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| * 27.07.1776 (Görz / Italien) † 12.05.1851 (Ansbach) |
katholisch, OO 1803 mit Caroline von Grauvogl,
wiederverheiratet mit Amalie von Hailbronner; 1832
Generalkommissär des Rheinkreises, 1832 Generalkommissär des
Obermainkreises, 1837 Regierungspräsident von Unterfranken,
Dezember 1837 Regierungspräsident von Oberfranken, 1848 von
Mittelfranken, 1847 Staatsrat im a. o. Dienst, 1848 Ruhestand.
Erster Regierungspräsident Oberfrankens war der letzte Generalkommissär
Ferdinand Frhr. von Andrian-Werburg. Er amtierte bis zum Jahr 1840
weiter als Regierungspräsident. Er war der Sohn eines
kurpfalzbayerischen Obersten, geboren am 27.07.1776. Im Bayerischen
Staatsdienst war v. Andrian-Werburg seit 1797. Seine ersten Funktionen
übernahm er als Landrichter, Distriktskommissär und provisorischer
Polizeidirektor im Schwäbischen, ehe er zunächst als Hofkommissionsrat
in Würzburg diente und 1817 Direktor der Kammer des Innern im damaligen
Unterdonaukreis (heute Niederbayern) wurde. 1832 wurde er für kurze
Zeit Generalkommissär des Rheinkreises, der späteren Pfalz und noch im
selben Jahr Generalkommissär des Obermainkreises. Frhr. von
Andrian-Werburg blieb in Oberfranken als Regierungspräsident, bis er
1840 Regierungspräsident von Mittelfranken wurde. 1848 trat er in den
Ruhestand. Der erste Regierungspräsident Oberfrankens verstarb am 12.05.1851 in Ansbach. Der Nachfolger war Melchior Ritter von Stenglein.
Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg wurde am 16.
Juli 1776 als jüngster Sohn eines kurpfalz-bayerischen Offiziers
in Görz (heute Gorizia, Italien) geboren und schlug zunächst
auch selbst eine militärische Laufbahn ein. 1796 quittierte er den
Dienst im Grenadier-Leibregiment, um an der Universität Ingolstadt
Rechtswissenschaft zu studieren. 1800 wurde er Landrichter in Wemding,
1803 Landrichter und Landkommissär in Mindelheim, 1806
Polizeidirektor in Augsburg, 1814 Rat bei der Verwaltung des
Großherzogtums Würzburg, 1817 Direktor bei der
Regierung des Unterdonaukreises zu Passau, 1832 Präsident der
Regierung des Rheinkreises. Noch im gleichen Jahr kam er nach Bayreuth,
und zwar als Gernalkreiskommissar des Obermainkreises, wie der heutige
Regierungsbezirk Oberfranken damals noch hieß. 1837 war er
für kurze Zeit Regierungspräsident in Würzburg und kam
im gleichen Jahr nach Bayreuth zurück, nun aber tatsächlich
mit dem Titel Regierungspräsident von Oberfranken.
Über seine vielen Ämter hinaus hatte der Verwaltungsjurist
viele geistige Interessen. Den Grund zu seinem naturwissenschaftlichen
Wissen hatte er schon in Wemding gelegt, Musik und Philosophie schon
seit seiner Studentenzeit gepflegt. Frühzeitig setzte er sich
für eine bessere Ausbildung der Lehrer und für die
Verbesserung des Volksschulunterrichts ein und beschäftigte sich
auch theoretisch mit pädagogischen Problemen.
Sein besonderes Interesse galt der Erdgeschichte und der Paläontologie. In Bayreuth begegneten seine Neigungen denen des Grafen zu Münster,
der 1806 als preußischer Kriegs- und Domänenrat nach
Bayreuth gekommen war und dort inzwischen im Rang eines Regierungsrats
als Regierungsvizepräsident amtierte. Er hatte seit Jahrzehnten
rund um Bayreuth Versteinerungen gesammelt und gehörte zu den
größten Paläontologen seiner Zeit. Seine Arbeiten
gingen in ihrer Bedeutung weit über Franken hinaus.
In Bayreuth hatte ursprünglich ein markgräfliches
Naturalienkabinett bestanden, das aber schon 1774 der Universität
Erlangen überlassen worden war. Ferdinand Freiherr von
Andrian-Werburg versuchte, diese Tradition fortzuführen. Er
erließ bereits im August 1832 im Intelligenzblatt für den
Obermainkreis einen Aufruf, sämtliche im Obermainkreis
vorkommenden Mineralien, Versteinerungen sowie übrige
Naturprodukte (Tiere, Pflanzen), welche entweder in naturhistorischer
oder in technischer Beziehung ein besonderes Interesse darbieten,
sammeln zu lassen, um eine systematisch geordnete
Kreisnaturaliensammlung zusammenstellen und aufbewahren zu können.
Vorzugsweise sollte diese Sammlung "den im Obermainkreis vorkommenden
tierischen und pflanzlichen Überresten der Vorwelt gewidmet sein".
Privatbesitzer von Versteinerungen und anderen Naturseltenheiten wurden
eingeladen, dass sie eingedenk des geringen Nutzens, den die
Wissenschaft, die Vaterlandskunde und der Jugendunterricht aus
dergleichen vereinzelten Privatsammlungen zu ziehen im Stande sind,
ihre Vorräte entweder unentgeltlich oder gegen Vergütung des
Wertes an das Kreisnaturalienkabinett abliefern möchten. "Unter
der Respicienz des im Fache der Petrefaktenkunde rühmlichst
bekannten Grafen von Münster" bürgte das
Regierungspräsidium für die sichere Aufbewahrung und
gemeinnützige Verwendung der anvertrauten Naturschätze.
Am 14. Dezember 1833 wurde dieser Aufruf wiederholt - mit einem
Dank an alle, die bereits mit ihren Fundstücken zum Aufbau der die Sammlung
beigetragen hatten. Zu diesem Zeitpunkt bestand das Naturalienkabinett schon aus
22.275 Exemplaren "von zum Teil ausgezeichneter Schönheit und Seltenheit". Graf
Georg zu Münster hatte aus seiner Privatsammlung 14.000 Stücke zur Verfügung
gestellt und sich außerdem um den Druck eines Katalogs bemüht. Auch der zweite
Aufruf, der übrigens "im Namen seiner Majestät des Königs" erfolgte, war
erfolgreich. Am Schluss bestand die Sammlung aus 33.000 Stücken. Die meisten
steuerte wiederum Graf Münster bei, dem es übrigens im Jahre 1834 gelang, aus
einem Steinbruch am Oschenberg das erste vollständige Saurierskelett auf
deutschem Boden zu bergen.
Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg kümmerte sich aber nicht
nur um die Erweiterung der Kreisnaturaliensammlung, die zunächst im Kammerpräsidium,
also im Gebäude der Regierung von Oberfranken, untergebracht war, sondern auch
um die wissenschaftliche Auswertung und Betreuung der Funde.
Große Verdienste erwarb sich hier neben dem Grafen Münster Dr.
Carl Friedrich Wilhelm Braun.
Der Sohn des Schlossapothekers Gottfried Braun hatte 1824 die
väterliche Apotheke übernommen. Nach der Gründung der
Kreisgewerbe- und Landwirtschaftsschule, des heutigen
Graf-Münster-Gymnasiums, im Jahre 1833 fand er dort eine
Anstellung als Lehrer, die ihm noch genug Zeit ließ für die
Beschäftigung mit der aufblühenden Wissenschaft der
Versteinerungskunde. Im Auftrag des Regierungspräsidenten
verfasste er einen Katalog der einheimischen Petrefakten mit 22 Tafeln.
Gleichzeitig arbeitete unter seiner Leitung eine Anzahl in Oberfranken
verteilter Hilfskräfte an der Aufnahme einer ersten geologischen
Karte Oberfrankens, die dem Katalog beigefügt wurde. Aus diesem
Katalog orientierten sich die Geologen und Paläontologen
über das reiche und seltene Material, das in Bayreuth der
Forschung zur Verfügung stand. Kurz vor seiner Versetzung nach
Ansbach ernannte von Andrian-Werburg Dr. Braun zum Kustos des
Kreisnaturalienkabinetts.
Während von Andrian-Werburg nach seiner Ankunft in Ansbach
sofort daran ging, auch dort ein Naturalienkabinett aufzubauen - bis zum Tode
des Grafen zu Münster im Jahre 1844 gab es auch noch eine regelmäßige
Korrespondenz zwischen den beiden Männern - war es schwer, seinen Bayreuther
Nachfolger vom Wert der Sammlung zu überzeugen. Braun wurde entlassen, um die
Sammlung kümmerte sich zunächst der Regierungssekretär Melzer und nach einem
Jahr der Registraturgehilfe Rath, die beide das Amt unentgeltlich versahen.
In den Räumen des Kammerpräsidiums war die Sammlung nun im
Weg. Am liebsten hätte man sie ganz aus Bayreuth weggeschafft, was Graf zu
Münster allerdings durch den Hinweis auf sein Rückkaufrecht verhinderte.
Schließlich brachte man die Sammlung in das Erdgeschoss des Neuen Schlosses, wo
sich früher das markgräffiche Naturalienkabinett befunden hatte. Dies hatte Graf
Münster vorgeschlagen und dazu die Genehmigung des Königs erreicht.
Nach dem Tode des Grafen Münster erfuhr die Sammlung lange Zeit
keine Bereicherung mehr. Erst 1850 wurden 286 fossile Pflanzen, die ein
Bayreuther Pfarrer gesammelt hatte, angekauft. 1857 kam es auf dem
Rodersberg zu einem Massenfund von Saurierschädelresten. Dr.
Braun sorgte dafür, dass zwei Pflasterzahnschädel in Bayreuth
blieben. Schließlich wurde 1873 die Mineraliensammlung des Notars
Dr. Käfferlein mit 700 Stücken erworben.
Bereits 1850 war die Sammlung in das Gebäude der Gewerbeschule,
die sich damals in der Friedrichstraße befand, gebracht worden.
1864 wurde sie offiziell dieser Schule zur Verwendung im Unterricht
angegliedert. Das Rektorat wollte zunächst mit dieser Sammlung
nichts zu tun haben und schickte die sogar die Schlüssel
zurück. Erst auf einen ausdrücklichen Auftrag der Regierung
hin musste die Schule die Betreuung der Sammlung übernehmen. Sie
kam dann allerdings einige Jahre später - ohne die Mineralien, die
in der Schule blieben - in den Bildersaal des Neuen Schlosses,
zwischendurch auch einmal für einige Zeit in die "Alte Filialbank"
an der Friedrichstraße und schließlich wieder ins
Erdgeschoss des Neuen Schlosses. Seit 1924 konnte sie dort in den
Sommermonaten besichtigt werden.
Im Auftrag der Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Bayerischen
Staates wurde sie damals nebenamtlich bis 1953 von Dr. Theodor Schneid,
ab 1955 ehrenamtlich von dem in Bamberg lebenden Professor Anton Kolb
betreut. Den Wunsch, das Museum zu besichtigen, äußerten
fast nur noch von weit her angereiste Experten. Sie standen aber
häufig vor verschlossenen Türen, weil ihnen die
Öffnungszeiten nicht bekannt waren. 1981 kündigte die
Schlösserverwaltung dem Museum, das daraufhin in Kisten verpackt
und abtransportiert wurde. Dabei stellte man fest, dass im Laufe der
Jahrzehnte manche Stücke verschwunden waren. [...]
Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg war nicht nur der offizielle
Gründer Krelsnaturalienkabinetts und damit des Erdgeschichtlichen Museums,
sondern er wurde offenkundig auch von den Wissenschaftlern seiner Zeit als Förderer erkannt und geehrt. Solche
Ehrungen erfolgten damals, indem man neuentdeckten
wissenschaftlichen Objekten Namen des zu
Ehrenden gab. Und so wurde von Andrian-Werburg später Pate einiger Saurier und eines Farns. Sogarder
erste Saurier auf dem europäischen Festland,
dessen Skelett Georg Graf zu Münster aus einem Steinbruch am Oschenberg barg, erhielt den Namen des
Regierungspräsidenten: Nothosaurus andriani. So benannt wurde das Tier von dem
Frankfurter Naturforscher Hermann von Meyer,
mit dem von Andrian-Werburg bis kurz vor seinem Tode einen lebhaften
wissenschaftlichen Bniefwechsel führte.
Gleich zweimal nannte Graf zu Münster selbst einen Fundgegenstand
nach von Andrian-Werburg: den Placodus andriani und den Mastodonsaurus
andriani. Vorn Placodus wurden zu Andrian-Werburgs Lebzeiten nur einige
Schädel ausgegraben. Er wurde deshalb nicht als Saurier erkannt,
sondern man hielt ihn nach seinem Aussehen eher für einen Fisch.
Vom Mastodonsaurus kannte man lediglich zwei Fangzähne, von
denen einer bei Bayreuth, der andere bei Würzburg ausgegraben
worden war.
Zum Paten eines Farns machte Carl Friedrich Wilhelm Braun den Mann, der
ihn zum Kustos des Kreisnaturalienkabinetts ernannt hatte. Als er im
Rhätolias bei Bayreuth die bis dahin unbekannte Pflanze entdeckte,
nannte er sie Andriana baruthina. Ihre Abbildung schmückte
vor einigen Jahren sogar die Titelseite des Programms einer großen Botanikertagung der Deutschen Botanischen
Gesellschaft und der Vereinigung für angewandte Botanik vom 11. bis 18.
September 1994, die in den Räumen der Uni Bayreuth stattfand.
Der Fortgang der Wissenschaft führte dazu, dass die vor 150 Jahren entdeckten Fossilien in eine neue,
übergeordnete Systematik eingegliedert werden mussten und somit meist neue
Namen erhielten.
Es ist aber üblich, bei allen wissenschaftlichen Erwähnungen auch den ursprünglichen Namen in Klammern
anzugeben. Zumindest auf diese Weise ist Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg unsterblich geworden.
Quelle: 6 (09.12.1996, Werner Wirth)