesen sein. Die Angaben sind leider ungenau, wie Beyer schreibt, da infolge des "nazistischen Vandalismus" Aktenstudien nicht mehr möglich sind und die ältere Geschichte der Loge von J. G. Findel in machem "nicht zulänglich" ist. [...]

Bayreuth unter französischer Besetzung

Während "draußen" nach der Revolution in Frankreich Angst und Schrecken durch die wechselnden Kriege durch die Völker gingen, lebte man in Bayreuth geruhig vor sich hin. "Die fränkischen Fürstentümer wurden zum elysischen Zufluchtsort für alle aus dem übrigen Reiche deutscher Nation infolge des Krieges Vertriebenen oder Verfolgten, Fürsten wie Untertanen." Die Bayreuther hatten sogar Vorteile von der Lage durch das Geld, das die Flüchtlinge ins Land brachten, und sie durch Lieferungen an die Kriegführenden verdienen konnten. Selbst der Ärger, den Hardenberg durch seine "Revindicationen", die Vereinnahmung "reichsfreier" Gebiete für den preußischen Staat bis hin zur Besetzung der Nürnberger Vorstädte, verursacht hatte, verlor den Stachel. Man fühlte sich sicher unter Preußen.
Schwieriger wurde es für alle, als im Oktober 1805 der französische General Bernadotte das Ansbacher Land unter Bruch der Neutralität mit seinen Truppen überzog. Gerüchte über einen bevorstehenden Ländertausch, der das ehedem markgräfliche Franken wieder von Preußen abtrennen sollte, beunruhigten die Gemüter. Die Stadt Ansbach, das damals noch preußische Crailsheim, auch Mainbernheim, richteten Gesuche an den König. Man fühlte sich verraten, wenn der König sein Volk vertauscht wie ein Pferd aus dem Stall, noch dazu im Frieden. Das ist "Eroberung, welche die Verruchtheit über die Feigherzigkeit davon trägt". Das wäre nur nach Wunsch Bonapartes, der nur ein Ziel hat, sich dienstbare "Sklavenstaaten" zu schaffen. Bei "Königen ohne Völker und Völkern Ohne Königen" wäre das für ihn ein leichtes Spiel. So argumentierte ein Beamter über die Gesuche an den König und dessen ungenügende Antwort, die keine Beruhigung der Gemüter brachte.
In einem Brief an Hardenberg heißt es: Der König darf es wissen, dass auf den Fall eines Tausches ein sehr treues Volk verloren geht, das unter einem andern als einem brandenburgischen Herrscher nie glücklich sein werde" So war die Stimmung im Volk.
Die zögerliche, unentschlossene Politik Preußens unter der Führung von Haugwitz war nicht dazu angetan, Zuversicht zu wecken. Die Nachrichten über die Belastung der Bevölkerung in Ansbach durch die Besetzung erschreckten die Bayreuther. Die Lebensmittel wurden teurer. Für die Regierung ergeben sich Probleme: Gemeinden im Unterland von Franzosen wurden erst besetzt, dann aber wieder geräumt, als diese erfahren, dass die Dörfer zu Bayreuth, nicht zu Ansbach gehören.
Die "Königliche Bank in Franken" in Fürth, die Markgraf Alexander zur "Förderung der Gewerbsamkeit" gegründet hatte, teilte mit, dass sie jetzt keine Gelder mehr annehmen kann. Das Berliner Hauptbankdirektorium wies die Bank an, die Gelder nach Magdeburg zu schicken, vorher aber sollten zur Verminderung des Bestandes die Termine von Auszahlungen von Gehältern vorverlegt werden. Damit hatte Voelderndorff unmittelbar zu tun. Da Bernadotte dem Bankdirektor in Ansbach die Zusicherung gab, dass die französischen Militärbehörden sich nicht in die Angelegenheiten der Fürther Bank mischen würden, konnte Voelderndorff an die Stadtgerichte am 09.03.1806 schreiben, dass die Bank wieder ihren Geschäften nachgehen dürfe und das bisherige Verhältnis bestehen bleibe.
Am 24.03. wurde die Bank von Berlin angewiesen, keine Einzahlungen und Auszahlungen mehr auszuführen. Schließlich verpackten Regierung und Kammer ihre Gelder und Wertpapiere und schickten sie nach Hof unter den Schutz der preußischen Truppen, die sich im August bis dorthin zuückgezogen hatten.
Anfang Oktober 1806 zogen die Franzosen durch das Bayreuther Unterland, am 7. brach Soult mit 30 000 Mann in Bayreuth ein, am 8. kam Ney mit 18.000, am 9. eine bayerische Division. "Ungeheuere Requisitationen von Vieh, Fourage, Getränken und andern Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Kriegsbedürfnissen usw. waren in kürzester Füst beizuschaffen. Excesse fielen bei der Eile des Marsches und der guten Ordnung wenige, mitunter aber schauerliche vor", berichtet Weltrich. Am 8. Oktober kam General Etienne Le Grand de Mercey als Militärgouverneur, der für die Sicherheit zuständig war.

Am 14. Oktober [Schlacht von Jena und Auerstädt] war das preußische Heer vernichtet. Alle Hoffnungen, daß die Besetzung nur eine Episode sei, zerrannen. Am 14. November traf Camille de Tournon als Intendant ein und erklärte den Willen seines Kaisers laut Dekret vom 15. Oktober: das Fürstentum hat eine Kontribution von 2.500.000 Francs zu zahlen. Das war Bayreuths Anteil an der Summe von 159 Millionen Francs, die den preußischen Provinzen diesseits der Weichsel auferlegt wurde. Alle Versuche, unter Hinweis auf die bisherigen Belastungen durch die durchziehenden Truppen Ermäßigung zu erlangen, schlugen fehl. Nun musste die Kammer also alles versuchen, das Geld aufzubringen. Alle Abzeichen preußischer Herrschaft, ob an den Toren zu den Amtern oder auch auf den Uniformknöpfen der Behörden, mussten verschwinden. Die Siegel mussten umgestochen werden. Alle Prozesse gegen fahnenflüchtige preußische Soldaten wurden eingestellt. Am 23.11. kam der Befehl an die Justiz, alle Entscheidungen im Namen Napoleons zu treffen.
Am 25.11. ergab sich die Veste Plassenburg, die seit dem 10. Oktober belagert worden war, dem bayerischen Oberst Beckers. Auf Befehl Napoleons mussten alle Befestigungen geschleift werden. Dazu wurden alle Maurergesellen des Fürstentums aufgeboten.
Am 27. 11. wurden alle Behörden auf Napoleon verpflichtet. Der dabei zu leistende Eid lautete: "Ich schwöre, die Gewalt, die mir von seiner Majestät, dem Kaiser der Franzosen und König von Italien, anvertraut ist, mit der größten Loyalität auszuüben und sie nicht anders als zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Ruhe anzuwenden, auch aus allen meinen Kräften beizutragen, um die Maßregeln und Anordnungen, welche mir für den Dienst der französischen Armee vorgeschrieben werden, auszuführen und keinen Briefwechsel mit den Feinden zu unterhalten. So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum."
Tournon erklärte den beiden Präsidenten Schuckmann und v. Voelderndorff, dass an der Verwaltung nichts geändert werden würde. Die Beamten wurden in ihren Ämtern bestätigt und ihnen die Weiterzahlung ihres Gehaltes zugesichert, wenn sie den Eid geleistet hatten. Doch mussten erst Verzeichnisse aller Beamten zur Genehmigung eingereicht werden. Es wurden eine Menge Schwierigkeiten gemacht. Doch da die Gehälter vor der Beschlagnahmung der Kassen bis Ende Februar vorausbezahlt worden waren, wirkten sie in der ersten Zeit weniger drückend. Das änderte sich: den Justizbeamten, einschließlich der Regierung, wurden die Gehälter monatelang vorenthalten unter der an den Haaren herbeigezogenen Begründung, das kaiserliche Dekret spreche nur von den Beamten der Verwaltung, die Regierung und ihre Unterbehörden hätten aber nichts zu verwalten. Das Ziel der französischen Behörden war eben, möglichst viel Geld aus den Ländern herauszuholen. Die Verwaltungsbeamten wollte man nicht vergrämen, um sie in ihrer Tätigkeit nicht zu lähmen.
Das Fürstentum Bayreuth, wie die anderen von Franzosen besetzten Fürstentümer, wie Hanau, Erfurt, Fulda und die Grafschaft Katzenellenbogen, ließ Napoleon in seinem Namen verwalten als "Pays réservés". Er wollte sie zu seiner besonderen Verfügung als Lockmittel für seine Trabanten haben. Die einzelnen Länder wurden nach ihren bisherigen Gesetzen verwaltet, um sie abkassieren zu können. Da jedoch in den einzelnen Gebieten die verschiedensten Gesetze galten, z. B. für die Grundsteuer, gab es für die Verwaltung die größten Schwierigkeiten. Für die einzelnen Gebiete waren eigene Administratoren eingesetzt, die neben und z.T. über die Intendanten hinweg regierten.
Erst nach dem Tilsiter Frieden 1807, in dem die Abtrennung Bayreuths von Preußen endgültig wurde, wurden auch die Behörden aus dem Zwiespalt der Pflichten erlöst, indem König Friedrich Wilhelm III. in einer Proklamation die Bewohner der abgetrennten Provinzen von ihrem Eid entband. Es heißt in der Proklamation: "Was Jahrhunderte und biedere Vorfahren, was Verträge, was Liebe und Vertrauen verbunden hatten, musste getrennt werden. Meine und der Meinigen Bemühungen waren fruchtlos. Das Schicksal gebietet, der Vater scheidet von seinen Kindern... Euer Andenken kann kein Schicksal, keine Macht aus Meinem und der Meinen Herzen vertilgen.

Camille de Tournon hatte als Intendant anfangs eine schwierige Stellung. Er verstand es aber, das Vertrauen der Bayreuther zu gewinnen. Sie konnten um diesen Intendanten froh sein. Weltrich schreibt in seinen Erinnerungen: "Tournon, ein junger Auditeur des Staatsrats, voll schöner Kenntnisse und Wissbegierde, von feiner Lebensart, stiller, kalter Überlegung, tiefem Blick, uneigennützig und ängstlich in pünktlicher Pflichterfüllung der Befehle seines Herrn, erwarb sich durch sein Benehmen viele Achtung. Seiner Veranlassung verdankte die Provinz manche Erleichterung und die zu Tageförderung der meisten vorher mitgeteilten statistischen Nachrichten."
Uns interessiert, wie CFW in diesen Schwierigkeiten zurechtkam. In dem Bericht Tournons, den er in seiner Amtszeit als "Statistique de la Province de Bayreuth" verfasste, kommt CFW nicht vor. Er blieb ja in seiner Stellung. Deuerling berichtet, wie die Bayreuther Regierung und die Kammer sich gegenüber dem Intendanten gegenseitig auszuspielen suchten. So schreibt die Regierung am 31.08.1808 an Tournon: "... zwar sucht uns die Kammer immer den Vorrang abzugewinnen, dass sie dergleichen Vorfälle einseitig Ew. Hochwohlgeboren vorlegt. Und sich dann auf hochdero Genehmigung stützt ..." Am 23. Juni 1809, als die Osterreicher vorübergehend in Bayreuth die Herrschaft hatten, schreibt CFW an den neuen Intendanten Kutschera: "Unter dem schmerzlichen Gefühl darüber, dass die Justiz des hiesigen Fürstentums keinen heftigeren Widersacher, als die hiesige Kriegs- und Domänenkammer kennt, müssen wir schon wieder eine Beschwerde an des Herrn von Kutschera Exzellenz anbringen." Deuerling fügt an: "Fürwahr ein trauriges Bild!" Worum es sich gehandelt hat, gibt er nicht an.

Der Übergang des Fürstentums an Bayern


Wappen, verliehen von Kaiser Leopold I.
am 10. Juli 1684, nach Siebmacher

Durch den Vertrag von Paris vom 28. Februar 1810 wurde das Fürstentum bayerisch. Am 30. Juni wurde es vom Freiherrn von Rechberg für Bayern in Besitz genommen. Am 2. Juli wurden die Beamten im großen Saal des Neuen Schlosses auf den König von Bayern vereidigt und huldigten dem neuen Landesherrn. Voelderndorff als Präsident der Regierung hielt dabei folgende Rede:
"Je allgemeiner Ewr. Excellenz der Ruf eines kenntnisvollen, gerechten, menschenfreundlichen, teilnehmenden Geschäftsmannes vorangegangen ist, desto mehr wünsche ich mir und dem ganzen bisher meiner Aufsicht anvertraut gewesenem Justiz Personal des hiesigen Fürstentums Glück, gerade in Ewr. Excellenz Hände den Eid der Treue einem der besten, der humansten Könige gelobt zu haben, gerade in Ewr. Excellenz den Ausmittler unseres künftigen Schicksals zu verehren. Aus der strengen Oberaufsicht des Königl. preuß. Gouvernement ging das hiesige Landes-Justiz-Collegium mit dem vollen Bewusstsein, seine Pflicht redlich erfüllt zu haben, in den traurigen Zustand der Verwaisung über!
Ob es aber, sich selbst überlassen, auch in den neusten vierthalb Jahren seiner Gesinnungs- und Handlungsweise treu blieb? ob es selbst unter den Waffen die Gesetze nicht schweigen ließ? ob es, Jahre lang dem Mangel preisgegeben, dennoch weder zum Rechten noch zum Linken wich? ob es der Willkür fröhnte? oder mit Gefahr seiner eigenen Existenz entgegen arbeitete? ob es also das Vertrauen des Inn- und Auslandes besitzt? des neuen Regenten verdient? Das sind die wichtigen Fragen, in Ansehung derer wir dermalen uns nicht auf unser eigenes Bewusstsein, nicht auf das Zeugnis eines mit wechselseitiger Achtung von uns geschiedenen Tournon berufen wollen, sondern von deren strengen Prüfung wir selbst unser künftiges Loos abhängig gemacht wünschen. Erlauben daher Ewr. Excellenz uns den Stolz, nicht ohne Rechenschaft über unser bisheriges Haushalten, nicht in Pausch und Bogen in eine neue Verfassung überzugehen zu suchen. Aber, wenn wir gerecht erfunden sind, dann bürgen Ewr. Excellenz vortreffliche Eigenschaften uns dafür, dass Sie auch der Gerechigkeit Sr. Majestät des Königs uns zu empfehlen geruhen. Und ist uns diese zu teil geworden, dann können Sr. Majestät zwar einsichtsvollere, aber keine anhänglicheren, treueren, thätigeren Diener besitzen, als uns! Es lebe Maximilian Joseph hoch!"

An den König selbst richtete CFW folgenden Brief:
"Allerdurchlauchtigster großmächtigster König, allergnädigster König und Herr! Von dem feierlichen Akt der Huldigung, welche wir in dem verflossenen Augenblick Ew. Königlichen Majestät geleistet haben, sind wir an unsere Stellen geeilt, um Ew. Königl. Majestät allerhöchstselbst die Erstlinge unserer allertiefsten Ehrfurcht darzubringen. Hat uns gleich die Vergangenheit tiefe - so lange unverbunden gebliebene Wunden geschlagen, so ist uns doch endlich der Trost geworden, hinauf blicken zu dürfen zum Vater des Volks, um vertrauensvoll Balsam, Linderung und Heilung zu erwarten.
Möchten Ew. Königliche Majestät die Wünsche, welche laut der abschriftlichen Anlage unser Präsidium heute ausgesprochen hat, zu genehmigen geruhen! Möchten die von nun an uns vorgesetzten Behörden aus unsern Früchten uns so erkennen, wie Ew.Majestät hohe Begriffe über Gerechtigkeits-Pflege erfordern! Dann schmeicheln wir uns zu einem Landesjustizcollegio vereinigt zu bleiben, unter den übrigen Dicasterien Allerhöchstdero Monarchie keinen unwürdigen Platz einzunehmen und mit dem Streben unseres Tribunals noch länger eine Stadt getröstet zu sehen, welche vormals so lange das Glück gehabt hat, Ew. Königliche Majestät in ihren Mauern zu verehren. Indem wir uns diesen herzerhebenden Hofnungen ganz überlassen, ersterben wir mit der unverbrüchlichsten Treue Ew. Königlichen Majestät unseres allergnädigsten Königs und Herren. alleruntertänigst treu gehorsamste Regierung, Pupillen-Collegium u. Criminal-Senat."

Beide Schriftstücke liegen in Abschrift im Staatsarchiv Bamberg unter den Präsidialakten Bayreuth. Es ist nötig, von ihnen im vollen Wortlaut Kenntnis zu haben, um die Stimmung zu erfassen, die damals über der Stadt lag. Einmal ist es echte Freude, endlich zu wissen, wohin man gehört. Auf der anderen Seite spürt man die Sorge um die persönliche Zukunft. Man hat das schon einmal erlebt bei der Übernahme des Fürstentums durch Hardenberg für Preußen. Was wird diesmal alles neu werden? Es gab viele Versetzungen. Diese wurden zwar persönlich mitgeteilt, aber zuerst waren sie im Bayerischen Regierungs-Blatt zu lesen, sehr zum Erschrecken der Betroffenen.

Abschied von Bayreuth

In den Akten liegt ein Brief Voelderndorffs an das "General-commisariat" vom 02.12.1810, beginnend: "Einer der letzten Dienste, die ich dem mir bisher anvertraut gewesenen Personal erweisen kann, besteht in der Übergabe eines Tableau über sämtliche Umzugskosten der versetzt werdenden Individuen nebst den speziellen Berechnungen und in der ergebensten Bitte, dass einem königl. Bayr. Generalcommisariat des Mainkreises gefällig sein wolle..." Dann geben die Beamten die Höhe ihres "Hauptgeldbezuges" an; davon 1½ % auf jede Postmeile des Weges zum neuen Dienstort ist die Umzugsvergütung. Beigefügt wird jedesmal die Bestätigung des Königl. Bayer.. Postamtes mit Unterschrift "Fischer", z.B. Bayreuth-Bamberg 7 deutsche Meilen. Bayreuth-Neuburg/Donau 23½ Meilen. Eine Bestätigung für Voelderndorff liegt nicht im Akt. Er wurde als Appellationsgerichtspräsident nach Memmingen versetzt. Er ist jetzt 52 Jahre. Dorthin geht nun also die Reise: 39 deutsche Meilen. Zum Abschied von Bayreuth wurde ihm ein Gedicht gewidmet. Über seine Tätigkeit in Memmingen berichtet berichtet der Neue Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1832: "Hier fuhr er in seinem Diensteifer nach gewohnter Weise fort. Sein wohltätiger, mehr im Verborgenen wirkender Sinn berücksichtigte vorzüglich Hilfsbedürftige, wie er sich auch mit großem Eifer der daselbst eingeführten Rumfordischen ökonomischen Anstalt annahm.

Doch auch von schicksalhaften Rückschlägen bleibt Völderndorf nicht verschont: 1818 verschlechtert sich die Situation um seine Güter in der Oberpfalz und er geht Konkurs. Am 27.12.1820 ist seine Frau "nach mehrmonatiger Wassersucht sanft und selig verschieden. So steht es auf einem Blatt von der Hand Voelderndorfs, das in das Sterberegister des kath. Pfarramts Arnschwang eingeheftet ist. Sie war 67 Jahre alt.

Wie sieht es inzwischen mit den Kindern aus?

  1. Eduard ist Köngil. Bair. Kämmerer und Major im Generaltstab
  2. Therese: verheiratet mit Christian Friedr. Lentz (seit 1817 Landrichter in Ansbach)
  3. Flora: Hofdame bei der Prinzessin Eugen von Württemberg
  4. Franz: K.B. Kämmerer und Appellationsgerichtsrat in Zweibrücken
  5. Rosalie; verheiratet mit dem "Großh. Baadischen Geh. Rat" Frhn. v. Ungern-Sternberg in Mannheim (ihr Sohn ist Jean Pauls Patenkind)
  6. Gustav: K.B. Oberleutnan und Generaladjutant in Bayreuth
  7. Marie gest. 01.12.1796
  8. Emmerich gest. 28.12.1795
  9. Friedrich Wilhelm: Oberleutnant und Brigadeadjutant in München
  10. Rudolph gest 18.08.1813 als k. b. Unterleutnant (neben ihm wird die Mutter beerdigt)
  11. Elise: Hofdame bei der verw. Fürstin von Waldeck in Arolsen
Die Älteste ist jetzt 37 Jahre, die Jüngste 23 Jahre. Sie waren alle weit weg. Es kommen dazu noch 17 lebende Enkel; sechs sind gestorben.

Ende in Kolmberg

CFW zog sich ganz mach Kolmberg zurück. Er unternahm weiterhin Meliorationen der Acker und Wiesen. J. R. Schuegraf erzählt: "Ich selbst sah den alten Präsidenten mit einem ganz gewichtigen Hebeeisen auf der Schulter in aller Frühe zur Stätte gehen und arbeiten, wo Felsen gebrochen werden mussten. Er erhielt auch als der fleißigste Ökonom im Bayerischen Walde die goldene Medallie." W. Straßer erzählt: "Alte Leute in Kolmberg wissen noch den Lieblingsplatz des alten Herrn am Waldrand."
Die Kirchenbücher von Cham, zu dem Kolmberg gehört, berichten noch anderes: Am 6. August 1827 wurden in Kolmberg von der Haushälterin des Schlosses, Anna Roscher, Zwillinge geboren, als deren Vater sich Voelderndorff mit allen Titeln und Würden bekennt. Der Pfarrer trägt die Kinder mit dem Namen "von Voelderndorff" ein. CFW weiß als Beamter von der Verordnung, dass uneheliche Kinder auch von Offizieren und Adeligen den Namen der Mutter tragen. So schreibt er auf einem eingelegten Blatt:
"Heinrich und Fridolin Roscher, geboren allhier am sechsten August nachmittag um 15 und 20 Minuten auf drei Uhr, sind die natürlichen Zwillingssöhne der k. b. Verzinnmeisterstochter Anna Roscher und des unterzeichnenden k. b. Appellationsgerichtspräsidenten und Commandeur des Civildienstordens der bairischen Krone Freihern von Voelderndorff und Waradein."
Er bekennt sich also zu den Kindern. Sie sind beide bald verstorben, Fridolin am 21.09.1827 und Heinrich am 06.03.1828. Über das weitere Schicksal der Mutter ist nichts zu erfahren. Ihr Name taucht in keiner der Matrikeln der umliegenden Pfarreien auf. Der Wohnort ihres Vaters, des königl.Verzinnmeisters, war auch nicht zu ermitteln. Wie hat CFW für seine Haushälterin gesorgt? Wie haben sich die Kinder Voelderndorff dazu gestellt? Wir müssen die Fragen offen lassen, versuchen uns nur die Situation vorzustellen: der einsame alte Herr, in vielem gescheitert, in schwierigen, für ihn demütigenden Verhandlungen, in dem entlegenen Dorf auf einer rauhen, kahlen Höhe. Wer will den ersten Stein werfen?

Am 17. Februar 1832 ist CFW gestorben. In dem Bericht von W. Straßer heißt es: Er wurde nach Chammünster überführt - obwohl er Protestant war, unter Begleituung eines katholischen Geistlichen. Im Volk erzählt man sich, dass sechs Rösser Mühe hatten, den Leichnam wegzuführen: die schwere Schuldenlast hätte so den Verstorbenen über den Tod hinaus verfolgt.
Seine Güter Arnschwang und Ränkam wurden im Jahr 1833 an den Staat verkauft. Damit war die Zeit der Hofmark zu Ende. Die Kinder verkauften auch das Gut Kolmberg im Jahr 1833 an einen Herrn von Voithenberg.
Erinnern wir uns an die Grabplatte, die ihm seine Kinder setzten, von der wir am Anfang lasen:
Fest und entschlossenen Mutes, im Leben voll männlicher Tatkraft,
strebte zum Bessern sein Geist, jeglichem Vorurteil fremd."

In den Berichten der Heimatgeschichtler wird er als ein Mann gewürdigt, der im Gegensatz zu den Vorbesitzern der Hofmarken diese nicht nur als Geldanlage und Möglichkeit, den eigenen Besitz zu vermehren, angesehen, sondern sich als echter Edelmann um das Wohl seiner Hintersassen angenommen hat. Er ist wohl in seinem Eifer oft über das Ziel hinausgeschossen, wie ihm das schon in Bayreuth nachgesagt wurde. Denken wir an den schweren Anfang in der Jugend in dem kleinen und doch lebendigen Städtchen Wunsiedel, wahrhaftig nicht in begünstigter Lage, zwischen den alten Traditionen und dem Bewusstsein, dass Neues werden muss, erzogen, herangewachsen unter dem Einfluss der geistigen Strömungen der Zeit zwischen Orthodoxie, Aufklärung und neuem Gefühl für Menschlichkeit, zwischen alter Fürsten- und Adelsherrlichkeit und dem Zwang durch den Gewaltherrn Napoleon, durch die persönliche Situation gezwungen, im Dienst der Herren sein Leben zu verbringen. Er war immer bestrebt, zu verbessern, was zu verbessern war.

Ein Satz von Th. W. Adorno gibt Ausblick auf ein Ende, das doch Zukunft hat:

"Nur wenn, was ist, sich ändern lässt,
ist das, was ist, nicht alles."


Quelle: 101